mini|Bogenjäger mit traditionellen Langbögen in Osttimor

Bogenjagd bezeichnet die Ausübung der Jagd mit Pfeil und Bogen. Als eine der ältesten Jagdarten des Menschen wird sie noch heute von Naturvölkern zur Nahrungsbeschaffung betrieben. Die moderne Bogenjagd wird in vielen Staaten Europas und Nordamerikas ausgeführt, unter anderem dient sie auch als Mittel zur Kontrolle von Wildtierpopulationen in Schutzgebieten und im urbanen Raum.

Geschichte mini|alt=|Jagdszene aus der Steinzeit Jäger mit Pfeil und Bogen, Speer. Der Bogen als Jagdgerät taucht daher immer wieder in unterschiedlichster Ausprägung in vielen Völkern der Erde auf. Er ist auch heute noch wesentlicher Bestandteil des kulturellen Erbes, aber auch integraler Bestandteil der der heutigen Jagd.Die Bibel des Traditionellen Bogenbaus. Band 1, Verlag Hörnig, 2013, ISBN 978-3-9808743-2-8. Zur Geschichte des Bogens und damit auch der Bogenjagd finden sich in Südfrankreich (Lascaux), Spanien (Altamira) und Nordafrika (Uwaynat) viele Höhlenmalereien, die Jagdszenen darstellen, in denen nicht nur einzeln, sondern auch in der Gruppe gejagt wird (heute: Gesellschaftsjagd). Die frühe Jagd mit dem Pfeil und Bogen ist im Wesentlichen ein Abschnitt der Geschichte der Jagd und deren vielfältigen Evolutionsstufen und Varianten.

In Europa gibt es seit dem Solutréen (etwa 22.000 bis 18.000 v. Chr.) gestielte Spitzen aus Feuerstein, die wahrscheinlich Pfeilspitzen waren.L. Pericot Garcia: La cueva del Parpallo. Madrid 1957.Ulrich Stodiek, Harm Paulsen: Mit dem Pfeil, dem Bogen. Oldenburg (Isensee-Verlag), 1996, S. 37–38. Sie können als ältester indirekter Beweis für die Existenz des Bogens und der Bogenjagd gewertet werden. Archäologen vermuten die Wurzeln der Jagd mit Pfeil und Bogen aber deutlich älter, nämlich vor ca. 64.000 Jahren. Das älteste als Bogen interpretierte archäologische Fundstück stammt aus einer Kiesgrube in Mannheim-Vogelstang aus der Zeit des älteren Magdaléniens. Das rund 40 cm lange Fragment eines Kiefernholz-Stabes (Pinus sylvestris) wurde mittels der Radiokohlenstoffmethode (14C) auf ein Alter von 14.680 ± 70 BP datiert (entspricht kalibriert 16.055 ± 372 v. Chr.). Die verwendeten Materialien zur Bogenjagd waren immer abhängig von den in der Umgebung und mit vorhandenem Werkzeug herstellbaren Werkstoffen. So z. B.

die Art des verwendeten Holzes für Bogen und Pfeilschaft; die Sehne, die nicht nur aus Tiersehnen, sondern auch aus Pflanzenfasern bestehen konnte; die Jagdspitze, die zunächst aus behauenem Stein z. B. Obsidian, Feuerstein oder hartem Knochen, später auch aus Metall beschaffen war.

Bogenjagd indigener Völker

Bogenjagd ist bis heute ein essenzieller Bestandteil der Jagd weltweit. Allerdings ist die Ausübung der urtümlichen Form der Bogenjagd durch die Naturvölker zur Nahrungsbeschaffung (Subsistenz-Jagd), aufgrund der Verbreitung von Feuerwaffen, aber auch wegen des massiven Rückgangs von Lebensraum, rückläufig. Dagegen nimmt die moderne Bogenjagd rasant zu. Die Bogenjagd heute noch jagender Naturvölker ist mit ihren Jagdstrategien und mit der Technik des Jagdgerätes in sehr vielen Aspekten vergleichbar mit der Bogenjagd frühzeitlicher Menschen.

Bogenjagd heute mini|hochkant|Bogenjäger beim Training mini|Bogenjäger im Wappen von Etschberg Die moderne Jagd mit Pfeil und Bogen findet weltweit in immer mehr Ländern wieder statt. Dabei wird auf dieselben Bogentypen zurückgegriffen, die auch beim Sportbogenschießen Verwendung finden und die den heutigen Stand der Technik, sowohl in Materialien, Bauart und Präzision widerspiegeln. Trotz ihrer ähnlichen Bauart gibt es deutliche Unterschiede bei Sport- und Jagdbögen. Nach wie vor bedeutet die Benutzung des Werkzeugs Bogen für den Jäger ein erhebliches Maß an ständigem Training,Training für die Bogenjagd http://www.der-bogenjäger.at/wp-content/uploads/2016/04/AU01_2016-Training.pdf Abstimmung des Materials und Vorbereitung. Die Verwendung von Zielhilfen (Visieren) wird dabei favorisiert. Ein sehr kleiner Teil der Bogenjäger benutzt sogenannte Blankbögen ohne Visier, die aber ebenfalls ihre Vorteile haben und ähnlich wie die Flinte bei Flugwild- oder Hasenjagd, eine schnelle, instinktive Zielerfassung erlauben. Unter den Visierbögen wiederum wird fast nur noch der in den 1960er Jahren entwickelte und 1969 in den USA patentierte Compoundbogen verwendet. Dieser führt zu einer besseren Handhabbarkeit und Präzision.

