mini|Luftbild der Werksanlagen in Linden, um 1921 mini|Hanomag-Werksgebäude am Deisterplatz in Hannover; an den oberen Gebäudeecken die Monumentalskulpturen „Industrie“ und „Arbeit“ Die Hannoversche Maschinenbau AG, bekannt unter dem Drahtwort Hanomag, war ein 1871 gegründetes Unternehmen der Maschinenbau-Branche in Hannover, das neben Nutzfahrzeugen wie Baumaschinen, Lkw, Ackerschleppern und Zugmaschinen auch Pkw herstellte. Bis zu Beginn der 1930er Jahre war die Hanomag auch ein bedeutender Lieferant von Dampflokomotiven und zählte neben der Continental AG zu den größten hannoverschen Industriebetrieben.
Nach der Übernahme durch die Internationale Baumaschinen Holding (IBH) und deren Konkurs musste auch die Hanomag 1984 Konkurs anmelden. 1989 übernahm der Komatsu-Konzern Anteile der Hanomag und seit 2002 ist die Komatsu Hanomag GmbH eine 100-%-Tochter des Unternehmens. Im September 2016 erfolgte die Umfirmierung in Komatsu Germany GmbH.https://www.komatsu.eu/de/company/komatsu-germany-construction/history Ihr Sitz ist bis heute in Hannover in der Hanomagstraße.Komatsu Germany GmbH – Construction, auf www.komatsu.eu, abgerufen am 4. Januar 2020.
Geschichte Gießerei und Maschinenfabrik Georg Egestorff mini|links|Die Eisen-Giesserey und Maschinenfabrik Georg Egestorff an der Göttinger Straße mini|Das Industriegelände im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts Vorläufer des Unternehmens war das am 6. Juni 1835 von Georg Egestorff unter dem Namen Eisen-Giesserey und Maschinenfabrik Georg Egestorff gegründete Werk im damaligen Dorf Linden, das 1885 Stadtrechte erhielt und 1920 nach Hannover eingemeindet wurde. Die Erben des 1868 verstorbenen Egestorff verkauften die Anteile an Bethel Henry Strousberg, den Eigentümer der Hannover-Altenbekener Eisenbahn. Dieser musste bereits 1871 nach einem gescheiterten Geschäft in Rumänien, bei dem es um den Bau von 900 km Eisenbahnstrecke und die Lieferung von Lokomotiven ging, das Werk wieder verkaufen.
Hannoversche Maschinenbau Actien-Gesellschaft mini|Aktie der HANOMAG AG von 1988 mini|Notgeld der Hanomag von 1916 Am 10. März 1871 gründete ein Bankenkonsortium die Hannoversche Maschinenbau Actien-Gesellschaft vorm. Georg Egestorff, Linden vor Hannover. Im Jahr 1904 entwickelte der Direktor Erich Metzeltin aus dem offiziellen Firmennamen des Unternehmens das kostensparende Drahtwort Hanomag. Dieses wurde ab 1912 auch als Firma verwendet. 1917 wurde nach Plänen von Alfred Sasse ein neues Werksgebäude am Deisterplatz errichtet, das heute unter Denkmalschutz steht.
Hanomag als Rüstungsschmiede mini|Logo aus Pkw-Werbung 1931 mini|Ehemalige Verwaltung HANOMAG Anfang der 1930er Jahre hielt die Dresdner Bank die Aktienmehrheit der Hanomag.Gudrun Fiedler, Hans-Ulrich Ludewig (Hrsg.): Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft im Lande Braunschweig 1939–1945. (= Quellen und Forschungen zur braunschweigischen Landesgeschichte, Band 39.) Appelhans, Braunschweig 2003, ISBN 3-930292-78-5, S. 27, 45, 62. (Vorschau über die Seite des Appelhans Verlags)
1934 übernahm der zur Vereinigte Stahlwerke AG gehörende Bochumer Verein die Aktienmehrheit der zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich angeschlagenen Gesellschaft.
mini|Halbkettenfahrzeug SdKfz 10von Hanomag/MNH(Russland, Juni 1941) mini|Leichter Einheits-Pkw mini|Schwerer Radschlepper SS 100 LN Nach der Machtergreifung der NSDAP erhöhte sich während des Dritten Reichs im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht die Rüstungsgüterproduktion stetig. Während 1933 deren Anteil noch bei 40 % lag, stieg die Zahl 1936 auf 60 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Beschäftigtenzahl von 2500 auf 10.000. In Zusammenarbeit mit der Hanomag fertigte ab 1937 die Maschinenfabrik Niedersachsen Hannover GmbH (MNH) (Tochterunternehmen des Eisenwerks Wülfel) in Wülfel und Laatzen Teile für Kettenfahrzeuge, die im Werk Badenstedt der MNH montiert wurden.Frank Köhler: Die Fertigung von Kettenfahrzeugen bei der Firma M.N.H. in Hannover von 1939–1945. In: Verein der Freunde und Förderer der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz, erstveröffentlicht 1994, online seit dem 22. Oktober 2011, abgerufen am 18. Dezember 2017. Die beiden hannoverschen Rüstungsbetriebe Hanomag und MNH bauten leichte Zugkraftwagen (Sd.Kfz. 10, Sd.Kfz. 11), Schützenpanzerwagen (Sd.Kfz. 251), Panzer (Panzer V „Panther“ und Jagdpanzer V), schwere Feldhaubitzen, 10,5-cm/12,8-cm-Flak sowie 28-cm-Eisenbahnkanonen. Großkalibermunition stellte die Hanomag ab 1936 im Dreischichten-Betrieb her. Die MNH als reines Rüstungsunternehmen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert.
