Der Tieffliegermelde- und Leitdienst (TMLD) () ist ein ehemaliger Dienst der Luftwaffe der Bundeswehr zur Überwachung des Luftraumes in niedrigen Höhen und zur Entdeckung von Tieffliegern. Der TMLD war Teil des Radarführungsdienstes der Luftwaffe.

Geschichte Schon bald nach Gründung der NATO wurde die Notwendigkeit eines integrierten Luftverteidigungssystems erkannt. So entstanden in den 1950er Jahren mit multinationaler Finanzierung allein auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland 9 Luftraumüberwachungszentralen () für die militärische Überwachung des Luftraumes. Diese waren in einem Systemverbund vernetzt und ermöglichten eine Frühwarnung vor dem Einflug von gegnerischen Luftangriffskräften in mittleren und großen Höhen. Tiefflieger jedoch konnten nicht zuverlässig entdeckt und verfolgt werden.

Zu Lösung des Tieffliegerproblems sollte in der Bundesrepublik der bodennahe Luftraum in einem 45 km tiefen Riegel entlang der Innerdeutschen Grenze und der Grenze zur Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik durch mobile Kräfte überwacht werden. Dazu wurden beginnend ab März 1959 erste Luftraumbeobachtungsabteilungen aufgestellt, denen jeweils mehrere Luftraumbeobachtungskompanien unterstanden. Planungen sahen die Aufstellung von insgesamt 11 Kompanien für die Luftraumbeobachtung (LRB) bis 1963 vor. Deren Auftrag war „Überwachung des Luftraumes vom Boden aus mit Hilfe der menschlichen Sinnesorgane zu dem Zweck Luftfahrzeuge wahrzunehmen, zu erkennen, zu identifizieren und zu melden.“ Im Jahre 1962 wurden die LRB-Kompanien der NATO zugewiesen.

Die LRB-Trupps waren voll motorisiert und konnten schnell in provisorische Stellungen verlegt werden. In den LRB-Kompanien waren vorwiegend Wehrpflichtige eingesetzt, die intensiv in Luftfahrzeugerkennung geschult wurden. Die Beobachtungsergebnisse wurden mittels Fernsprecher oder Funk an die Zentralen der Kompanien gemeldet, dort zusammengefasst und an des jeweils zuständige CRC weitergemeldet. Allerdings stieß dieses System bei schlechten Wetterbedingungen oder Dunkelheit schnell an seine Grenzen. Zudem konnten Flugbewegungen nur erkannt, aber Flugwege nicht systematisch verfolgt werden.

Eine Unabhängigkeit von Lichtverhältnissen und einen Allwetterfähigkeit erforderte ein für die Tieffliegererfassung optimiertes Radargerät. Ab 1971 beschaffte die Luftwaffe das von der Firma Siemens entwickelte Radargerät MPDR 30/1. Im Zuge der Einführung des Radars wurden im Herbst 1970 die alten LRB-Kompanien aufgelöst und zeitgleich in den Fernmelderegimentern 32 und 33 des Radarführungsdienstes je eine IV. Abteilung als Tieffliegermeldedienst (TMD) neu aufgestellt. Jede dieser Tieffliegermelde-(TM) Abteilungen verfügte über 3 dislozierte Kompanien (TM-Kompanien), deren Personal sich zunächst zu einem großen Teil aus dem Personal der aufgelösten LRB-Kompanien rekrutierte.

Primärauftrag des TMD war die Erfassung und Meldung von tieffliegenden Luftfahrzeugen. Dazu war jede der 6 TMD-Kompanien mit acht mobilen Radargeräten, den erforderlichen Fernmeldegeräten und einem entsprechenden Fuhrpark ausgestattet.

Nach Ausstattung des TMD mit automatischen Tieffliegermeldezentralen war der TMD auch in eingeschränktem Maße zur direkten Führung von Flugzeugen befähigt. Daher wurde der Name in Tieffliegermelde- und Leitdienst (TMLD) geändert. Trotz des hohen personellen und materiellen Aufwands für den Betrieb des TMLD ließ sich doch nur ein Riegel von 80 bis 100 km Breite überwachen, ein Bereich der von Strahlflugzeugen in weniger als 10 Minuten durchquert werden konnte. Gelöst wurde diese Problematik erst durch Radarüberwachung aus der Luft. Damit hatte der TMLD mit der Einführung des NATO Airborne Warning and Control Systems (AWACS) ab Anfang der 1980er Jahre keine Zukunft mehr.

