Die Veddel [] ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg. Sie gehört seit 1768 zu Hamburg und liegt auf den drei Elbinseln Veddel, Peute und Wilhelmsburg.

Geografie Geografische Lage Veddel liegt südöstlich der Hamburger Innenstadt und wird von ihr durch die breite Norderelbe getrennt. Der Stadtteil umfasst den Ostteil der Insel Veddel östlich der Bahnlinie von Hamburg-Hauptbahnhof nach Hamburg-Harburg sowie die Peute, ebenfalls eine Insel im Stromgebiet der Elbe. Ein kleiner Streifen am Nordrand der Insel Wilhelmsburg gehört ebenfalls zum Stadtteil Veddel. Westlich der Veddel erstreckt sich das Gebiet des Hamburger Hafens.

Gliederung des Stadtteils Das alte Ortszentrum um den Veddeler Markt im Norden der Veddel wird heute von der Autobahn-Anschlussstelle Hamburg-Veddel und dem gleichnamigen Zollamt, das inzwischen aufgegeben wurde, eingenommen. Zwischen der Eisenbahnstrecke, die den Stadtteil nach Westen begrenzt, und der Autobahn 255 liegt ein schmales und dicht bebautes Wohnquartier; der Rest des Stadtteils besteht aus Industrie- und Gewerbegebieten.

Die heute existierende Wohnsiedlung entstand in den 1920er-Jahren als eines der ersten kommunalen Kleinwohnungs-Bauprojekte in Hamburg.Dirk Schubert: Hamburger Wohnquartiere. Ein Stadtführer durch 65 Siedlungen, Berlin 2005, ISBN 3-496-01317-6, S. 162–165. Ein Großteil hatte nur zwei und viele nur 1½-Zimmer, und in einer Häuserzeile an der Veddeler Brückenstraße gab es keine Badezimmer in den Wohnungen. Nur ein Komplex erhielt eine Versorgung mit warmem Wasser und wird deshalb bis heute „Warmwasserblock“ genannt.Die Veddel – Ein Stadtteil im Fluss zwischen Verkehr, Hafen und Industrie. Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, Hamburg Juni 2019 S. 42. Vorher hatte an dieser Stelle eine Siedlung mit kleinen Häusern gestanden, die von dem Hamburger Reeder Sloman errichtet worden war. Das Baugelände gehörte der Stadt, während lokale gemeinnützige Baugenossenschaften als Bauherren auftraten. Der Hamburgische Oberbaudirektor Fritz Schumacher gab die einheitliche Gestaltung der Häuser mit roten Ziegelfassaden und flachen Dächern vor. Die einzelnen Baublöcke, die sich um einen zentralen Platz mit Schule gruppieren, wurden nach Plänen verschiedener Hamburger Architekten errichtet. Die Siedlung war die erste aus Mitteln der sogenannten Hauszinssteuer subventionierten Wohnsiedlung in Hamburg, ein frühes Beispiel für städtischen Wohnungsbau mit sozialpolitischer Zielsetzung.

Benachbarte Stadtteile An die Veddel grenzt im Norden und Osten, jenseits der Norderelbe der Hamburger Stadtteil Rothenburgsort und im Süden Wilhelmsburg. Im Westen liegt der Stadtteil Kleiner Grasbrook.

Geschichte mini|Elbbrücke 1887

Der Ursprung des Namens Veddel wird in einer Ableitung des niederdeutschen Begriffs Wede vermutet, der ein bewaldetes Weideland bezeichnete. Tatsächlich war die Veddel lange Jahre Weideland, auf dem vorwiegend Milchwirtschaft betrieben worden ist. Auf der Elbkarte von Melchior Lorichs aus dem Jahr 1568 (heute im Hamburgischen Staatsarchiv) findet sich der Name Veddel für eine Elbinsel zum ersten Mal. Die Veddel kam 1768 durch den Gottorper Vertrag zu Hamburg.

Nach der Anlage des Freihafens wurde der westliche Teil der Veddel, die Insel „Große Veddel“, zum Hafengebiet. Die Insel „Kleine Veddel“ wurde aufgehöht und zum Wohngebiet. Bis 1885 entstanden eine ganze Reihe von Wohnbauten.

Mit der Einweihung der Hamburger Elbbrücken 1887 gab es eine feste Straßenverbindung in die Innenstadt.

mini|Slomansiedlung um 1900 Eine von Kaufleuten gegründete gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft kaufte am 5. Juli 1878 von der Stadt zu einem geringen Preis ein Gelände, auf dem Hamburgs erste Arbeitersiedlung in Form einer Gartenstadt errichtet wurde. Sie bestand aus kleinen Einzelhäusern. Benannt wurde sie nach ihrem Initiator, dem Reeder Robert Miles Sloman jr., Sohn von Robert Miles Sloman, Slomansiedlung. Mit dieser Initiative sollte durch Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter das Erstarken der Sozialdemokratie aufgehalten werden. Weitere Arbeitersiedlungen entstanden zur Kompensation des Abrisses des Kehrwieder- und des Wandrahmviertels zugunsten des Baus der Speicherstadt in den 1890er-Jahren.

