Das Kloster Preveli () ist ein Mönchskloster (griechisch ) im Süden der griechischen Mittelmeerinsel Kreta. Es befindet sich in der Gemeinde Agios Vasilios des Regionalbezirks Rethymno.

Das Kloster stellt einen religiösen Mittelpunkt der Diözese „Lambi, Syvritos und Sfakia“ dar. Es gehört der halbautonomen Kirche von Kreta an, die dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt und seit 1913 mit der Kirche von Griechenland assoziiert ist. So weht neben der griechischen Flagge auch der doppelköpfige byzantinische Adler auf goldenem Grund im Innenhof der Klosteranlage. Das Engagement der Mönche für Freiheit und Unabhängigkeit der griechischen Einwohner Kretas sowie für schulische Weiterbildung begründete den überregionalen Ruf des Klosters.

Geografische Lage Moni Preveli besteht aus zwei Gebäudekomplexen, von denen heute nur noch das „Hintere Kloster“, Piso Moni Preveli, bewohnt ist. Es steht in 170 Meter Höhe über dem Meeresspiegel oberhalb der Küste des Libyschen Meeres, der Südküste Kretas. Die Entfernung zur Präfekturhauptstadt Rethymno beträgt 23 Kilometer, die zum Hauptort der Gemeinde Finikas, Plakias, sieben Kilometer. Die nächste bewohnte Ortschaft ist das 1,5 Kilometer nordwestliche Gianniou. Die Felsküste beim Kloster bietet nur bedingt Zugang zum Meer. Als nächste Schiffsanlegeplätze sind östlich die 1,5 Kilometer entfernte Bucht des Palmenstrandes von Preveli an der Mündung des Bergbaches Megalopotamos, westlich die in 3,5 Kilometer Entfernung liegende Bucht von Schinaria nutzbar.

Das sogenannte „Untere Kloster“, Kato Moni Preveli, liegt zwei Kilometer von der Meeresküste entfernt im Tal des Megalopotamos. Es wurde im 19. Jahrhundert aufgegeben und ist heute eine Ruinenstätte. Die Gebäude des einstigen Nebenklosters von Moni Preveli wurden während eines Aufstandes gegen die Türkenherrschaft zerstört und zum Teil 2015 als Museum wieder aufgebaut. Sie befinden sich von Piso Moni Preveli zwei Kilometer in nordöstlicher Richtung, unterhalb der Straße, die zum bewohnten Teil des Klosters Preveli führt. Etwa 300 Meter nördlich der Ruinen wurde an der Großen Brücke der einzige für Kraftfahrzeuge befahrbare Übergang über das Bachbett des Megalopotamos errichtet, über den man in östlicher Richtung auf unbefestigten Wegen den Ort Drymiskos und südöstlich den Strand Drymiskiano Ammoudi erreicht.Karte , 1:100.000, Road Editions, Athen 2007

Beschreibung Die Zufahrt zum Kloster Preveli führt nach dem Abzweig von der Straße zwischen Asomatos und Lefkogia zunächst an der westlichen Seite des Megalopotamos entlang zum „Unteren Kloster Johannes des Täufers“ (). Wie der vollständige Name angibt, war das ehemalige Nebenkloster am Megalopotamos Johannes dem Täufer geweiht. Am Glockenturm der Klosterkirche ist die Jahreszahl 1594 angebracht. Die ehemaligen Wohn- und Wirtschaftstrakte waren in der Vergangenheit sowohl durch Mönche als auch Landarbeiter bewohnt, die im Wein-, Oliven- und Getreideanbau für das Kloster tätig waren. Nach außen war Kato Moni Preveli durch eine schräg ansteigende Sockelzone wehrhaft abgeschlossen. Nachdem in den 1970er und 1980er Jahren Hippies in den überdachten Ruinen kampierten, wurde das Areal eingezäunt. Das Betreten der Anlage ist verboten.Lambert Schneider: Kreta, Dumont Kunst-Reiseführer, 2006, S. 269

mini|links|Eingang von Piso Moni Preveli Vorbei an einem linksseitigen Abzweig zum Palmenstrand von Preveli führt die Straße weiter zu einem ausgebauten Parkplatz vor dem „Hinteren Kloster Johannes des Evangelisten“ (). Das Klostergebäude präsentiert sich in einem hervorragenden Zustand, lediglich die derzeit ungenutzten Unterkunftsgebäude hinter der Klosterkirche sind dem Verfall preisgegeben. Da das Kloster mehrmals zerstört wurde, sind heute keine Bauten aus der Gründungszeit mehr erhalten, sie wurden bei den Neuerrichtungen von Gebäuden überbaut. Nach 1960 begann der Niedergang des Klosters, so dass es zurzeit nur von drei Mönchen bewohnt wird. Das Gelände des Klosters kann gegen ein geringes Entgelt betreten werden. Für die Organisation der Besichtigung wurde eigens Personal eingestellt.Georgis N. Petrakis: Plakias, Selena Verlag 2006

