Der Räuber Hotzenplotz ist eine Figur des Kinderbuchautors Otfried Preußler (1923–2013). Angesiedelt in der Welt des Kasperltheaters, gibt der Räuber den Gegenspieler der beiden Helden Kasperl und Seppel, bis er letztlich zum Guten bekehrt wird. Der erste Roman, Der Räuber Hotzenplotz, erschien 1962. 1969 und 1973 folgten zwei Fortsetzungen (Neues vom Räuber Hotzenplotz und Hotzenplotz 3). 2018 erschien Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete, eine kürzere Erzählung, die Preußlers Tochter Susanne Preußler-Bitsch auf der Grundlage eines Theaterstücks ihres Vaters aus dem Jahr 1967 verfasste.
Entstehung Anfang der 1960er Jahre hatte sich Otfried Preußler monatelang vergeblich mit den ersten Ansätzen zu Krabat beschäftigt. Aus Enttäuschung fasste er den Entschluss, zur Abwechslung etwas Lustiges zu schreiben.Mein Vater bietet Spielwiesen der Fantasie an Deutschlandfunk, 1. August 2012. Er entschied sich für eine Kasperlgeschichte, in der alle Figuren vorkommen sollten, die zu einem „richtigen“ Kasperlstück gehören: Kasperl, Seppel, die Großmutter, der Räuber, der Polizist (hier trägt er den bayerischen Namen Alois Dimpfelmoser und eine Pickelhaube), der Zauberer (Petrosilius Zwackelmann) und andere. Preußler benannte den Räuber nach einer Stadt (Osoblaha) und einem Fluss (Osobłoga) in Schlesien, die beide den deutschen Namen „Hotzenplotz“ tragen. Dieser Name hatte auf Preußler bereits während seiner Kindheit einen großen Eindruck gemacht und war ihm daher in Erinnerung geblieben. Das Buch erschien am 1. August 1962.Räuber Hotzenplotz feiert Geburtstag: 50 Jahre und kein graues Haar. stern.de, 17. Juli 2012.
Die erste Geschichte vom Räuber Hotzenplotz fand überwiegend positiven Anklang bei den Lesern. Ursprünglich wollte Preußler nur ein einziges Buch über den Räuber Hotzenplotz schreiben, doch nachdem er von Kindern Anfragen, Bitten und detaillierte Vorschläge für weitere Hotzenplotz-Bücher bekommen hatte, entschloss er sich sieben Jahre nach Erscheinen des ersten Teils, ein weiteres Buch über den Räuber zu verfassen.
Weil der Hund Wasti, den die Witwe Schlotterbeck versehentlich in ein Krokodil verwandelt hatte, am Ende des zweiten Bandes nicht wieder zurückverwandelt wurde, bekam Preußler auch nach dem zweiten Teil wieder Briefe und Postkarten von Lesern. Daraufhin schrieb Otfried Preußler einen weiteren Band, bei dem er genau darauf achtete, keinen offenen Handlungsfaden zu übersehen. Zudem erklärte er am Ende des Buches, dass es sich dabei endgültig um seine letzte Kasperlgeschichte handle.
Am 7. Mai 2018 teilte der Thienemann-Esslinger Verlag mit, Preußlers Tochter Susanne Preußler-Bitsch habe im Jahre 2017 im Nachlass ihres 2013 verstorbenen Vaters ein Theaterstück namens Die Fahrt zum Mond entdeckt. Das Werk wurde irrtümlich als „bislang unbekannt“ eingeordnet und eine Erstaufführung für November 2018 im Düsseldorfer Schauspielhaus vorgesehen.Im Nachlass: Bisher unbekannte Geschichte vom "Räuber Hotzenplotz" entdeckt. Spiegel Online, 7. Mai 2018, abgerufen am selben Tage.
Als der Thienemann-Verlag ankündigte, das ursprünglich als Theaterstück konzipierte Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete 2018 als Buchveröffentlichung herauszugeben, stellte sich heraus, dass die zugrundeliegende Geschichte unter anderem Titel bereits mehrfach publiziert worden war (Vater Mond darf nicht krank sein. Stuttgart 1967; Das große Reader’s-Digest-Jugendbuch 10. Stuttgart 1969).Roswitha Budeus-Budde: Mogelpackung mit Mondrakete. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Mai 2018. Die Erzählung erschien dann Ende Mai 2018 unter dem Titel Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete.Hotzenplotz erscheint bereits nach Pfingsten, boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 11. Mai 2018.
Die ersten drei Bände wurden von dem Zeichner Franz Josef Tripp illustriert; der vierte Band in der Neuausgabe 2018 von Thorsten Saleina.
Die Bücher wurden in 34 Sprachen übersetzt (Beispiele: französisch: Le Brigand Briquambroque, italienisch: Il Brigante Pennastorta, spanisch: El bandido Saltodemata, türkisch: Haydut Haytazot) und über sechs Millionen Mal verkauft. Die drei Originalbände wurden auch als Kinderhörspiele auf Schallplatten, Audiocassetten und CDs veröffentlicht.