1928 wurde diese Siedlung nach Planung des Oberbaudirektors Fritz Schumacher durch straßenlange Backsteinbauten ersetzt, die noch heute den Stadtteil prägen.

Am 13. September 1944 wurden, nachdem dort zuvor übergangsweise 1500 weibliche Gefangene untergebracht waren, 2000 Häftlinge des KZ Neuengamme in das Außenlager Hamburg-Veddel (Dessauer Ufer) gebracht. Sie waren zuvor im Stammlager Neuengamme zur Zwangsarbeit ausgewählt worden und mussten im Rahmen des Geilenberg-Programms vom Außenlager aus zur Sicherung der zerstörten Mineralölindustrie Bau- und Aufräumungsarbeiten bei den Wasserwerken, Brauereien, Mineralölunternehmen und bei der Reichsbahn verrichten.

Der im Stile der Gründerzeit errichtete Nordteil der Veddel ging größtenteils im Zweiten Weltkrieg, vor allem in der Operation Gomorrha verloren.1943: Operation Gomorrha – das Bombardement auf den Elbinseln, eine Ausstellung der Ballin-Stadt über die Bombenangriffe auf Wilhelmsburg, 22. Januar bis 31. März 2013. (Siehe Welt-Artikel vom 21. Januar 2013) Die stehengebliebenen Reste wurden zur Errichtung von Straßen und einem Zollamt abgerissen. mini|Bagger reißen am 26. Mai 2009 den Ballsaal auf der Veddel ab Das einzige aus dieser Zeit erhaltene Gebäude war ein alter Ballsaal, der vom Hamburger Denkmalverein als „bedrohtes Denkmal“ geführt wurde. denkmalverein.de Trotz Widerstandes der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte ließ die Hamburg Port Authority HPA das Gebäude im Mai 2009 abreißen.

Auswandererhallen mini|Blick über den Müggenburger Zollhafen nach Norden mini|Auswandererhallen-Empfangsgebäude um 1907 mini|Auswandererkirche mit 2 versetzten Kirchenschiffen für katholische und evangelische Besucher Südlich des Müggenburger Zollhafens entstanden ab 1900 die Auswandererhallen der Hamburg-Amerika Linie (Hapag). Auf gut 55.000 Quadratmetern in rund dreißig Einzelgebäuden wurden auf Initiative des Reeders Albert Ballin Schlaf- und Wohnpavillons, Speisehallen, Bäder, Kirchen und Synagogen sowie Räume für ärztliche Untersuchungen errichtet.

Jeder mit dem Zug ankommende Auswanderer musste sich hier einer Personalienkontrolle und einer ersten Gesundheitsuntersuchung unterziehen. Um das Ausbrechen von Krankheiten auf den Schiffen zu verhindern, blieben Auswanderer dort bis zu 14 Tage in Quarantäne, bevor sie auf die Schiffe gehen durften. Durch diese Maßnahme sorgte die HAPAG auch dafür, dass mittellose Auswanderer nicht in die Stadt gelangen konnten. Zum anderen waren die unerfahrenen Emigranten so davor geschützt, überteuerte und unnütze Ware aufgeschwatzt zu bekommen.

Dieses weitab vom Stadtzentrum gelegene Quartier galt zur damaligen Zeit als Vorbild an Sauberkeit und Effektivität. Aufenthalt, Unterkunft und Verpflegung waren im Preis der Passagiertickets enthalten. Die bis dahin vorhandenen Auswandererbaracken am Amerika-Kai wurden zur Hafenerweiterung benötigt. Diesen war eine Sperrung der Hamburger Grenzen vorausgegangen, da man den russischen Auswanderern den Ausbruch der Choleraepidemie von 1892 anlastete.

Von 1934 bis 1938 dienten die Hallen der SS-Verfügungstruppe (ab 1939/40: Waffen-SS), Standarte „Germania“, als Kaserne. Das Regiment zog 1938 in die neuerbaute Heidberg-Kaserne in Langenhorn. Dieser Gebäude-Komplex wurde ab Mai 1945 als Krankenhaus genutzt, bekannt als „Heidberg-Krankenhaus“.

Die Hallen wurden später als Lager genutzt und zum Teil 1938 wegen Straßenbaus abgerissen. Die übrigen Hallen dienten im Zweiten Weltkrieg als Kriegsgefangenenlager, nach Kriegsende als Flüchtlingssammellager.

Die Kirche der Auswandererhallen diente der Veddel nach der Zerstörung der ersten Immanuelkirche als Ersatz. Sie wurde nach der Sturmflut 1962 abgebrochen.

