Der Begriff Wettlauf zum Meer bezieht sich auf das Kriegsgeschehen 1914 an der Westfront zwischen dem Fluss Aisne und der Nordsee nach der Ersten Marneschlacht bis zur Ersten Flandernschlacht im Jahr 1914. Aufgrund der Militäroperationen ab Mitte September 1914 bewegten sich die gegnerischen Armeen beinahe parallel nordwärts in Richtung Nordsee. Beiden Kriegsparteien ging es ursprünglich darum, den Gegner an der Flanke zu umgehen und den Krieg dadurch zu einem schnellen Abschluss zu bringen. Für den weiteren Kriegsverlauf war die Kontrolle der Kanalküste an der Straße von Dover von entscheidender Bedeutung für die Alliierten, da über die hier in Frontnähe befindlichen Häfen der britische Nachschub abgewickelt wurde. Dabei wurden zwischen dem 14. September und 19. Oktober allein bei den Alliierten über 50 Divisionen mit 750.000 Mann in 6000 Zugtransporten verschoben, die Deutschen verlegten in diesen Operationen von Süden nach Norden gleichzeitig fast 30 Divisionen und stellten zwölf neue Reserve-Divisionen bereit. Im Anschluss an die Erste Aisneschlacht folgte bis zum Beginn der Ersten Flandernschlacht am 20. Oktober der Übergang vom Bewegungskrieg zum Stellungskrieg.

Vorgeschichte mini|links|General Erich von Falkenhayn Nach der Schlacht an der Marne befand sich die Entente in der Offensive. An der Aisne kam es ab dem 13. September zu schweren Gefechten (→ Schlacht an der Aisne (1914)). Der Angriff des Britischen Expeditionskorps (BEF) konnte jedoch die mit ersten provisorischen Schützengräben verstärkten deutschen Linien nicht durchbrechen. Andererseits schlugen auch deutsche Gegenoffensiven fehl.

Sowohl Joseph Joffre als auch der neu berufene deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn sahen daher in dem 160 km breiten Streifen zwischen dem Fluss Aisne und der Nordsee den einzig erfolgversprechenden Schauplatz für weitere Operationen. Infolgedessen verfolgten beide Seiten das Ziel, freie Truppenverbände gegen Norden zu verschieben und gleichzeitig den Gegner durch ständige Angriffe an eben solchen Truppenverschiebungen zu hindern.

Generaloberst Karl von Bülow, der Oberbefehlshaber der deutschen 2. Armee, und der Chef der Operationsabteilung des Generalstabes, Oberst Gerhard Tappen, hatten jedoch darauf hingewiesen, dass die Franzosen den Vorteil der inneren Linien hatten und jedes Flankenmanöver zunichtemachen könnten. Beide favorisierten einen erneuten Gegenangriff zwischen Soissons und Reims an der Aisne nach Süden, der jedoch bereits während der Aisneschlacht am 16. September von der französischen 5. Armee (General Franchet d’Espèrey) zurückgeschlagen wurde. Am 17. und 18. September konnte die deutsche 1. Armee (Generaloberst von Kluck) die gleichzeitig einsetzenden Angriffe der französischen 6. Armee bei Lassigny erneut zurückweisen.

Verlauf mini|Deutsche und alliierte Truppenverlegungen während des Wettlaufs zum Meer General von Falkenhayn ordnete den schnellen Marsch nach Norden an, die noch nicht gebildete Front bis zur Nordsee bot noch die Möglichkeit einer großräumigen Überflügelung des Gegners. Er war zuversichtlich, dass bei schnellen Umgruppierungen an die Westflanke ein entscheidender deutscher Sieg noch möglich wäre und dies obwohl die Zeit bereits für die Gegner arbeitete. Der Vorteil der höheren deutschen Truppenstärke war vorbei – 85,5 alliierten Divisionen standen jetzt nur mehr 84 deutsche Divisionen gegenüber.

Schon am 15. September begann Falkenhayn die Ausarbeitung operativer Pläne für den Abzug der deutschen 6. Armee unter Kronprinz Rupprecht von Bayern aus Lothringen und deren Verlegung im Anschluss an den rechten Flügel der 1. Armee. Für die deutsche 1., 7. und 3. Armee wurde an der Aisnefront und in der Champagne die Defensive befohlen, durch Frontbegradigungen sollten zudem Reserven freigemacht werden.

