Capo d’Orlando ist eine Stadt der Metropolitanstadt Messina in der Region Sizilien in Italien mit Einwohnern (Stand ).

Lage und Daten mini|links|Heiligtum am Cap Capo d’Orlando liegt 89 km westlich von Messina und rund 120 Kilometer östlich von Palermo am Fuß des gleichnamigen Kaps. Das Gemeindegebiet erstreckt sich auf 14,56 km² entlang eines rund 10 Kilometer langen Küstenstreifens zwischen der Mündung des Baches Santa Carrà und der des Flusses Zappulla, dem Tyrrhenischen Meer hauptsächlich auf flachem Schwemmland an den Ausläufern der Monti Nebrodi. Der höchste Punkt des Gemeindegebietes befindet sich mit etwas über 300 Metern an den Ausläufern der Monti Nebrodi. Der Monte della Madonna mit dem Heiligtum ist etwa 75 Meter hoch.

Der Untergrund besteht größtenteils aus Schwemmland, die Hügelkette um Monte della Madonna aus wird aus Flysch, einem Sedimentgestein, das meistens durch eine Wechselfolge von Tonsteinen und grobkörnigeren Gesteinen (typischerweise Sandsteine) besteht, gebildet.Mineo, Simone & Pappalardo, Giovanna & Casciano, Claudio & Di Stefano, Agata & Catalano, Stefano & gagliano, marco. (2019): Insights on the Capo d’Orlando flysch (NE Sicily) by means of geomechanics and sedimentology. In: Italian Journal of Geosciences. 138. 10.3301/IJG.2019.13.

Die Nachbargemeinden sind Brolo, Capri Leone, Naso, Torrenova und Mirto.

Geschichte Antike Vorgängersiedlung Agathyrnum und römische Zeit Die Anwesenheit von Menschen ist seit der späten Bronzezeit belegt. Das lag vor allem an der hervorgehobenen Lage des 75 Meter hohen Monte della Madonna mit seiner weiten Aussicht auf das Meer sowie der geschützten Bucht von San Gregorio, die ideale Anlegemöglichkeiten für den Schiffsverkehr bot. Auf dem Berg wird ein antikes Heiligtum vermutet. Darauf deuten Einzelfunde von Terrakottafiguren hin.

Von der Siedlung der Ausonischen Kultur blieben Reste einer rechteckigen Hütte erhalten, die in der Via Libertà am Fuß des Hausberges entdeckt wurden. Nach einer durchgehenden Nutzung bis in die frühe Eisenzeit wurde der Siedlungsplatz zerstört.

Im südöstlichen Bereich des heutigen Stadtzentrums gab es eine hellenistische Nekropole, die in das 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. Dort wurden im Rahmen von Grabungskampagnen in den Jahren 1981 und 1989 zwei Abschnitte mit einfachen Gräbern auf einer Gesamtfläche von etwa 200 m² untersucht. Weitere Funde aus hellenistischer und römischer Zeit wurden in einer Baustelle in der Via Libertà freigelegt.

Die Anfänge der hellenistischen Vorgängersiedlung werden in einer von Diodor in seiner Bibliothèque historique festgehaltenen Gründungssage in die Antike datiert. Demnach gründete Agathyrnos, der Sohn des Windgottes Aiolos, die nach ihm benannte Stadt Agathyrnum (Altgriechisch: Ἀγάθυρνος), die über ihr Umland herrschte.Diodorus Siculus: Bibliothèque historique. § 5.8.1 (englische Übersetzung). Abgerufen am 18. September 2026 Der Name Agathyrnos lässt sich als „Träger des prächtigen Thyrsos“ übersetzen, was auf eine Verbindung der Stadt zum Dionysos-Kult hinweist.

Der genaue Standort der Siedlung ist bis heute unklar. Strabon beschreibt die Lage von Agathyrnum zwischen Tyndaris und Halaesa. Auch Thukydides, Plinius der Ältere und weitere antike Autoren erwähnen die Stadt. Ihre genaue Lage lässt sich jedoch aus keiner dieser Quellen ableiten. In der Fachwelt wird sie seit den Arbeiten des Gelehrten Tommaso Fazello im 16. Jahrhundert überwiegend im Bereich des heutigen Capo d’Orlando vermutet.