Der von dem Stettiner Unternehmen Stoewer nach Vorgaben des Heereswaffenamtes entwickelte „leichte geländegängige Einheits-Pkw“ (le. gl. PKW) wurde als Lizenzbau auch bei der Hanomag gefertigt. Unter der Bezeichnung E l Pkw/20 B verließen bis 1940 insgesamt 1722 Wagen das hannoversche Werk. Neben Stoewer als Hauptproduzenten baute noch das BMW-Werk Eisenach 3225 Stück als BMW 325 (E l PKW/325). Zusammen rund 17.500 dieser allradgetriebenen Fahrzeuge lieferten die drei Hersteller (von 1941 bis 1943 nur noch Stoewer) an die Wehrmacht aus. Sie hatten einheitliche Fahrgestelle und Karosserien, verwendeten aber Motoren und Getriebe aus der jeweils eigenen Produktion. Zu den Wehrmachtsfahrzeugen zählte ein leistungsfähiger Zugkraftwagen (ZgKW) mit einem 6-Zylinder-Dieselmotor von 100 PS und einer Doppelkabine. Unter der Bezeichnung SS 100 LN wurde er zuerst an die Luftwaffe, später auch an das Heer geliefert.
Nach Plänen des Architekten Emil Mewes, der auch am Bau des Volkswagenwerks bei Fallersleben beteiligt war, wurde ab 1938 der Gebäudekomplex am Hanomag-Haupttor an der Göttinger Straße gebaut. Dieser Komplex wurde im Jahr 1941 im Stil der Zeit mit der übergroßen Skulptur eines „Hammermanns“ betont, die als „Arbeiterstandbild“ bezeichnet wird.Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Hannover Chronik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zahlen, Daten, Fakten. Schlütersche Verlagsbuchhandlung, Hannover 1991, S. 185. An Stelle der 1869 noch unter der Ära von Bethel Henry Strousberg gebauten Arbeitersiedlung „Klein-Rumänien“ wurde ab 1943 die Halle I an der Göttinger Straße errichtet, deren Tragwerk ursprünglich für eine U-Boot-Fertigungshalle in der Nordwerft der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven vorgesehen war. Das daher als „U-Boot-Halle“ bezeichnete Gebäude wurde erst Ende 1944 fertig und für die Rüstungsproduktion nicht mehr verwendet. In den 1940er Jahren war die Wiederaufnahme des 1931 eingestellten Lokomotivbaus geplant. Das Unternehmen war jedoch mit den anderen Aufträgen völlig ausgelastet.
Zwangsarbeit in der NS-Zeit In der Zeit des Nationalsozialismus stieg die Zahl der Beschäftigten von 10.000 im Jahr 1933 bis auf 14.000 im Jahr 1945. Darunter waren 5200 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bzw. KZ-Häftlinge, die bei der Hanomag arbeiten mussten. Den größten Anteil stellten Männer und Frauen aus der Sowjetunion. Insbesondere aus diesen – von der Wehrmacht besetzten – Gebieten wurden selbst Kinder, Jugendliche und ganze Familien ab 1942 deportiert.
Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter hatten schlechte und kräftezehrende Arbeiten zu verrichten und litten unter der unhygienischen und menschenunwürdigen Unterbringung in den Lagern, zum Beispiel im KZ-Außenlager Hannover-Mühlenberg.
