Schwabing-Freimann ist der Stadtbezirk 12 der bayerischen Landeshauptstadt München.
Der Stadtbezirk besteht aus den östlichen Gebieten der ehemaligen Stadt Schwabing und aus der ehemaligen Gemeinde Freimann mit ihren Ortsteilen Neufreimann, Großlappen, Kleinlappen, Kulturheim und Fröttmaning, zudem auch administrativ Tucherpark und Tivoli. Der Stadtbezirk gehört seit der Neuordnung der Stadtbezirke 1992 zu denen, die sich durch große Unterschiede in Struktur und Stadtteilbild auszeichnen. Der um 1900 bebaute westliche Teil Schwabings bildet den Stadtbezirk Schwabing-West.
Lage und Bezirksteile mini|links|Stadtbezirksteile von Schwabing-Freimann Der Stadtbezirk Schwabing-Freimann liegt im Norden Münchens links der Isar. Im Süden wird er vom Siegestor begrenzt, das etwa an der ehemaligen Grenze der Städte München und Schwabing steht, im Norden durch die heutige Stadtgrenze Münchens, und im Osten durch die Isar. Im Westen läuft die Grenze von Süden beginnend entlang der Friedrich-, Viktoria-, Simmern- und Isoldenstraße und anschließend zwischen Am Hart und Freimann größtenteils entlang der Leopold- und der Ingolstädter Straße.
Schwabing-Freimann grenzt (im Gegenuhrzeigersinn aufgezählt) an die Stadtbezirke Milbertshofen-Am Hart und Schwabing-West im Westen, die Stadtbezirke Maxvorstadt und Altstadt-Lehel im Süden, den Stadtbezirk Bogenhausen und die Gemeinden Unterföhring und Ismaning im Osten am anderen Isarufer sowie die Stadt Garching bei München und die Gemeinde Oberschleißheim im Norden.
Die acht Bezirksteile von Schwabing-Freimann erhielten 1996 ihre Begrenzungen (wie auch alle anderen Stadtbezirksteile Münchens), die vor allem für die Bereitstellung von statistischen Informationen dienen. Zur besseren Orientierung erhielten sie vom Statistischen Amt München ihre Namen, die aber nicht immer den historischen Gegebenheiten entsprechen."Nach der Neuabgrenzung: Einwohnerentwicklung in den Münchener Stadtbezirken; Namen der Bezirksteile und -Viertel" Statistisches Amt München So wurde der Bezirksteil Obere Isarau nach den Flussniederungen der Isar bezeichnet, obwohl sich in diesem Teil der historische Ortskern von Freimann befindet und damit auch die Stadtgebiete, die der Ortsansässige als Freimann kennt. Dahingegen liegt im Bezirksteil Freimann der Euro-Industriepark, der allerdings auf Flächen des ehemaligen Neufreimanns angelegt wurde. Auch erst in den 1930er Jahren entstandene Siedlungsgebiete (z. B. Kieferngarten) werden von Freimannern aufgrund ihrer vergleichsweise späten Errichtung als Neufreimann bezeichnet, sie liegen ebenfalls im Bezirksteil Freimann. Der größte (südlich der Domagkstraße gelegene) Bereich des Bezirksteils, der den Namen Neufreimann erhielt, gehört dahingegen schon seit 1808 zur damaligen Gemeinde Schwabing, hier lag auch der Weiler Neuschwabing (siehe unten). Die damalige Siedlung Neufreimann befand sich nur teilweise in diesem Stadtbezirksteil, größtenteils lag sie aber in den Bezirksteilen Freimann und Alte Heide - Hirschau.
Schwabing
mini|Trambahn- und Bushaltestelle an der Münchner Freiheit Schwabing wurde 782 erstmals urkundlich als Suuapinga erwähnt. Der Name kommt von Swapo und bedeutet Siedlung eines Schwaben. Mit dem ersten Gemeindeedikt 1808 war Schwabing der Namensgeber für die neue (Steuer-)Gemeinde Schwabing, zu der fortan auch die Siedlungen Biederstein, Hirschau, Neuschwabing, Riesenfeld und Tivoli gehörten. Die Gemeinde wurde 1886 zur Stadt erhoben und 1890 nach München eingemeindet. Bereits 1909 wurden die damaligen Neubaugebiete im Westen des ehemaligen Schwabinger Stadtgebietes aus dem Stadtbezirk Schwabing herausgelöst und zum eigenen Stadtbezirk Schwabing-West. Um 1890 entstand am Feilitzschplatz, der heutigen Münchner Freiheit, ein neues städtebauliches Zentrum mit der Evangelisch-Lutherischen Erlöserkirche als nördlichem Abschluss, das sich bald zum pulsierenden Mittelpunkt Schwabings entwickelte. Bis 1940 hatte jener Teil Schwabings, der zum Stadtbezirk gehört, seine heutige Gestalt erhalten. Seit dem Jahr 2000 etwa entstanden neue Wohnquartiere wie die Parkstadt Schwabing oder der Domagkpark (siehe unten), die – auf ehemaligen Gewerbeflächen und Kasernenflächen an der Grenze zu Freimann gelegen – im öffentlichen Bewusstsein bis zur Umwidmung der Flächen zum industriell geprägten Neufreimann gezählt wurden.
