Das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) war eine paramilitärische nationalsozialistische Organisation. Das NSFK wurde am 17. April 1937 durch Führererlass geschaffen. Es war Rechtsnachfolger des Deutschen Luftsportverbands (DLV e. V.), der von 1933 bis 1937 die Aufgaben der militärischen Flugausbildung – zunächst als Luftsport getarnt – durchführte. Nach der Offenlegung der Luftwaffe übernahm er sie im Rahmen der militärischen Luftgaureserve.
Das NSFK war formaljuristisch eine selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts, jedoch mit der NSDAP verbunden, und wurde von ihr im Organisationsbuch als Nebengliederung geführt. Letztlich diente auch sie der Wiederaufrüstung im NS-Reich.
Das NSFK wurde mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen als nationalsozialistische Organisation verboten. Das Vermögen wurde eingezogen und die Wiedergründung untersagt.Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945. In: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Nummer 1 vom 29. Oktober 1945, S. 19 ff., Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: . Das NSFK-Abzeichen zählt in der Bundesrepublik Deutschland zu den verfassungsfeindlichen Propagandamitteln. Sein Herstellen, öffentliches Tragen oder Verbreiten ist gemäß StGB verboten.
Die Ansprüche auf Rentenversorgung ehemaliger hauptamtlicher NSFK-Angehöriger konnten 1957 in einem Musterprozess eingeklagt werden.
Vorgeschichte
Die erste Gründung des Nationalsozialistischen Fliegerkorps erfolgte am 1. Januar 1932 als eingetragener Verein. Nach der Machtergreifung im Jahre 1933 wurde der gesamte Luftsport in Deutschland neu geordnet. Die meisten Gruppen und Organisationen des Luftsports wurden zwangsweise aufgelöst und, zusammen mit den Fliegerstaffeln der SA, SS und Stahlhelm, unter dem aus dem NS-Fliegerkorps hervorgegangenen Deutschen Luftsportverband (DLV) zusammengefasst. Hinzu kamen aus der Reichswehr formell ausgeschiedene Soldaten als Fliegerschaft. Erster Präsident wurde Bruno Loerzer, ein Freund Hermann Görings und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Letztendlich war der DLV eine paramilitärische Tarnorganisation zur Aufstellung der Luftwaffe.
Nach der Offenlegung der Luftwaffe im Jahre 1935 wurden zwei Jahre später die im DLV verbliebenen Organisationen in das neu gegründete Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK) überführt. Damit war die Ausübung des Luftsports im Deutschen Reich nur nach den Richtlinien des Korpsführers des NSFK möglich.
Im Nationalsozialismus Organisationsstruktur mini|Standarte mit dem Symbol des NSFK mini|Segelflug-Hauptlehrer-Ausweis mit dem Symbol des NSFK Das NSFK unterstand unmittelbar Reichsluftfahrtminister Hermann Göring; seine Haushaltsmittel erhielt es aus dem Etat des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) Amt 4 / Allgemeines Luftamt (Ministerialdirektor Willy Fisch). Sämtliches Gerät, Gebäude und Anlagen waren Reichseigentum, wie bereits zuvor im DLV.
Mit der Führung des NSFK beauftragte der Reichsluftfahrtminister den im aktiven Dienst stehenden Luftwaffengeneral Friedrich Christiansen (ab 1943 Generaloberst Alfred Keller). Die geografische Aufteilung der insgesamt 17 NSFK-Gruppen orientierte sich an den Luftgauen der Luftwaffe, da das NSFK die Aufgabe hatte, die Luftgaureserve und damit die Reservisten der Luftwaffe militärisch und im nationalsozialistischen Sinne weltanschaulich zu schulen. Jede der 17 Gruppen teilte sich wiederum in bis zu acht Standarten auf, diese wiederum in Stürme mit einer Mindeststärke von 120 Mann.
Die Mitgliedschaft im NSFK war freiwillig, zudem konnten deren Mitglieder nicht gleichzeitig der SA, SS oder dem NSKK angehören. Die Angehörigen waren den Mitgliedern in Unterorganisationen der NSDAP aber rechtlich gleichgestellt und das NSFK wurde in seiner Gesamtheit im Organisationsbuch der NSDAP als Nebengliederung geführt. Ab 1937 nahm das NSFK als nationalsozialistische Organisation an den Aufmärschen des Reichsparteitag teil und führte dort seine Fahnenweihen durch.
Korpsführung – Zentrale Die Korpsführung befand sich in der Großadmiral-Prinz-Heinrich-Str. 1–3 in Berlin W35 (heute Hitzigallee) in Berlin. Sie umfasste folgende Abteilungen:
Verwaltungsamt Zentralabteilung Segelflug Modellbau Technik Motorflug Ballonsport Wehrsport und nationalpolitische Schulung Personal Presse Sanitätswesen und Rechtswesen.
Gruppenaufteilung
Nr.GruppeSitzGruppenführer1OstlandKönigsberg Ewald Oppermann2NordStettinFriedrich-Wilhelm Frodien3NordwestHamburgHarry von Bülow-Bothkamp4BerlinBerlinKarl Sauke5WarthelandPosenArno Kehrberg6SchlesienBreslauGerhard Sporleder (Vorgänger: Emil-Ernst Borchmann (ab Juli 1937))7Elbe-SaaleDresdenOtto Zimmermann8MitteEschwegeElmar von Eschwege9Weser-ElbeHannoverErwin Kratz10WestfalenDortmundHeinrich Sieler11Hessen-WestmarkDarmstadtOtto von Molitor12NiederrheinEssenHans Eggersh13Main-DonauNürnbergCarl Croneiß14Bayern-SüdMünchenCarl Braun15SchwabenStuttgartFriedrich-Wilhelm Erbacher16SüdwestKarlsruheWerner Zahn17OstmarkWienFritz SimmerohneLufthansaBerlinCarl-August von GablenzBrigade 125WeichsellandDanzigFritz SchwarzEinheit GGPolenKrakauSturmbannführer RibbertWerner Präg, Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen. 1939–1945. In: Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte. Band 20; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1975, ISBN 3-421-01700-X, S. 855.