Tailfingen ist der zweitgrößte Stadtteil von Albstadt im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg auf der Schwäbischen Alb.
Geographie Geographische Lage
Tailfingen liegt auf der Schwäbischen Alb, ursprünglich im „Talgang“ genannten schmalen Tal der Schmiecha, eines linken Nebenflusses der Donau. Inzwischen ist der Ortsteil bis auf die Hochflächen der Schwäbischen Alb gewachsen. Nördlich angrenzender Stadtteil ist Onstmettingen, im Süden liegt Truchtelfingen, westlich Pfeffingen.
Tailfinger Berge
Tailfingen wird von drei großen Bergen umrahmt. Der höchste mit 975 m ist der Hochberg, auch Burg genannt. Er steht im Norden des Ortes. Östlich schließt sich mit 937 m der Schlossberg an, auf dem im Mittelalter eine Burg stand. Westlich liegt mit 969 m der Braunhardsberg. Zwischen Hochberg und Schlossberg befindet sich der flache Nank/Lammerberg und anschließend der Staufenbühl, auf dem heute ein Sendemast steht.
Geschichte Gegründet wurde Tailfingen durch den sagenumwobenen alemannischen Sippenhäuptling Tagolf irgendwann nach 260, wohl im 5. oder 6. Jahrhundert. In der Erzählung von Carl Metzger: Tagolf. Erzählung aus Tailfingens Vorzeit wurde diesem Sippenhäuptling ein literarisches Denkmal gesetzt. Bekannter allerdings ist der Roman des damaligen Stadtarchivars Peter Thaddäus Lang aus dem Jahr 1994. Im Jahre 793 wurde Tailfingen erstmals in einer St. Gallener Urkunde als Dagolfinga erwähnt.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 785. 1113 wurde Tailfingen („Tagolfingen“) gemeinsam mit Ebingen in einer Schenkung Walchos von Waldeck an das Kloster St. Blasien erwähnt.Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil I: Edition; Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017985-3. (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Reihe A, Quellen; Band 23), Urkunde Nr. 95 1403 kam der Ort von der Herrschaft Schalksburg an das Herzogtum Württemberg, als Graf Friedrich V. von Zollern-Schalksburg, genannt Mülli, die Schalksburg zusammen mit Tailfingen an Württemberg verkaufte,Verkaufurkunde der Herrschaft Schalksburg vom 3. November 1403 auf Wikisource und wurde dem Amt in Balingen zugeordnet. Auf dem Schlossberg bei Tailfingen befinden sich noch geringe Reste der Burg Tailfingen (im Volksmund „Schloss“ genannt) aus dem 11. bis 12. Jahrhundert und 3000 Meter nordöstlich von Tailfingen ebenfalls geringe Reste der Weilerburg.
1534 wurde im Herzogtum Württemberg die Reformation eingeführt; seither ist Tailfingen evangelisch. Die Reformation in Tailfingen erfolgte unter Ambrosius Blarer. Eine Tailfinger Kirche wurde bereits 1275 erwähnt. 1462 taucht sie als Kirche St. Petrus auf. Ihre Anfänge dürften jedoch bereits auf das 8. oder 9. Jahrhundert zurückgehen. Die heutige evangelische Peterskirche wurde aber erst 1777 erbaut. Der Turm der Peterskirche war ursprünglich ein Wehrturm und ist wesentlich älter, nämlich rund 1000 Jahre. Er gehört damit zu den ältesten Baudenkmälern des Landkreises. Eine weitere Kirche, die Pauluskirche, wurde 1907 erbaut. 1953 folgte noch die Erlöserkirche. Im Wohngebiet Stiegel wurde 1965 ein Gemeindehaus erbaut. Auch gibt es die evangelisch-methodistische Johanneskirche aus dem Jahr 1924 (neu erbaut 1964), eine evangelisch-methodistische Gemeinde existiert in Tailfingen bereits 1874. Bedingt durch die Industrialisierung begann in dieser Zeit der Zuzug von katholischen Arbeitskräften zunächst vor allem aus dem Hohenzollerischen, später aus Oberschwaben. Deshalb wurde 1903 eine (sehr kleine) katholische Kirche erbaut (St. Bonifatius), diese 1935 abgebrochen, nachdem 1934 die wesentlich größere Kirche St. Elisabeth errichtet worden war. Der enorme Zuzug von (meist katholischen) Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg machte schließlich 1969 den Bau einer weiteren katholischen Kirche notwendig (St. Franziskus).
Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) hinterließ große Verwüstungen, die Gemeinde konnte sich bis 1660 keinen eigenen Pfarrer mehr leisten und ging ins benachbarte Truchtelfingen in die Kirche.
