mini|hochkant=1.2|Moderner Drehpflug an einem Traktor Ein Pflug ist ein landwirtschaftliches Gerät zur Lockerung und zum Wenden (Pflügen) des Ackerbodens im Bereich des Bearbeitungshorizontes. Mit dem Begriff Pflug wird eine MaschineEinfache Maschinen nutzen eine Kraftquelle, die Energie ist häufig eine Muskelkraft, indem etwas gedrückt oder gezogen wird. Das ist die Eingangsenergie, die Reaktion der Maschine bzw. der Effekt ist der Ausgang. Eingangs- und Ausgangsenergie, also die Gesamtenergie, bleiben immer gleich. Einfache Maschinen können zwar den Betrag oder die Richtung eine Kraft verändern, nicht aber die für eine bestimmte Bewegung, etwa das Pflügen, nötige Arbeit verringern. beschrieben, die zwei Kraftquellen nutzt. Die eine Kraft wirkt über den Pflugbaum (Grindel) als eine parallel zum Boden gerichtete Zugkraft, die andere über den Führungsgriff (Sterz) als eine senkrecht zum Boden hin wirkende Druckkraft.Manfred K. H. Eggert: Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden (= UTB 2092). 4. Auflage. A. Franke Tübingen/Basel 2012, ISBN 978-3-8252-3696-0, S. 88.

Pflügen mini|Landwirtschaft in Vietnam: Pflügen mit Schwingpflug und Wasserbüffel als Zugtier mini|Bauer mit Zweigespann und Einschar-Karrenpflug

Pflügen ist das Lockern und Wenden der Ackerkrume mit Hilfe eines Pflugs (Bodenbearbeitung). Durch Pflügen wird das Bodengefüge aufgelockert, indem der Boden in der jeweiligen Bearbeitungtiefe gewendet wird. Je nach Art und Einstellung des Pfluges, Bodengegebenheiten und Nutzung von zusätzlichen Geräten (v. a. Packer) kann der Ackerboden mehr oder weniger uneben zurückgelassen werden. Durch die erhöhte Sauerstoffzufuhr und Witterungseinwirkungen wird die Zersetzung organischer Stoffe bewirkt. Im Sinne der (ggf. erstmaligen) Vorbereitung eines Bodens als Ackerland durch das Pflügen spricht man auch von Umbruch.

Das Pflügen dient folgenden Zwecken: Durchlüftung und v. a. im Frühjahr Erwärmung des Bodens mit dadurch geförderter biochemischer Zersetzung älteren pflanzlichen Materials. Allerdings führt das nach herrschender Meinung auch zu Humusverlust und Freisetzung klimawirksamer Gase (Bodenatmung). Langfristig kann es zum Beispiel zum Rückgang mikrobieller Aktivität oder der Wasserspeicherfähigkeit kommen gleichmäßige und bedeckende Einarbeitung von Ernterückständen oder auf den Acker aufgebrachten organischen Materials (z. B. Mist, Gülle, Häckselstroh) mechanische Begleitvegetations-Bekämpfung Bekämpfung von tierischen Schädlingen, insbesondere Feldmäusen, durch Zerstörung der unter der Bodenoberfläche gelegenen Gänge und Nistkammern – (PDF; 104 kB).. mechanische Lockerung des Bodens, insbesondere von verdichteten Stellen Vorbereitung des Ackers als Saatbett

Im Regelfall wird viereckig mit dem Kehrpflug oder Beetpflug gepflügt, bei einem genügend breiten Rain (Feldrand) auch streifenförmig. Beim Konturpflügen (amerik. contour plowing) werden die Furchen parallel zum Hang gelegt, um die Erosion (Hangabspülung) zu vermindern. Dies wurde vor allem in den amerikanischen Great Plains gepflegt.

Der Erfolg des Pflügens ist vom richtigen Zeitpunkt, von der dem Boden angepassten Arbeitstiefe und von der Witterung abhängig. Wird dies nicht beachtet, kann der Pflug der Bodenstruktur erhebliche Schäden zufügen. Normalerweise wird im Herbst gepflügt. Große Erdschollen können danach über den Winter durch Frostsprengung zerfallen. Wegen der Bodenorganismen und der Humusschicht soll nicht zu tief gepflügt werden. Zur Saatbettbereitung werden Felder danach mit der Egge geglättet („geeggt“).