Inhalt der Bücher Der Räuber Hotzenplotz Der gerissene Räuber Hotzenplotz überfällt Kasperls Großmutter und raubt ihre Kaffeemühle, die für sie einen besonderen Wert darstellt, weil Kasperl und sein Freund Seppel ihr diese zum Geburtstag geschenkt haben. Außerdem kann die Kaffeemühle das Lieblingslied der Großmutter, Alles neu macht der Mai, spielen. Kasperl und Seppel beschließen, den Räuber Hotzenplotz zu fangen, da sie dies dem Wachtmeister Alois Dimpfelmoser nicht zutrauen. Um herauszufinden, wo der Räuber seinen Unterschlupf hat, füllen sie eine Holzkiste mit Sand und schreiben „Vorsicht Gold!“ darauf. Dann bohren sie ein Loch in den Kistenboden, das sie mit einem Streichholz verschließen. Nachdem sie die Kiste in den Wald gebracht haben, taucht der Räuber Hotzenplotz auf und wird sofort auf die Kiste aufmerksam. Die beiden ziehen das Streichholz heraus und bringen sich in Sicherheit. In dem Glauben, dass sich Gold in der Kiste befindet, schleppt der Räuber sie in seine Räuberhöhle. Dort entdeckt er den wahren Inhalt seiner Beute und die Spur, die der herausgerieselte Sand bis zu seinem Unterschlupf hinterlassen hat.
Hotzenplotz streut mit dem restlichen Sand aus der Kiste eine zweite Spur, die zu einer Fallgrube neben seiner Räuberhöhle führt. Als Kasperl und Seppel die zweite Spur entdecken, beschließen sie, sich zu trennen, und laufen dem Räuber in die Falle. Während Kasperl in die Grube fällt, bekommt Seppel eine Ladung Pfeffer aus der Pistole des Räubers verpasst. Anschließend sind die zwei Gefangene des Räubers. Weil beide unterwegs ihre Kopfbedeckungen getauscht haben, um nicht erkannt zu werden, werden sie nun vom Räuber Hotzenplotz miteinander verwechselt.
Kasperl stellt sich dumm, indem er Hotzenplotz’ Namen immer wieder falsch ausspricht. Das hat zur Folge, dass Hotzenplotz ihn für einen Beutel Schnupftabak an den Zauberer Petrosilius Zwackelmann verkauft. Dieser braucht einen Diener, der für ihn Kartoffeln schält (seine Leibspeise), da er es nicht schafft, deren Schale herunterzuzaubern. Als Kasperl Zwackelmanns Namen immer wieder falsch ausspricht, wird der Zauberer zwar wütend, hat aber damit die Bestätigung, dass sein neuer Diener zu dumm ist, um hinter seine Zaubergeheimnisse zu kommen. Nachts versucht Kasperl, aus dem Schloss des Zauberers zu fliehen, muss aber feststellen, dass dies nicht möglich ist, weil Zwackelmann dieses mit einem Bann belegt hat. Zwackelmann erwacht, schickt Kasperl ins Bett und droht Strafe an, wenn noch einmal seine Nachtruhe gestört werde. Währenddessen muss Seppel in der Räuberhöhle für Hotzenplotz arbeiten.
Als Zwackelmann einen Freund in Buxtehude besucht und Kasperl im Schloss allein lässt, hört dieser Hilferufe aus dem Keller. Kasperl geht zum Kellergewölbe hinunter, obwohl Schilder an den Türen das Betreten untersagen, und entdeckt dort in einem Unkenpfuhl eine Unke, die die menschliche Sprache beherrscht. Sie ist die Fee Amaryllis, die von Zwackelmann in eine Unke verwandelt worden ist und seitdem im Keller gefangengehalten wird. Sie bittet Kasperl darum, Feenkraut zu besorgen, das auf der Hohen Heide unter einer alten Wetterfichte wächst. Dann erklärt sie ihm, wie er den Bann brechen kann, um das Schloss verlassen zu können: Er muss einfach ein Kleidungsstück im Schloss zurücklassen. Kasperl lässt den Seppelhut zurück und macht sich auf den Weg zur Hohen Heide. Dort muss er auf den Mondaufgang warten, um das Feenkraut finden zu können, weil es im Mondlicht silbrig schimmert.