Am 14. Dezember 1990 wurde der Tieffliegermelde- u. Leitdienst der Luftwaffe von seinem Auftrag entbunden und aufgelöst. Die meisten Radaranlagen wurden der Türkei und Pakistan übergeben, die sie an ihren Grenzen einsetzten. Der Rest wurde verschrottet.

Aufgaben Die Luftwaffe betrieb zwei Tieffliegermeldeabteilungen mit einer Personalstärke von insgesamt 2.000 Soldaten. Je eine TM-Abteilung führte drei TM-Kompanien und deckte den Bereich einer Alliierten Taktischen Luftflotte ab. Die Aufgaben des TMLD waren: Radarüberwachung des Luftraums zwischen Grund und 3.000 Meter zur Ortung, Verfolgung und Identifizierung von Flugzielen Erstellen der Tieffliegerluftlage für die Luftverteidigungsführung Vorwarnung und Zielvoreinweisung für die Flugabwehrraketensysteme HAWK und NIKE Austausch von Luftzielinformationen mit der Heeres-Flugabwehr Vorwarnung des zivilen Bevölkerungsschutzes Unterstützung eigener Luftfahrzeuge bei der Navigation.

Gliederung Der Betrieb des TMLD erforderte einen großen personellen und materiellen Aufwand. Eine TM-Kompanie hatte eine Friedensstärke von mehr als 300 Soldaten und betrieb einen Fuhrpark von mehr als 100 Kraftfahrzeugen und dazu noch mehr als 50 Anhängern.

Der TMLD bestand aus folgenden Einheiten:

IV. Abteilung Fernmelderegiment 32 (IV./FmRgt 32) in Lauda mit den unterstellten TM-Kompanien 16./Fernmelderegiment 32 (16./FmRgt 32) in Naila 17./Fernmelderegiment 32 (17./FmRgt 32) in Burglengenfeld, ab 1975 in Ulm 18./Fernmelderegiment 32 (18./FmRgt 32) in Rotenburg (Fulda)

IV. Abteilung Fernmelderegiment 33 (IV./FmRgt 33) in Faßberg mit den unterstellten TM-Kompanien 16./Fernmelderegiment 33 (16./FmRgt 33) in Goslar 17./Fernmelderegiment 33 (17./FmRgt 33) in Faßberg 18./Fernmelderegiment 33 (18./FmRgt 33) in Appen

Die Kompanien waren wie folgt gegliedert: ein Auswertezug, der die Zentrale betrieb. zwei Radarzüge, mit je 4 Radartrupps. Jeder Trupp betrieb eine Radaranlage und verfügte über alles erforderliche Material für den mobilen Einsatz. ein Richtfunkzug für die Richtfunkanbindung der Radartrupps an die TMZ einen Instandsetzungszug für Wartung und Reparaturen der technischen Ausrüstung

Neben den oben angeführten Teileinheiten, die den Einsatzauftrag direkt ausführten, verfügte jede Kompanie auch über Personal im Innendienst für unterstützende und administrative Aufgaben, wie z. B. Personalverwaltung, Rechnungsführer, Geschäftszimmer und Nachschub. Da der TMLD sein Personal mit Ausnahme der Offiziere und Meister selbst ausbildete, war den TM-Kompanien auch ein Ausbildungszug angegliedert, der primär die Grundausbildung durchführte.

Einsatz Dauereinsatz Bereits im Frieden verfügte der TMLD über Stellungen entlang der innerdeutschen Grenze und der Grenze zur Tschechoslowakei. Diese an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr betriebenen Stellungen wurden als Dauereinsatzstellungen (DEST) () bezeichnet. Jede Kompanie hatte vier fest zugewiesene DEST, die jedoch meist nicht zeitgleich betrieben wurden. Anfangs bestand eine DEST aus einem mit Stacheldraht umzäunten Areal mit dem Radargerät, 2 bis 3 Stromerzeugungsaggregaten (15 KVA auf 1,5-t-Anhängern), Zelten als Unterkunft, Aufenthaltsraum und Küche sowie Fahrzeugen für Personal und Materialtransporte. Zwischen 1977 und 1983 wurden alle Stellungen ausgebaut und erhielten feste Gebäude für Unterkünfte und Sanitäranlagen sowie Einstellmöglichkeiten für das Antennenfahrzeug und den Gerätekoffer des MPDR 30/1 sowie die Generatoren, dazu Lager für Betriebsstoffe und eine Transformatorstation für die Versorgung aus dem öffentlichen Stromnetz.

