Die Cercle Brugge Koninklijke Sportvereniging, im deutschsprachigen Raum allgemein bekannt als Cercle Brügge [], ist ein belgischer Fußballverein. Die Heimspiele werden im Jan-Breydel-Stadion in Brügge ausgetragen. Das Stadion wird mit dem Lokalrivalen FC Brügge geteilt.

Geschichte 1899 bis 1919: Die frühen Vereinsjahre Cercle Sportif Brugeois wurde am 9. April 1899 durch eine Fusion des Vlaamsche FC de Bruges und Rapid FC, die von den Brüdern Xaverianen veranlasst wurde, gegründet. Ursprünglich konzentrierte sich der Verein auf fünf Sportarten: Fußball, Cricket, Tennis, Laufsport und Radsport.

Der Verein schloss sich 1900 dem Königlichen Belgischen Fußballverband an, an den Verein wurde die Matrikelnummer 12 vergeben. Cercle erzielte ihren ersten Erfolg 1902 im Henri-Fraey-Pokal und besiegte Olympique Iris Club Lillois (der Vorgänger des OSC Lille) sowie US Tourcoing. Nachdem die Mannschaft einige kleine Turniere gewonnen hatte, erzielte Cercle ihren ersten großen Erfolg und wurde in der Saison 1910/11 belgischer Meister. Cercle beendete diese Saison mit einem Punkt Vorsprung vor ihren Erzrivalen FC Brügge.

Auch der Erste Weltkrieg hatte für Cercle eine verheerende Auswirkung: Der Verein verlor durch den Krieg zwei Spieler, Louis Baes und Joseph Evrard, und ihr Stadion sowie Vereinsgelände erlitten schwere Schäden. Der ehemalige Spieler Alphonse Six, der für Cercle in 87 Spielen 92 Tore schoss (1907–1912), verlor auch sein Leben.

Saisonergebnisse 1899–1919 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1899/00 unbek. I unbek. - 1900/01 9 I 6 - 1901/02 4 I 8 - 1902/03 4 I 4 Henri-Fraey-Pokal gewonnen - 1903/04 3 I 17 - 1904/05 8 I 15 - 1905/06 8 I 12 - 1906/07 6 I 17 - 1907/08 6 I 6 - 1908/09 10 I 22 - 1909/10 9 I 6 - 1910/11 3 I 36 - 1911/12 1 I 35 Belgischer MeisterIm Finale des belgischen Pokalwettbewerbs gegen Royale Union Saint-Gilloise 3:2 verloren Finalteilnahme 1912/13 5 I 25 Viertelfinale 1913/14 3 I 30 - 1914/15 Kein Ligabetrieb 1915/16 Kein Ligabetrieb 1916/17 Kein Ligabetrieb 1917/18 Kein Ligabetrieb 1918/19 Kein Ligabetrieb

1919 bis 1924: Neuaufbau Cercle nahm ihren Fußball im Jahre 1919 mit einer fast vollständig neuen Mannschaft wieder auf. Louis Saeys war der einzige Spieler, der auch schon vor dem Krieg für die Mannschaft spielte. Die Erwartungen waren niedrig, aber der Verein setzte sich in den nächsten Jahren in der oberen Tabellenhälfte fest.

1921 enthüllte der Verein ein Monument als Erinnerung an die Mitglieder von Cercle Brügge, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind. Die Enthüllung wurde durch eine Tragödie überschattet, als ein Doppeldecker während der Ehrungsfeier abstürzte, dabei starben die zwei Insassen. Das Monument existiert noch und steht jetzt vor dem Jan-Breydel-Stadion.

Im Jahre 1923 wurde das Vereinsgelände erweitert. Das Spielfeld verschob sich um 100 Meter, das Stadion wurde ausgebaut und war für die nächsten fünfzig Jahre als das Edgard-De-Smedt-Stadion bekannt.

Saisonergebnisse 1919–1924 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1919/20 8 I 19 - 1920/21 5 I 26 - 1921/22 6 I 28 - 1922/23 3 I 37 - 1923/24 3 I 33 Vereinsgelände wurde ausgebaut; neues Stadion: Edgard-De-Smedt-Stadion -

1924 bis 1930: Belgischer Meister 1924 wurde dem Verein der königliche Name Royale Cercle Sportif Brugeois verliehen. Der Verein begann mit einer erfolgreichen Ära, geführt von zwei Spielmachern: Florimond Vanhalme und Louis Saeys. In der Saison 1925/26 stand Cercle nach der Hinrunde zwar auf dem ersten Platz, konnte aber aufgrund vieler Spielerverletzungen und des schlechten Rückrundenergebnis am Ende der Saison nur den fünften Platz erreichen. Obwohl danach einige wichtige Spieler den Verein verließen, gewann Cercle Brügge ein Jahr darauf ihre zweite belgische Meisterschaft und zum ersten Mal den belgischen Pokalwettbewerb. Der Sieg wurde von zwei Todesfällen im Verein ein paar Monate zuvor überschattet: Albert Van Coile, der einer schwerwiegenden Verletzung im Spiel gegen US Tourcoing erlag und der ehemalige Präsident René de Peellaert, der an einer Lungenentzündung starb, die er sich während der Beerdigung von Van Coile geholt hatte.

