miniatur|Blick vom Ostufer der Elbe auf Westerhüsen, 2011 miniatur|Stephanus-Turm miniatur|Blick über die Elbe, Elbfähre am Ostufer Westerhüsen ist ein an der südlichen Stadtgrenze gelegener Stadtteil der Landeshauptstadt Magdeburg mit einer Fläche von 7,2326 km² und 3.323 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021).Stadtteilkatalog des Amtes für Statistik

Geografie Westerhüsen liegt am Westufer der Elbe und grenzt im Süden an den Salzlandkreis. Die benachbarten Stadtteile sind Beyendorf-Sohlen im Westen und Salbke im Norden, wo die Welsleber und Blumenberger Straße als Trennlinie verläuft.

Der im Nordosten gelegene bebaute Anteil des Stadtteils beträgt nur etwa 11 Prozent der Gesamtfläche. Im Wesentlichen konzentriert sich die Bebauung entlang der Durchgangsstraße Alt Westerhüsen und westlich des Bahnhofs Magdeburg-Südost der Bahnlinie Magdeburg–Leipzig. Die Bausubstanz besteht sowohl aus Einfamilienhäusern wie auch aus mehrgeschossigen Mietshäusern.

Das Gebiet des Stadtteils steigt von 49 Metern am Elbufer in westlicher Richtung zu den zu Salbke gehörenden Sohlener Bergen bis auf 97,8 Meter an. Im Umfeld der Sohlener Berge liegen auch die als Semmel und Katzendarm bezeichneten Bereiche der Feldmark. Südwestlich der Ortslage liegen die Wellenberge an die sich südwestlich die Erhebung der alten SKL-Deponie Westerhüsen anschließt. Im Süden erreicht der Frohser Berg 115,5 Meter. Davor liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie das kleine Feuchtgebiet Pötritzer Sumpf. Am südlichen Ortsausgang befindet sich der etwa 20 Hektar große „Volkspark Westerhüsen“. Südlich hiervon verläuft der in die Elbe mündende Pfingstwiesengraben. Das ursprüngliche Kerngebiet des Dorfes liegt etwas erhöht über der Elbe, wobei der Siedlungsbereich durch die westlich gelegenen kleinen Höhenzüge gegen Westwinde geschützt war. Die Bodenverhältnisse sind für die Landwirtschaft etwas ungünstiger als dies in den westlich gelegenen Gebieten der Magdeburger Börde der Fall ist. So wurde die Feldmark Westerhüsens als unergiebigste Feldflur des Kreises Wanzleben bezeichnet.Der Regierungs-Bezirk Magdeburg, Geographisches, statistisches und topographisches Handbuch. gedruckt bei Ferdinand Rubach, Magdeburg 1820, S. 132. In historischer Zeit gab es in der Gemarkung Westerhüsen einen als Britschenstein benannten Findling.

Infrastruktur miniatur|links|Straße Alt Westerhüsen, Ortsdurchfahrt Westerhüsen dient heute vorwiegend Wohnzwecken, einige kleine Gewerbebetriebe sind hier angesiedelt. Hervorzuheben ist der Schulkomplex mit dem Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft und dem Kaufmännischen Bildungszentrum. Der Stadtteil verfügt mit dem Bahnhof Magdeburg Südost über eine S-Bahn-Station und wird von einer Straßenbahnlinie erschlossen. Über die Straße Alt Westerhüsen führt eine Straßenverbindung zur Nachbarstadt Schönebeck. Die Fähre Westerhüsen verbindet Westerhüsen mit dem Ostufer der Elbe. In Westerhüsen befindet sich die Freiwillige Feuerwehr Magdeburg-Südost.Freiwillige Feuerwehr Magdeburg-Südost

Im Stadtteil bestehen fünf Kleingartenvereine (Stand 2013).Aufstellung des Verbandes der Gartenfreunde Magdeburg

Geschichte Vorzeit Anhand von Ausgrabungen konnte festgestellt werden, dass im Bereich des heutigen Westerhüsens bereits in der frühen Jungsteinzeit (um 3000 v. Chr.) Menschen lebten. Entsprechende zur Linienbandkeramik und zur Walternienburg-Bernburger Kultur gehörige Funde wurden auf dem Grundstück Alt Westerhüsen 130 im südlichen Teil des Ortes gemacht. In die mittlere und späte Bronzezeit wurden gefundene Urnengräber datiert. Westlich des Straßenbahndepots wurden seltene Körpergräber festgestellt, die aus der frühen Eisenzeit stammen.Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Geographisches Institut, Arbeitsgruppe Heimatforschung (Hrsg.): Werte unserer Heimat. Band 19: Magdeburg und seine Umgebung. Akademie-Verlag, Berlin 1972, , S. 117. Diverse im Ortsgebiet gemachte vorgeschichtliche Funde befinden sich im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Auf dem Grundstück Sohlener Straße 12 wurde ein kleiner Topf mit Ösenhenkel entdeckt. In der Umgebung des Straßenbahndepots wurde neben Tonscherben und einem steinernen Rillenbeil auch eine Schalenurne gefunden. Auf dem Grundstück In der Mittelwiese 3 fand sich ein kleiner Napf und am Elbufer ein doppelkonisches Gefäß.Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen. S. 5. 1920 wurde der Fund eines steinzeitlichen Steinbeils oder Faustkeils in einem Garten oberhalb der Eisenbahn gemeldet.Einen interessanten Fund In: Volksstimme. 22. Juni 1920.

