Die Operation Crusader (seltener auch: Winterschlacht in Afrika) war eine militärische Operation der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in Nordafrika. Sie dauerte vom 18. November 1941 bis zum 17. Januar 1942 und war der dritte, umfangreichste, längste und schließlich erfolgreiche Versuch, die Belagerung von Tobruk durch das Deutsche Afrikakorps zu brechen. In Deutschland und Italien wird manchmal auch die erfolgreiche Gegenoffensive vom 21. Januar bis 4. Februar 1942 hierzu gerechnet. Die chaotischen Kämpfe waren geprägt durch Logistikprobleme, Fehleinschätzungen, Kommunikationsprobleme und Kommandokrisen. Der Verlauf der Operation Crusader, mit ihren schnellen Vorstößen, räumlich ausgreifenden Bewegungen und ständig wechselnder Initiative veranschaulicht dabei wie keine andere militärische Operation die charakteristische Dynamik der Kämpfe in Nordafrika.

Hintergrund Italien hatte Frankreich und Großbritannien am 10. Juni 1940 den Krieg erklärt. Diktator Benito Mussolini ging von einem nur kurzen Krieg aus und hoffte, durch ein Bündnis mit dem Deutschen Reich einige der Gebietsansprüche Italiens befriedigen zu können. In Nordafrika bestanden diese zum einen aus einer Vergrößerung der Kolonie Italienisch-Libyen Richtung Westen um das französische Protektorat Tunesien. In östliche Richtung strebte Italien eine Kontrolle über Ägypten und den strategisch wichtigen Sueskanal an, sowie die Herstellung einer direkten Landverbindung zu seinen Kolonien in Ostafrika. Nachdem Frankreich im Westfeldzug geschlagen worden war und Tunesien zum nun verbündeten Vichy-Frankreich gehörte, richteten sich die italienischen Expansionsziele in Nordafrika ganz auf Ägypten. Am 9. September 1940 marschierte Italien schließlich mit der 10. Armee in Ägypten ein.

Kriegsverlauf in Nordafrika Die Invasion verlief allerdings wenig erfolgreich und kam aufgrund der schlechten Versorgung und Ausrüstung der Truppen nur wenig mehr als 100 km hinter der ägyptisch-libyschen Grenze zum Stehen. Am 8. Dezember starteten die Alliierten mit der Operation Compass eine Gegenoffensive. Das ursprünglich auf nur wenige Tage begrenzte und der Vertreibung der italienischen Armee aus Ägypten gerichtete Unternehmen erwies sich als derart erfolgreich, dass der Vormarsch bis nach Libyen fortgesetzt wurde. Bis Anfang Februar 1941 hatten die alliierten Truppen die Kyrenaika bis einschließlich El Agheila besetzt und die italienische 10. Armee nahezu restlos aufgerieben.

Die vollständige Einnahme Italienisch-Libyens unterblieb allerdings, da Teile der in Nordafrika eingesetzten alliierten Truppen zur Abwehr des sich ankündigenden Balkanfeldzugs des Deutschen Reichs im April 1941 benötigt wurden. Während die Alliierten somit ab Februar 1941 Truppen zur Verteidigung Griechenlands abzogen, verschiffte Deutschland im so genannten Unternehmen Sonnenblume zeitgleich und heimlich erste Truppenkontingente nach Tripolis und begründete das Deutsche Afrikakorps. Nur wenige Wochen nach seinem Eintreffen ging das von Erwin Rommel kommandierte Afrikakorps zusammen mit den italienischen Divisionen in Libyen zu einer erneuten Offensive über. Die wenigen und überwiegend unerfahrenen alliierten Truppen zogen sich hastig aus der Kyrenaika wieder zurück.

Im Laufe des April waren die Achsenmächte erneut bis zum Halfaya-Pass auf ägyptisches Territorium vorgedrungen. Lediglich der strategisch bedeutsame Tiefwasserhafen Tobruk wurde weiterhin von einer alliierten Besatzung gehalten. Nachdem eine Reihe von Angriffen auf Tobruk im April und Anfang Mai 1941 gescheitert waren, stellte sich Rommel zur Schonung seiner begrenzten Ressourcen, auf eine längere Belagerung der Stadt ein. Das alliierte Oberkommando im Nahen Osten unter Archibald Wavell begann zeitgleich mit der Planung und Vorbereitung einer Gegenoffensive, um die Kontrolle über die Kyrenaika zurückzuerlangen und die belagerte Stadt zu entsetzen. Die erste Gegenoffensive, genannt Operation Brevity, startete bereits am 15. Mai, konnte allerdings wenig mehr als die Rückeroberung des Halfaya-Passes (und das auch nur bis zum 27. Mai) erreichen. Zeitgleich (20. Mai bis 1. Juni 1941) wurde die Luftlandeschlacht um Kreta geführt, die, sollte das Deutsche Reich erfolgreich sein, die Luftunterstützung und die Versorgung der Achsenmächte deutlich verbessern würde. Eine zweite, am 15. Juni gestartete alliierte Offensive, die Operation Battleaxe, scheiterte unter großen Verlusten an Panzern, wobei die alliierten Truppen nur knapp der Einkreisung und Vernichtung entgingen. Nach diesem Fehlschlag wurde Archibald Wavell als Oberkommandierender des Middle East Command durch Claude Auchinleck abgelöst.