Insbesondere auch wegen dieses technischen Fortschrittes in der Bogentechnik zieht die Jagd mit dem Bogen zunehmend mehr Menschen weltweit an.Wirtschaftszweig Bogenjagd USA, ATA Studie 2015. (Online, PDF) Vorreiter sind hier ganz klar die USA, mit annähernd 12 Mio. Jägern, die vornehmlich den Bogen zur Jagd nutzen. Der entsprechende Industriezweig erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von mehr als 55 Mio. USD. In Europa lassen zunehmend mehr Länder die Bogenjagd zu. Mit der Freigabe der Jagd mit Pfeil und Bogen in der Russischen Föderation im Jahr 2019 wurde die größte Landfläche Europas für die Bogenjagd zugänglich. Damit machen auch immer mehr Jäger den Bogenjagdschein.

Bogentypen für die jagdliche Nutzung

Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung der Bogenjagd weltweit ist die rasant fortschreitende, technologische Entwicklung des Jagdbogens, des Jagdpfeils sowie der jagdlichen Hilfsmittel seit den 1950er Jahren. Im Bereich der Bogenjagd wird zwischen traditionellen Bögen „Tradis“ und den moderneren Compoundbögen unterschieden.

Langbogen

mini|Langbogen (Tradis) Der Langbogen ist für jagdliche Zwecke schwieriger anzuwenden, als Recurvebögen oder Compoundbögen. Ein Nachteil ist seine Größe, was die Verwendung von Hochsitzen umständlich macht. Ebenso ist im Vergleich zu den anderen Bögen die Energieausbeute geringer, weswegen mit höherem Zuggewicht geschossen werden muss, um annähernd gleiche Ergebnisse zu erzielen. Ebenso ist ein intensives Training notwendig, um die notwendige Präzision auf kürzeren Distanzen zu erzielen.

Recurvebogen mini|Recurvebogen

Der Recurvebogen kompensiert den energetischen Nachteil des Langbogens, indem er durch die zurückgebogenen Wurfarme (Recurve) den Pfeil kurz vor Verlassen der Sehne noch einmal kurz beschleunigt. Er ist dadurch unter den traditionellen Bögen der am häufigsten von Bogenjägern verwendete Jagdbogen.

Wie auch der Langbogen wird der Recurvebogen im jagdlichen Einsatz meist instinktiv ohne Visierung geschossen. Seine Verwendung erfordert ebenfalls ein hohes Maß an Training.

Compoundbogen

mini|alt=|Bogenjägerin mit Jagd-Compoundbogen Die Entwicklung des Compoundbogens durch Holless Wilbur Allen im Jahr 1966 hat die Bogenjagd revolutioniert.Ernst Blajs: DER BOGENJÄGER, Ausgabe 04/2017, S. 4. Dieses Konzept erlaubt es, Pfeile mit größerer Geschwindigkeit und höherer Präzision zu verschießen. Seine Bauart mit den exzentrisch gelagerten Rollen an den Wurfarmenden ergibt eine Hebelwirkung, deren Kraft/Weg-Verhältnis sich während des Ziehens der Sehne dynamisch verändert. Somit kann erheblich mehr Energie als beim Bogen mit klassischen Wurfarmen gespeichert werden. Gleichzeitig kann durch die Umlenkrollen die Endhaltekraft vermindert werden.

Moderne Compoundbögen machen mit entsprechenden Zuggewichten und Jagdpfeilen mit Gewichten von 400 Grain (25,91 Gramm) Geschwindigkeiten bis zu 320 FPS = „Feet Per Second“ (97,44 Meter pro Sekunde oder 351,13 Kilometer pro Stunde) möglich. Durch die bauartbedingte Zuggewichtsreduktion im „Anker“ kann der Compoundbogen viel länger im gespannten Zustand, auch bei jagdlich hohen Zuggewichten zwischen 50 und 90 Pfund (22,68 bis 40,82 Kilogramm), gehalten werden. Er ermöglicht so ein genaues Anvisieren des Ziels durch die am Bogen montierte Visiereinrichtung.

