Bohemian Rhapsody ist ein Rocksong, der 1975 von Queen als Auskopplung aus dem Album A Night at the Opera veröffentlicht wurde. Die Single verkaufte sich über fünf Millionen Mal und wurde der erste Nummer-eins-Hit der Band. Das Stück wurde von Leadsänger Freddie Mercury geschrieben.
Entstehungsgeschichte Musikalischer Aufbau Eine Rhapsodie ist an keine feste Form gebunden; in diesem Stück ist sie sechsteilig.Kai Sichtermann: Kultsongs & Evergreens. Parthas Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86964-029-7, S. 280. Die Abschnitte sind stilistisch sehr unterschiedlich.
Bohemian Rhapsody lässt sich – in der Version des Albums A Night at the Opera – in folgende sechs Abschnitte unterteilen:
| 1. || Intro || (0:00–0:49) || – 14 % |- | 2. || Ballade ||(0:49–2:37) || – 31 % |- | 3. || Gitarrensolo||(2:37–3:03) || – 7 % |- | 4. || Oper|| (3:03–4:08) || – 18 % |- | 5. || Hard Rock || (4:08–4:55) || – 13 % |- | 6. || Outro || (4:56–5:55) || – 17 % |} Der Song endet mit einem Gongschlag.
Textinterpretation Der Text stammt von Freddie Mercury und gibt einige Rätsel auf. „Bohemian“ ist das englische Wort für „Bohemien“, der den Konventionen trotzt und unter Missachtung der gesellschaftlichen Standards lebt, eine Rhapsodie ist eine freie Musikform.
Im Text werden Begriffe aus dem Koran, Arabischen und Hebräischen wie Bismillah („Im Namen Allahs“ ist die Eröffnungsformel der meisten Suren des Korans und häufig auf islamischen Grabsteinen zu findenein Hinweis auf Mercurys Kindheit im moslemischen Sansibar), Scaramouche (ein Typus, der als prahlerischer Feigling erscheint) oder Beelzebub (Teufel) zitiert. Weitere ohne textlichen Zusammenhang zitierte Worte sind das repetitiv vorgetragene Galileo sowie Fandango und Figaro. Mercury selbst gab an, dass es sich um zufällig reimenden Unsinn handele.Johnny Black: The Greatest Songs Ever! Bohemian Rhapsody. 2002 Andy Davis zitiert Mercury wie folgt: „Die Leute sollen sich den Song anhören und sich ihre eigene Meinung bilden, was ihnen der Text sagt.“Andy Davis, Record Collector 167, 1993, Queen’s Bohemian Rhapsody, S. 20
Die New York Times war der Auffassung, das hervorstechendste Merkmal des Songs sei sein fatalistischer Text. Dieser hat – ungewöhnlich in der Popmusik – keinen Refrain und auch keine strophische Form. Der Musikwissenschaftler Hartmut Fladt schreibt über das Stück: „Das Ganze ist eine Liebeserklärung an die Oper des späten 19. Jahrhunderts, die aber eben mit Mitteln des 20. Jahrhunderts raffiniert inszeniert wird. Das Lied ist ein sehr intelligentes Stück postmoderner Pop-Kultur.“Tarik Ahmia: „Freddie Mercury hätte heute Fundamentalisten am Hals“. In: Spiegel online, 24. November 2011. Abgerufen am 28. Juni 2017. Das Intro mit dem Bekenntnis an die Mutter, jemanden mit einem aufgesetzten Kopfschuss getötet zu haben,„Mama, just killed a man, put a gun against his head, pulled my trigger, now he's dead“ wird von Hartmut Fladt auf die Arie Mamma, Quel vino è generoso in der Oper Cavalleria rusticana bezogen, in der Turiddu sich an seine Mutter wendet, bevor er sich für den von ihm verübten Ehebruch einem Duell stellt, bei dem er getötet wird. Als Erklärung des Textes kann die Deutung von Mercurys langjährigem persönlichen Assistenten Peter Freestone gesehen werden, Mercury habe darin sein Bewusstwerden als homosexueller Mann verarbeitet.
