mini|Eugen Burg auf einer Fotografie von Alexander Binder mini|Stolperstein am Haus, Albrecht-Achilles-Straße 5, in Berlin-Wilmersdorf Eugen Burg (* 6. Januar 1871 als Eugen Hirschburg in Berlin; † 13. Aprillaut Gedenkbuch. Das bislang geglaubte Datum 15. November ist falsch. 1944 im KZ Theresienstadt) war ein deutscher Schauspieler, Schriftsteller und Filmregisseur.

Leben Theaterlaufbahn Eugen Burg sollte eigentlich Kaufmann werden, doch er verließ in den 1890er Jahren seine Geburtsstadt Berlin, um in Wien eine Bühnenlaufbahn einzuschlagen. Dort bekam er eine Schauspielausbildung von Maximilian Streben (1868–1891), dem damaligen Direktor des Sulkowsky-Privattheaters in der Wiener Vorstadt Matzleinsdorf. Etwa zur gleichen Zeit nahm auch Max Reinhardt, den mit Eugen Burg eine lebenslange Freundschaft verband,In der Theaterhistorischen Sammlung der Freien Universität Berlin befinden sich Briefe von Max Reinhardt an Eugen Burg: https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we07/institut/theaterhistorische_sammlungen/IfT_Bestandsliste_2021_09.pdf Schauspielunterricht bei Maximilian Streben. Gleichzeitig gehörten Eugen Burg und Max Reinhardt zu einer Gruppe theaterbegeisterter junger Menschen, die sich selbst die „Leopoldstadtler“ nannten, da die meisten von ihnen in der Wiener Leopoldstadt ansässig waren. Zu dieser Gruppe von Theaterenthusiasten gehörte auch Luis Taufstein, mit welchem Eugen Burg mehrere Theaterstücke schrieb.

Eugen Burg spezialisierte sich auf das Rollenfach des jungen Liebhabers und Bonvivants. Sein Bühnendebüt gab er 1889 im böhmischen Kurort Franzensbad in der Komödie Die Wilddiebe von Theodor Herzl in der Rolle des Max von Thürmer. Danach war Eugen Burg auf verschiedenen k. u. k. Provinzbühnen zu sehen (Bielitz, Wiener Neustadt, Bad Ischl, Reichenberg, Troppau).Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 74. 1893 wurde Eugen Burg kurzzeitig am Wiener Jantsch-Theater engagiert, folgte aber bereits im Sommer 1894 dem Ruf von Regisseur und Theaterleiter Otto Brahm ans Deutsche Theater in Berlin, wo Eugen Burg bis 1896 unter anderem mit Joseph Kainz und Agnes Sorma auf der Bühne stand. Einem erneuten Engagement in Wien (Raimund-Theater, 1900–1904) folgte eine Spielzeit am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, welches er 1905 wieder verließ, um erneut ans Deutsche Theater zu gehen, welches zu diesem Zeitpunkt schon von seinem Jugendfreund Max Reinhardt geleitet wurde. Zwischen 1908 und 1909 trat Eugen Burg am Deutschen Theater von New York auf und war dort auch als Oberregisseur tätig.

Ab 1910 war Eugen Burg dann dauerhaft in Berlin ansässig und spielte auf mehreren Berliner Bühnen (Neues Schauspielhaus, Berliner Theater, Trianon-Theater, Residenz-Theater, Rotter-Bühnen, Deutsches Künstlertheater, Kleines Theater, Komische Oper). Ab 1935, nach einem letzten Engagement am Theater in der Behrenstraße, blieb er, von den Nazis als „Volljude“ eingestuft, beschäftigungslos.

Filmschaffen Burg war bereits 43 Jahre alt und ein bekannter Bühnendarsteller, als er 1914 bei der Berliner PAGU zum ersten Mal vor der Kamera stand. Auf 90 weitere Stummfilme, in denen er zwischen 1916 und 1920 gelegentlich auch Regie führte, folgte 1930 mit Der Greifer sein erster Tonfilm. Neben seinem Schüler und Protegé Hans Albers trat Burg hier in der Rolle eines Chefinspektors bei Scotland Yard auf.

Nachdem 1933 die Nationalsozialisten an die Regierung gelangten, verlor Burg wegen seines Judentums sein Engagement bei der Ufa und wurde von der Reichsfachschaft Film durch einen Ausschluss aus der Reichstheaterkammer und der Reichsfilmkammer ausgeschlossen und so mit Berufsverbot belegt, was seine Karriere abrupt beendete. Er floh nach Holland und wurde dort nach dem Einmarsch der Deutschen verhaftet.Matthias Wegner: Hans Albers. Hamburg 2005.

Biographische Anmerkungen Eugen Burg war mit der Koloratursopranistin und Opernsängerin Emmy Burg-Raabe (geb. 2. Juni 1877 in Przemyśl, gest. 6. Juli 1927 in Berlin), die später als Konzertsängerin und zuletzt als Gesangslehrerin wirkte, verheiratet. Er war der Vater der Schauspielerin Hansi Burg, die seit 1925 die Lebensgefährtin von Hans Albers war.

Burg wurde am 28. Januar 1943 gemeinsam mit seiner zweiten Frau von Berlin ins KZ Theresienstadt deportiert. Eugen Burg war schwer erkrankt und fast erblindet und starb im Alter von 73 Jahren im Blindenheim im KZ Theresienstadt.

