Der Verstand ist in der Philosophie das Vermögen, Begriffe zu bilden und diese zu (wahren) Urteilen zu verbinden. Die heutige Verwendung des Begriffes wurde maßgeblich von Immanuel Kant geprägt, der dem Verstand häufig die Vernunft gegenüberstellt, ihn aber auch von der Wahrnehmung unterscheidet.

Etymologie Der Begriff ist das Substantiv zu „verstehen“ von althochdeutsch „farstān“ mit der ursprünglichen Bedeutung „davor stehen“ (wodurch man z. B. eine Sache genau wahrnehmen kann), was von Anfang an im übertragenen Sinn („begreifen“, „durchschauen“) verwendet wurde.

Erläuternde Zitate Immanuel Kant definiert in seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798) den Verstand folgendermaßen:

Umfassend ist die Definition von Rudolf Eisler, der in seinem Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2. Auflage 1904) schrieb:

Für Arthur Schopenhauer beschränkt sich der Verstand auf das Erkennen von Ursache und Wirkung:Die Welt als Wille und Vorstellung, Erster Band, Erstes Buch §4 (zeno.org)

Der Psychologe und Kognitionswissenschaftler Steven Pinker sieht den Verstand als ein Werkzeug, um Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen und daraus Schlüsse abzuleiten:D. Poole, A. Mackworth, W. Menzel: Artificial Intelligence - Chapter 6: Reasoning under Uncertainty, S. 2; 2010 bzw. 2015 - “The mind is a neural computer, fitted by natural selection with combinatorial algorithms for causal and probabilistic reasoning about plants, animals, objects, and people.” “In a universe with any regularities at all, decisions informed about the past are better than decisions made at random. That has always been true, and we would expect organisms, especially informavores such as humans, to have evolved acute intuitions about probability. The founders of probability, like the founders of logic, assumed they were just formalizing common sense.” Steven Pinker, How the Mind Works, 1997, pp. 524, 343.

Siehe auch Gesunder Menschenverstand Bewusstsein Intellekt Gemüt

Klassische Literatur Philosophie der Neuzeit René Descartes, Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen John Locke, Versuch über den menschlichen Verstand : in vier Büchern, Bd. 1., Buch I und II, 5., Aufl. Meiner, Hamburg 2000. ISBN 978-3-7873-1555-0, Bd. 2., Buch III und IV, 3. Aufl. Meiner, Hamburg 1988. ISBN 978-3-7873-0931-3 John Locke: Über den richtigen Gebrauch des Verstandes, übers. von Otto Martin, Leipzig: Felix Meiner, 1920; unveränd. Nachdr. d. Ausg. von 1920, Hamburg: Felix Meiner, 1978, ISBN 3-7873-0434-7 John Locke: Die Leitung des Verstandes. Übersetzt von Jürgen Bona Meyer, Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 1998, ISBN 978-3-928640-61-9 David Hume, Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes George Berkeley, Abhandlungen über die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis Gottfried Wilhelm Leibniz, Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft

Weblinks

J. u. W. Grimm: Art. Verstand, in: Deutsches Wörterbuch Bd. 25, Sp. 1523–1551.

Einzelnachweise

Kategorie:Erkenntnistheorie Kategorie:Wahrheit (Philosophie) Kategorie:Allgemeine Psychologie