Aufnahmen Die Aufnahmen zur Musik- und Rhythmusspur (Backing track) begannen am 24. August 1975 im Rockfield Studio 1 nahe Monmouth (Wales). Für die weitere Produktion nutzte man vier zusätzliche Tonstudios (Roundhouse, Sarm Studios (East), Scorpio Sound und Wessex Sound Studios),Mark Cunningham: . In: SoundOnSound, Oktober 1995 (englisch). wo insgesamt über 180 Overdubs entstanden. Das Stück war als Bestandteil der LP A Night at the Opera geplant, die von Roy Thomas Baker produziert und von drei Toningenieuren (Mike Stone, Gary Lyons und Geoff Workman) überwacht wurde. Baker hatte bereits Queens erste drei Alben produziert. Das Backing track war schnell zusammengestellt, für die Stimm-Overdubs verwendete man erstmals bei Queen analoge 24-Spurtechnik. Für die Gesangsharmonien wurden 84 Stunden Aufnahmezeit benötigt, zur Abmischung standen letztlich 120 Stimmspuren zur Verfügung. Um dies zu erreichen, wurden jeweils die Tonspuren 1, 2 und 3 genutzt und auf Spur 4 zusammengemischt, sodass die Spuren 1–3 für weiteres Overdubbing zur Verfügung standen.
Baker: „Allein für das Wort Galileo brauchten wir drei Wochen, die man sonst für ein ganzes Album benötigt.“ Für die Gitarren- und Gesangsaufnahmen wechselte man in die Scorpio Studios nördlich von London und zu Sarm. Alleine das Gitarrensolo erforderte bei Sarm eine Woche.Mark Blake: Is This The Real Life? The Untold Story of Queen. 2011, S. 172 (, abgerufen am 28. Juni 2017). Teilweise wurde in drei Studios parallel aufgenommen.Chris Smith: 101 Albums That Changed Popular Music, 2009, S. 124 f. (, abgerufen am 28. Juni 2017). Auch der Opernteil benötigte rund drei Wochen Studioarbeit. Erst im Oktober waren die Masterbänder für alle Titel der LP fertiggestellt. Die langwierigen Aufnahmen in den fünf Tonstudios verschlangen etwa 45.000 £ (entsprächen heute inflationsbereinigt £) an Produktionskosten für die gesamte LP,CD Queen A Night At The Opera 30th Anniversary Edition, März 2011, Liner Notes. was den Song zum teuersten Rocksong jener Zeit machte.
Besetzung Die Besetzung während der Aufnahmen bestand aus Freddie Mercury (er singt und begleitet sich auf einem Bechstein-Konzertflügel), Brian May (Red-Special-Gitarre, Münze als Plektrum verwendet/Gesang), Roger Taylor (Schlagzeug/Gesang) und John Deacon (Fender Precision Bass). Der Höreindruck eines größeren Chores entstand durch das mehrfache Overdubbing der Stimmen der Queen-Sänger.
Arbeitstitel Ein früher Titel des Liedes war Mongolian Rhapsody, wie aus einem 2023 durch das Auktionshaus Sotheby’s veröffentlichten und zu versteigernden 15-seitigen Manuskript Mercurys hervorgeht.
50. Jahrestag Am 13. September 2025 wurde der Song bei der Last Night of the Proms zu diesem Anlass als erstes Stück nach der Pause aufgeführt. Es spielte das BBC Symphony Orchestra unter der Dirigentin Elim Chan eine neue Orchesterbearbeitung von Stuart Morley, es sangen der BBC Symphony Chorus, die BBC Singers und der National Youth Choir.
Den Hauptteil sang der Tenor Sam Oladeinde. Auch die Solistinnen des Abends Louise Alder (Sopran) und Alison Balsom (Trompete) waren beteiligt. Mit dem Gitarrensolo trat Brian May auf, und Roger Taylor schlug den Schlussgong. Für die letzte Textzeile vor dem Gong, „any way the wind blows“, wurde die Stimme von Freddy Mercury eingeblendet.
Veröffentlichung und Erfolg Als die EMI-Verantwortlichen das überlange Stück hörten, zweifelten sie daran, ob es überhaupt Airplay etwa bei der BBC erhalten würde.Mark Blake: Is This The Real Life? The Untold Story of Queen. 2011, S. 173 (, abgerufen am 28. Juni 2017). EMI verlangte die Streichung des gesamten Mittelteils einschließlich der Opernpassage.Kai Sichtermann: Kultsongs & Evergreens. Parthas Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86964-029-7, S. 282 Kurzerhand holte man sich den Rat des Radio-DJ Kenny Everett bei Capital Radio in der Nähe der Scorpion Studios ein. Everett spielte den Song während eines Wochenendes 14 Mal, die Resonanz war überwältigend.