Kritik am Pflügen Aufgrund der Schäden, die Pflügen dem Boden zufügt, wird bei der konservierenden Bodenbearbeitung auf das Pflügen verzichtet. Die Bodenerosion wird vermindert, da fließendes Wasser am Hang oder Wind den stark aufgelockerten Boden leicht erodieren kann.Pflügen verschärft Bodenerosion. Auf www.spektrum.de Die Wasserverluste durch Verdunstung werden verringert, wenn die Pflanzenrückstände nicht eingepflügt werden, sondern auf der Oberfläche belassen werden.Pflügen kostet Wasser Wenn der Boden gepflügt wird, nimmt unterhalb der Pflugsohle die Dichte des Bodens schlagartig zu. An dieser Grenzschicht staut sich bei Starkregenereignissen das Wasser, sodass leichter Staunässe auftreten kann. Auch der Boden als Ökosystem profitiert von einer pfluglosen Bearbeitung.Zum Einfluss der Bodenbearbeitung auf ausgewählte Elemente des Bodenlebens. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft. Allerdings muss die Unkrautbekämpfung beim pfluglosen Verfahren mit Herbiziden erfolgen, warum die Ökologische Landwirtschaft noch vermehrt den Pflug nutzt.landwirtschaft.de - Warum die einen pflügen und die anderen nicht Bundesinformationszentrum Landwirtschaft

In Deutschland wurden im Wirtschaftsjahr 2022/2023 40 % (4,6 Millionen Hektar) des Ackerlandes gepflügt und verliert weiter an Bedeutung.Pflugeinsatz verliert in der Landwirtschaft an Bedeutung Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts

Geschichte des Pfluges Der gelehrte Kaiser Shin-nong soll einer Legende zufolge um 3700 v. Chr. in China den Pflug erfunden haben.Carl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildung und einer Geschichtstabelle (= Bücherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 16. Die früheste Methode, den Boden aufzulockern, war der noch heute in vielen Teilen der Welt verwendete Grabstock oder Furchenstock, der eine gewisse Hebelwirkung bot und zum Ziehen von flachen Saatrillen benutzt werden konnte. Das Erdreich wurde kleinflächig mit Hacken aufgelockert. Es folgten pflugähnliche, durch Menschen gezogene Geräte (Ziehstock, Ziehspaten). Bereits in prähistorischer Zeit löste der Pflug an vielen Orten Hacken oder Spaten sowie Grab-, Furchen- und Pflanzstöcke für die Feldarbeit ab.

Ritzpfluggerät mini|hochkant=1.1|Rekonstruktion eines neolithischen Ritzpflugs, ArcheoParc Schnals, Südtirol Neolithische Kulturen Frühformen des Pfluges wurden anscheinend parallel in verschiedenen Kulturen der Jungsteinzeit erfunden (Harappa, Starčevo-Kultur). Diese ersten Formen waren Ritzpflüge (Ard oder Arl). Sie besaßen eine symmetrische Holzspitze, die später durch Eisenplatten verstärkt wurde. Da er bei einem einmaligen Arbeitsvorgang die oberste Bodenschicht nur leicht aufritzte, ging man dazu über, den Acker in zwei Richtungen zu pflügen. Diese Art des Kreuzpflügens wurde seit der Jungsteinzeit ausgeführt und hat sich stellenweise, vor allem im Mittelmeerraum, bis in die Neuzeit gehalten.

mini|links|hochkant=0.6|Ritzpflugtypen:1 – Krümelpflug2 – Hakenpflug3 – SohlenpflugAndré-Georges Haudricourt, Mariel Jean-Brunhes Delamarre: L’homme et la charrue à travers le monde. 2. Auflage. La Manufacture, Lyon 1985.

Der früheste Fund eines Grabstocks in Europa stammt aus „Egolzwil 3“ Kanton Luzern und datiert in die Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr.

Diese Hakenpflüge, die aus einem Grabstock bestanden, haben einen Pflughaupt, nach oben gebogenen und Einstellung in die Sterze, sind von der Baum durchbohrt und wurden von Ochsen gezogen.

Jens Lüning nimmt an, dass bereits die Linearbandkeramiker den Pflug nutzten.Jens Lüning: Bandkeramische Pflüge? In: Fundberichte Hessen Band 19–20, 1979–1980, S. 55–68. Dafür gibt es indirekte Belege wie die Verochsung von Stieren. Die meisten Autoren gehen jedoch davon aus, dass der Pflug, zusammen mit Wagen erst in der Trichterbecherkultur bzw. der Badener Kultur in Mittel- und Nordeuropa gebräuchlich wurde.Peter Bogucki: Animal traction and household economies in Neolithic Europe. In: Antiquity Band 67, Nr. 256, 1993, S. 492–503.Tim Kerig: ‚Als Adam grub…‘ Vergleichende Anmerkungen zu landwirtschaftlichen Betriebsgrößen in prähistorischer Zeit. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift Band 48, 2007, S. 375–420. Furchenspuren wurden auf dem Gräberfeld von Flintbek, Kreis Rendsburg-Eckernförde, Norddeutschland sowie unter Megalithanlagen und in Siedlungen in den Niederlanden und Dänemark gefunden. Diese Region wurde um 4300 v. Chr. von der Trichterbecherkultur besiedelt.Das Hügelgräberfeld von Flintbek auf der Website des Geschichtsvereins Bordesholm. Auch aus der Zeit der Schnurkeramik liegen Pflugspuren vor.