Theaterstücke (Auswahl) 1915: Herrschaftlicher Diener Gesucht. Schwank in drei Akten von Eugen Burg und Luis Taufstein. 1916: Alles aus Gefälligkeit. Schwank in drei Akten von Eugen Burg und Louis Taufstein. 1917: Wo die Liebe hinfällt. Schwank in drei Akten von Eugen Burg und Otto Härting. 1918: Sprühteufelchen. Schwank in drei Akten von Eugen Burg und Otto Härting. 1919: Die Erholungsreise. Schwank in drei Akten von Eugen Burg und Fritz Wilding.

Filmografie als Schauspieler, wenn nicht anders angegeben 1914: Die Marketenderin 1915: Robert und Bertram 1915: Nur eine Lüge 1915: Nahira 1915: Der schwarze Moritz – Drehbuch 1915: Der möblierte Herr 1915: Das dunkle Schloß 1916: Gräfin Lukani – Regie 1916: Alles aus Gefälligkeit – Regie, Darsteller, Drehbuch 1917: Der karierte Regenmantel 1917: Der Fall Hirn 1918: Genie und Liebe 1918: Im Schloß am See – Regie, Darsteller 1918: Helga – Regie 1918: Elly und Nelly – Regie 1918: Du sollst nicht töten – Regie 1918: Die Prinzessin von Montecuculi 1918: Der Erbe von Skialdingsholm – Regie, Darsteller 1919: Liebe, die sich frei verschenkt – Regie 1919: Mutter Erde – Regie, Darsteller 1919: Gezeichnete Mädchen – Regie 1919: Eine Nacht, gelebt im Paradiese – Regie 1919: Die da sterben, wenn sie lieben – Regie 1919: Der violette Tod – Regie 1919: Das Hexenlied – Regie 1919: Das Geheimnis des Schafotts – Regie, Darsteller 1919: Das Geheimnis der Wera Baranska – Regie 1919: Das Abenteuer der Bianetta – Regie 1920: Salome – Regie 1920: Das Land der Verheißung – Regie, Darsteller 1920: Seelen im Sumpf – Regie 1920: Oberst Chabert – Regie, Darsteller 1920: Ninon de l'Enclos – Regie 1920: Die Schmugglerin – Regie, Darsteller 1920: Die Scheidungs-Ehe – Regie 1920: Der wird geheiratet – Regie, Drehbuch 1920: Der Kelch der Keuschheit – Regie 1921: Violet 1921: Die Diktatur der Liebe, 2. Teil: Die Welt ohne Liebe 1921: Die schwarze Pantherin 1922: Wenn die Maske fällt 1922: Fridericus Rex (1. und 2. Teil) 1922: Mignon 1922: Marie Antoinette 1922: Die vom Zirkus 1922: Die Lüge eines Sommers 1922: Der bekannte Unbekannte 1923: Ein Kind – ein Hund 1923: Alt-Heidelberg 1923: S.O.S. Die Insel der Tränen 1923: Gobseck 1924: Die letzte Stunde (Hotel Potemkin) 1924: Max, der Zirkuskönig 1924: Das schöne Abenteuer 1926: Was ist los im Zirkus Beely? 1926: Rinaldo Rinaldini 1926: Eine Dubarry von heute 1926: Die versunkene Flotte 1926: Die lachende Grille 1926: Die dritte Eskadron 1926: Die Flucht in den Zirkus 1926: Das süße Mädel 1926: Achtung Harry! Augen auf! 1927: Der Zigeunerbaron 1927: Die Jagd nach der Braut 1927: Das edle Blut 1927: Sein größter Bluff 1927: Schwere Jungens – leichte Mädchen 1927: Herkules Maier 1927: Glanz und Elend der Kurtisanen 1927: Die Geliebte 1927: Der Mann ohne Kopf 1927: Das tanzende Wien 1928: Es zogen drei Burschen 1928: Panik 1928: Wer das Scheiden hat erfunden 1928: Mädchen, hütet Euch! 1928: Mädchenschicksale 1928: Mann gegen Mann 1928: Gaunerliebchen 1928: Der erste Kuß 1928: Der Adjutant des Zaren 1929: Spielereien einer Kaiserin 1929: Spiel um den Mann 1929: Ohne Geld durch die Welt 1929: Morgenröte 1929: Ludwig der Zweite, König von Bayern 1929: Jennys Bummel durch die Männer 1929: Ja, Ja, die Frau’n sind meine schwache Seite 1929: Flucht in die Fremdenlegion 1930: Der Greifer 1930: 1914, die letzten Tage vor dem Weltbrand 1931: Mary 1931: Elisabeth von Österreich 1931: Der Draufgänger 1931: Mein Leopold 1931: Der Stolz der 3. Kompanie 1932: Holzapfel weiß alles 1932: Der Sieger 1932: Unmögliche Liebe 1932: Teilnehmer antwortet nicht 1932: Streichquartett (Kurzfilm) 1932: Der weiße Dämon

Gedenken Am 17. Juli 2025 wurden vor seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Wilmersdorf, Albrecht-Achilles-Straße 5, Stolpersteine für ihn und seine Frau verlegt.

Literatur Matthias Wegner: Hans Albers. Hamburg 2005. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 606. Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 74.

Weblinks

Foto und Kurzbiografie auf Cyranos.ch

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