Im Jahre 1744 hatte der Ort 512 Einwohner und konnte sich bis 1820 (1449 Einwohner) stark vergrößern. Aufgrund des kargen Bodens bot die Landwirtschaft nicht mehr genug Einkommen und die Strumpfwirkerei wurde zum handwerklichen Nebenerwerb. Aus diesem bildete sich auch der Grundstock für die Industrialisierung. Zu Zeiten des Königreichs Württemberg begann somit der Aufstieg von Tailfingen zu einem Zentrum der Trikotindustrie.
1806 verblieb das altwürttembergische Tailfingen beim neugebildeten Königreich Württemberg.
1853 wurden die ersten Rundwirkmaschinen für Auftragsarbeiten von Ebinger und Hechinger Unternehmen aufgestellt. 1870 begannen sich die Tailfinger selbstständig zu machen und expandierten, sodass im Jahre 1914 1800 Rundstühle im Ort zu finden waren. Somit stieg die Bevölkerungszahl auch explosionsartig an (1871: 2193 Einwohner, 1910: 5412 Einwohner). 1871 war Tailfingen zum Marktflecken erhoben worden. Der Ort entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der größten Standorte der Textilindustrie in Deutschland.
1901 wurde die Talgangbahn in Betrieb genommen und erhöhte das Transportaufkommen erheblich. Damals fuhr der berühmte „Schellamatheis“, eine Dampflok, die 1956 durch einen Triebwagen ersetzt wurde.. Tailfingen verlor immer mehr sein dörfliches Aussehen und wurde am 19. November 1930 zur Stadt erhoben. 1934 wurde unter dem Druck der Nationalsozialisten die Nachbargemeinde Truchtelfingen eingegliedert. Im selben Jahr kam Tailfingen vom Oberamt Balingen zum Kreis bzw. ab 1938 Landkreis Balingen.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hatten führende deutsche Atomwissenschaftler unter der Leitung von Otto Hahn in Tailfingen ihren Aufenthaltsort. Am 25. April 1945 wurde Hahn durch ein amerikanisches Kommando gefangen genommen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, welchen die Stadt unbeschadet überstand, war Tailfingen Teil der französischen Besatzungszone. Die Stadt gehörte seit 1947 zum Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Infolge des Wirtschaftsaufschwungs in den 1950er Jahren wuchs Tailfingen weiter (1972: 17.278 Einwohner, Truchtelfingen ist dabei mit einbezogen) und erhielt 1971 das Progymnasium Tailfingen. Eine Mittelschule bestand bereits seit 1918. Die städtische Infrastruktur wurde insgesamt ausgebaut. Durch das rasante Bevölkerungswachstum war Tailfingen noch vor der Kreisstadt Balingen die zweitgrößte Stadt des Landkreises Balingen. Im Jahre 1954 gehörte Tailfingen zu den Gründungsmitgliedern des Zweckverbandes Bodensee-Wasserversorgung. Am 1. Januar 1973 wurde Tailfingen im Rahmen der Kreisreform Teil des neuen Zollernalbkreises.
Am 1. Januar 1975 wurde Tailfingen im Rahmen der Gemeindereform ein Teil der neu gegründeten Großen Kreisstadt Albstadt.
Am 3. September 1978 war der Ort Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 5,7. Obwohl zahlreiche Gebäude beschädigt wurden und Kosten von vielen Millionen D-Mark entstanden, wurden keine Personen ernsthaft verletzt. Die wenige Kilometer nördlich gelegene Burg Hohenzollern wurde schwer beschädigt.
In den letzten Jahren hatten auch die ansässigen Unternehmen in Tailfingen mit der Strukturkrise in der Textilindustrie zu kämpfen. Deswegen verlegten viele ihre Produktion ins Ausland oder meldeten Konkurs an. 1998 wurde die Talgangbahn stillgelegt, über eine Reaktivierung ist geplant.
