Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Dezember 2005.
Tagesgeschehen Donnerstag, 1. Dezember 2005 Alagoas/Brasilien: Im nordöstlichen Bundesstaat Alagoas wird ein führendes Mitglied der Landlosen-Bewegung erschossen. Wie die katholische „Pastoralkommission für Boden“ mitteilt, ist der 24-Jährige heuer bereits das 39. Todesopfer unter den Landarbeitern. Im Zuge der Agrarreform erhielten mehrere Familien Land und bekamen daraufhin Morddrohungen. Sonnensystem: Im Dezember sind am Firmament von Europa aus gesehen alle fünf hellen Planeten im Laufe der Nachtstunden sichtbar.
Freitag, 2. Dezember 2005 mini|150px|Jack Straw Brüssel/Belgien: Die EU fordert die USA formell zu Klarstellungen über die Berichte auf, die von CIA-Gefangenentransporten und geheimen Gefängnissen in Osteuropa sprechen. Das US-Außenministerium kündigte eine Antwort auf ein Schreiben des britischen EU-Ratsvorsitzenden Jack Straw an. Auch das EU-Parlament will bessere Auskünfte zu den Berichten. Kairo/Ägypten: Sieger der Parlamentswahlen in Ägypten sind erwartungsgemäß die Nationaldemokraten von Präsident Hosni Mubarak. Überraschend ist aber nach drei Wahlphasen, dass die oppositionelle Moslembruderschaft die zweitstärkste Partei werden und rund ein Viertel der Abgeordneten stellen dürfte. Die Bewegung ist offiziell verboten, wird aber geduldet. Rom/Italien: Gesundheitsminister Francesco Storace weist sein Ministerium an, die Gerichte zu überprüfen, ob sie die Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen korrekt und nicht in allzu liberalem Sinne anwenden. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Der Oberste Gerichtshof berät über die Regelungen zu Schwangerschaftsabbrüchen, nachdem der Fall einer Minderjährigen in New Hampshire zeigt, dass die sexuelle Aufklärung durch Elternschaft unzureichend erfolgen kann.
Samstag, 3. Dezember 2005 mini|150px|Rafiq al-Hariri (2001) Minsk/Belarus: Kritik an der Regierung soll strafbar werden. Das Parlament beschließt ein Gesetz, wonach jede Diskreditierung des Staates strafrechtlich verfolgbar wäre. Es muss noch vom Oberhaus und von Staatspräsident Aljaksandr Lukaschenka gebilligt werden. Internationale Menschenrechts-Gruppen kritisieren die Maßnahme scharf als Erstickung der Opposition. Der belarussische KGB begründet sie mit der Gefahr von Revolutionen wie in Georgien, der Ukraine und Kirgisistan. New York/Vereinigte Staaten: Der deutsche Staatsanwalt Detlev Mehlis kündigt das Ende der Leitung der von den Vereinten Nationen geführten Untersuchung des Attentats auf den Fahrzeugkonvoi des damaligen libanesischen Premierministers Rafiq al-Hariri an.
Sonntag, 4. Dezember 2005 Berlin/Deutschland: Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Nadeem Elyas bietet sich als Austausch für die entführte Deutsche Susanne Osthoff im Irak an. Moskau/Russland: In der russischen Hauptstadt finden Wahlen zum Stadtparlament statt. Die Abstimmung wird als wichtiger Test für das Funktionieren der russischen Demokratie angesehen. Im Vorfeld hatten sich die beiden wichtigsten liberalen Parteien, Jabloko und die Union der rechten Kräfte, zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen.
Montag, 5. Dezember 2005
Caracas/Venezuela: Die Allianz der offiziellen Unterstützer-Parteien von Präsident Hugo Chávez gewinnt nach eigenen Angaben alle Sitze in der nationalen Parlamentswahl. Die Partei Chavez’ (Bewegung für die fünfte Republik) erreicht mit 114 von 167 zudem die nötige Zweidrittelmehrheit für Verfassungsänderungen. Die Wahlbeteiligung lag, nachdem sich alle wichtigen Oppositionsparteien überraschend von der Wahl zurückgezogen hatten, bei ungefähr 25 %.
Dienstag, 6. Dezember 2005 Teheran/Iran: Ein Militärflugzeug vom Typ C-130 stürzt beim Versuch einer Notlandung über der Hauptstadt ab. Mindestens 90 Personen sterben. Der Iran besitzt 15 Hercules C-130. Wegen der von den USA auferlegten Wirtschaftssanktionen fehlt es seit über 25 Jahren an Ersatzteilen für die Flugzeuge im Iran. London/Vereinigtes Königreich: David Cameron wird zum neuen Führer der Conservative Party gewählt.