Zusätzlich betrieb jede TM-Kompanie ständig eine Tieffliegermeldezentrale. Dort wurden die Meldungen über die in den DEST erfasste Teilluftlage empfangen, ausgewertet, zusammengefasst und das jeweils zuständige Control and Reporting Centre weitergemeldet wurde, welches dann diese Informationen für das NATO-Luftraumüberwachungssystem bereitgestellt.

Sowohl die DEST als auch die TMZ am Standort der Kompanie waren Sperrzonen. Das Personal in den Radarstellungen und in der Zentrale leistete Schichtdienst von jeweils 3 bzw. (über das Wochenende) 4 Tagen Dauer.

Es existierten folgende Stellungen in der Reihenfolge von Nord nach Süd (Funkrufname in Klammern):

18./FmRgt 33: Appen: Truppenunterkunft und TMLZ (Sugar Girl) Krusendorf (Alpha 1) Marxdorf (Alpha 2) Parin (Alpha 3) Niendorf (Alpha 4)USAFE TACS NATO Ground Environment Operational UnitsUSAFE TACS NATO Ground Environment Systems

17./FmRgt 33: Faßberg: Truppenunterkunft und TMLZ (Paper Mill) Sarenseck / Hitzacker (Bravo 1) Wettendorf (Bravo 2) Almke (Bravo 3) Kleiner Vahlberg (Bravo 4)

16./FmRgt 33: Goslar: Truppenunterkunft und TMLZ (Chicken Farm) Schalke (Charlie 1) Pöhlde (Charlie 2) Mackenröder Spitze (bei Göttingen) (Charlie 3) Hoher Meißner (Charlie 4)

18./FmRgt 32: Rotenburg an der Fulda: Truppenunterkunft und TMLZ (Gipsy Rose) Schenklengsfeld-Hilmes / Landecker Berg (Delta 1) Oberelsbach / Heidelstein (Delta 2) Bad Königshofen-Eyershausen/Lahnberg (Delta 3) Coburg / Brandensteinsebene, heute Bausenberger Höhe (Delta 4)

16./FmRgt 32: Naila: Truppenunterkunft und TMLZ (Honey Pot) Geroldsgrün-Steinbach / Langer Bühl (Echo 1) Selb-Längenau / Wartberg (Echo 2) Mähring / Poppenreuther Berg (Echo 3) Moosbach-Rückersrieth / Eisberg (Echo 4)

17./FmRgt 32: Burglengenfeld, ab 1975 Ulm: Truppenunterkunft und TMLZ (Angel Face) Furth im Wald / Dachsriegel (Fox 1) Kirchdorf im Wald / Eschenberg (Fox 2) Philippsreut / Sulzberg (Fox 3) Passau/Fürstenzell (Fox 4)

Krise/Krieg Bei einer Krise wäre der aus den DEST gebildete Gürtel () aufgegeben und der TMLD in weiter westlich gelegene Einsatzstellungen verlegt worden. Geplant war die Bildung eines Gürtels (), der in dem einer TM-Kompanie zugewiesenen Tieffliegermeldeabschnitt die Dislozierung von insgesamt acht Radartrupps in zwei hintereinander liegenden Reihen mit sich überlappenden Erfassungsbereichen vorsah. Hätte die Lage eine weitere Verlegung erfordert, so wären die ostwärtigen vier Stellungen abgebaut und hinter den weiter westlich befindlichen Stellungen wieder aufgebaut worden, um die zwei Reihen sich überlappender Radarerfassungsbereiche wieder zu vervollständigen. Die geplanten Einsatzstellungen waren vorerkundet und lagen auf Anhöhen um eine bessere Radarsicht zu erhalten. Die Fernmeldeanbindung wäre entweder über den Anschluss an bestehende Fernmeldeverteiler oder über Richtfunkverbindungen erfolgt.

Tieffliegermeldezentrale Lagezentrum und Gefechtsstand der TM-Kompanien war die Tieffliegermeldezentrale. Dorthin liefen alle Meldungen aus den Stellungen und von dort wurden die Trupps geführt. In der Aufbauphase des TMD wurden die mündlich durchgegebenen Luftlageinformationen auf der Rückseite einer großen Plexiglastafel aufgemalt. Diejenigen Flugzielspuren, die wiederum fernmündlich an das vorgesetzte CRC und weitere Nutzer weitergemeldet werden sollten, wurden dann von den davor sitzenden Reportagesprechern abgelesen.