mini|hochkant=1.3| mini|hochkant=1.3| mini|Schweriner Dom vor 1845

Der Dom St. Marien und St. Johannis zu Schwerin, kurz Schweriner Dom, wurde zwischen 1270 und 1416 errichtet. Er ist eine Bischofskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland in SchwerinKirchenleitung und gehört zu den Hauptwerken der Backsteingotik.Dehio 2000, S. 531. Mit der Marienkirche in Lübeck und der St.-Nikolai-Kirche in Stralsund gehört er zu den frühesten Bauten dieser Architektur.Dehio 2000, S. 584. Von den vergleichbaren Bauten seiner Zeit unterscheidet er sich besonders durch sein Querschiff.Ende 2005, S. 21. Den Bau anderer Kirchen beeinflusste er durch die originelle Gestaltung des Umgangschores. Er ist die einzige echte Kathedrale in Mecklenburg-Vorpommern und das einzig verbliebene mittelalterliche Gebäude Schwerins.Der Greifswalder Dom ist als Kollegiatstiftskirche gebaut und erst später Bischofssitz geworden; der Güstrower Dom war Kollegiatstiftskirche und kein Bischofssitz.

Geschichte mini|hochkant|Romanische Mauerreste im Inneren des Doms mini|hochkant|Gotisches Stufenportal (Seiteneingang) mini|hochkant|Neugotischer Turm Der Dom hat eine lange Baugeschichte. Nachdem Heinrich der Löwe im Wendenkreuzzug die Lande der Obotriten unterworfen und ihren Herrscher Niklot besiegt hatte, stellte er das Bistum auf der Mecklenburg wieder her, das seit dem großen Wendenaufstand hundert Jahre lang verwaist war. Zum ersten Bischof bestellte er Berno, der das Bistum 1167 aus der abgelegenen Mecklenburg in das als deutsche Stadt 1160 neu begründete Schwerin verlegte.Ende 2005, S. 12. Dort erfolgte am 9. September 1171 in Gegenwart des Grafen von Schwerin Gunzelin I., des Herzogs von Mecklenburg Pribislaw, der Bischöfe Evermod von Ratzeburg und Berno sowie Heinrichs des Löwen selbst ein Weiheakt am romanischen Vorgängerbau der heutigen Kathedrale. Möglicherweise ist 1171 die Apsis des romanischen Domes fertig gewesen und in Gebrauch genommenOffizielle Webseite der Domgemeinde Schwerin: 1171 fand am 9. September ein Weiheakt an dieser Stätte statt. Aber schon 1154 ist in Schwerin eine Kirche für eine christliche Gemeinde beurkundet. Möglicherweise ist 1171 die Apsis des romanischen Domes fertig gewesen und in Gebrauch genommen. 1248 wurde der romanische Dom geweiht. (abgerufen am 5. Oktober 2017). worden. Der fertige romanische Dom konnte nach mindestens 77 Jahren Bauzeit am 15. Juni 1248 eingeweiht werden.Lisch 1848, S. 147.Dehio 2000, S. 527. Dieser alte Dom gehörte mit dem Lübecker Dom und dem Ratzeburger Dom, die auch beide von Heinrich dem Löwen gestiftet wurden, zu den bedeutenden Werken der Backsteinromanik und diese drei zählen mit dem Braunschweiger Dom zusammen zu den Löwendomen.Lorenz 1981, S. 8. Vom Vorgängerbau ist nach Abriss des alten Turmes nichts außer dem Turmsüdportal an der südwestlichen Seite der heutigen Kirche übrig geblieben.Ende 2005, S. 25. Die Ausmaße der romanischen Kathedrale waren bedeutend kleiner als die des gotischen Neubaus. Mit ungefähr sechzig Metern war sie um 40 Meter kürzer. Ihr Turm, der die alte Kirche überragte, reichte kaum bis an die Höhe des Mittelschiffs des Neubaus heran.Lorenz 1981, S. 9.

Den Impuls zum Neubau gab die Schenkung einer kostbaren Reliquie. 1222 kam Graf Heinrich von Schwerin von einem Kreuzzug mit der Reliquie des Heiligen Blutes, einem in einen Jaspis eingeschlossenen angeblichen Blutstropfen Christi, zurück. Wegen dieser Reliquie wurde das Gotteshaus zur bedeutendsten Wallfahrtskirche Nordostdeutschlands. Dem Pilgerstrom zeigte sich die romanische Basilika bald nicht mehr gewachsen.Lisch 1848, S. 154. Zudem stand der Bischof in Konkurrenz zu den Bauvorhaben der aufblühenden und wohlhabenden Hansestädte der Umgebung wie Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald.Ende 2005, S. 14. Die Faktoren Wallfahrt, Pilgerspenden und Wetteifer mit den Hansestädten führten um 1270 zu einem vollkommenen Neubau der Schweriner Kathedrale.