In der Nähe des Dorfes befand sich bis weit in die Neuzeit hinein auch die prähistorische Grabanlage Hünenkeller. Sie befand sich etwa im Bereich der Bahntrasse und war bei deren Anlage im Jahr 1838 schon nicht mehr vorhanden. In dieser Zeit wurde auch über Funde von prähistorischen Urnen mit Menschenknochen in den südlich bzw. westlich von Westerhüsen gelegenen Höhenzügen berichtet und das ehemalige Vorhandensein von entsprechenden Hünengräbern vermutet, die jedoch bereits nicht mehr konkret bekannt waren.Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. 2. Teil, Magdeburg 1842, S. 86.

Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung fand in den „Corveyer Traditionen“ statt, in denen für den Zeitraum von 826 bis 853 unter anderem auch Schenkungen in Westeros angegeben werden. Danach schenkten die Brüder Ado und Odo die ihnen in Westerhüsen und benachbarten Dörfern zustehenden Lehnserträge an das Kloster Corvey, wobei diese Schenkungen vermutlich nicht das ganze Dorf, sondern nur einige Naturaleinkünfte betraf.Allerlei aus elf Jahrhunderten. In: Evangelisches Gemeindeblatt Magdeburg-Westerhüsen. vermutlich 1942. Der Name Westerhüsen enthält das altsächsische Wort „hus“ für Haus, sodass damit vermutlich ein im Westen gelegener Einzelhof bezeichnet wurde. Es gibt Vermutungen, wonach sich die Bezeichnung Wester als Unterscheidung zu einem Osterhüsen ergab. Danach soll sich nordöstlich von Salzelmen, ebenfalls an der Post- und Heerstraße nach Calbe (Saale) gelegen, dieses Osterhüsen befunden haben.Marta Doehler, Iris Reuther: Siedlungsentwicklung in Westerhüsen Magdeburg Südost. Landeshauptstadt Magdeburg 1995, S. 19. Eine dort befindliche Esterhuser Straße könnte auf diesen ehemaligen Ort verweisen. Weitere Spekulationen gehen dahin, dass Westerhüsen eine unter Karl dem Großen zum Schutze der hier entlang führenden Heerstraße angelegte Befestigung sein könnte. Eine solche Befestigung könnte sich danach am südöstlichen Abhang der Wellenberge befunden haben. Im 9. Jahrhundert missionierte der Halberstädter Bischof Hildegrim in der Gegend und weihte die von ihm gegründeten Kirchen dem Heiligen Stephanus. Da die Westerhüser Kirche ebenfalls Stephanus geweiht war, werden Vermutungen angestellt, dass ihr Ursprung bis in diese Zeit zurückreicht. Die anfängliche Holzkirche wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts durch einen Steinbau ersetzt. miniatur|Urkunde von 936Am 13. September 936 wurden ein Teil der Einnahmen des Ortes Uuesterhuse durch König Otto I. dem Stift Quedlinburg übertragen. Mit einer Urkunde vom 21. September 937 schenkte Otto Westerhuse dann dem Magdeburger Moritzkloster. Eine weitere urkundliche Erwähnung erfolgte am 17. Mai 1185 als Erzbischof Wichmann dem Kloster Hagenrode eine Hufe bei Westerhüsen schenkte, die zur Sommerburgischen Erbschaft gehörte und dem erzbischöflichen Ministerialen Heidenreich zum Lehen gegeben war. In einer Urkunde vom 28. Oktober 1272 wird im Rahmen einer Schenkung als Zeuge ein Herbord Miles (Ritter) de Westerhusen erwähnt. Hinweise auf ein Adelsgeschlecht in Westerhüsen gibt es jedoch im Übrigen nicht. Die Bemerkung bezieht sich vermutlich auf Westerhausen bei Quedlinburg.Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen. S. 9.

