mini|Ein Zahnimplantat aus Titan. 1. Zahnfleisch; 2. Knochengewebe; 3. Schraubenförmiges Implantat aus Titan mini|Schrauben-implantat mini|Schraubenimplantat, noch ohne Kronenversorgung mini|Zylinderförmiges Implantat mini|Panoramaaufnahme: 4 Schraubenimplantate im Oberkiefer

Ein Zahnimplantat () ist ein in den Kieferknochen eingesetztes „alloplastisches Konfektionsteil“ (Implantat). Das Teilgebiet der Zahnheilkunde, das sich mit der Insertion (Einsetzen) von Zahnimplantaten in den Kieferknochen befasst, wird als Implantologie (von , ‚Lehre‘) bezeichnet. Durch ihre Verwendbarkeit als Träger von Zahnersatz übernehmen Zahnimplantate die Funktion künstlicher Zahnwurzeln. Hierzu werden sie entweder mittels Schraubgewinde in den Kieferknochen (enossaleenossal im Wiktionary. Implantate) eingedreht oder eingesteckt. Sie verbinden sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten mit dem umgebenden Knochen zu einer festen, äußerst belastbaren Trägereinheit (Osseointegration).

Von der Implantatform hängt die chirurgische Insertionstechnik ab. Aus der Gestalt des Abutments, des aus dem Kieferknochen herausragenden Implantatteils, resultiert die Anfertigung der Suprakonstruktion, des auf den Implantaten einzugliedernden Zahnersatzes. Zahnimplantate bestehen seit den 1980er Jahren üblicherweise aus Titan, aber auch aus keramischen Materialien oder Kunststoff (PEEK).A. Nedjat, In: Implantologie Journal. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie. Nr. 06, 2014, S. 8ff.

In der Zahnmedizin bietet die festsitzende Versorgung eine optimale Lösung für Patienten mit zahnlosem Kiefer. Abhängig von der Kieferform und dem Knochenangebot werden 4, 6 bis 8 Zahnimplantate eingesetzt. Wenn ein einzelner Zahn verloren geht, können Zahnimplantate eine empfohlene Lösung sein. Dadurch bleiben die gesunden Nachbarzähne von einem Beschliff und einer Überkronung verschont. Der Verlust der Backenzähne kann auch die Kaufunktion beeinträchtigen. Bei Verlust eines, mehrerer oder aller Zähne, wenn der Patient keinen herausnehmbaren Zahnersatz akzeptieren möchte, bevorzugt eine feste und dauerhafte Lösung, anstatt herausnehmbaren Zahnersatz zu tragen. Auf diesen Implantaten wird dann eine Brücke befestigt, die nicht mehr abgenommen werden muss.

Geschichte der Implantologie Frühe Implantate Die ersten Implantationen zum Ersatz von Zähnen sind aus dem 7. bis 8. Jahrhundert bei den Mayas durch den italienischen Professor für Implantologie an der Universität von Santos (Brasilien), Amedeo Bobbio, nachgewiesen. In einem Fragment des Unterkieferknochens einer jungen Frau befinden sich drei Implantate aus einer zugeschliffenen Muschelschale. Auf Grund der röntgenologisch nachgewiesenen Osseointegration wurden diese Muschelimplantate zu Lebzeiten und nicht post mortem eingesetzt. Ein anderes Fragment aus der Zeit der Mayas, das durch den Archäologen R. R. Andrews gefunden und beschrieben wurde, in das ein „schwarzer Stein“ als Unterkieferfrontzahn eingepflanzt gewesen sein sollte, ist nicht mehr auffindbar. Bis zum Nachweis durch Bobbio im Jahre 1970 galten die Muschelimplantate als post mortem eingesetzt, im Sinne eines Begräbnisrituals.

Andere Versuche, fehlende Zähne zu ersetzen, sind nicht als Implantate zu bezeichnen, wie beispielsweise die Transplantation oder Reimplantation von Zähnen und Zähnen aus organischen oder anorganischen Materialien, wie beispielsweise Elfenbein oder Walrosszähnen und deren Befestigung an den vorhandenen Zähnen mittels Goldfäden oder Goldbändern. Hierzu zählten auch vorgenommene Transplantationen der Zähne von Toten, wie sie etwa im Mittelalter bei Abulcasis, in der Frühen Neuzeit bei Pierre Fauchard und Ambroise Paré und vielen anderen sowie während der Schlacht bei Waterloo (1815) und anderen Kriegen erwähnt wird.

Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Implantologie war die Erfindung des künstlichen Keramikzahns durch Giuseppangelo Fonzi im Jahre 1806. Seine mit Platinhaken direkt in die Alveole eingepflanzten Kunstzähne erfüllten sowohl ästhetische als auch funktionale Anforderungen. Ein erstes Metallimplantat aus Gold wurde von dem Italiener J. Maggiolo im Jahre 1809 entworfen und in eine frische menschliche Extraktionswunde eingesetzt. Maggiolo praktizierte in Paris und veröffentlichte seine Erkenntnisse in seinem Buch Le Manuel de l’Art du Dentiste in Nancy.

Um 1840 versuchten sich Chapin Aaron Harris und Horace Henry Hayden, Gründer des Baltimore College of Dental Surgery, an enossalen Implantaten mit Zähnen aus Eisen, später aus Blei. Mehrere ähnliche Fallberichte folgten durch Rogers (1845), Younger (1885), Edmunds (1886), Edwards (1889) und Payne (1898). 1895 berichtete William Gibson Arlington Bonwill über Gold- und Iridiumpfeiler, die er in Alveolen implantiert hat, um einzelne Zähne zu ersetzen und ganze Zahnbögen wiederherzustellen.

Die Entwicklung im 20. Jahrhundert Alvin Strock setzte 1937 in den USA das erste Vitallium-Schraubenimplantat als Zahnwurzelersatz ein. Vitallium war das erste biokompatible Metall, das ein Jahr zuvor von Charles Venable, einem orthopädischen Chirurgen, entwickelt worden war., Complete Dental Guide. Abgerufen am 22. April 2017. Der Beginn der enossalen Implantologie wird Manlio Formigini zugeschrieben, der eine Helikoidalschraube () aus Tantal empfahl. Er wird als Vater der modernen Implantologie bezeichnet. Es folgten die Schraube nach Raphaël Cherchève oder die Tantalschrauben und Nadelimplantate nach Jacques Scialom und Ernst-Helmut Pruin. Einen Seitenweg bildeten die komplikationsbehafteten subperiostalen, unter der Knochenhaut sitzenden Gerüstimplantate, die 1937 von Müller entwickelt worden waren und in den 1950er und 1960er Jahren Verbreitung fanden.

In den 1960er Jahren wurde das Blattimplantat von Leonard I. Linkow konzipiert (Linkow-Blade),David L. Hoexter, , Dental Tribune, 22. Dezember 2010. Abgerufen am 23. September 2014. ebenso das stabilisierte Klingenimplantat 1975 von Benedict Heinrich. mini|Einteilige Blatt- und Pfostenimplantate, z. T. abgewinkelt hielt man für indiziert, historischer Film von 1979

Zu Beginn der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland um das Jahr 1969 wurden zunächst von einigen wenigen hauptsächlich in eigener Praxis niedergelassenen Zahnärzten Zahnimplantate gegen den jahrelang erklärten Widerstand vieler Universitätskliniken und Kieferchirurgen eingesetzt.Anke K. Brinkmann, Egon L. W. Brinkmann: Die Geschichte der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland. Anke-Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-00-000527-7. (Dissertation, Universität München 1993). Die Nachfrage nach Zahnimplantaten der Patienten war andererseits von Anfang an sehr groß.

Die moderne Entwicklung der Implantologie begann mit der Entdeckung der Biokompatibilität der Titanoberfläche durch den schwedischen Orthopäden Per-Ingvar Brånemark im Jahr 1967. Im Jahr 1978 fand die erste Zahnimplantat Consensus Conference statt, die gemeinsam vom National Institutes of Health und der Harvard University gesponsert war. Es war ein historisches Ereignis, an dem retrospektive Daten von Zahnimplantaten gesammelt und analysiert sowie Kriterien und Normen für die moderne Implantologie etabliert wurden.L. B. Shulman, T. D. Driskell: Dental Implants: A Historical Perspective. In: M. Block, J. Kent, L. Guerra: Implants in Dentistry. W. B. Saunders, Philadelphia 1997, ISBN 0-7216-2174-0, S. 2. Ende der 1970er Jahre entwickelte der 1934 in Concepción (Chile) geborene und bis 1980 an der Universität München als Professor tätige Zahnmediziner Georg Jorge Dietz ein endodontisches enossales StiftimplantatVgl. auch George Jorge Dietz: Stiftimplantate. 1978. (den FS-Stift nach Dietz).Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 224.