Inzwischen kehrt Zwackelmann aus Buxtehude zurück und muss feststellen, dass die Kartoffeln nicht geschält sind und Kasperl verschwunden ist. Er entdeckt den Seppelhut und will damit Kasperl herbeizaubern, da er dies mit jedem tun kann, von dem er etwas besitzt. Er zaubert aber nicht Kasperl herbei, den er wie Hotzenplotz für Seppel gehalten hat, sondern Seppel, den wahren Besitzer des Hutes. Von diesem wird er darüber aufgeklärt, wie die Verwechselung zustande gekommen ist. Zwackelmann will nun mit Hilfe der Kasperlmütze Kasperl herbeizaubern. Jedoch besitzt Seppel diese nicht mehr, weil Hotzenplotz sie verbrannt hat. Zwackelmann ist wütend auf den Räuber und zaubert ihn mit Hilfe seines Stiefels herbei, den Seppel in der Hand hält; er war gerade dabei, ihn zu putzen. Nach einem Streit verwandelt Zwackelmann den Räuber Hotzenplotz in einen Gimpel und sperrt ihn in einen Vogelkäfig. Seppel schickt er zum Kartoffelschälen in die Küche. Dann macht er sich auf den Weg, um Kasperl zu finden.
Kasperl kehrt mit dem Feenkraut ins Schloss zurück. Da dieses ihn unsichtbar macht, kann er sich unbemerkt in den Keller schleichen. Durch die Berührung mit dem Feenkraut verwandelt sich die Unke wieder in eine Fee zurück. Zwackelmann erscheint im Kellergewölbe, weil Kasperl die Kellertür hat offenstehen lassen und bekommt einen Wutanfall, worauf er in den Unkenpfuhl stürzt und stirbt. Kasperl bekommt von der Fee zum Dank einen Ring, mit dem er drei Wünsche frei hat. Er macht sich mit Seppel auf den Heimweg, wobei die beiden den in einen Gimpel verwandelten Hotzenplotz mitnehmen, um ihn bei Wachtmeister Dimpfelmoser abzuliefern. Die Fee zerstört das Schloss und kehrt ins Feenreich zurück.
Kasperl wünscht sich unterwegs mit Hilfe des Ringes nicht nur die geraubte Kaffeemühle herbei, die nun Alles neu macht der Mai sogar zweistimmig spielt, sondern auch eine neue Kasperlmütze. Mit dem dritten Wunsch verwandelt er den Gimpel in Dimpfelmosers Büro wieder in den Räuber Hotzenplotz zurück. Dimpfelmoser nimmt den Räuber fest und sperrt ihn ins Spritzenhaus. Kasperl und Seppel bekommen für die Ergreifung des Räubers eine Belohnung.
Neues vom Räuber Hotzenplotz Dem Räuber Hotzenplotz gelingt es, sich aus dem Spritzenhaus zu befreien, indem er Dimpfelmoser (der inzwischen zum Oberwachtmeister befördert wurde) vorspielt, eine „Blinddarmverrenkung“ zu haben. Der Räuber flüchtet in der Uniform des Polizisten und wird von Kasperls Großmutter zunächst für Dimpfelmoser gehalten. Prompt überfällt er die alte Dame. Dieses Mal nimmt er aber nichts mit, sondern isst sich bei ihr an Bratwurst und Sauerkraut satt, dem Essen, das sie für Kasperl und Seppel zubereitet hat. Dimpfelmoser liegt hilflos im Spritzenhaus, nur noch mit Unterwäsche bekleidet, in einen Feuerwehrschlauch eingewickelt und mit einem Löscheimer, der über seinen Kopf gestülpt ist. Deshalb klingt seine Stimme dumpf und fremd, als Kasperl und Seppel am Spritzenhaus vorbeikommen und seine Hilferufe hören.
Die beiden glauben ihm nicht, dass er der von Hotzenplotz überwältigte Dimpfelmoser ist, sondern vermuten einen Täuschungsversuch des gefangenen Hotzenplotz. Erst als sie bei der Großmutter von Hotzenplotz’ Überfall erfahren, kehren sie zum Spritzenhaus zurück und befreien Dimpfelmoser aus seiner misslichen Lage. Sie bringen ihn zur Großmutter, wobei sie seine Blöße mit einem Gurkenfass verdecken, und besorgen ihm seine Ausgeh-Uniform als Ersatz für die gestohlene. Dimpfelmoser, Kasperl und Seppel wollen den Räuber Hotzenplotz mit einer Schatzkarte ins Spritzenhaus locken, um ihn dort wieder einzusperren. Doch es kommt alles anders, denn Hotzenplotz durchschaut den Plan. Kasperl und Seppel schlagen versehentlich Dimpfelmoser nieder und ziehen ihm seine Uniform aus, weil sie ihn für Hotzenplotz halten. Dieser überrumpelt Kasperl und Seppel, sperrt alle drei im Spritzenhaus ein und flieht mit Dimpfelmosers Fahrrad. Als Dimpfelmoser wieder zu Bewusstsein kommt, verzeiht er Kasperl und Seppel ihren Fehler. Sie befreien sich wieder, indem sie mit dem Feuerwehrauto die Wand des Spritzenhauses durchbrechen. Dann fahren sie schnellstens zur Großmutter, weil sie befürchten, dass der Räuber Hotzenplotz diese ein drittes Mal überfallen wird.