Bohemian Rhapsody / I’m In Love With My Car (EMI 2375) wurde als ungekürzte Single vorab am 31. Oktober 1975 aus der LP A Night at the Opera ausgekoppelt, das Album selbst erschien erst am 21. November. Durch intensives Airplay entwickelte sich der Song schnell zum Hit. In Großbritannien stand er seit dem 23. November 1975 für neun Wochen auf Rang eins, ein damaliger britischer Rekord. Es war der erste Nummer-eins-Hit der Gruppe. Nach Mercurys Tod erreichte die Single am 15. Dezember 1991 erneut den Status als Nummer-eins-Hit. Die Einnahmen aus der Wiederveröffentlichung gingen an eine AIDS-Stiftung. In den USA erschien Anfang 1992 eine weitere Single-Version mit The Show Must Go On als zweitem Titel.
Musikvideo Das am 10. November 1975 in vier Stunden nach den Vorstellungen der Bandmitglieder von Bruce Gowers hergestellte und in fünf weiteren Stunden zusammengestellte Musikvideo gilt als das erste Popvideo, das den Erfolg einer Single begleitete.Tim Rice, Joe Rice, Paul Gambaccini: The Guinness Book of Number One Hits. Guinness World Records, 1982, ISBN 978-0-85112-769-9, S. 147 (englisch). Es kostete mit 4.500 £ (entspräche heute inflationsbereinigt £) etwa ein Zehntel der Produktionskosten der LP. Am 20. November 1975 wurde es in der BBC-Musiksendung Top of the Pops vorgestellt. Da die EMI nicht an den Erfolg der Single glaubte, wollte sie mit dem Video eine Visualisierung zur Verkaufsunterstützung bieten.
Der Erfolg dieses Promo-Videos begründete die gängige Praxis der Plattenfirmen, Promo-Videos zu produzieren, um die Plattenverkäufe anzukurbeln.. In: einestages.spiegel.de. Abgerufen am 10. September 2012 1992 wurde das Video um Szenen aus dem Film Wayne’s World erweitert. In der Folge erreichte der Song fast zwei Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung noch einmal Platz zwei der US-amerikanischen Hitparade.
Das Video beginnt mit einer Einstellung, in der die Silhouetten der Bandmitglieder in nahezu vollständiger Dunkelheit zu sehen sind. Mit Ende des A-cappella-Teils geht das Licht an und die Kameraeinstellung ist identisch mit dem Coverfoto des Albums Queen II. Im weiteren Verlauf der Szene wird eine Nahaufnahme Mercurys über das Bild geblendet. Mit Beginn der Ballade zeigt das Video die Bandmitglieder, wie sie auf ihren Instrumenten spielen. Am Anfang des Opern-Abschnitts sind wieder Variationen des Coverfotos zu sehen, dieses wird aber durch Effekte verzerrt oder dupliziert dargestellt. Diese Effekte wurden jedoch nicht durch Nachbearbeitung, sondern durch spezielle Filmtechniken – wie zum Beispiel das Abfilmen eines Monitors – erreicht. Zur Band auf der Bühne kehrt das Bild ab dem Hard-Rock-Teil zurück. Das Video endet damit, dass Schlagzeuger Taylor ein großes Tamtam anschlägt.. Abgerufen am 28. Juni 2017. Das Video erreichte im Juli 2019 eine Milliarde Aufrufe auf YouTube und war damit das älteste Musikvideo, das eine solche Anzahl an Aufrufen auf der Plattform erreichte.
Preise Für seine Komposition erhielt Mercury im Januar 1976 den Ivor Novello Award. Das Original wurde am 18. Oktober 1977 von der British Phonographic Industry (BPI) als „beste Single der letzten 25 Jahre“ ausgezeichnet. Es ist zu hören im Kinofilm Wayne’s World, der am 14. Februar 1992 Premiere hatte. Der Titel wurde vom britischen Fernsehsender ITV zur „Nation’s Favourite Number One Single“ gekürt.
Im März 2021 zertifizierte die Recording Industry Association of America den Song als „Diamant“, da er zehn Millionen verkaufte Tonträger und Stream-Äquivalente in den Vereinigten Staaten zählt.
2021 wurde der Titel auf Platz 17 der Rolling-Stone-Liste Die 500 besten Songs aller Zeiten gewählt.
Kommerzieller Erfolg Chartplatzierungen