Neuzulassungen von Pkw der Marke Hanomag im Deutschen Reich von 1933 bis 1938 Jahr Zulassungszahlen Produktionszahlen 1933 4675 4170 1934 6321 1935 8171 1936 8218 1937 8411 1938 7607 Quelle:
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Rheinstahl-Hanomag-Logo nach der Übernahme von 1958 Nach der Entflechtung der Vereinigten Stahlwerke AG übernahm Rheinstahl 1952 die Hanomag und lastete bis Mitte der 1960er Jahre die Produktpalette des Werks mit etwa 10.000 Beschäftigten gut aus.Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein: Stadtlexikon Hannover. Schlütersche, Hannover 2010, S. 367 1965 übernahm Rheinstahl auch die Tempo-Werke, wodurch das Modellprogramm um Kleintransporter erweitert wurde. 1969 fusionierten innerhalb des Rheinstahl-Konzerns „Tempo“ die Nutzfahrzeug-Sparten von Hanomag und der Henschel-Werke zur Hanomag-Henschel Fahrzeugwerke GmbH (HHF). Die Daimler-Benz AG beteiligte sich und übernahm die Gesellschaft bis 1971 ganz. Ab 1970 wurden nach und nach Mercedes-Benz-Dieselmotoren (BR 8) in die Hanomag-Henschel-Fahrzeuge eingebaut, beispielsweise in die Harburger Transporter. 1970 übernahm man den Baumaschinenhersteller Hatra. 1974 verschwand der Markenname „Hanomag-Henschel“ wieder.
Im Juli 1974 verkaufte Rheinstahl die Hanomag für 120 Millionen DM an Massey Ferguson. Pläne, den Baumaschinenbau des Konzerns in Hannover zu bündeln, wurden nicht mehr umgesetzt.
Betriebsrat und Gewerkschaft ab 1945 Während der Neugründungsphase der IG Metall in Hannover spielte die Belegschaft der Hanomag eine besondere Rolle. Mit weit über 10.000 Beschäftigten war die Hanomag von 1945 bis etwa 1956 der größte Metallbetrieb in Hannover. Fast alle Beschäftigten wurden Mitglied in der sog. Allgemeinen Gewerkschaft, aus der 1946 die IG Metall hervorging. Die dominierende Persönlichkeit war der langjährige Betriebsratsvorsitzende Ernst Winter, der auch in der örtlichen IG Metall erheblichen Einfluss hatte. Viele später bekannte Gewerkschafter und Politiker haben einige Jahre bei der Hanomag gearbeitet, so etwa Otto Brenner, Jürgen Peters sowie der spätere Oberbürgermeister von Hannover August Holweg.
Im großen Saal der Hanomag fand 1946 der erste Parteitag der SPD statt. Dieser Saal ist heute nach Ernst Winter benannt und wird als Kantine der Telekom genutzt, die in den ehemaligen Hanomag-Gebäuden ihre Hannoveraner Büros hat. Ernst Winter wurde 1952 als Nachfolger von Kurt Schumacher Bundestagsabgeordneter und verstarb im Jahr 1954. Nachfolger als Betriebsratsvorsitzender wurde zunächst Richard Flügge und anschließend von 1965 bis 1984 Siegesbert Kassubowski.
Im Jahr 1967 kam es zu einem Konflikt mit mehrtägigen Streiks, der bundesweite Beachtung fand. Die Geschäftsleitung der Rheinstahl Hanomag kündigte an, dass übertarifliche Zahlungen einseitig gestrichen würden. Belegschaft, Vertrauensleute, Betriebsrat und die IG Metall konnten dieses Ansinnen jedoch verhindern. Es wurde vereinbart, Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung über andere Einsparmöglichkeiten zu führen.
Versuchsgut am Bodensee Von 1951 bis 1963 betrieb die Hanomag auf Gut Neuhof in Überlingen am Bodensee einen Test- und Vorführbetrieb für ihre Landwirtschaftstechnik. Das Gut wurde grundlegend saniert und modernisiert, um den Anforderungen der Forschungsarbeit gerecht zu werden. Neben dem Einsatz der Hanomag-Schlepper und LFE-Geräte wurde auch die Innenwirtschaft untersucht und optimiert. Das Gut war ein Anziehungspunkt für Fachleute und Interessierte aus dem In- und Ausland. Nach 12 Jahren wurde der Versuchsbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.
Übernahme und Konkurs Zum 1. Februar 1980 übernahm der Unternehmer Horst-Dieter Esch die Hanomag für 30 Millionen DM und gliederte sie zusammen mit anderen Baumaschinenherstellern in seine IBH-Holding ein, um den größten Baumaschinenkonzern der Welt zu formen. Die Hanomag sollte mit massiver öffentlicher Hilfe wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. So war der Verkauf des Betriebsgeländes an die Stadt Hannover für 48 Millionen DM vorgesehen.Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 24. Juli 2008, S. 17. Die IBH endete im November 1983 im Konkurs, in dessen Folge auch die Hanomag im Februar 1984 Konkurs anmelden musste. Esch wurde im März 1984 verhaftet und im Oktober des gleichen Jahres vom Landgericht Koblenz wegen Betrugs in Tateinheit mit Konkursverschleppung zu sechseinhalb Jahren Haft und 90.000 DM Geldstrafe verurteilt.Prozesse, Sogar verdient. In: Der Spiegel, Ausgabe 42/1986, S. 29–30. Ende März 1984 wurden die letzten Mitarbeiter entlassen.
Komatsu-Hanomag