Einwohnerentwicklung Jahr / Datum Einwohner 1603 477 1654 239 1744 512 1807 1.199 1820 1.449 1871 2.193 1875 2.316 1900 4.898 1910 5.412 16. Juni 1925 6.552 1930 7.725 16. Juni 1933 10.013 Jahr / Datum Einwohner 17. Mai 1939 10.991 1946 10.202 13. Sept. 1950 12.696 1954 14.073 1. Jan. 1956 14.680 25. Sept. 1956 14.489 1959 15.185 6. Juni 1961 15.459 31. Dez. 1965 16.223 27. Mai 1970 17.278 31. Dez. 1970 17.161 1971Statistisches Bundesamt: Landkreis Balingen, Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl Heft 63, Seite 29 (pdf) 17.340 Datum Einwohner 1. Jan. 1974 16.968 30. Juni 1975 13.122 31. Dez. 1980 12.134 31. Dez. 1985 11.571 31. Dez. 1990 12.800 31. Dez. 1995 12.675 31. Dez. 2000 12.127 31. Dez. 2005 11.989 31. Dez. 2010 11.388 31. Dez. 2015 11.172 31. Dez. 2020 11.438 31. Dez. 2025 12.188 Von 1939 bis 1974 ist Truchtelfingen mit einbezogen.
Politik mini|Rathaus von Tailfingen
Bürgermeister
Wappen Blasonierung: In von Blau und Silber gespaltenem Schild unter einer liegenden fünfendigen Hirschstange in verwechselten Farben vorne eine pfahlweise gestellte silberne Spule, hinten ein aufgerichteter schwarzer Bär mit silbernem Halsband.
Erklärung: Die Spule verweist auf die ortsansässige Textilindustrie, dem der Ort seine Bedeutung verdankt. Tailfingen gehörte ursprünglich den Zollern, ab 1403 zu Württemberg, darum als dessen Symbol die Hirschstange. Der schwarze Bär erinnert an die Abtei St. Gallen, zu der Truchtelfingen gehörte. Als Tailfingen zur Stadt erhoben wurde, wurde Truchtelfingen nach dort eingemeindet. Die Vereinigung der Wappen ist daher als Zugeständnis an die Truchtelfinger bei der Eingemeindung zu werten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Maschenmuseum mini|Maschenmuseum Tailfingen Albstadts größtes Museum ist das Maschenmuseum. Es besteht seit 1996, in ihm wird die Geschichte der regionalen Textilherstellung dargestellt, sowohl mit den Maschinen als auch mit den Produkten.
Fasnet Mit dem Einsetzen der Industrialisierung erhöhte sich die Bevölkerung sprungartig, so dass auch Katholiken in Tailfingen Fuß fassten. Sie waren im Königreich Württemberg gleichberechtigte Landeskinder. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass um 1900 Fastnachtstraditionen gepflegt wurden. An Fastnacht vermummen sich seit altersher junge Leute, gehen in die Häuser und erschrecken die Kinder. Allenthalben werden Fastnachtsküchle gebacken. Heute wird die Fasnet von Vereinen organisiert. Tailfingen ist die Heimat schwäbisch alemannischen Fasnetfigur Tagolf, einer Wolfslarve, benannt nach dem sagenumwobenen alemannischen Sippenhäuptling und Ortsgründer Tagolf.ZurückTagolf
Evangelische Frömmigkeit Im Tailfingen bestehen bereits seit 1871 sechs Lesezirkel, Gruppen und Frömmigkeitsformen, die nicht mehr die Unterordnung unter eine gepredigte Lehre, sondern die persönliche Beziehung der Christen mit Jesus Christus betonen. Hierzu zählen der Basler Missionsverein, die Häuser Conzelmann, Maier, Maute, Gonser, sowie die Vorlieben für Oetingersche und Hahnsche Predigten und deutscher Tempel. Kriegsbedingt unterbrach 1871 der Jünglingsverein in Tailfingen sein Wirken. Als herausragendes Merkmal im religiösen Bereich sieht der Ortsgeistliche Adolf Kieser 1871 die besondere Rolle des Pietismus, der in Tailfingen zu jener Zeit offensichtlich weitaus mehr Anhänger hatte als in jeder anderen Gemeinde des ganzen Oberamts.
Festivals Die Zeltkirche ist ein Angebot der Württembergischen Landeskirche Gut Trauf ist der Eigenname des Lerchenfeld-Festivals mit einem Großzelt auf Langenwand mit Youth Festival. Veranstalter sind die Kirchengemeinden Tailfingen, Onstmettingen, Truchtelfingen und Pfeffingen als Mitmachfest, Präsentation von Vereinen, Rettungsorganisationen, Musik, Spiel, Sport geführten Spaziergängen, Wanderungen und Radtouren.
CVJM Der überkonfessionelle Jünglingsverein ist heute für alle offen und verfügt über ein eigenes Haus mit Sportgelände. Er ist heute eingebettet in eine Gliederung des Evangelischen Jugendwerks evangelischen Bekenntnisses. Sport hat eine wesentliche Bedeutung, da gemeinsames Bewegen zum ganzheitlichen Grundkonzept (also Körper, Seele und Geist) der CVJM-Arbeit gehört.
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