Im Jahr 1982 präsentiert Brånemark in Toronto seine Arbeit, die 15 Jahre früher in Göteborg begonnen hatte. Seine Entdeckung und Anwendung der Osseointegration oder der biologischen Fusion von Knochen mit einem Fremdkörper war einmalig. Die wissenschaftliche Dokumentation der Implantologie war zuvor noch nie so umfassend gewesen. Die Torontoer Konferenz führte zu einer breiten Anerkennung der Brånemark’schen Implantatmethoden und -materialien. Sie ist einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüche in der Zahnmedizin seit den späten 1970er Jahren.

Daraufhin erfolgte in Deutschland 1982 die wissenschaftliche Anerkennung der zahnärztlichen Implantologie. Im Jahr 1988 wurden die mit der Implantologie verbundenen zahnärztlichen Leistungen in die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) mit einem kleinen Positionskatalog von 10 Gebührennummern (GOZ-Nr. 900–909) aufgenommen, einzeln beschrieben und mit einem Honorar bewertet.

Unter allen Implantatmaterialien hat sich Titan seit den 1970er Jahren durchgesetzt. Die Verbindung zwischen der Titanoberfläche und dem Knochen hat sich als zuverlässig erwiesen. Es kommt nur selten zu Frakturen des Implantatkörpers, weil die Elastizitätsmoduln von Knochen und Titan ähnlich sind.

Ende der 1980er Jahre implantierten etwa 1.500 Zahnärzte (ca. 2,5 %), im Jahr 2006 bereits etwa 5.000–7.000 Zahnärzte (ca. 8–12 % der ca. 60.000 bundesdeutschen Zahnärzte) mehr oder weniger regelmäßig. Zahlreiche Zahnärzte arbeiten interdisziplinär eng mit einem implantologisch tätigen Oralchirurgen oder Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zusammen, der den chirurgischen Teil übernimmt und die Implantate einsetzt, während der Zahnarzt anschließend die Suprakonstruktion (den Zahnersatz auf den Implantaten) eingliedert.A. Salti: Die 2000jährige Geschichte der Implantation. (PDF; 408 kB) auf zwp-online.info, ZWP, Implantologie Journal, 2003/1, S. 6–8. Die Suprakonstruktionen dürfen bei bestehender Fachgebietsbegrenzung in einigen Bundesländern nicht vom Kieferchirurgen angefertigt und eingegliedert werden.

An den Universitäten ist die Implantologie kein eigenes Ausbildungsfach, so dass die Zahnärzte sich im Rahmen einer postgraduierten Fortbildung die einschlägigen Kenntnisse aneignen.

Implantatformen

Grundsätzlich lassen sich einteilige von zusammengesetzten Implantaten unterscheiden. Es haben sich überwiegend zusammengesetzte Zahnimplantate durchgesetzt, weil sie durch ihre Kombinationsmöglichkeit zwischen dem Wurzel- und Kronenanteil den gegebenen Verhältnissen am besten angepasst werden können. Außerdem ist durch das zweizeitige Vorgehen gewährleistet, dass die Osseointegration des Implantats durch eine zu frühe Belastung nicht beeinträchtigt wird. Mehrteilige Implantate bestehen aus dem im Knochen verankerten Implantatkörper, seltener einem separaten im Bereich der Mundschleimhaut liegenden Halsteil und dem Kopfteil, dem Abutment, das die Suprakonstruktion aufnimmt. Die zwei bzw. drei Teile werden meistens miteinander verschraubt. Die darauf angebrachten Suprakonstruktionen (Kronen, Brücken- oder Prothesenanker) werden verschraubt, zementiert oder verklebt.N. Schwenzer, M. Ehrenfeld: Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde. 5 Bände, Band 3: Zahnärztliche Chirurgie. Thieme Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-13-116963-X.

Bei einteiligen Zahnimplantaten ragt der Implantatkopf aus der Schleimhaut heraus, womit eine vorzeitige Belastung während der Einheilphase oft nicht zu vermeiden ist.

Schraubenimplantate

Nach Jahrzehnten mit verschiedenen heute zum Teil naiv anmutenden Implantatformen aus der Vorkriegszeit haben sich rotationssymmetrische Implantate (meist Schraubenimplantate) durchgesetzt. Bei diesen Implantaten ist der Implantatkörper im Querschnitt kreisrund, sodass die Implantatkavität, der Hohlraum, der das Implantat aufnehmen soll, mit rotierenden Instrumenten, beispielsweise einem Kanonenbohrer, in den Kieferknochen präpariert werden kann. Die Schraubenimplantate unterscheiden sich vor allem in ihrer Konizität und in der Art des Gewindes.