Der Wasserturm ist ein bekanntes Wahrzeichen Mannheims. Erbaut wurde der Turm von 1886 bis 1889 am heutigen Friedrichsplatz am östlichen Rand der Innenstadt nach den Plänen von Gustav Halmhuber. Der Turm ist 60 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 19 Metern. Er war der erste städtische Wasserturm Mannheims und hatte anfangs alle Funktionen der Trinkwasserversorgung zu erfüllen, inklusive der Aufrechterhaltung eines konstanten Wasserdrucks. Nach dem Bau des höher gelegenen Wasserturms Luzenberg 1909 diente er noch bis zum Jahr 2000 als Reservehochbehälter. Das Turmbauwerk steht seit 1987 unter Denkmalschutz.

Geschichte Vorgeschichte Da Mannheim in der Rheinebene liegt, ist das Grundwasser nicht sehr tief unter der Erdoberfläche und daher oft von minderer Qualität. Deshalb schlug schon während der Regierungszeit des Kurfürsten Carl Ludwig (1680) der Handelsmann Helferich Geil vor, „Bergwasser von Rohrbach“ (heute ein Stadtteil von Heidelberg) nach Mannheim zu leiten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Wasserbedarf des kurfürstlichen Hofs durch den Oberen und den Unteren Fürstenbrunnen am Heidelberger Schloss gedeckt. Der kurpfälzische Baudirektor Johann Andreas von Traitteur schreibt im Jahr 1798 über diese Wassertransporte:

mini|Fassung der Quellen in Rohrbach (Heidelberg) mini|Grundriss der Wasserleitung mit Deichelröhren und Senkkasten mini|Lageplan der vorgesehenen Wasserleitung (dunkelblau), sowie der Ableitung des Leimbaches für die Festungsgräben (hellblau). (angedeuteter Verlauf nach der „Special Karte“ des J.A. v. Traitteur, um 1790) 1739 ließ der ‚Minister von Hildesheim‘ acht Springbrunnen auf dem Paradeplatz bauen, das fehlende Wasser hierzu sollte der Architekt Bibiena von Rohrbach herbeiführen. Jedoch konnte er diese Arbeiten nicht mehr ausführen. Über 60 Jahre waren diese Springbrunnen ohne Wasser und die Mannheimer wurden dafür von Besuchern mit Gespött überzogen.

Im Jahr 1758 wurde der naturwissenschaftlich ausgebildete Jesuit Christian Mayer nach Frankreich geschickt, um dort alle Wasserleitungen in Augenschein zu nehmen. Pater Mayer schrieb nach seiner Rückkehr viel von Hydraulik, aber eine Wasserleitung wurde nicht gebaut.

Der Mannheimer Küfermeister Mannsperger schlug im Jahr 1770 vor, Wasser von Rohrbach in einem Weinschlauch (im Original ‚Kieferschlauch‘) nach Mannheim zu leiten. Sein Vorschlag wurde als wahnsinnig erklärt und von einer Kommission des Stadtrats abgeschmettert, weil dies mit 200.000 Gulden nicht zu bewerkstelligen sei.

1771 wollte ‚Meister Bisinger‘ eine Faßmaschine (Schöpfrad) nutzen, um das Rheinwasser in die Festungsgräben zu schöpfen. Die Schifferzunft protestiert gegen dieses Vorhaben. Auf dem Marktplatz waren zwischenzeitlich vier neue Springbrunnen aufgestellt worden, das dazu notwendige Wasser fehlte jedoch immer noch.

Sachverständige aus Bayern wurden nach Mannheim berufen und der kurpfälzische Ingenieurhauptmann Steimich wurde um Rat gebeten. Dieser machte eine Kostenberechnung von 210.000 Gulden, um das fließende Rheinwasser durch die Festungsgräben zu leiten. Nochmals den gleichen Betrag für den Bau einer Trinkwasserleitung von Rohrbach nach Mannheim. Diese und weitere Vorhaben wurden vom Minister Graf von Oberndorff negativ beschieden.