Der Domberg ist der höchste Punkt der Altstadt. Da auf ihm vorher eine Pfarrkirche stand, musste der romanische Dom etwas hangabwärts gebaut werden.Lisch 1848, S. 148. Der Bau des neuen Doms hingegen konnte an der höchsten Stelle beginnen. Gegen 1270 war Baubeginn, um 1272 berichten die Quellen von Bauarbeiten am „neuen Chor“, d. h. an Chor und Kapellenkranz. 1327 ist der neue Chor abgeschlossen, ebenso die östlichen Seitenschiffe des Querhauses sowie das zwischen südlichem Querhaus und Chorkapellen angebaute sogenannte Kapitelhaus mit Sakristei und Bibliothek. Da nun ein neuer Chor zum Gottesdienst bereitstand, wurde mit dem kompletten Abbruch der Vorgängerkirche begonnen. Die genaue Baugeschichte von Querhaus und Langhaus ist unbekannt. Bis Ende des 14. Jahrhunderts wurden Querhaus sowie das Langhaus bis auf die Gewölbe fertig gebaut. Stralsunder Bauleute vollendeten die Fenster des Langhauses und dessen Einwölbung 1416. Damit endet die 146-jährige mittelalterliche Baugeschichte der hochgotischen Basilika des Domes zu Schwerin. Der heutige Turm ist ein neugotischer Anbau von 1889 bis 1893. Er wurde 1888 von Arthur von Bernstorff gestiftet, die Bauausführung lag bei Baurat Georg Daniel.

Das Bauwerk ist seit 2024 als Teil des Residenzensembles Schwerin UNESCO-Welterbe.

Architektur und Ausgestaltung Überblick mini|Grundriss Der heutige Bau des Schweriner Doms ist eine dreischiffige gotische Basilika in Backsteinbauweise mit großem dreischiffigemEin Querhaus mit Seitenschiffen kommt in Deutschland sonst nur noch am Kölner Dom und an der Marienkirche (Stralsund) vor. Querhaus, Chorumgang und Kapellenkranz. Das mächtige Bauwerk ist 105 m lang, die Gewölbehöhe beträgt 26,5 m.Dehio 528 Damit gehört es zu den größten Kirchengebäuden der Backsteingotik in Norddeutschland. Der neugotische Westturm ist mit 117,5 m der höchste Kirchturm Ostdeutschlands und das höchste Bauwerk der Stadt Schwerin.

Außenbau Chor hochkant|mini|Chorapsis Ein unter den Giebelzonen und Dachtraufen umlaufender weißer Kleeblattfries bindet die verschiedenen Gebäudeteile optisch aneinander. Der Chor im Osten mit seinem Kapellenkranz ist nach dem Vorbild des Lübecker Domchores mit der Marienkirche zu Lübeck und der Nikolaikirche in Stralsund einer der ersten Umgangschöre der Backsteingotik.Dehio 2000, S. 531, 584. Er hat einen Fünfachtelschluss, das heißt, fünf Seiten eines Achtecks bilden das Chorpolygon. Dementsprechend schließen sich fünf Chorkapellen an. Der Umgangschor leitete die Pilgerscharen, die durch das Seitenschiffportal eintraten, an den in den Chorumgangskapellen ausgestellten Reliquien vorbei. Die Prozession zur Reliquie begann außerhalb der Kirche am sogenannten Jerusalemsberg, der wahrscheinlich am Ostorfer See lag.Lisch 1848, S. 166. Damit sollte der Weg Christi von Jerusalem nach Golgotha nachempfunden werden. Das Dach der Chorkapellen war eine Neuerung des Schweriner Doms. Während die normale Gestaltung gewesen wäre, jeder Kapelle ihr eigenes Dach zu geben, entschied sich der Baumeister hier anders. Er zog in die Winkel zwischen den Kapellen Pfeiler ein, auf denen umlaufende Dachbalken ein durchgehendes Pultdach für alle Kapellen tragen. Damit wurde der Schweriner Dom beispielgebend für spätere Bauten in Doberan oder Rostock.Ende 2005, S. 22. Ein Makel dieser Gestaltung ist, dass durch die eingezogenen Pfeiler die seitlichen Fenster der Kapellen eingezwängt und gequetscht werden.