Laut dem Historiker Silius Italicus zählte Agathyrnum während des Zweiten Punischen Krieges zu den Verbündeten Karthagos und unterstütze es in seinem Kampf gegen das Römische Reich mit 1.000 Soldaten. Nach der Niederlage des ebenfalls mit Karthago verbündeten Agrigent ergaben sich die anderen Alliierten, darunter auch Agathyrnum. Daraufhin ließ der römische Konsul Publius Valerius Laevinus nach Angaben des Geschichtsschreibers Titus Livius 209 v. Chr. viertausend Männer aus der Stadt nach Rhegium (das heutige Reggio Calabria) umsiedeln, wo sie gegen Hannibal kämpfen sollten. Bei den Deportierten soll es sich vorwiegend um aus ihren Heimatstädten verbannte Kriminelle und Überschuldete gehandelt haben. Plinius der Ältere führt Agathyrnum in seiner Enzyklopädie Naturalis historia ohne weitere Angaben unter den oppida (Städten) auf. Danach gibt es bis zur normannischen Ära kaum Überlieferungen.

Archäologische Funde aus der griechischen Periode sind rar. In Ortsteil Bagnoli belegen zwei in Syrakus geprägte Bronzemünzen (aus den Regierungszeiten Dionysios’ I. und Hierons II.) sowie eine griechisch-italische Amphore aus den ersten Jahrzehnten des 3. Jahrhunderts v. Chr. eine Besiedelung. Aus römischer Zeit liegen dagegen mehrere Relikte vor. Bereits Tommaso Fazello berichtete über vereinzelte Funde aus der römischen Kaiserzeit im höher gelegenen Ortsteil San Martino sowie über Spuren eines römischen Aquädukts, die heute nicht mehr erhalten sind.

mini|Reste der römischen Villa in Bagnoli Den bedeutendsten Fundkomplex bilden die Überreste einer römischen Villa aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. im Ortsteil Bagnoli. Diese wurde bis in das 6.–7. Jahrhundert n. Chr. genutzt, ehe sie wohl von einem Erdbeben zerstört wurde.Bottari, Carla & Carla, Bottari & Carveni, Pietro & Mastelloni, Maria & Ollà, A. & Spigo, U.. (2008): Archaeological evidence for a 6th-7th century AD earthquake in Capo d'Orlando (NE Sicily). Environmental Semeiotics. 1. 55–69. Von diesem Bauwerk sind noch acht Räume der dazugehörigen Thermen erhalten, die besichtigt werden können. Die bedeutendsten Funde aus Stadt Capo d'Orlando und dem Umland werden seit Dezember 2022 im städtischen Antiquarium Agatirnide in der Via del Fanciullo gezeigt.

Vom Mittelalter bis heute Die Anfänge der heutigen Stadt „Capo d’Orlando“ liegen in normannischer Zeit. Der Gründungsmythos geht zurück auf die Rolandslegende. Demnach soll Roland hier bei seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land gerastet haben. Im Mittelalter war Capo d'Orlando ein Lehen von Naso und später dessen Ortsteil. Am 4. Juli 1299 wurde König Friedrich II. während der Sizilianischen Vesper von der vereinigten Flotte seines Bruders Jakob II. und Karls II. von Anjou unter Ruggiero di Lauria geschlagen. Im Frieden von Caltabellotta konnte Friedrich II. jedoch seine Herrschaft über Sizilien absichern.

Im 14. Jahrhundert wurde auf dem Monte della Madonna eine Burg errichtet, die vermutlich zum Schutz vor Piraten und der Überwachung des Seegebietes vor der Stadt diente. Im Jahr 1359 übertrug Friedrich IV. Burg und Umland von Capo d’Orlando an Vinciguerra d’Aragona.

Ab dem 15. Jahrhundert war die Wirtschaft vom Zuckerrohranbau sowie dem Thunfischfang geprägt, der sich vor allem im Ortsteil San Gregorio entwickelte.

mini|Wallfahrtskirche auf dem Monte della Madonna Gerolamo Joppolo, Graf von Naso, ließ 1598 neben der Burg auf dem Monte della Madonna eine Wallfahrtskirche errichten. Anlass war der Fund einer kleinen Marienstatue, die man zur Schutzpatronin des Ortes erklärte.

Der heutige Ortskern entwickelte sich Mitte des 18. Jahrhunderts, als sich dort Fischerfamilien niederließen. In der Ebene zwischen Vorgebirge und Meer (Piana) wurden traditionell Maulbeeren und Weinreben angebaut, ehe sich ab dem 18. Jahrhundert der Zitrusfruchtanbau zum wichtigsten Wirtschaftszweig der lokalen Landwirtschaft entwickelte.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der Bevölkerung der Wunsch nach Unabhängigkeit von der Muttergemeinde Naso. Es folgten mehrere Demonstrationen, in denen eine eigene Kommune gefordert wurde, die schließlich mit dem Gesetz Nr. 1170 vom 25. Juni 1925 gewährt wurde. Am 27. September 1925 wurde Capo d’Orlando offiziell von Naso getrennt und zur eigenständigen Kommune erhoben.