Das AOK 6 (Hauptquartier St. Quentin) erhielt zunächst im Anschluss an das äußerst rechts stehende IX. Reserve-Korps (General Boehn) der im Raum Noyon verbleibenden 1. Armee die Führung der bis nach Bapaume umgruppierten folgenden Korpsverbände (von links nach rechts):

XVIII. Armee-Korps, (Schenck) mit der 21. und 25. Infanterie-Division XXI. Armee-Korps, (Fritz von Below) mit der 31. und 42. Infanterie-Division Bayerisches I. Armee-Korps, (Xylander) mit der bayerischen 1. und 2. Infanterie-Division Bayerisches II. Armee-Korps, (Martini) mit der bayerischen 3. und 4. Infanterie-Division XIV. Reserve-Korps, (Stein) mit der 26. und 28. Reserve-Division

Die deutsche Absicht, vorzeitig nach Norden aufzuschließen, entging der Aufmerksamkeit des französischen Marschalls Joffre nicht, er reagierte sofort auf alle feindlichen Bewegungen mit entsprechenden französischen Formationen, welche er den deutschen Truppen immer parallel dazu entgegenstellte. Ab 17. September wurde dafür nördlich der Oise bis zur Somme die 2. Armee unter General Noël de Castelnau eingeschoben, gegenüber der Front der deutschen 6. Armee marschierten im Wettlauf um die Flanke das französische 13., 4. und 14. Korps bis nach Amiens auf.

Am 25. September vollzog sich die nötige Verlegung der Obersten Heeresleitung (OHL) unter General von Falkenhayn von Luxemburg in das neue Hauptquartier nach Mézières. Am 27. und 28. September erkämpfte das XIV. Reserve-Korps beim westlichen Vorstoß auf Amiens eine neue Front östlich Albert. Auf deutscher Seite wurden in den letzten Septembertagen infolge der raschen Fronterweiterung weitere umfassende Umgruppierungen nötig. Das AOK 2 übernahm den Oberbefehl über die neu gebildete Front der 6. Armee zwischen Oise und Scarpe. Der Aisne-Abschnitt am Damenweg (Chemin des Dames) und vor Reims, in welchem die 2. Armee zuvor gefochten hatte, wurde mit dem X. Armee-Korps und dem X. Reserve-Korps endgültig durch die 7. Armee (Generaloberst Josias von Heeringen) übernommen.

Der Stab der 2. Armee unter Generaloberst von Bülow nahm sein Hauptquartier in St. Quentin, von wo aus zuletzt noch Kronprinz Rupprecht von Bayern die Kämpfe östlich Amiens geleitet hatte. Die 6. Armee übernahm im Anschluss nach Norden den neuen Befehlsbereich zwischen Arras und Lille, mit folgenden – von links nach rechts – neu zugeteilten Korps:

Gardekorps (Plettenberg) mit 1. und 2. Garde-Infanterie-Division IV. Armee-Korps (Sixt von Armin) mit 7. und 8. Infanterie-Division Bayerisches I. Reserve-Korps (Fasbender) mit bayerischer 1. und 5. Reserve-Division VII. Armee-Korps (Claer) mit 13. und 14. Infanterie-Division XIV. Armee-Korps (Watter) mit 28. und 29. Infanterie-Division XIX. (II. Königlich Sächsisches) Armee-Korps (Laffert) mit 24. und 40. Infanterie-Division Die Höheren Kavallerie-Kommandos 1 und 2 (7 Kavallerie-Divisionen) sahen sich bereits in Kämpfen mit der neu formierten französischen 10. Armee (General Maud’huy) verwickelt.

Erste Schlacht um Arras mini|hochkant|General Ferdinand Foch, Führer der alliierten Heeresgruppe Nord mini|Erster Angriff auf Arras

