mini|City Nord, Neubauten Die City Nord ist eine Bürostadt im Stadtteil Hamburg-Winterhude, Bezirk Hamburg-Nord.
Geschichte Schon Mitte der 1950er Jahre, als die Not der Nachkriegsjahre gelindert war, zeichnete sich im Zuge des Wirtschaftswachstums in der Bundesrepublik ein großer Bedarf an Büroflächen ab. In vielen Städten waren die Innenstadtbereiche für die großen Konzerne und Verwaltungen zu klein geworden. So auch in Hamburg. Vielerorts mussten Unternehmen zusätzliche Räumlichkeiten für ihre Beschäftigten mieten. Innerstädtischer Wohnraum wurde in Büroraum umgewandelt. Nicht selten unterhielten die Konzerne 10 bis 15 Zweigstellen.EDEKA ZENTRALE AG (Hrsg.), „EDEKA – 75 Jahre immer in Aktion“, Hamburg 1982; HEW (Hrsg.), „HEW – Das Verwaltungsgebäude. Erstellt von der Hauptabteilung Bau“, Hamburg 1971 Die Zergliederung und die damit verbundenen schwierigen Kommunikationswege erschwerten das Arbeiten erheblich.
Unter diesen Voraussetzungen entschieden sich viele Großkonzerne für den Neubau von Verwaltungsbauten. Ihren Anspruch für große Bebauungsflächen richteten sie an die Stadt. Einige Konzerne drohten bereits mit Wegzug, sollten sie kein Bauland erhalten. Die Bedeutung Hamburgs als wichtiger Dienstleistungsstandort stand auf dem Spiel.
Den Stadtplanern boten sich folgende Möglichkeiten: Die Hamburger Innenstadt weiter maßgeblich zu verändern und alte Bausubstanz sowie Wohnraum zugunsten der Verwaltungen zu opfern oder dezentral in Hamburg verteilt den Bau der neuen Verwaltungen zuzulassen. Die Ost-West-Straße (damaliger Name, heute Ludwig-Erhard-Straße) war bereits zum ersten Ankerpunkt für eine zusammenhängende Kette größerer Bürobauten geworden. Auch haben die Stadtplaner in der Innenstadt den Bau zweier Großverwaltungen zugelassen: die Hochhäuser der Margarine Union AG (Unilever-Haus, jetzt Emporio-Hochhaus) und des Deutschen Rings. Die Erfahrungen, die sie mit diesen beiden Verwaltungen in der Innenstadt machten, sprachen gegen weitere Baugenehmigungen dieser Größenordnung. „Die Großverwaltung der damaligen Margarine Union war ein maßgebliches Beispiel dafür, dass ein derartiges überdimensionales Gebäude nicht nur die gewachsenen Strukturen der Innenstadt durchbricht, sondern im Prinzip stadtfeindlich ist und zur Verödung der Innenstadt beiträgt“, so Christian Farenholtz.Sylvia Soggia: „City Nord – Europas Modellstadt der Moderne“, Hamburg 2009, S. 31
Die Hamburger Stadtplaner erkannten, dass die großen Flächen, die die Konzerne für ihre neuen Verwaltungen beanspruchten, kommunikativ nicht in das Innenstadtleben eingebunden werden konnten. Auch sollten angrenzende Wohngebiete wie Harvestehude/Rotherbaum, Uhlenhorst und Palmaille sich nicht zu reinen Bürogebieten entwickeln. Bereits 200.000 Menschen arbeiteten in der Innenstadt. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Verkehrsbelastung im Stadtkern extrem hoch.Senatspressestelle 1961 in: Sylvia Soggia: „City Nord – Europas Modellstadt der Moderne“, Hamburg 2009, S. 27 Die Stadtplaner suchten nach anderen Möglichkeiten.
Die ausschlaggebende Idee brachte Hamburgs Oberbaudirektor Werner Hebebrand 1956 von einem Besuch in New York mit – die Idee zu einer zweiten, dezentralen Geschäftsstadt als Entlastungszentrum. Ähnlich wie dort sollten sich die Unternehmen mit ihren Verwaltungen in einem „Commercial Park“ ansiedeln. Die Idee hielt Hebebrand bis 1959 streng geheim und besprach sie nur in einem auserwählten Kreis.