Am 10. Januar 1278 ereignete sich südlich von Westerhüsen im Zweiten Askanischen Krieg die Schlacht bei Frohse zwischen Truppen der Askanier unter Markgraf Otto IV. und dem von der Stadt Magdeburg unterstützen Erzbistum Magdeburg, die von den Magdeburger Truppen gewonnen wurde. Die noch heute als Flurname gebräuchliche Bezeichnung Wahlwiesenbreite geht auf diese Schlacht zurück.

1441 versetzte Erzbischof Günther den Ort an den Bürger Hans Lindow. Im Jahr 1443 belehnte der Erzbischof die Brüder Lohse mit 9,5 Hufen, drei Höfen und der Taverne. Westerhüsen gehörte zum Nordthüringgau.

Südlich des Dorfes befand sich im Mittelalter der später zur Wüstung gewordene Ort Pötritz sowie das Westerhüser Gehölz, ein heute nicht mehr bestehendes Waldgebiet.

Neuzeit Etwa um 1500 stieg die Bevölkerungszahl an. Dies wohl auch durch den Zuzug von ehemaligen Bewohnern des wüst gewordenen Pötritz. 1523 wurde für die Kirche von dem Magdeburger Stückgut- und Glockengießermeister Claus Backmester die 550 Kilogramm schwere Christkönigsglocke gegossen, die heute noch vorhanden ist und zu den ältesten Kirchenglocken Magdeburgs zählt.

Schmalkaldischer Krieg Während des Schmalkaldischen Kriegs war Westerhüsen zweimal Verhandlungsort der gegnerischen Parteien. Am 15. Dezember 1548 fanden in Westerhausen, vermutlich im Gemeindekrug, Verhandlungen zwischen Magdeburger und erzbischöflichen Deputierten geführt. Die Abgesandten des Erzbischofs Johann Albrecht forderten die Herausgabe der erzbischöflichen Güter und Ämter. Die evangelischen Magdeburger forderten Religionsfreiheit und Sicherstellung ihrer städtischen Privilegien. Die Verhandlungen wurden als Westerhausischer Abschied bekannt. Diese Verhandlung und ein späteres Treffen in Neugattersleben blieben jedoch erfolglos. Die in der Region Magdeburg weiterhin andauernden militärischen Auseinandersetzungen führten dann dazu, dass die erzbischöfliche Seite für den 9. April 1550 erneut nach Westerhüsen einlud. Die Positionen waren ähnlich wie beim ersten Treffen. Zu einem geplanten weiteren Treffen in Magdeburg kam es nicht mehr, da der Erzbischof am 17. Mai 1550 verstarb. Es folgte 1550/51 die Belagerung der Stadt, wobei die Umgebung, so auch Westerhüsen besonders zu leiden hatten. Unter anderem wurden die vier Glocken der Westerhüser Kirche gestohlen. Eine, die noch heute vorhandene Christkönigsglocke aus dem Jahr 1523, konnte später von den Westerhüsern zurückgekauft werden. Diese Belagerung endete mit einer Kapitulation der Stadt zu jedoch sehr günstigen Bedingungen.

1553 wurde in Westerhüsen die Reformation eingeführt, nach dem das nahe gelegene Magdeburg bereits seit 1524 evangelisch war. Ab 1563 unterstand Westerhüsen dem Domkapitel Magdeburg und war an die Kirche des Klosters Berge verlehnt. 1564 zählte Westerhüsen 39 Hauswirte, was etwa 280 Einwohnern entsprechen dürfte. 1583/84 werden 45 Hauswirte bei etwa 320 Einwohnern angegeben. Schon für das 16. Jahrhundert wird eine Elbfähre in Westerhüsen erwähnt.

Dreißigjähriger Krieg Der Dreißigjährige Krieg traf auch Westerhüsen schwer. Erste Ausläufer erreichten den Ort als sich bei Pfarrer Pomarius eine abgerissene, aus Böhmen geflohene Pfarrersfamilie meldete und von schrecklichen Kriegsereignissen berichtete. Die Familie wurde in Westerhüsen aufgenommen. Dann besetzten Truppen Wallensteins das Gebiet des Erzstift. Ein Offizier in Begleitung von Soldaten kam jeweils in die einzelnen Dörfer und organisierte Kriegskontributionen. Korn musste gegen Wallensteinisches Kriegsgeld zu Getreidesammelstellen gebracht werden. Saatkorn wurde jedoch verteilt, allerdings war Ackerzins zu zahlen. Als problematisch erwies sich, dass die Magdeburger Kaufleute das Kriegsgeld nicht akzeptierten. Die Not vergrößerte sich, Bauern gaben ihre Wirtschaften auf und zogen weg. Bereits zwischen 1626 und 1631 verwilderten Felder und verfielen Höfe. miniatur|hochkant|Kanonenkugel am Weibezahlschen Hof mit dem Hinweis auf das Jahr 1631