Ranzenkrebse oder Peracarida sind eine Überordnung der Höheren Krebse (Malacostraca) und gehören zu den Krebstieren (Crustacea). Dazu gehören unter anderem Asseln, Flohkrebse und Schwebegarnelen.
Vorkommen Ranzenkrebse kommen in allen Gewässerarten und auch an Land vor. Sie haben eine weltweite Verbreitung und oft eine große Individuendichte. Zu ihrem Erfolg in den verschiedenen Lebensräumen, auch in der Tiefsee, der Arktis und der Antarktis sowie in speziellen Biotopen wie Höhlen, Grundwasser oder im Sandlückensystem trägt der ihnen eigene Mechanismus der Brutpflege bei.
Fortpflanzung Brutpflege: In einem ventralen Brutraum, Marsupium genannt, am Thorax werden die Eier aufbewahrt (eine Ausnahme bildet dabei nur die Gruppe der Thermosbaenacea). Dieser Raum wird durch lappenartige, aneinandergrenzende Anhänge der Extremitäten (Oostegite) vom Außenmedium abgegrenzt.
Nervensystem und Sinnesorgane Die Augen sind in den meisten Fällen ungestielt in der Kopfplatte angesetzt.
Morphologie Ranzenkrebse besitzen einen Carapax mit höchstens vier verschmolzenen Thorax-Segmenten. Der Kopf ist mit einem (oder zwei) Segmenten des Thorax verschmolzen. Die Carapaxfalte ist meist zurückgebildet.
Stammesgeschichte Frühe Fossilien der Ranzenkrebs-Ordnungen wie Isopoda, Cumacea und Tanaidacea sind bereits aus dem Paläozoikum vor mehr als 300 Millionen Jahren bekannt. Aus diesem Erdzeitalter stammen auch die Vorfahren der Amphipoda, auch wenn keine Fossilien dieser Tiergruppe aus dieser Zeit überliefert sind. Die weitere Verbreitung der Ranzenkrebse fand im Mesozoikum statt. Die heutige Verbreitung der Crangonyctidae, einer sehr ursprünglichen Gruppe der Amphipoda auf der Nordhalbkugel deutet auf ihren Ursprung in Laurasia schon vor dem Jura hin.
Systematik thumb|upright=1.2|Gnathophausia zoea (Ordnung Lophogastrida) thumb|upright=1.2|Kellerassel (Ordnung Isopoda) Die Überordnung der Ranzenkrebse (Peracarida) umfasst zwölf rezente Ordnungen:World Register of Marine Species: Peracarida. WoRMS, 2025, abgerufen am 27. August 2025. Flohkrebse (Amphipoda Latreille, 1816) Gammaridea Corophiidea Hyperiidea Amphilochidea Colomastigidea Hyperiidea Hyperiopsidea Pseudingolfiellidea Senticaudata Bogidiellida Carangoliopsida Corophiida Gammarida Hadziida Talitrida Bochusacea Cumacea Kroyer, 1846 Ingolfiellidea Asseln (Isopoda) Latreille, 1817 Asellota Calabozoidea Cymothoidea Anthuroidea Lilljeborg, 1864 Cymothooidea Leach, 1818 Epicaridea Limnoriidea Microcerberidea Landasseln (Oniscidea) Phoratopidea Phreatoicidea Sphaeromatidea Tainisopidea Valvifera Lophogastrida Sars, 1870 Mictacea Bowman, Garner, Hessler, Iliffe & Sanders, 1985 Schwebegarnelen (Mysida Haworth, 1825) Spelaeogriphacea Calman, 1904 Stygiomysida Scherenasseln (Tanaidacea) Dana, 1849 Thermosbaenacea Monod, 1927
Dazu kommt die nur durch Fossilien bekannte Ordnung Pygocephalomorpha.
Westheide und Rieger unterscheiden in ihrer Speziellen Zoologie nur sieben Ordnungen. Sie stellen den Ranzenkrebsen (Peracarida) die Thermosbaenacea als Pancarida gegenüber, weil diese im Gegensatz zu den übrigen Peracarida ihre auf dem Rücken befindliche Carapaxhöhle als Brutraum nutzen. Der Brutraum der übrigen Peracarida liegt auf der Bauchseite. Ferner werden die Mysida und die Lophogastrida zur Ordnung der Mysidacea zusammengefasst.
Einzelnachweise Wilfried Westheide und Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. 2. Auflage, Elsevier, Spektrum Verlag, 2006
Literatur Wilfried Westheide und Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. 2. Auflage, Elsevier, Spektrum Verlag, 2006, ISBN 3-8274-1575-6.
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Kategorie:Höhere Krebse