mini|Hof der Kirche am Gästehaus mini|Quellbrunnen im Klosterhof Die nach dem Vorbild des Arkadi-Klosters erbaute zweischiffige Hallenkirche im Zentrum des Klosters Piso Moni Preveli wurde ab 1835 erbaut und 1836 Johannes dem Evangelisten geweiht. Sie besitzt eine sorgfältig bemalte und vollständig erhaltene Ikonostase aus Zypressenholz jüngeren Datums. Das vergoldete, mit Edelsteinen besetzte Reliquienkreuz der Kirche mit Darstellungen der Taufe und der Kreuzigung Christi soll einen Splitter des Kreuzes Jesu enthalten. Das Kreuz des Evraim Prevelis, wie es genannt wird, soll Wunderheilungen hervorrufen. Es wird am 8. Mai, dem höchsten Feiertag des Klosters, zur Segnung von Augenkranken verwandt. Der Kirchenraum beinhaltet weiterhin einen geschnitzten Bischofssitz und eine reich verzierte Kanzel. Der Glockenturm wird auf das Jahr 1629 datiert. Die Kirche, wie das gesamte Kloster, wurde das letzte Mal 1867 zerstört und ab 1911 wieder restauriert.Eberhard Fohrer: Kreta, Michael Müller Verlag, 16. Auflage 2006

Neben der Kirche steht das ehemalige Gästehaus mit der Wohnung des Abtes, einem dem Haupteingang gegenüberliegenden Gebäudetrakt. Der sich anschließende südliche Teil des Kirchhofes ist gleichzeitig das Dach des Südflügels, Nebengebäuden, die aufgrund des abschüssigen Geländes eine zweite, untere Etage bilden. Vom Eingang des Klosters erreicht man die verschiedenen Ebenen über mehrere steinerne Treppen. Am tiefer gelegenen Klosterhof östlich neben der Kirche befindet sich ein in eine Wand eingelassener Quellbrunnen. Er enthält den Sinnspruch „“ (, „Wasch deine Sünden ab, nicht nur dein Gesicht“). Es handelt sich hierbei um ein Palindrom, das auch rückwärts gelesen werden kann.

An der anderen Seite des Klosterhofes gelangt man zum Eingang des Museums. In einem langgestreckten niedrigen Gewölbe sind einige Gegenstände aus dem Besitz des Klosters Preveli für Besucher ausgestellt. Dabei handelt es sich um sakrale Gegenstände, neben alten Ikonen vor allem Messgewänder und Altargerät des 17. und 18. Jahrhunderts. Zu sehen sind außer den verschiedensten Heiligenbildern unter anderem vergoldete Kelche und Kreuze, Weihgaben von Gläubigen, Kirchengestühl, Urkunden und reich bestickte Abtgewänder. Im Besitz des Klostermuseum ist auch eine Sammlung alter Bücher. Die Möglichkeit der Besichtigung des Museums ist im geringen Eintrittspreis für das Kloster mit enthalten.

Die tiefer liegenden Gebäudeteile Richtung südlich liegendem Meer dienen als Ställe und Lagerräume. Den umfriedeten Tiergehegen, in denen vor allem Ziegen und Hirsche gehalten werden, schließt sich eine kleine kultivierte Fläche mit Olivenbäumen an. Südöstlich der Klosteranlage befindet sich am Besucherparkplatz neben dem Haupteingang der Friedhof mit einer Kapelle zur Aufbewahrung von Gebeinen. Eine Tür in der Rückmauer des Klosters führt zu einem verborgenen Versammlungsraum, einem ehemaligen Treffpunkt der Mönche mit Widerstandskämpfern gegen die osmanische Herrschaft. Nördlich der Klostergebäude beginnt ein unbefestigter Weg, der über den Bergkamm nach Gianniou führt.