Seit dem 25. September marschierte die neugebildete französische 10. Armee unter General Maud’huy nördlich der Somme zwischen Amiens und Doullens auf und versuchte nördlich Arras südostwärts ins deutsche Hinterland zu stoßen. Ihr stellte sich die neu formierte deutsche 6. Armee unter Kronprinz Rupprecht von Bayern entgegen. Das Gardekorps (General Plettenberg) traf zuerst am 2. Oktober bei Monchy-le-Preux als neuer linker Flügel der deutschen 6. Armee ein. Am 4. Oktober 1914 trieben südlich davon Angriffe des deutschen XIV. Reserve-Korps die französische Landwehrgruppe des General Brugère mit der 81., 82., 84. und 88. Territorial-Division auf die Linie Hébuterne – Gommecourt – Monchy-au-Bois zurück, wo die Front bis März 1917 erstarrte. Das deutsche Gardekorps begann währenddessen ab 4. Oktober mittags den Angriff auf Bapaume. Nördlich der Garde rückte das deutsche IV. Armee-Korps (General Friedrich Sixt von Armin) am Nordufer der Scarpe gegen Arras vor und gelangte kämpfend über Roeux und Athies bis St. Laurent an die Vorstädte von Arras heran, die von den Franzosen mit Erfolg gehalten wurde. Kronprinz Rupprecht war gegen einen direkten Angriff auf Arras, das eingetroffene bayerische I. Reserve-Korps und das IV. Armee-Korps beschränken sich vorerst auf die Umfassung der Stadt. General d’Urbal eröffnete mit dem 33. Korps die erste Schlacht um Arras und versuchte die Loretto-Höhe zu nehmen, die anfangs von der Kavallerie, dann durch das eintreffende Bayerischen I. Reserve-Korps unter General von Fasbender gegen alle Angriffe der Franzosen gehalten wurde.

General Joffre betraute am 4. Oktober General Ferdinand Foch, den bisherigen Führer der französischen 9. Armee, zur Bildung der neuen Front im Artois. General Fochs Absicht war es, die Umfassung des deutschen Nordflügels mit vollem Nachdruck zu erzwingen. Die französische 10. Armee vollzog den Anmarsch nach Lens und stand an der Frontlinie Doullens – St. Pol zum Vormarsch auf Douai in folgender Gliederung bereit: 2. Kavalleriekorps Mitry unterstützt von Territorialtruppen auf Lille 21. Korps (Maistre) und 92. Territorial-Division auf Lens 1. Kavalleriekorps Conneau von Arras auf Souchez und Givenchy 33. Korps (General d’Urbal, ab 20. Oktober Pétain) mit drei Reserve-Divisionen auf Arras Am rechten Flügel marschierte das 10. Korps (Defforges), dahinter folgte die 45. Reserve-Division.

Unterdessen versammelte sich – gedeckt durch die Kavallerie unter Marwitz – gleichzeitig der rechte Flügel der deutschen 6. Armee im Raum östlich Lille. Durch das parallele Vorgehen der Deutschen, die ihren rechten Flügel schneller nach Norden verlängerten, sahen sich Maud’huys Truppen gezwungen, selbst in Abwehr überzugehen. Die zusammengefasste deutsche Heereskavallerie unter General von der Marwitz war mit vier Kavallerie-Divisionen nördlich an Lens vorbei über Hulluch auf Loos ausgeschwärmt um die linke Flanke des französischen 33. Korps – die 70. Reserve-Division (General Fayolle) festzuhalten. Die französische 10. Armee sah sich jetzt bedroht, von Norden her umfasst zu werden. Darauf zog Foch das 21. Korps (Maistre) aus der bisherigen Front und verlegte es noch nördlicher nach Béthune, um von dort, durch mehrere Reiter-, Reserve- und Territorial-Divisionen unterstützt, über Lens – La Bassée den deutschen Nordflügel seinerseits die Flanke abzuringen.

Der nördliche Flügel der 6. Armee zielte weiterhin auf den wichtigen Knotenpunkt Lille ab. Ab 6. Oktober erfolgte die Ausladung der 28. Division in Douai, dadurch war auch das Eingreifen des deutschen XIV. Armee-Korps im Raum Lille sichergestellt. Durch das nördlich von Lens kämpfende XIV. Armee-Korps gedeckt, wurde das sächsische XIX. Armee-Korps (von Watter oder Maximilian von Laffert) bei und östlich Valenciennes ausgeladen und in Eilmärschen in die Gegend östlich und südöstlich Lille beordert. Am Abend des 9. Oktober flaute die erste Schlacht bei Arras ab, sie endete unentschieden. Das französische 21. Korps rückte in dieser Zeit zwischen Béthune und Saint-Pol auf.

Schlacht um Lille mini|Aufmarschraum zwischen La Bassée und Lille mini|Einbruch deutscher Truppen durch das Tor von Douai am 12. Oktober 1914