Cercle fing die Saison 1929/30 nach den hohen Erwartungen schwach an: Nach der Hinrunde erreichten sie den siebten Platz und lagen sieben Punkte hinter dem Spitzenreiter Royal Antwerpen. Dennoch konnten sie den Abstand zum Spitzenreiter am Ende der Saison auf einen Punkt verringern. Am letzten Spieltag gewann Cercle Brügge gegen Lierse SK mit 4:1, gleichzeitig verlor aber Royal Antwerpen gegen den zehntplatzierten Standard Lüttich mit 5:3. Dadurch hatte Cercle die dritte und bisher letzte belgische Meisterschaft gewonnen. Weil Cercle die Meisterschaft gewann, waren sie zur Teilnahme am Coupe des Nations eingeladen, der als Vorläufer der Pokal der Landesmeister angesehen wird. Cercle Brügge verlor das Turnier in der ersten Runde gegen Slavia Prag mit 4:2.

Saisonergebnisse 1924–1930 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1924/25 4 I 28 - 1925/26 5 I 31 - 1926/27 1 I 35 Belgischer MeisterBelgischer Pokalsieger (Cercle Brügge gewann 2:1 gegen Tubantia Borgerhout) Gewonnen 1927/28 3 I 34 - 1928/29 4 I 29 - 1929/30 1 I 37 Belgischer Meister Nahmen am Coupe des Nations teil -

1930 bis 1938: Talfahrt Die Erfolge der Vorsaison konnte die Mannschaft nicht kompensieren und erreichte am Ende der Saison den siebten Platz. Weitere Titelambitionen waren in den Folgejahren völlig verschwunden, da Cercle sich nicht in der oberen Tabellenhälfte festsetzen konnte. Die Gründe in dieser Zeit waren zum einen, dass einige Spieler ihre Profikarriere beendeten oder zu anderen Vereinen wechselten, und zum anderen die jungen Spieler, die ihre Talente auf diesen Niveau nicht zeigen konnten.

Die Abwärtsspirale erreichte 1936 mit dem Abstieg in die Zweitklassigkeit einen Tiefpunkt. Cercle nutzte die Gelegenheit, durchgreifende Änderungen vorzunehmen: die Ernennung eines neuen Trainers und Vorstands. Die Änderungen erwiesen sich relativ erfolgreich und Cercle stieg nach zwei Jahren wieder in die höchste belgische Spielklasse auf.

Saisonergebnisse 1930–1938 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1930/31 7 I 26 - 1931/32 6 I 27 - 1932/33 3 I 33 - 1933/34 8 I 25 - 1934/35 6 I 27 - 1935/36 13 I 19 Abstieg - 1936/37 6 II 27 - 1937/38 1 II 39 Aufstieg -

1939 bis 1945: Der Zweite Weltkrieg in Belgien Der Zweite Weltkrieg machte einen regulären Fußballbetrieb im Jahr 1939 unmöglich. Daher nahm Cercle an regionalen Meisterschaften teil, wo die Vereine mehrfach aufeinander trafen.

Im Jahr 1941 nahm der Verein wieder am nationalen Wettbewerb teil, doch Cercle beendete die Saison als Vorletzter. Normalerweise würde dies bedeuten, dass Cercle absteigen würde. Aber der belgische Fußballverband entschied, dass bedingt durch die Umstände des Krieges, der begrenzten Trainingsmöglichkeiten und Jugendförderung, kein Team aus der Liga absteigen sollte.

In der Saison 1942/43 wurde über Cercle – nach einem Zwischenfall während eines Spiels gegen RSC Anderlecht – ein Geisterspiel verhängt.

Unmittelbar nach der Befreiung im Jahr 1944 wurde eine inoffizielle Meisterschaft ausgetragen, welche von den Vereinen gespielt werden sollte, die sich 1939 für die höchste Spielklasse qualifiziert hatten. Die meisten Vereine konnte allerdings nicht teilnehmen, und die Ardennenoffensive bedeutete das Ende dieser Initiative. Die Endplatzierungen dieses Wettbewerbs wurden nie vom belgischen Fußballverband archiviert.