Alte Heide
1918 gründeten die ortsansässigen Industriebetriebe Krauss-Maffei und BMW gemeinsam mit der Deutschen Reichsbahn die gemeinsame gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Alte Haide in der damals populären Schreibweise, um Wohnraum in Nähe zu ihren Betriebsstätten zu errichten. Nach Plänen von Theodor Fischer wurde das Arbeiterviertel westlich des Nordfriedhofs an der heutigen Ungererstraße von 1919 bis 1928 erbaut. 1920 wurde die Bezeichnung Alte Heide in der heute korrekten Schreibweise in das Adressbuch der Stadt München aufgenommen. Die Anbindung im öffentlichen Verkehr erfolgt über den U-Bahnhof der U6 Alte Heide. Nördlich der Domagkstraße befindet sich der Neue Israelitische Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.
Biederstein mini|Kleinhesseloher See Biederstein wurde am 17. Oktober 1784 bereits als Biederstein urkundlich ersterwähnt. Der Name der an der heutigen Biedersteiner Straße gelegenen Ortes bedeutet so viel wie Wackeres Schloss, da Stein als häufiger Name für Schloss, Burg nachweisbar ist und Bieder etwa brav, wacker, bieder – ähnlich wie in Biedermann, Biedermaier. Seit dem ersten Gemeindeedikt 1808 Teil der (Steuer-)Gemeinde Schwabing wurde Biederstein zusammen mit der Stadt Schwabing am 20. November 1890 nach München eingemeindet. Im Stadtteil Biederstein liegt das Wohnheim Biederstein.
Domagkpark mini|Domagkpark von Westen, im Vordergrund die Tramstation „Schwabing Nord“ und die Gebäude am Bauhausplatz, rechts die Grundschule am Bauhausplatz
Der Stadtteil Domagkpark wurde von 2013 bis 2020 errichtet, nachdem die meisten Gebäude der ehemaligen Funkkaserne abgerissen wurden. Das Areal gehört seit 1907 zum Stadtteil Schwabing und war von 1808 bis 1907 Teil der damaligen Gemeinde Freimann. Er erhielt seinen Namen auf Grund seiner Lage an der Domagkstraße. Schon seit die Bundeswehr die Kaserne 1993 stilllegte und der Bund die Gebäude für verschiedene Zwischennutzungen vermietete wurde das Areal Domagkgelände genannt. Im Domagkpark liegen um eine große Parkanlage 1.600 Wohnungen für etwa 4.000 Menschen, Geschäfte, Cafés, Restaurants, Kindertagesstätten, Hotels, zwei Studentenwohnheime, eine Grundschule und Sportanlagen. In einem der ehemaligen Kasernengebäude befindet sich die Künstlerkolonie Domagkateliers. Zentrum des Stadtviertels ist der Bauhausplatz. Dort befindet sich auch die Tramstation Schwabing Nord der Tramlinie 23, die das neue Stadtquartier mit der Münchner Freiheit verbindet.
Emilienhof Das Bauunternehmen Karl Stöhr errichtet von 1952 bis 1958 eine Wohnanlage nördlich der Siedlung Alte Heide zwischen Dietersheimer Straße, Wandletstraße, Domagkstraße und Garchinger Straße und benannte sie nach seiner Ehefrau und seiner gleichnamigen Tochter Emilie. Den damaligen Gepflogenheiten folgend endet der Wohnanlagenname auf „-hof“. Das Areal gehört seit dem ersten Gemeindeedikt 1808 zur Steuer(-Gemeinde) Schwabing und lag damit schon zu seiner Entstehungszeit im Stadtteil Schwabing.
