Michelsberg ist ein Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Geographie Der Ort liegt etwa sieben Kilometer nördlich von Treysa bzw. Ziegenhain sowie etwa 18 Kilometer südwestlich von Homberg (Efze) und etwa 15 Kilometer südlich von Borken. Er liegt auf etwa 220 m ü. NN (an der Kirche) am Fuße seines „Hausberges“ Landsburg in einem kleinen Seitental der Gers, einem rechten Nebenfluss der in der Nähe vorbeifließenden Schwalm.

Geschichte hochkant|mini|Kirche

Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Michelsberg erfolgte unter dem Namen de Michelsbergc im Jahr 1256 in einer Urkunde des Klosters Immichenhain.

Die Dorfkirche war ursprünglich ein romanischer Saalbau und ist daher wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden. Sie gehört damit zu den ältesten Kirchen in der Umgebung. Es ist daher anzunehmen, dass das Dorf um einiges älter ist.

Auf dem nahegelegenen Gerstenberg errichtete Graf Johann I. von Ziegenhain 1343 eine Festung, die Landsburg. Sie diente als Schutz gegen die mainzische Burg Jesberg. Der Gerstenberg war bereits in der keltischen Zeit besiedelt, als dort eine Fliehburg stand. Die Landsburg wechselte nach 1450, dem Ende der Grafschaft Ziegenhain, mehrmals den Besitzer, ehe sie 1544 wieder endgültig Teil der Landgrafschaft Hessen wurden. Nach Streitigkeiten verfiel die Burg jedoch noch im selben Jahrhundert. Doch dem ehemaligen Gerstenberg gibt sie bis heute ihren Namen. Die Landsburg gehört heute zur Gemarkung von Michelsberg.

Im Dreißigjährigen Krieg erfuhr Michelsberg eine große Zerstörung, viele Häuser wurden vernichtet und die Zahl der Dorfbewohner stark dezimiert. Nur langsam konnte sich das Dorf von diesem schweren Schicksalsschlag erholen.

Bedeutung erlangte Michelsberg schon sehr früh durch sein Töpferhandwerk und seine Ziegelproduktion, was auf die reichlich vorhandenen Tonvorkommen in der näheren Umgebung zurückgeht. Zur Hochzeit dieses Handwerks lebten fast 70 Prozent der Einwohner von diesem Erwerbszweig. 1905 schloss der letzte Töpferofen.

Ein anderer Michelsberger Bodenschatz, das Basaltgestein der Landsburg, wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer wichtigen Erwerbsquelle für den Ort. Bis heute ist der Michelsberger Basalt sowohl auf Baustellen als auch in der modernen Kunst ein bekannter Begriff.

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde Michelsberg in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen, infolge dessen einige größere bauliche Veränderungen im Dorf vorgenommen worden sind.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. August 1972 verlor die bis dahin selbständige Gemeinde Michelsberg im Zuge der Gemeindereform ihre politische Eigenständigkeit und wurde in die Stadt Schwalmstadt als Stadtteil eingegliedert. Für alle ehemals eigenständigen Städte und Gemeinden von Schwalmstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Michelsberg angehört(e):

vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain, (Gericht auf den Wasen) ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Ziegenhain ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt ZiegenhainDie Zugehörigkeit des Amtes Ziegenhain anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1623–1636: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (Pfandschaft), Amt Ziegenhain ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Ziegenhain, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Frielendorf ab 1814: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis ZiegenhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Justizamt Ziegenhain) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Ziegenhain ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain, Stadt Schwalmstadt ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis, Stadt Schwalmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Michelsberg 246 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 45 Einwohner unter 18 Jahren, 90 zwischen 18 und 49, 51 zwischen 50 und 64 und 63 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 102 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 24 Paare ohne Kinder und 33 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 57 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 18 Männer. • 1585: 25 Hausgesesse • 1639: 1 Bauer, 13 Einzelne, 2 Witwen • 1681: 9 Hausgesesse, 1 Ausschuss. • 1747: 1747: 30 Haushaltungen • 1782: 36 Wohnhäuser, 117 Einwohner.

Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1782: 2 Schneider, 1 Wagner, 2 Schmiede, 2 Leineweber, 23 Töpfer und Ziegler, 1 Branntweinschenker, 2 Tagelöhner, 1 Lohnschäfer • 1838: Familien: 25 Ackerbau, 13 Gewerbe, 12 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 89 Land- und Forstwirtschaft, 59 produzierendes Gewerbe, 18 Handel und Verkehr, 9 Dienstleistungen und Sonstiges

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 286 evangelisch-reformierte Einwohner • 1885: 293 evangelische (= 99,66 %), ein katholischer (= 0,34 %) Einwohner • 1961: 322 evangelische (= 96,12 %), 11 katholische (= 3,28 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Michelsberg besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Michelsberg) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 78,33 %.

Es ergab sich folgende Sitzverteilung: Parteien und Wählergemeinschaften Anteil in % Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 55,61 3 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 44,39 2 gesamt 100,0 5

Mitglieder (April 2021)Ortsbeirat von Michelsberg. schwalmstadt-michelsberg.de Ortsvorsteher: Andreas Göbel (CDU) Stellv. Ortsvorsteher: Günther Kirchhoff (SPD) Regina Haust (CDU) Horst Köhler (CDU) Henning Pfannkuch (SPD) Schriftführer: Eva-Maria Haust (CDU) (nicht stimmberechtigt)

Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler Der Ortskern rund um die kleine Kirche ist durch eine Vielzahl von Fachwerkhäusern geprägt.

Für die denkmalgeschützten Gebäude des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Michelsberg (Schwalmstadt).

Anmerkungen

Weblinks

Stadtteil Michelsberg. Webauftritt der Stadt Schwalmstadt.

Einzelnachweise

Kategorie:Ortsbezirk von Schwalmstadt Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Schwalm-Eder-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1256 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972 Kategorie:Ort im Schwalm-Eder-Kreis