Der älteste in Deutschland gefundene hölzerne Pflug ist der Krümelpflug von Walle in Ostfriesland. Zunächst in das 4. Jahrtausend v. Chr., später (in den fünfziger Jahren) in die ausgehende Jungsteinzeit (etwa 2000 v. Chr.) eingeordnet, datieren neuere Messungen den Pflug inzwischen in die frühe Bronzezeit (1940 bis 1510 v. Chr.).Dirk Hecht: Das schnurkeramische Siedlungswesen im südlichen Mitteleuropa. Eine Studie zu einer vernachlässigten Fundgattung im Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit (PDF; 34,2 MB). Dissertation. Heidelberg 2007, S. 197. Kennzeichnend für den Krümel- oder Bogenpflug ist, dass Krummbaum (auch Krümel), Sohle und Schar aus einem Stück Holz gearbeitet sind; hinzu kommt nur noch die Sterze, die in das rückwärts überstehende Sohlenende hinter dem Krummbaum gesteckt und mit Holzkeilen verfestigt ist. Solche Hakenpflüge hielten sich in Mitteleuropa bis ins späte Mittelalter. Die süddeutschen Namen Arl oder Erling ‚Ritz-, Krümelpflug‘ wurden aus dem Slawischen entlehnt.

Bronze- und eisenzeitliche Pflüge mini|Eines der Holzmodelle aus dem Mittleren Reich im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim mit Darstellung einer Pflügeszene mini|links|Altes Ägypten; Neues ReichBader (2015) stellt die Frühzeit und das Alte Reich (etwa 3000–2200 v. Chr.) korrespondierend der Frühen Bronzezeit in den vorderasiatischen Kulturen gegenüber, das Mittlere Reich (etwa 2000–1650 v. Chr.) als Mittlere Bronzezeit und das Neue Reich (etwa 1550–1070 v. Chr.) als Späte Bronzezeit bezeichnen. Siehe auch Bettina Bader: Egypt and the Mediterranean in the Bronze Age: The Archaeological Evidence. Egyptian Archaeology, August 2015, DOI:10.1093/oxfordhb/9780199935413.013.35, S. 11. 1200 v. Chr. (Grabkammer von Sennedjem) Zunächst zogen Ochsen, später auch Kühe den Pflug. Sehr viel später kamen Esel, Kamele oder Maultiere hinzu, in Mitteleuropa in größeren Betrieben die leistungsfähigeren Pferde.

Mesopotamien und Ägypten (später auch Indien) sind vermutliche eigenständige Mutterlandschaften des Pfluges. Der Übergang vom Hack- zum Pflugbau in Ägypten mag dort schon während der Naqada-II-Periode (3700/3600–3200 v. Chr.) stattgefunden haben. Zwei Arten sind zu unterscheiden: der tierbespannte Umbruchpflug (sumerisch apin, akkadisch ḫarbu, ägyptisch hb.w), um die Ackererde zu lockern, und der altmesopotamische Saatpflug (sumerisch numun-gar, akkadisch epinnu) mit Saattrichter, mit dem eine gleichmäßige Aussaat erreicht wurde. Nach 3000 v. Chr. wurden altsumerische Pflüge typischerweise mit Bronzescharen beschlagen; mit Eisenscharen nach 1200 v. Chr. in Assyrien und Ägypten. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte der Pflugbau in Kleineurasien weitgehend auf diese einfache Weise.Karl Kaser: Balkan und Naher Osten. Einführung in eine gemeinsame Geschichte. Böhlau, Wien 2011, S. 138.

Bodenwendendes Pfluggerät In den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. beschreibt Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte den Räderpflug mit breiter Schar zum Wenden der Scholle als neue Erfindung der rätischen Gallier: „Vor nicht langer Zeit hat man im rätischen Gallien die Erfindung gemacht, an einer solchen Pflugschar zwei kleine Räder anzubringen; man nennt diese Art plaumoratum. Die Spitze hat die Form eines Spatens. … Die Breite der Pflugschar wendet den Rasen um“ (Übersetzung Roderich König).