Militärische Ausgangslage Nach der Ernennung von Claude Auchinleck im Juli 1941 zum neuen Oberbefehlshaber für den Nahen Osten wurde das XIII. Korps mit dem neu aufgestellten XXX. Korps in der 8. Armee unter Lt. General Alan Cunningham zusammengefasst. Die Verbände der australischen 9. Division in Tobruk wurden im Verlauf von September und Oktober mittels der Royal Navy auf Druck des australischen Parlaments durch die britische 70. Infanteriedivision, die polnische Karpatenbrigade sowie die tschechoslowakische Brigade abgelöst. Die 8. Armee wurde auf 700 Panzer (davon viele der neuen Crusader-Panzer, nach denen die Operation benannt wurde, amerikanische leichte Stuart-Panzer, sowie schwere Matilda- und Valentine-Panzer) aufgerüstet. Etwa 600 Flugzeuge der Desert Air Force leisteten Luftunterstützung. Gemäß der britischen Panzerdoktrin sollten die als Infanterie-Panzer (Infantry tank) entwickelten Matilda und Valentine-Panzer die gegnerischen Linien zusammen mit den Fußtruppen aufbrechen. Die schnellen Crusader und Stuart sollten als Cruiser-Tank-Kreuzer-Panzerkampfwagen die so entstandenen Lücken im Alleingang durchstoßen und ins feindliche Hinterland vorstoßen. In dieser maßgeblich von Percy Hobart entwickelten Einsatzdoktrin der Briten agierten Panzer, Infanterie und Artillerie auf dem Schlachtfeld ganz überwiegend als voneinander unabhängige Einheiten.

Den alliierten Verbänden stand die Panzergruppe Afrika unter General der Panzertruppe Erwin Rommel gegenüber mit dem Deutschen Afrikakorps, bestehend aus der 15. und der 21. Panzer-Division (im August aus der 5. leichten Division umgebildet; zusammen 260 Panzer). Außerdem unterstanden ihr die „Afrika-Division z. b. V.“ (während der Schlacht umbenannt in 90. leichte Afrika-Division), die italienische Infanteriedivision „Savona“ und ein italienisches Armeekorps mit vier Infanteriedivisionen („Brescia“, „Pavia“, „Bologna“ und „Trento“). Unterstützt wurden sie ferner vom italienischen Beweglichen Korps (CAM), bestehend aus der 132. Panzerdivision „Ariete“ (154 Panzer) und der 101. motorisierten Infanteriedivision „Trieste“. Die Luftunterstützung der Achsenmächte bestand zu Beginn der Offensive aus 120 deutschen und 200 italienischen Flugzeugen, wurde aber nach Beginn des Angriffs erheblich verstärkt. Die von den deutschen Streitkräften praktizierte Doktrin konzentrierte sich auf schnelle Vorstöße, bei denen verschiedene Waffengattungen eng zusammenarbeiteten. Hierdurch sollten Durchbrüche erzielt und wenn möglich der Gegner eingekesselt werden. Die kurzfristige Aufstellung maßgeschneiderter gemischter Einsatzgruppen, mit denen quer zur bestehenden Kommandostruktur auf taktische Herausforderungen reagiert wurde, war in diesem Einsatzverständnis fest vorgesehen.