Entwicklung des Ortsnamens Der heutige Name „Capo d’Orlando“ stammt aus der normannischen Zeit und geht wohl zurück auf die Rolandslegende. Demnach soll Roland hier auf dem Weg ins Heilige Land gerastet haben. Die altgriechische Bezeichnung der Vorgängersiedlung Agathyrnos („der den prächtigen Thyrsos Tragende“) verweist hingegen auf den Ursprung der Stadt als Kultstätte des Dionysos.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 2019 13.133 2020 13.034 2021 13.102 2022 13.074 2023 13.111 2024 23.053

Bevölkerung Die Kommune hatte am Einwohner. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von rund 900 Einwohnern je km². Im Jahr 2024 waren von der Gesamtbevölkerung 47,1 % Männer und 52,9 % Frauen. Das Durchschnittsalter lag 2024 mit 47,2 Jahren etwas über dem italienischen Durchschnitt. In jenem Jahr lebten in Capo d'Orlando 6104 Familien.

Religion mini|hochkant|Blick in die Chiesa di Cristo Re Die Bevölkerung gehört hauptsächlich der römisch-katholischen Kirche an. Hauptkirche ist die in den 1960er-Jahren errichtete Chiesa di Cristo Re. Die 1860 erbaute Chiesa Maria SS. di Porto Salvo ist die älteste Kirche im Ortskern. Weitere katholische Kirchen gibt es in jedem Ortsteil. Daneben gibt es eine Kirche der Pfingstbewegung Assemblee di Dio in Italia (=Versammlungen Gottes in Italien (A.D.I.)).

Bevölkerungsgruppen Die Bevölkerung der Stadt ist vergleichsweise homogen. Der Ausländeranteil lag im Jahr 2024 bei 3,7 %. Zu diesem Zeitpunkt lebten Bürger aus insgesamt 14 verschiedenen Staaten in der Stadt.

Die größten ausländischen Bevölkerungsgruppen stammten aus Rumänien (100 Personen), der Ukraine (43 Personen) und Indien (33 Personen).

Politik Bürgermeister, Leitung der Kommunalverwaltung und Gemeinderat mini|Das Rathaus von Capo d’Orlando. Bürgermeister der Stadt ist seit 2016 Francesco Ingrilli. Er wurde bei der Kommunalwahl am 10. und 11. Oktober 2021 im Amt bestätigt. Die Kommunalverwaltung wird vom Bürgermeister und 5 Assessoren geleitet. Der Gemeinderat hat 18 Mitglieder.

Städtepartnerschaften Seit 1983 besteht eine Partnerschaft mit Fremantle. In der australischen Stadt hatten sich viele Auswanderer aus Capo d'Orlando niedergelassen. Außerdem unterhält die Kommune seit 2017 eine weitere Partnerschaft mit Culver City in den USA.

Wappen Das Wappen der Kommune zeigt den Monte della Madonna mit der Wallfahrtskirche, das Meer und den Strand. Es wird umrahmt von zwei ineinander verschlungenen Eichenzweigen. Über dem Wappen schwebt eine Krone mit der Aufschrift: „Comune di Capo d’Orlando“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke und Museen mini|Die Thermen der Villa Romana von Bagnoli mini|Ruine der Burg auf dem Monte della Madonna mini|Villa Piccolo mini|Leuchtturm mini|hochkant|Blick in die Wallfahrtskirche Sanctuario Maria Santissima Das 2002 eröffnete archäologische Museum Antiquarium Agatirnide zeigt archäologische Funde von der Bronzezeit bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. Zu den Exponaten gehören Artefakte, die der antiken Vorgängersiedlung Agathyrnum zugeordnet werden, Grabbeigaben sowie Inschriften und Skulpturen. Ein Schwerpunkt liegt auf Keramikfunden aus der römischen Thermenanlage von Bagnoli, die deren unterschiedliche Nutzungsphasen dokumentieren. Das im Ortsteil Malvicino gelegene Castello Bastione ist eine restaurierte Festungsanlage aus der Frühen Neuzeit, die ursprünglich dem Schutz der Küstenebene und der landwirtschaftlichen Flächen diente. Heute beherbergt das Gebäude das Museo di Etnostoria della Canna da Zucchero e del Limone (Museum für die Volkskunde des Zuckerrohrs und der Zitrone), das die regionale Agrar- und Arbeitsgeschichte dokumentiert. Im Ortsteil Bagnoli sind die Reste einer römischen Thermalanlage im Ortsteil Bagnoli zu besichtigen. Die aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. stammenden Thermen gehörten vermutlich zu einem privaten Villenkomplex und besitzen gut erhaltene Räume mit schwarz-weißen geometrischen Mosaikfußböden.