Hirschau mini|Straßenplan Hirschau 1949 Der Name Hirschau taucht zum ersten Mal auf einer Stadtkarte von 1808 bereits als Hirschau auf und leitet sich vom Hirschen ab, der auf den Wildreichtum in den Isarauen links der Isar nördlich von München hinweist. Vollckmer zeigt auf seiner Karte von 1613 an der Stelle des späteren Englischen Gartens äsende Hirsche. Abwechselnd auch Hirschanger genannt, so auf einer Karte aus Jahre 1712, wird das Gebiet, das in den Jahren 1798 bis 1804 als Fortsetzung des Englischen Gartens bis zum Aumeister angelegt wurde, seit 1808 ausschließlich Hirschau genannt. Ab 1818 Teil der Gemeinde Schwabing, wurde die Hirschau zusammen mit der Stadt Schwabing am 20. November 1890 nach München eingemeindet.
Die Ansiedlung Hirschau umfasste die Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei sowie Arbeiterwohnungen nahebei, sowie das noch erhaltene Tivoli-Kraftwerk. Die jetzige Gaststätte Hirschau mit großem Biergarten war wahrscheinlich die Kantine der Arbeiter. Von den ehemaligen Straßen außer der Gyßlingstraße existieren allenfalls Reste (Hirschauer Straße).
Mitterschwabing Der Geheime Rat, Kämmerer und Obristjägermeister Johann Theodor von Waldkirch erwarb im Dorf Schwabing ein Lusthaus mit Garten, der am 22. Januar 1774 durch Kurfürst Max III. Joseph zum gefreiten Edelsitz Mitter-Schwäbing erhoben wurde; dies ist auch die urkundliche Ersterwähnung. Nachdem der Philosoph Franz von Baader das Schlösschen, das sich an der heutigen Ecke der Leopoldstraße zur Feilitzschstraße befand, übernahm, wurde es auch Baaderschlösschen genannt. 1874 kaufte Ludwig Petuel das Herrenhaus, 1877 erbaute er unmittelbar daneben die Schwabinger Brauerei.Stetig bergauf In: Süddeutsche Zeitung 30. Oktober 2015 1889 wurde das Schloss abgerissen und durch einen Neubau mit großem Saal ersetzt. Hier fanden legendäre Künstlerfeste der Bohème wie z. B. die von der Akademie der Bildenden Künste veranstaltete „Schwabinger Bauernkirta“, das berühmteste Künstler- und Studentenfest des Münchner Faschings, statt.Gunna Wendt: Schwabinger Brauerei In: Literaturportal Bayern In der Schwabinger Brauerei wurden im Januar 1918 unter der Führung von Kurt Eisner die ersten Arbeiterstreiks ausgerufen, später fanden die „roten Truppen“ hier Stützpunkte.Kulturgeschichtspfad Schwabing-Freimann Nach dem Ersten Weltkrieg wurde mit den „Schwabylon-Festen“ an die Zeit zuvor angeknüpft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das teilweise zerstörte Gebäude zunächst renoviert.Bayerische Geschichte(n), 25/2015: Schwabing leuchtet In: Volk Verlag 10. November 2015 1964 wurde an ihrem Platz ein schwarzes rund 50 m hohes elfstöckiges Warenhaus von Hertie erbaut, dass 1992 eingekürzt wurde.Geliebt und umstritten: Geschichten vom Hertie-Hochhaus In: Münchner Wochenanzeiger 16. September 2014 Die Bezeichnung Mitterschwabing für den auf dem 40 Tagwerk großen Gutshof entstandenen Stadtteil wird heute kaum noch verwendet. Mitterschwabing war seit dem ersten Gemeindeedikt 1808 Teil der (Steuer-)Gemeinde Schwabing und wurde zusammen mit der Stadt Schwabing am 20. November 1890 nach München eingemeindet.
Neufeld Der Besitz des Grafen Joseph von Lodron wurde 1789 durch Kurfürst Karl Theodor zum Rittersitz erhoben und 1793 unter dem Namen Neufeld mit einer Niederen Gerichtsbarkeit über drei dazugehörige Anwesen ausgestattet und hierbei unter diesen Namen urkundlich erwähnt. 1802 erwarb Hofmarschall Ludwig von Gohren den Rittersitz; dieser existiert bis heute. Der Rittersitz an der heutigen Biedersteiner Straße 21 wird seitdem nach ihm Gohren-Schlössl genannt. Die Bezeichnung Neufeld wird heute kaum noch verwendet. 1808 Teil der Steuergemeinde Schwabing wurde Neufeld zusammen mit der Stadt Schwabing am 20. November 1890 nach München eingemeindet.
Neuschwabing