Kontext Operation Sommernachtstraum Im Herbst und Winter 1941 war die Aufklärung der Achsenmächte einstimmig der Meinung, dass die Briten eine erneute Offensive vorbereiteten. Rommel wurde gewarnt mit einem Angriff noch im Jahr 1941 zu rechnen und eine eigene Offensive deshalb auf frühestens 1942 zu verschieben. Rommel ignorierte diese Warnungen und trieb Pläne für einen Großangriff auf Tobruk voran. Für diesen war es allerdings notwendig, zunächst herauszufinden, ob ein britischer Angriff bevorstand. Die üblichen Aufklärungsmethoden durch Panzerspähwagen und Luftaufklärung wurden inzwischen jedoch effektiv durch die Briten gekontert. Auf dem Boden behinderten die Panzerwagen der 11th Hussars und weitere Einheiten aus dem South African Armoured Car Regiment, zusammen mit Jock Columns (improvisierte Einheiten aus Infanterie und Artillerie, benannt nach ihrem Erfinder und Kommandeur Jock Campbell) die deutsche Aufklärung. Die Royal Air Force war verstärkt worden und verhinderte Luftaufklärung. Deshalb wurde ein Angriff auf ein von der Aufklärung dort vermutetes britisches Nachschubdepot in Bir El Khireigat geplant. Die 21. Panzerdivision sollte vorstoßen, möglichst viel über eine mögliche britische Truppenkonzentration in Erfahrung bringen und dann zurückkehren. Der Angriff wurde auf den 14. September 1941 gelegt.

Die britische Aufklärung hatte diesen Vorstoß korrekt vorhergesehen und Auchinleck gewarnt. Die britischen Truppen wurden angewiesen, keinen Kampf zu suchen und dem Feind auszuweichen. Auchinleck beschloss, die Gelegenheit zu nutzen den Deutschen falsche Informationen zuzuspielen, indem man einige gefälschte britische Berichte „versehentlich“ in die Hände der Deutschen fallen ließ.

Die Kampfgruppe Schütte (im Norden), Kampfgruppe Stephan (in der Mitte) und Kampfgruppe Panzerhagen (im Süden) führten den Angriff durch. Rommel begleitete Kampfgruppe Schütte im Norden in seinem erbeuteten britischen AEC Kommandofahrzeug. Während der Anfahrt auf Bir El Khireigat kam es zu vereinzelten Gefechten mit britischen Panzerwagen, bei denen beide Seiten leichte Verluste erlitten, bevor die Briten zurückwichen. Bir El Khireigat wurde eingenommen und erwies sich als unbedeutendes Ziel. Die Soldaten fanden einen Lastwagen, der anscheinend dem 4. Bataillon des South African Armoured Car Regiment als Kommandofahrzeug diente und in dem zahlreiche Dokumente und Codiermaterialien gefunden wurden. Die Kampfgruppen Schütte und Stephan rückten weiter vor, wurden allerdings von britischen Panzerwagen und von Artilleriebeschuss verlangsamt, bis ihnen schließlich der Treibstoff ausging. Im Artilleriesperrfeuer starb Rommels Fahrer. Kampfgruppe Panzerhagen konnte weiter vorrücken und grub sich schließlich bei Dunkelheit in Igelstellung ein. In der Nacht wurden zwei Angriffe auf die Stellung abgewehrt und im Morgengrauen kam der Befehl an alle Kampfgruppen, sich wieder auf die Ausgangspositionen zurückzuziehen. Britische Flugzeuge bombardierten die Kolonnen und beschädigten unter anderem Rommels Fahrzeug. Da die britischen Verfolger schon relativ nahe waren, wagte Rommel es nicht, einen Funkspruch abzusetzen, um Hilfe anzufordern. Rommels Neigung zur „Führung von vorne“ erwies sich wieder einmal als problematisch; dies war nicht mit seiner Position vereinbar (Rommel sollte im Verlauf von Operation Crusader noch einmal in eine ähnlich gefährliche Lage kommen). Der beschädigte Reifen konnte gewechselt werden und Rommel erreichte unbeschadet die deutschen Linien.

Operation Sommernachtstraum war ein klarer britischer Erfolg: Auchinleck gelang es, den britischen Aufmarsch komplett geheim zu halten und den Feind mit falschen Informationen zu täuschen. Die „eroberten“ Dokumente behaupteten, die Briten würden keinen Angriff vor Dezember planen und überlegen, sich in Richtung Mersa Matruh zurückzuziehen. Dies bestärkte Rommel in seiner Ansicht, den Angriff auf Tobruk voranzutreiben. Der Einfluss der Dokumente auf die deutsche Führung ist auch daran zu ermessen, dass Rommel nach Rom flog, um dort einen zweiwöchigen Urlaub mit seiner Frau zu verbringen. Er kehrte nur zufällig rechtzeitig vor Beginn der Operation Crusader zurück.Barrie Pitt: The Crucible of War: Auchinleck’s Command. The Definitive History of the Desert War. Cassell & Co, 2001, S. 24–26.

Britischer Angriffsplan mini|Karte des Kampfgebiets der Operation Crusader