Über 24.000 Mannheimer Einwohner bezogen damals (1790 und in den folgenden Jahren) ihr Trinkwasser überwiegend aus Pumpbrunnen. In heißen Sommermonaten, in denen viel Wasser entnommen wurde, war das Trinkwasser eine übelriechende Brühe. Die Schwebstoffe im Brunnenwasser hatten durch die schnelle Entnahme keine Zeit, sich abzusetzen. Ebenso verbreitete der Festungswassergraben, durch Austrocknung und dadurch entstehende Freilegung bzw. Ausdünstung des Morastes, einen fürchterlichen Gestank. Eine geschlossene Kanalisation gab es noch nicht und das durch die Trockenheit fehlende Spülwasser für die Abfälle, Fäkalien etc. ließ diese auf der Straße vermodern. Dies war neben dem Fleck- und Faulfieber mit der Hauptgrund der vielen Erkrankungen, die viele Mannheimer in jener Zeit in den Sommermonaten dahinrafften. mini|Luftbild von der Mannheimer Innenstadt um den Wasserturm herum mini|Wasserspiele am Mannheimer Wasserturm bei Nacht mini|Lage am Rand der Mannheimer Innenstadt (gelber Punkt rechts)

Der US-amerikanische Physiker Benjamin Thompson aus Massachusetts veranlasste den kurpfälzischen Major und Administrationsrat Johann Andreas von Traitteur, sich mit der Wasserversorgungsfrage zu befassen. Mit dem Eingreifen von Traitteur wurde der Wendepunkt in der endlosen Diskussion erreicht. Er untersuchte die Wasserläufe oberhalb Rohrbachs und Wasseradern jenseits des Neckars. Am 20. Juni 1790 reichte Traitteur dann endlich seine Denkschrift ein. Darin gab er an, innerhalb von zwei Jahren aus dem Gebirge bei Rohrbach genügend Wasser zum Trinken und zum häuslichen Gebrauch in ausreichender Menge nach Mannheim zu leiten, um damit zwölf Springbrunnen, verschiedene öffentliche Rohrbrunnen, das Mannheimer Schloss und viele Privatgebäude zu versorgen (insgesamt waren 54 Zapfstellen/Brunnen vorgesehen). Außerdem wurde v. Traitteur dazu verpflichtet, die Wasserleitung – vorschüssig – auf eigene Kosten zu bauen. Da Traitteur Privilegien gefordert hatte,Traitteur wollte die nicht gedeckten Restbaukosten durch den Verkauf des überschüssigen Brunnenwassers an Privatpersonen zurückfordern können. trat eine Kommission zusammen, die sich mit diesen Bestimmungen abgab, und machte ihm Auflagen (jetzt mussten es 130 Brunnen sein), die Traitteur nötigten, seine Pläne zu ändern. Im zweiten Vertragsabschluss vom 1. März 1791 verpflichtete sich der Ingenieur, die Wasserleitung bis Ende des Jahres 1792 zu vollenden, denn dann sollte das goldene Regierungsjubiläum Karl Theodors gefeiert werden.

Traitteur sah sich schließlich durch Geldmangel (die ausstehende „Schankung“ – vereinbarter Vorschuss/Abschlagszahlung – in Höhe von 30.000 Gulden wurde nicht bezahlt) gezwungen, die Arbeiten einzustellen, und schaffte es nicht, die Bedingungen eines dritten Vertrags einzuhalten, obwohl er neue Arbeiter eingestellt, einen Steinbruch eingerichtet und zwei Ziegeleien errichtet hatte. Die Belagerung Mannheims 1795 machte allen Bemühungen ein Ende. Die Franzosen benutzten die Holzdeicheln als Brennholz, die Österreicher schütteten den Leitungskanal aus militärischen Gründen zu. Im Jahr 1797 konstatierte die Hofkammer, dass es unmöglich sei, die Arbeiten an der Wasserleitung fortzusetzen. So kam am 22. März 1798 zwischen Traitteur und der Kammer ein Vergleich zustande, wodurch alle früheren Verträge aufgehoben und für Traitteur eine Entschädigung in Staatsobligationen festgesetzt wurde. Sie wurden ihm selbst nach langen Prozessen nicht ausgezahlt.siehe hierzu auch: Johann Andreas von Traitteur#Bau der Wasserleitung von Rohrbach nach Mannheim

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl Mannheims rasch, was zur Folge hatte, dass die Versorgung aus dem Käfertaler Wasserwerk bald nicht mehr ausreichte. Die Stadt brauchte daher einen eigenen Wasserturm. Der ausgewählte Standort war ideal, da von hier aus nur kurze Leitungswege zu den Haushalten in der Innenstadt, zur Schwetzingerstadt, zum Lindenhof und zu der damals gerade entstehenden Oststadt nötig waren.