Am 14. August 1959 legte Hebebrand dem Hamburger Senat den neuen Hamburger Aufbauplan vor, dessen herausragender Bestandteil der Bau des „neuen Geschäftsgebiets für Kontorhäuser“, der späteren City Nord, war. Zwei Jahre hatte die Ausarbeitung des Plans gedauert, der nun den Aufbauplan vom 20. Juli 1950 ersetzen sollte. Über ein Jahr war er in der Verwaltung besprochen und über 500 Änderungswünsche berücksichtigt worden. Der neue Plan überzeugte den Senat. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Max Brauer kam es zur sofortigen Beschlussfassung. Am 16. Dezember 1960 erhob die Hamburger Bürgerschaft den Aufbauplan 1960 zum Gesetz.Werner Hebebrand: „Neue Stadt an der Elbe“, in: Bauwelt Nr. 44, 50. Jahrgang, Hamburg, 2. November 1959; Werner Hebebrand: „Zur neuen Stadt“. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge. Schriftenreihe der Akademie der Künste, Bd. 5, Gebr.-Mann-Verlag, Berlin 1969; Gerhard Dreier: „Die Planung für Hamburgs Geschäftsstadt Nord“, in: Raumforschung und Raumordnung (Hrsg.): Institut für Raumordnung (Bad Godesberg) und Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hannover), 25. Jahrgang, Heft 6, 1967.
Nördlich des Hamburger Stadtparks im Stadtteil Winterhude wurde ein in seiner Lage optimales Grundstück gefunden. Es gehörte der Stadt und war mit Kleingärten und Behelfsheimen bebaut. Mit einer Größe von 117 Hektar bot das Gelände Platz für 30 bis 40 Verwaltungsgebäude und eignete sich damit bestens für den Bau einer vorstädtischen Bürostadt. Hiermit konnte der innerstädtische Ballungsraum mit 200.000 Beschäftigten entlastet und die Verkehrssituation entschärft werden. Die Innenstadt würde mit ihrer einzigartigen Alster- und Elbsituation erhalten bleiben. Keine Hochhäuser sollten die Stadtsilhouette beeinträchtigen. Den Drohungen der Unternehmen, aus Hamburg wegzuziehen, war damit begegnet. Der Startschuss für den Bau der City Nord fiel im Januar 1961.
Städtebauliches Konzept Die Planung der City Nord Ende der 1950er Jahre war unter anderem beeinflusst von den Lehrsätzen der von Le Corbusier niedergelegten „Charta von Athen“ (1933). Sie setzte europaweit fast 30 Jahre lang Maßstäbe mit der Leitvorstellung „Licht, Luft, Sonne“ und der vierteiligen Funktionstrennung „Wohnen, Arbeiten, Erholung, Verkehr“. Den Stadtbewohnern sollte ein angenehmeres und besseres Leben ermöglicht werden. Die City Nord greift in ihrer Gesamtgestaltung eine Vielzahl der Prinzipien der Moderne auf und integriert diese. Sie vermittelt darüber hinaus aufgrund der offenen Planungsweise, der Imagebildung durch die Gebäude und der Identifikation der Benutzer mit ihrem Gebäude auch Prinzipien des Strukturalismus.Sylvia Soggia: „City Nord – Europas Modellstadt der Moderne“, S. 67–75 Resultat war ein neu gedachter und neu wahrgenommener Stadtraum, die aufgelockerte Stadt in der Stadt – eine moderne Bürostadt im Grünen.
Die Bauherren erhielten durch einen flexiblen, städtebaulichen Rahmenplan die Möglichkeit, unterschiedliche Vorstellungen ihres Bürohauses zu verwirklichen und vielfältige Entwicklungen umzusetzen. Zu der Zeit steckte die Automatisierung des Bürobetriebes noch in den Anfängen und man konnte über die Entwicklungsmöglichkeiten nur spekulieren.Gerhard Dreier: „Die Planung für Hamburgs Geschäftsstadt Nord“, in: Raumforschung und Raumordnung (Hrsg.): Institut für Raumordnung (Bad Godesberg) und Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hannover), 25. Jahrgang, Heft 6, 1967
Im Durchführungsplan „D 100“ von 1961 wurde der gesetzliche Rahmen für den Bau der City Nord geschaffen. Hier war festgelegt, welche Straßenflächen erforderlich waren, wo öffentliche Grünflächen angelegt werden mussten und auf welchen Gebieten gebaut werden durfte. Die Ausarbeitung des städtebaulichen Grundkonzepts für die City Nord nahm ab 1958 ein Dreierteam unter der Leitung von Werner Hebebrand vor: Christian Farenholtz (damals Baurat), Gerhard Dreier (damals Angestellter der Baubehörde) und Hans Dieter Luckhardt (freischaffender Architekt). Der Durchführungsplan „D 100“ wurde am 19. Juni 1961 verabschiedet. Er definiert die Grundrissgestaltung, Struktur und Funktion für die Bebauung der City Nord.