Ein weiterer Vorteil heutiger Jagdcompoundbögen ist die geringe Größe von 30 bis ca. 35 Zoll (76,20 bis 88,90 Zentimeter), wodurch sich seine Handhabung, z. B. auf dem Treestand, beziehungsweise Hochsitz deutlich vereinfacht. Diese technischen Verbesserungen haben den Bogen als Jagdgerät attraktiv gemacht.

Bogenausstattung für die jagdliche Nutzung

Abzugsvorrichtungen „Release Aid“

Die Aufgabe einer Abzugsvorrichtung ist es, den Auslösevorgang für den Schuss wiederholbar und genau zu machen. Releases verringern die seitliche Streuung, welche bei traditionellen Schießtechniken durch das seitliche Ablassen der Sehne mit den Fingern verursacht wird.

Jagdtaugliche Abzugshilfen sind robust und einfach in das „Loop“ einzuhaken und auszulösen. Ebenso können sie mit Handschuhen bedient werden. Die meisten Jagdreleases sind Handschlaufenreleases.

Visiereinrichtungen mini|Visier Singlepin und Hybrid Multipin

Die Aufgaben einer Visiereinrichtung beim jagdlich genutzten Bogen sind die Erhöhung der Treffergenauigkeit sowie die Wiederholbarkeit des Schusses in jagdlichen Situationen. Für Bögen gibt es eine Vielzahl an Visieren. Die meisten verfügen über einen Diopter mit einer Lochscheibe (Peep – nahe dem Auge in die Sehne eingebunden) und einen Korntunnel (am Bogen). Das Peep ist in der Bogensehne fest montiert.

Jagdvisiere können als Multipin-, Singlepin- oder Hybridvisier ausgeführt sein. Das „Multipinvisier“ hat in der Regel drei bis fünf Zielstachel, die auf verschiedene Distanzen eingeschossen werden. Der Vorteil des Multipins ist das schnelle Anvisieren des Ziels auch bei wechselnden Entfernungen.

Beim „Singlepin“ wird mittels Skala und Stellrad der einzige, mittig stehende Visierpunkt auf die gewünschte Entfernung eingestellt. Mit dem „Singlepin“ kann auch auf weitere Distanzen auf den Meter genau anvisiert werden, allerdings lässt sich der Visierpunkt bei bereits gespanntem Bogen nicht mehr verstellen.

Das „Hybridvisier“ verfügt sowohl über mehrere Zielstacheln (Pins) als auch über zusätzliche Verstellmöglichkeiten eines einzelnen Pins oder des gesamten Korntunnels. Mit dem Hybrid werden die Vorteile beider vorher genannter Visiere vereint, jedoch ist die Handhabung etwas komplexer.Artikel von Christian Heinz, DER BOGENJÄGER Ausgabe 04/2017, S. 48.

Ferner gibt es Visiere mit Vergrößerungslinsen, die bei der Jagd allerdings Umwelteinflüssen wie Regen und Frost ausgesetzt sind und damit die Jagd behindern können.

Geräuschdämpfer mini|Silencer in der Bogensehne neben einer „Zebrasehne“ In die Bogensehne können Geräuschdämpfer (auch als Silencer bekannt) eingezogen werden. Mit diesen Silencern wird eine schnellere Beruhigung der Sehne erreicht und gleichzeitig das „Pfeifgeräusch“ der vorschnellenden Sehne gemindert, aus dem singenden „plonnngggg“ wird ein trockenes „flobb“. Jagdlich ist das besonders wichtig, da mit diesen Geräuschdämpfern die Lärmemission des Bogens und damit die Fluchtreaktion des Wildes für die Jagd günstig beeinflusst werden kann.

Es gibt verschiedene Ausführungsvarianten: aus Fleece-Stoff, 2 quadratische Hälften in der Mitte vernäht u. auf 5-mm-Streifen aufgeschnitten. aus Wollfäden, den sogenannten „Puffs“, „Cat Whiskers“ aus Leder- bzw. Fellstücken (Biberfellen) „Beaver Puffs“ aus Kunststoff, oder Gummiformteile „Brush Buttons“

Jagdpfeil

mini|Moderner Carbon Jagdpfeil mit 31,1 Gramm (480 grain) Gesamtgewicht inkl. zweischneidiger Jagdspitze und dreifacher Kunststoffbefiederung Dem Jagdpfeil, also dem Projektil des Jagdbogens, kommt eine besondere Bedeutung bei der Bogenjagd zu. Er entscheidet wesentlich, wie genau die Schüsse reproduziert (Innenballistik/Außenballistik) werden können: Ebenso beeinflusst er die Durchschlagsleistung (Zielballistik, Terminal Ballistik).

Die wesentlichen Bauteile des Jagdpfeils sind: Pfeilschaft Befiederung NockThorsten Trede, Lehrbuch der Bogenjagd, ISBN 3-932848-16-0, Braunschweig, 1999, S. 53. Inserts Jagdspitze

Pfeilschaft