Mittwoch, 7. Dezember 2005 mini|150px|Angela Merkel, Condoleezza Rice China: Bei einem erneuten Grubenunglück nahe Peking werden 96 Bergarbeiter verschüttet, weitere 27 können sich retten. Die Explosion im Bergwerk Liuguantun bei der Stadt Tangshan ist bereits der vierte schwere Unglücksfall in 10 Tagen und dürfte die Zahl der Todesopfer von 229 auf über 320 erhöhen. Deutschland: Anlässlich des Besuches der US-Außenministerin Condoleezza Rice und der Diskussionen über Antiterror-Aktivitäten der CIA in Europa spricht die neue Bundeskanzlerin Angela Merkel davon, dass die US-Regierung hinsichtlich der offenbar irrtümlichen Festnahme des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri einen Fehler akzeptiere. Dem widersprechen amerikanische Medien: Gegenüber Merkel habe Rice nur eingeräumt, dass im politischen Bereich manchmal Fehler passieren und sie allenfalls berichtigt würden. Durch das offizielle Schweigen der USA zur seinerzeitigen Entführung werden die transatlantischen Beziehungen erneut belastet.
Donnerstag, 8. Dezember 2005 Deutschland: Nach dem Innovationsindex einer Studie des DIW (Institut für Wirtschaftsforschung) zeigt die Bundesrepublik viel weniger Bereitschaft zur Innovation als die USA und die skandinavischen Staaten. Im Vergleich zu insgesamt 13 westlichen Industriestaaten liegt sie im Mittelfeld zwischen Japan und dem Vereinigten Königreich und vor Österreich, dessen Wirtschaft derzeit aber erfolgreicher ist. Gute Noten erhielten die deutschen Unternehmen im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektrotechnik. Schlecht fällt der Index bei Bildung und Innovation ab, soweit es um deren gesellschaftliche Akzeptanz und die finanzielle Unterstützung mutiger Unternehmen geht. Bei der Risikobereitschaft nimmt Deutschland den 13. (letzten) Platz ein. Kanarische Inseln/Spanien: Der wegen Kriegsverbrechen gesuchte kroatische General Ante Gotovina wurde am Mittwoch auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln gefasst. Nach Auskunft der UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte soll er so bald wie möglich an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert werden. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Thema des Staatsbesuchs des Bundeskanzlers von Österreich Wolfgang Schüssel, der im Jänner den EU-Ratsvorsitz von Tony Blair übernehmen wird, sind neben dem transatlantischen Verhältnis auch die Forderungen von emigrierten Enteigneten und deren Hinterbliebenen aus der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich. Die ersten der in den USA lebenden Antragsteller wird die Bundesrepublik noch in diesem Jahr finanziell entschädigen.
Freitag, 9. Dezember 2005 Leipzig/Deutschland: Die Gruppen für die FIFA-Fussballweltmeisterschaft 2006 der Männer werden ausgelost. Deutschland wird das Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 gegen Costa Rica bestreiten. Am 14. Juni 2006 spielt die deutsche Nationalmannschaft dann gegen Polen und am 20. Juni 2006 gegen Ecuador.
Samstag, 10. Dezember 2005 Nigeria: In Nigeria ist offenbar ein Passagierflugzeug beim Start verunglückt. Medienberichten zufolge sollen bis zu 100 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Maschine der nigerianischen Fluggesellschaft „Sosoliso“ hätte von Port Harcourt nach Abuja fliegen sollen. Oslo/Norwegen: Die diesjährigen Nobelpreise werden überreicht. In Oslo und Stockholm werden insgesamt 12 Personen und eine Organisation (IAEO) mit sechs verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Spanien: Die spanische Polizei hat im Süden des Landes sieben Männer festgenommen. Ihnen wird die Unterstützung von algerischen Moslem-Extremisten mit Verbindung zur Al-Qaida zur Last gelegt. Über geplante Attentate in Spanien gäbe es zurzeit keine Hinweise, so die Polizei.