Standortwahl Im Jahr 1882 wurde der österreichische Ingenieur Oskar Smreker mit dem Aufbau der Mannheimer Wasserversorgung verpflichtet. Er erstattete 1884 dem Mannheimer Stadtrat einen Bericht, in dem er feststellte, dass der Grundwasserstrom im Käfertaler Wald genügend gutes Trink- und Brauchwasser liefern könne. Den täglichen Wasserverbrauch setzte er dabei auf 100 Liter pro Person an. Ein Hochbehälter sollte vor dem Heidelberger Tor aufgestellt werden und dem Ausgleich von Druckschwankungen dienen, denn natürliche Anhöhen gibt es in der Umgebung von Mannheim nicht. Die Kosten der Anlage veranschlagte er auf zwei Millionen Mark, davon 244.000 Mark für das Hochreservoir. Die Platzwahl fiel nicht von ungefähr auf die Stelle vor dem Heidelberger Tor, denn dort waren bereits seit 1872 Planungen für eine Stadterweiterung im Gange.

Eine Sachverständigenkommission begutachtete Smrekers Bericht und kam zu folgendem Urteil:

Am 26. November 1884 kam es zu einem Abkommen mit der damals noch selbstständigen Gemeinde Käfertal, in dem die Stadt Mannheim ein Gelände von 1,8 Hektar Größe im Käfertaler Gemeindewald kaufte und dafür 64.000 Goldmark zahlten. Käfertal bekam die Aufstellung von drei Hydranten zugesagt und beide Seiten verpflichteten sich,

Architektenwettbewerb mini|hochkant|Erstentwurf von Gustav Halmhuber mini|hochkant|Architekt des Wasserturms Gustav Halmhuber, 1897 Im Oktober 1885 wurde ein Wettbewerb zum Bau eines Wasserturms in Mannheim reichsweit ausgeschrieben. In der Ausschreibung hieß es:

Gefordert war also ein Wasserturm, der nicht nur als Zweckbau dienen, sondern der sich architektonisch in die Umgebung einfügen sollte. Das Preisgericht hatte die Entwürfe von 74 Architekten zu beurteilen. Die meisten Einsender begnügten sich mit dekorierten Eisenkonstruktionen, die sich stark von dem Siegerentwurf unterschieden.

Der Erste Preis war mit tausend Mark dotiert und wurde dem Entwurf zuerkannt, der unter dem lateinischen Motto „ars longa, vita brevis“ (deutsch: „Die Kunst ist lang(lebig), das Leben ist kurz.“) eingereicht worden war und von dem 23-jährigen Stuttgarter Architekten und Maler Gustav Halmhuber, einem Schüler von Christian Friedrich Leins, stammte. Halmhubers Entwurf zeigte einen monumentalen Rundturm, dessen Fassade mit gelbem Sandstein verkleidet werden sollte und damit auf historische Vorbilder aus der römischen Antike zurückgriff. Dieser Turm ist in vier Geschosse gegliedert, hat zwei Freitreppen, einen Umgang und zwei Eingänge. Der Sockel selbst steht auf sieben Meter tiefen betonierten Fundamenten. Der zweite Preis in Höhe von 600 Mark ging an die hannoverschen Architekten Hecht und Siepmann für ihren Entwurf mit dem lateinischen Motto „medium tenuere beati“ (deutsch: „Die Glücklichen haben (immer) die Mitte gehalten“).

Der endgültige Baubeschluss fiel am 25. Februar 1886: Gustav Halmhuber wurde per Telegramm davon in Kenntnis gesetzt, dass er mit der Ausführung des Turmes beauftragt sei und mit der Ausarbeitung von Detailplänen beginnen könne.

Bereits vor dem ersten Spatenstich wurde Architekt Halmhuber nach Berlin abberufen, wo er am Bau des Reichstagsgebäudes mitwirkte. Die Bauleitung wurde daher dem Ingenieur Oskar Smreker übertragen, der vielfach zwischen Halmhuber und der Stadt zu vermitteln hatte. Da Halmhuber lediglich die Form und Fassade des Turms, nicht aber die konstruktive Beschaffenheit des Wasserbehälters wie auch vieler sonstiger technischer Dinge vorgegeben hatte, trug Smreker durch seine technischen Planungen noch viel zur Ausgestaltung des Turms im Innern bei. Smreker konstruierte einen Hängebodenbehälter, der in etwa auf Höhe der Segmentböden lag und ungefähr bis zum Hauptgesims reichte.

Bau mini|Wasserturm im Bau, 1887 (von den Planken aus) mini|Unbebautes Gelände um den Wasserturm, 1889