Der „D 100“ sah Richtlinien für eine freie Bebauung vor. Das eigentliche Gelände für die Gewerbenutzung umfasst im Jahr 1960 nur 41 % des gesamten Planungsgebiets. Es wird in 22 Grundstücke aufgeteilt. In den Erläuterungen zum „D 100“ wurde empfohlen, dass die Größe der Grundstücke mindestens 8000 Quadratmeter betragen müsse. Außerdem wurden die Art und das Maß der baulichen Nutzung der Grundstücke festgelegt. Der Abstand eines Gebäudes zur benachbarten Grundstücksgrenze musste mindestens die halbe Gebäudehöhe betragen. Es durften nur 50 % der Fläche versiegelt bzw. bebaut werden. Die Geschossflächenzahl war auf zunächst 1,5 begrenzt. Pro 50 Quadratmeter Geschossfläche sollte ein Pkw-Stellplatz zur Verfügung stehen. Ein großer Teil dieser Stellplatzmöglichkeiten wurde daraufhin in den ersten Geschossen der Bürogebäude und in Tiefgaragen untergebracht. Die Vorgabe verlangte, dass damit 60 % der geforderten Parkplätze abgedeckt waren. Aufgrund des nahe gelegenen Flughafens wurde die Höhe der Häuser am Südrand des Areals auf höchstens 50 Meter, am Nordrand sogar auf nur 40 Meter festgelegt.
Die Planung sah vor, den Fußgänger unabhängig von der Straßenführung auf zielgerichteten und axialen Wegen zu leiten. Im Westen der City Nord, der im zweiten Bauabschnitt errichtet wurde, bewirkte Christian Farenholtz, dass die Fußwege vollständig vom Verkehr getrennt werden. Der Verkehr sollte ungehindert fließen. Entsprechend wurden die Fußwege auf eine Ebene 1, vier bis fünf Meter über der Straße, verlagert. Hier befinden sich auch die Eingänge der Gebäude auf der oberen Ebene, sozusagen im ersten Obergeschoss.
Die City Nord wurde mit drei Bürohausgebieten geplant, die die Bauphase in drei Abschnitte gliederten. Im ersten Bauabschnitt wurde der östliche Teil, im zweiten Bauabschnitt der westliche und im dritten der nördliche Teil gebaut. Diese Bürobauten gruppierten sich um die in der Mitte der City Nord befindlichen Zentrale Zone. Das Grundgerüst bildete ein Haupterschließungsbogen – der Überseering – und der City-Nord-Park als Fortsetzung des südlich der City Nord gelegenen Hamburger Stadtparks.
Ein wesentlicher Bestandteil der Planung war die Grünfläche. Um dem Leitbild einer „Bürostadt im Grünen“ gerecht zu werden, wurden die neuen Eigentümer verpflichtet, mindestens 35 % der Grundstücke für Grünflächen (später auf 25 % verringert) vorzuhalten. Ein Freiraumkonzept sollte für die Gestaltung des Außenraumes entwickelt werden.Aufbauplan 1960 und Änderungen. Staatsarchiv Hamburg, Bestand 321-3l, 16. Ablieferung, Signatur 612.320-343
Realisierung der City Nord Die Kaufverhandlungen für den ersten Bauabschnitt begannen 1960 und waren 1964 abgeschlossen. Parallel dazu musste das Gebiet geräumt werden. Das rund 120 Hektar große Gelände bestand 1959 aus 1850 Kleingartenparzellen mit 1250 bewohnten Behelfsheimen, 1700 Wohnparteien. Dort wohnten mit einer Wohndichte von 37 Quadratmeter pro Einwohner rund 4300 Bewohner.
Die City Nord wurde geplant als Bürostadt für Verwaltungen, vor allem von Großkonzernen. Über eine Klausel im Kaufvertrag des Grundstückes waren die Bauherren verpflichtet, Architektenwettbewerbe durchzuführen. Angestrebt war bestmögliche Qualität ohne zu enge Vorgaben. Entsprechend verzichtete man auf das Festlegen von einheitlichen Baulinien. Die architektonische Gestaltungsfreiheit führte zu individuellen Solitärbauten, die auch der Selbstdarstellung der Firmen dienten. Eigentümer, die später Grundstücke übernahmen, waren nicht mehr an die Durchführung von Wettbewerben gebunden.
Die Bauwettbewerbe für die Phase 1 fanden von 1962 bis 1965 statt. Der erste Wettbewerb beinhaltete die Auslobung für das Verwaltungsgebäude der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW). Mitte 1964 begannen die Bauarbeiten an den ersten Bürogebäuden, 1966 wurden die ersten drei Gebäude bezogen. 1967 waren der 2. Bauabschnitt und der 1. Abschnitt des Zentralen Areals für die Erschließung vorbereitet. Neben dem nördlichen Bürohausgebiet entstand ein Gewerbehof, der die für die Geschäftsstadt notwendigen Versorgungsbetriebe wie Fernkälte, die gewerblichen und handwerklichen Dienste beherbergt. Mit der Fertigstellung der Zentralen Zone im Jahr 1974 kam vorerst die Realisierung des ambitionierten städtebaulichen Gesamtkonzepts zum Abschluss.
Markante Solitäre Vattenfall, Überseering 12