Sonntag, 11. Dezember 2005 London/Vereinigtes Königreich: In der Nähe von London ist am Morgen ein Treibstofflager explodiert. Die Explosion ereignete sich etwa 15 Kilometer entfernt vom Flughafen Luton. Nach Polizeiangaben wurden 40 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Nach mehreren Stunden bekam die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Die Polizei warnte jedoch, es könnte zu weiteren Explosionen kommen. Die Polizei von Hertfordshire geht von einem Unfall aus. Es gebe keine Hinweise auf eine andere Ursache, sagte eine Sprecherin. Berichte eines Augenzeugen, er habe ein Flugzeug in das Lager stürzen sehen, dementierte die Polizei ausdrücklich.
Montag, 12. Dezember 2005 Moskau/Russland: Der Gaskonzern Gazprom soll die Lieferpreise auf Gas für die Ukraine im Jahr 2006 um das Vierfache erhöhen, fordert Staatspräsident Wladimir Putin in einer Fernsehrede. Damit stiege der Preis auf das Doppelte der internationalen Marktpreise. Die Preiserhöhung gilt als die Rache für die Ereignisse der Orangefarbenen Revolution, die durch die Wahlmanipulationen des von Russland unterstützen Präsidentschaftskandidaten hervorgerufen wurde und mit dem Sieg der demokratischen Bewegung endete. Solche drastischen Preiszunahmen würden die wirtschaftliche Situation in der Ukraine wesentlich verschlechtern und den Handlungsspielraum der Regierung einengen. Parallel werden für den belarussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka die Lieferpreise im Jahr 2006 auf um das Fünffache niedrigerem Niveau garantiert.
Dienstag, 13. Dezember 2005 Kalifornien/Vereinigte Staaten: Der Gang-Gründer der „Crips“ und Kinderbuchautor Stanley Williams wird durch die Giftspritze trotz internationaler Proteste hingerichtet. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger geriet für seine Bestätigung des Todesurteils in die Kritik einiger Organisationen.
Mittwoch, 14. Dezember 2005 Deutschland: Der ehemalige Priester und Kirchenkritiker Eugen Drewermann bestätigt gegenüber der Öffentlichkeit seinen Austritt aus der Römisch-katholischen Kirche. Wien/Österreich: Bei einem Brand in der Wirtschaftsuniversität (WU) ist es zu beträchtlichen Sachschäden gekommen. Menschen haben keinen Schaden genommen. Vor allem die Bibliothek und das Hauptgebäude (UZA 1) sind betroffen.
Donnerstag, 15. Dezember 2005 Bagdad/Irak: Heute finden im ganzen Land die seit langem vorgesehenen Parlamentswahlen statt, von denen eine politische Beruhigung erhofft wird. Im Gegensatz zur Präsidentenwahl beteiligen sich diesmal auch zwei große sunnitische Parteien, während kleinere weiterhin zum Boykott aufrufen. Stärkste Partei dürfte die Vereinigte Irakische Allianz des Ministerpräsidenten Dschafari (Schiit) werden. Andere Parteien, insbesondere der Kurden, drängen auf größere Autonomie innerhalb des Vielvölkerstaates. Um eine Störung der Wahlen durch Terroranschläge und Autobomben zu erschweren, wurde für den Wahltag ein allgemeines Fahrverbot erlassen. Brüssel/Belgien: Der Europäische Rat beschließt die Aufnahme von Verhandlungen über den Beitritt zur Europäischen Union mit Mazedonien. Dagegen verlaufen die Verhandlungen über den britischen Beitragsrabatt, der die zehn EU-Beitrittsländer von 2004 benachteiligt, und über Agrarsubventionen bislang ergebnislos.
Freitag, 16. Dezember 2005 Bagdad/Irak: Die gestrigen Parlamentswahlen hatten eine überraschend hohe Wahlbeteiligung von etwa 70 %, die in einigen Provinzen der Sunniten sogar bis 80 % betrug. Nach deren Boykott der zwei vergangenen Wahlen (Staatspräsident und Verfassung) wird dies als Hoffnungszeichen angesehen, dass künftig eine Kooperation von Parteien aller drei Bevölkerungsgruppen möglich sein wird. Brüssel/Belgien: Bei der Gipfelkonferenz der EU-Regierungschefs gelingt eine Einigung auf die Budget-Richtlinien 2007–2013, nachdem das Vereinigte Königreich den anderen Mitgliedstaaten im Hinblick auf den so genannten „Britenrabatt“ um circa 10 Milliarden Euro entgegenkommt. Wiesbaden/Deutschland: „Bundeskanzlerin“ als weibliche Form für den Deutschen Bundeskanzler lautet für die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres in Deutschland.
Sonntag, 18. Dezember 2005