Geschichte mini|Hauptplatz des Klosters mini|Klosterkirche mit Vorhof Es gibt Hinweise darauf, dass schon Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts, also in der Zeit der zweiten byzantinischen Periode auf Kreta, als an der Südküste viele Klöster gegründet wurden, auf dem Gelände von Kato Moni Preveli am Megalopotamos ein Kloster bestand. Die erste belegte Jahreszahl für die Existenz des Klosters Preveli ist hingegen die Gravur einer Klosterglocke, die das Jahr 1594 angibt. Der Glockenturm der heutigen Kirche des Heiligen Johannes des Evangelisten in Piso Moni Preveli wird auf das Jahr 1629 datiert. Die wahrscheinliche Gründung des Klosters im 16. Jahrhundert, in der venezianischen Epoche Kretas, erfolgte durch einen Gutsbesitzer namens Prevelis (), der möglicherweise aus Preveliana Monofatsiou im Regionalbezirk Iraklio stammte. Es gehörte zunächst zum Bistum Lambi (Sybritos), wurde jedoch später direkt dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt.Webseite des Klosters: The History of the MonasteryDr. Antonis Sp. Vassilakis: Kreta, Verlag I. Mathioulakis & Co., Athen

Während der Eroberung Kretas durch das Osmanische Reich wurde das Kloster 1649, wie zahlreiche andere kirchliche Einrichtungen, durch die Türken erstmals zerstört. Nach dem Wiederaufbau Ende des 17. oder frühen 18. Jahrhunderts wurde es zu einem religiösen, wie auch sozialen und nationalen Zentrum der orthodoxen Griechen der Regionen Agios Vasilios und Sfakia im Widerstand gegen die türkische Herrschaft. Dabei gewährte der osmanische Staat innerhalb eines eigentümlichen Systems der politischen Toleranz den abgelegenen Teilen Kretas begrenzte Freiheiten und einigen Klöstern besondere Privilegien. Moni Preveli wurde deshalb auch nicht als Wehrbau neu errichtet. Durch Zuzug von Mönchen aus aufgegebenen beziehungsweise mit Moni Preveli zusammengeschlossenen Klöstern der Umgebung wurde das Kloster mit größeren Ländereien ausgestattet. Moni Preveli wurde so zu einem der wohlhabendsten Klöster der Insel mit umfassendem Grundbesitz und bester wirtschaftlicher Organisation. Neben Piso Moni Preveli als geistlichem Mittelpunkt diente Kato Moni Preveli mit seinem Landbau der wirtschaftlichen Grundlage des Klosters.

mini|links|Straße im Kloster Preveli mini|links|Mönchsunterkünfte im Kloster mini|links|Glocken in den Ästen eines großen Baumes im Klosterhof Die Klöster Kretas richteten ihre Bemühungen nicht nur auf den Schutz der orthodoxen Kirche, sondern auch auf die Erhaltung der griechischen kulturellen Traditionen. Mit dem Ziel der kretischen Unabhängigkeit bildeten sie ein Netzwerk des Widerstandes gegen die osmanische Herrschaft. Das beschränkte sich nicht nur auf das Gewähren von Zufluchtsorten für Aufständische, man nahm aktiv am Kampf gegen die Besatzer teil. So war 1770 der Abt Evraim des Klosters Preveli an der durch das Russische Reich unterstützten Revolution des aus der Sfakia stammenden Ioannis Vlachos, bekannt als Daskalogiannis (), beteiligt. Wegen Tötung eines Janitscharen wurde Abt Evraim von den Türken zum Tode verurteilt, nach Niederschlagung des Aufstandes aber begnadigt. Aus dieser Zeit, der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, stammt auch das „Segnungs-Kreuz“ des Klosters Preveli, das deshalb den Namen Kreuz des Evraim Prevelis trägt. Man sagt ihm Wunderheilungen bei Augenleiden nach. Es ist heute in einem Schrein in der Klosterkirche untergebracht.Webseite des Klosters: Preveli’s Benediction Cross

In der Zeit der revolutionären Ereignisse des Jahres 1821 wurde der damalige Abt des Klosters Preveli, Melchisedek Tsouderos (, 1803–1823), die wichtigste führende Persönlichkeit des Aufstandes. Er war Mitglied der Geheimorganisation „Filiki Eteria“ () und organisierte die ersten Rebelleneinheiten gegen die osmanischen Besatzer. Die Aufständischen wurden durch das Kloster finanziert und ausgerüstet. Am 25. Mai 1821 hisste Abt Tsouderos die Flagge Griechenlands als erstes kretisches Widerstandsbanner in Kourkoulo, einer Siedlung in den Bergen oberhalb des Dorfes Rodakino. Als Vergeltungsmaßnahme zerstörten die osmanischen Truppen das Kloster, jedoch konnte der Abt vorher alle Mönche in Sicherheit bringen. Er selbst kämpfte später im Westen Kretas weiter, wobei er im Verlauf der Schlacht bei dem Dorf Polemarchi in der Nähe von Kissamos am 5. Februar 1823 verletzt wurde. Abt Melchisedek Tsouderos starb während seiner Verlegung nach Platania, wo er auch bestattet wurde.