Saisonergebnisse 1938–1945 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1938/39 11 I 22 - 1939/40 Kein offizieller Ligabetrieb 1940/41 Kein offizieller Ligabetrieb 1941/42 13 I 13 - 1942/43 8 I 28 - 1943/44 8 I 29 - 1944/45 Kein offizieller Ligabetrieb

1945 bis 1961: Berg- und Talfahrt Nach dem Krieg konnte Cercle Brügge den Abstieg in der ersten Saison (1945/46) aus der höchsten belgischen Spielklasse nicht vermeiden und, obwohl die Mannschaft als Aufstiegsfavorit galt, kam Cercle in der Saison 1946/47 nicht über einen siebten Platz hinaus. Die nächsten vier Saisons waren die Leistungen durchwachsen. 1951 gab der belgische Fußballverband bekannt, dass zur nächsten Saison 1952/53 die zweithöchste Spielklasse von zwei Ligastaffeln (Promotion A und Promotion B) auf eine Staffel reduziert wird. Cercle schaffte die Qualifikation zur neuen Division II nicht – Cercle erreichte am Ende der Saison 1951/52 nur den 15. Platz – und musste bis 1956 in der dritthöchsten Spielklasse spielen.

In den nächsten zwei Jahren musste die Mannschaft in der Division II wieder gegen den Abstieg kämpfen, diesmal mit mehr Erfolg, wenn auch die zweite Saison sehr knapp war. Der Klub hatte nach der Hinrunde nur neun Punkte erspielt, der Klassenerhalt konnte aber am letzten Spieltag durch einen Sieg gesichert werden. Kurz darauf wurde der neue französische Trainer Edmond Delfour vorgestellt. Der neue Trainer brachte Cercle auf eine neue Erfolgsspur: Zwar hatte man 1959 und 1960 den Aufstieg in die höchste Spielklasse nur knapp verfehlt, aber ein Jahr darauf konnte die Mannschaft den Aufstieg in die 1. Division feiern.

Saisonergebnisse 1945–1961 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1945/46 19 I 18 Abstieg - 1946/47 7 II 33 - 1947/48 5 II 33 - 1948/49 11 II 28 - 1949/50 11 II 28 - 1950/51 11 II 27 - 1951/52 15 II 18 Cercle konnte sich nicht für eingleisigen Division II qualifizieren → Abstieg - 1952/53 8 III 32 - 1953/54 7 III 31 - 1954/55 3 III 40 - 1955/56 1 III 47 Aufstieg - 1956/57 9 II 28 - 1957/58 11 II 25 - 1958/59 3 II 38 - 1959/60 3 II 39 - 1960/61 2 II 41 Aufstieg -

1961 bis 1965: Kurze Wiederauferstehung Nach 15 Jahren spielte Cercle Brügge wieder in der ersten Division und blieb dort nur fünf Jahre. In der ersten Saison konnte Cercle Brügge aufgrund einer veränderten Tabellenregelung den Abstiegskampf für sich behaupten. Bei Punktegleichheit zweier Mannschaften (in dem Fall Cercle Brügge und THOR Waterschei) wurde die Mannschaft höher platziert, die weniger Niederlagen und mehr Siege verbuchen konnte.

Saisonergebnisse 1961–1965 Saison Platz Liga Punkte Anmerkungen Belgischer Pokal 1961/62 14 I 24 - 1962/63 11 I 26 - 1963/64 10 I 26 - 1964/65 11 I 25 -

1965 bis 1971: Tristesse und der Fünf-Jahres-Plan Am Ende der Saison 1965/1966 belegte Cercle Brügge den letzten Platz und musste in der nächsten Saison in der zweiten Division spielen. Schlimmer noch war, dass dem Verein Korruption vorgeworfen wurde. Der damalige Lierse-SK-Spieler Bogaerts sagte, dass der Cercle Vizepräsident Paul Lantsoght in Bestechungen verwickelt wäre. Der belgische Fußballverband verurteilte Cercle zum Zwangsabstieg in die dritte Division. Lantsoght verklagte auf Grund dessen den belgischen Fußballverband in einem Prozess, den er im Juni 1967 gewonnen hatte, aber der sportliche Schaden war groß: Cercle blieb in der dritten Division, verloren viele wichtige Spieler und waren dadurch nicht in der Lage sofort wieder aufzusteigen.

Zur Saison 1967/68 ernannte Cercle Urbain Braems als neuen Cheftrainer. Braems hatte einen ehrgeizigen Plan: Innerhalb von fünf Jahren soll Cercle Brügge wieder in der höchsten Spielklasse spielen. In der ersten Saison spielte Braems' Mannschaft um den Aufstieg in die zweite Division und schaffte dies auch am Ende mit dem ersten Platz. Im Juli 1968 wurde der Vereinsname in KSV Cercle Brügge geändert.

Dank einer guten Transferpolitik hatte der Verein in der zweiten Division sofort eine wichtige Rolle erspielt. Nach 20 Spieltagen führte Cercle die zweite Division an, aber beendete mit dem vierten Platz und vier Punkten Abstand zum erstplatzierten AS Ostende die Saison. In der nächsten Saison stand Cercle am Ende auch vier Punkte hinter dem erstplatzierten KFC Diest. Aber im Jahre 1971, ein Jahr vor dem Ende des Fünf-Jahres-Plans, erreichte Cercle Braems' Ziel: Die Mannschaft beendete die Saison auf dem ersten Platz und spielte wieder in der höchsten belgischen Spielklasse.