Querhaus Anders als die Marienkirche Lübeck, die Mutterkirche der Backsteingotik, und die wahrscheinlich gleichzeitig errichtete Nikolaikirche in Stralsund hat der Schweriner Dom ein Querhaus. Damit orientierte sich der Baukörper am traditionellen Typ der hochgotischen Kathedrale und stellt in der frühen Backsteingotik eine Besonderheit dar. Das Querhaus mit seinem Portal ist insbesondere der Eingang für die Laien, die so in Langhaus und Chorumgang eintreten konnten. Der Hochchor, der über den Kreuzgang betreten wurde, war nur dem Bischof und den Klerikern vorbehalten.Wilfried Koch: Baustilkunde. München 1994, S. 150.

Das Querhaus ist um etwa anderthalb Meter höher als der Chor.Ende 2005, S. 23. Die südliche Querhausseite ist zum Haupteingang des Domes geworden. Die Fassade dominiert auf beiden Seiten ein fast bis an das Portal reichendes, vierteiliges Spitzbogenfenster. Das Kaffgesims läuft um das Portal herum. An beiden Ecken der Fassade sind Treppentürmchen angebracht, die von schlanken Turmhelmen abgeschlossen werden. Die Treppentürmchen werden ab Höhe des Giebels von Spitzbogenblenden umlaufen, die in der Giebelzone des Querhauses wieder aufgenommen werden. Unter dem Fenster liegt das Hauptportal des Doms. Tür und Tympanon sind neueren Datums. Links und rechts des Querhauses befinden sich an der südlichen Seite von Langhaus und Chor (rechts neben der Sakristei) zwei Portale, über denen Wappen der Bischöfe aus der Familie von Bülow zu sehen sind.Schlie (ohne Paginierung)Ende 2005, S. 24. Diese Wappen waren ursprünglich Messingschilder, die heute aus konservatorischen Gründen durch Kopien ersetzt sind.Dehio 2000, S. 529. Beachtenswert ist das östliche Portal, die sogenannte Priesterpforte, die aus den anderen Portalen durch ihre Rundstabgewände und Kalkstuckkapitelle hervorsticht. Durch ehrenamtliche Bauforschung wurde nachgewiesen, dass bis ins Jahr 1703 auf der Vierung ein auch auf alten Stichen zu erkennender, kleiner Dachreiter existierte, der wegen Baufälligkeit abgetragen wurde.Schweriner Volkszeitung, 8. Dezember 2007, S. 20

Langhaus Das Langhaus, als jüngster Teil des mittelalterlichen Domes, fällt in einigen Teilen von der einheitlichen Gestaltung von Chor und Querhaus ab. Im Außenbau fallen hier besonders die Strebepfeiler auf. Sie wurden zur Sicherung des höheren Gewölbes eingezogen. Ein weiterer Unterschied des Langhauses sind die Fenster. Während die übrigen Teile des Domes über klassische Spitzbogenfenster verfügen, fallen am Langhaus die sogenannten Stralsunder Fenster auf. Anstelle eines Spitzbogens haben sie ein stumpfes Dreieck als Abschluss. Der Ausbau des Langhauses wurde den Stralsundern vom Bischof zur Buße auferlegt, weil sie drei Priester verbrannt hatten. Eine Chronik berichtet: „Dith hebben de Sundeschen mothen buwen, datt se de papenn vorbrantt haddenn“.Lisch 1848.

Die Paradiespforte Die Paradiespforte ist der älteste Teil des Domes und damit die älteste Bausubstanz in Schwerin. Sie befindet sich am westlichsten Joch des Langhauses bzw. am südlichen Turmseitenschiff. Diese Pforte gehört der letzten Bauperiode des romanischen Vorgängerbaus an (vor 1249) und zeigt noch deutlich den Übergangsstil von der Romanik zur Gotik. Sie diente wahrscheinlich, ähnlich wie am Dom zu Ratzeburg, als Eingang für die Gemeinde. Der Name ist allerdings irreführend: Denn unter einem „Paradies“ versteht man im Kirchenbau eine angesetzte Vorhalle, durch die die Kirche betreten wird. Ob ein solches Paradies am romanischen Dom vorhanden war, ist nicht bekannt.

Kreuzgang mini|Kreuzgang im Jahr 2019