Die einzige verbliebene Halle beherbergte zuletzt ein portugiesisches Restaurant und wurde im Frühsommer 2006 ebenfalls abgerissen. An ihrer Stelle wurde am 5. Juli 2007 unter dem Namen BallinStadt ein Auswanderermuseum eröffnet.

Kaserne Am Zollhafen wurde 1926 eine Unterkunft für die kasernierte Hamburger Ordnungspolizei fertiggestellt.veddel-bilder.de; abgerufen am 20. November 2020. Sie wurde seit 1935 als Horst-Wessel-Kaserne bezeichnet und war bis 1945 von der Wehrmacht belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie teilweise noch von der Hamburger Polizei genutzt. Heute befindet sich dort die Poliklinik Veddel.

Sturmflut 1962

Wie das südlich an den Stadtteil grenzende Wilhelmsburg wurde auch die Veddel am 17. Februar 1962 von der verheerenden Sturmflut heimgesucht. Die Bewohner konnten sich jedoch auf den Bahndamm oder in die oberen Etagen der Häuser retten. Zwei Bewohner starben in überfluteten Kelleretagen. In den Ersatzheimen des Kleingartengebietes auf der Peute waren drei Tote zu beklagen. In den ehemaligen Auswandererhallen wurde eine der Einsatzzentralen für die Rettungsmannschaften eingerichtet; die Schule Slomanstieg bildete eines der Auffanglager.

Statistik (Quelle: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023)

Anteil der unter 18-Jährigen: 19,1 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 9,2 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 47,2 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 10,2 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]

Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt auf der Veddel 21.064 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.

2013 gehörten 1.406Drucksache 20/10596 der Hamburgischen Bürgerschaft, S. 47 von insgesamt 2.040Statistikamt Nord: Hamburger Stadtteilprofile 2014, S. 47. NORD.regional: Band 16 Wohnungen im Stadtteil der SAGA Unternehmensgruppe, also knapp 70 Prozent.

Politik Für die Wahl zur Bürgerschaft gehört die Veddel zum Wahlkreis Billstedt – Wilhelmsburg – Finkenwerder.

Wahlergebnisse

Bürgerschaftswahl Linke1) SPD Grüne2) CDU AfD FDP Übrige202536,9 %23,9 %13,8 %6,7 %5,2 %1,1 %12,4 %3)202024,8 %36,1 %21,6 %1,0 %4,4 %1,2 %10,9 %201522,4 %37,5 %15,4 %2,9 %4,4 %3,6 %13,8 %4)201115,9 %42,2 %15,5 %5,5 % –1,7 %19,2 %5)200810,3 %53,0 %11,6 %17,9 % –2,9 %4,3 %2004 –45,3 %9,6 %32,5 % –2,0 %10,6 %20010,7 %48,0 %6,5 %16,4 % –2,2 %26,2 %6)19971,2 %51,2 %7,1 %21,4 % –1,6 %17,5 %7)1993 –52,6 %8,9 %14,6 % –2,7 %21,2 %8)19910,6 %58,2 %4,0 %25,4 % –2,0 %9,8 %1987 –56,7 %3,0 %35,7 % –2,3 %2,3 %1986 –58,3 %3,7 %34,4 % –0,8 %2,8 %Dez. 1982 –67,8 %3,2 %26,8 % –1,0 %1,2 %Juni 1982 –58,8 %4,2 %31,4 % –2,7 %3,6 %1978 –71,7 %1,2 %23,1 % –2,2 %1,8 %1974 –65,1 % –24,3 % –6,5 %4,1 %1970 –72,4 % –20,5 % –3,7 %3,4 %1966 –77,0 % –15,5 % –4,1 %3,4 %

1) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste, 2001 als PDS. 2) 1978 als Bunte Liste – Wehrt Euch, 1982 bis 2011 als GRÜNE/GAL. 3) Darunter 5,1 % für die DAVA. 4) Darunter 5,9 % für die Piratenpartei. 5) Darunter 13,1 % für die Piratenpartei. 6) Darunter 21,8 % für die Schill-Partei. 7) Darunter 7,6 % für die DVU. 8) Darunter 9,1 % für die Republikaner.

Bezirkspolitik

Bei Bezirksversammlungswahlen gehört die Veddel zum Wahlkreis Veddel / Wilhelmsburg-Ost / Kleiner Grasbrook. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hat 2008 einen Regionalausschuss für die Stadtteile Veddel, Wilhelmsburg, Kleiner Grasbrook und Steinwerder eingesetzt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|IBA-Dock mini|hochkant|Brunnen am Veddeler Stieg mini|hochkant|Goldhaus Museen Im Süden der Veddel liegt in drei originalgetreu an derselben Stelle wieder aufgebauten Gebäuden das Auswanderermuseum BallinStadt.

Kirchen Die evangelisch-lutherische Immanuelkirche auf der Veddel wurde am 26. März 1905 eingeweiht, 1944 weitestgehend zerstört und in den ersten Nachkriegsjahren wieder aufgebaut.

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