mini|Werner Berges bei seiner Ausstellung 2007 im Pan Kunstforum, Emmerich Werner Berges (* 7. Dezember 1941 in Cloppenburg; † 26. Oktober 2017 in Schallstadt) war ein deutscher Pop-Art-Künstler, der durch seine Druckgrafiken, Skulpturen und Gemälde bekannt wurde.
Leben Werner Berges wurde 1941 in Cloppenburg geboren. Von 1960 bis 1963 studierte er an der Kunstschule Bremen Gebrauchsgrafik mit dem Schwerpunkt Mode-Design.
Ab 1962 schuf Berges eine Reihe abstrakter Arbeiten, die den Amerikaner Cy Twombly als Inspirationsquelle vermuten lassen. Berges interessierte sich schon früh für das Werk Twomblys, aber er lehnte es ab, von einer direkten Beeinflussung zu sprechen.Marie Luise Otten in: Werner Berges. Pop Art. Arbeiten 1965–1977. Kunstverein Münsterland e. V., 2000.
Von 1963 bis 1968 folgte ein Studium der freien Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Alexander Camaro. 1965 wandte sich Berges langsam der figurativen Malerei zu. Werke aus dieser Zeit zeigen anthropomorphe Figuren, die sich auf der Leinwand verteilen und auf den ersten Blick oft nicht als solche zu erkennen sind. Die einzelnen Figuren präsentieren sich in den mannigfaltigsten Formen, schlängeln sich über die Bildfläche und lassen so einen surrealen Eindruck entstehen, der das Figurative noch dominiert.
1966 wurde Berges Mitglied der 1964 gegründeten Ausstellungsgemeinschaft Großgörschen 35. Eine seiner frühen Einzelausstellungen fand 1966 in den Räumen der Ausstellungsgemeinschaft statt.Retrospektive Großgörschen 35. Großgörschen 35 Berlin und der Senator für Wissenschaft und Kunst, Berlin 1968. ([56 Bl.]). In den Räumen der Galerie des 20. Jahrhunderts 31. Oktober – 24. November 1968.Großgörschen 35 hat Geburtstag: 1964–1989, Galerie Eva Poll Berlin. Galerie Poll, Berlin 1989. ([20 Bl.]) (POLLeditionen; Bd. 21).
1967 fand Berges zu seinem Hauptthema: der Frau. Kein anderes Motiv faszinierte ihn so sehr wie der weibliche Körper: „Eine schöne Frau ist für mich immer noch das Vollkommenste, das ich mir vorstellen kann: Der ideale Gegenstand der Kunst.“Stefan Tolksdorf in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. Werner Berges. München 2010. Berges präsentierte den aus der Werbung bekannten Typus der Frau, aber er entfernte die Werbefigur aus ihrem Kontext und präsentierte sie dem Betrachter in einem völlig neuen Licht. Er emanzipierte die Werbe-Mannequins, indem er sie von ihrer künstlich auferlegten Erotik befreite und sie dem Betrachter gleichrangig gegenüberstellte.
Für die „X-Art-Wall“-Serie der Marburger Tapetenfabrik gestaltete Berges 1972 das Motiv „Beauty“, welches als Multiple auf Tapete übertragen wurde, die im selben Jahr auf der Documenta 5 zu sehen warDesign Report, Ausgabe März 2001, dort S. 62 bis 73, Hrsg. BLUE C. Verlag GmbH, ISSN 0932-3724.
mini|Berges-Skulpturen vor dem Rathaus Cloppenburg mini|hochkant|Berges-Skulptur in Lohne Werner Berges gilt als einer der Hauptvertreter der deutschen Pop Art, aber er selbst stand dieser Einordnung eher kritisch gegenüber. Im Gegensatz zu den amerikanischen Pop-Art-Künstlern, wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein, verfremdete Berges seine Motive. Das Anonyme spielte im Werk Berges’ eine bedeutende Rolle. Auch er selbst blieb gerne im Hintergrund und signierte seine Werke nur auf der Rückseite. Berges befreite Frauen aus ihrem Werbekontext und setzte sie in einen völlig neuen Bildzusammenhang. Er reduzierte die weiblichen Körper auf einfache Formen und kombinierte sie mit verschiedenen Mustern, wie Kreisen, flachen Farbstreifen oder ersetzte die Körperlinie durch lose Konturpunkte.Stefan Tolksdorf in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. Werner Berges. München 2010. Er selbst sagte, dass seine Raster nichts mit denen von Roy Lichtenstein gemein haben, denn er benutzte sie nicht zur Steigerung, sondern zur Verfremdung des Motivs.Interview mit Werner Berges in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. München 2010. Darin: Stefan Tolksdorf: Werner Berges. Bis auf wenige Ausnahmen handelte es sich bei Berges’ Frauen auch nicht um berühmte Persönlichkeiten.
Der Künstler fertigte nicht nur Bilder, sondern auch Skulpturen an. Insbesondere sein Motiv „Jede Menge Leute“ ist in verschiedenen Varianten im öffentlichen Raum mehrerer Städte zu sehen, z. B. vor dem Rathaus seiner Geburtsstadt Cloppenburg und in der Mitte eines viel befahrenen Kreisverkehrs in Lohne (Oldenburg).
Werner Berges war Mitglied des Deutschen Künstlerbundeskuenstlerbund.de: Mitglieder "B" / Werner Berges (abgerufen am 12. Januar 2016) und des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Berges lebte und arbeitete in Schallstadt bei Freiburg und in Cadaqués/Spanien. Er starb im Oktober 2017 im Alter von 75 Jahren. Berges’ künstlerischer Nachlass wird von seiner Tochter Amala Berges kuratiert.Sigrid Lünemann: Werner Berges – ein Cloppenburger holte die Pop Art nach Deutschland. In: Das Stadtmagazin für Cloppenburg & umzu. Ausgabe vom 24. April 2018, S. 18, abgerufen am 19. September 2018
Bilder Typisch für Berges’ Arbeiten sind leuchtende Primärfarben, klare Konturen, die Verwendung von Rasterpunkten und Streifen, die den Gemälden auf spielerische Art und Weise den Charakter von Reproduktionen verleihen.
Inhalt seiner Werke sind immer wieder der Werbung entnommene Frauen, Modells und Stars aus Reklame und Modefotografie, denen der Künstler allerdings durch seine Darstellung einen neuen Stellenwert gab. Erotische Körper, verführerische Blicke und strahlende Gesichter setzte er mit kräftigen Farben, Rasterpunkten, Streifen und Collagen um. Berges’ Arbeiten ist ein „graphisches Liniengerüst“ unterlegt. Dieses Liniengerüst besteht unabhängig von farbigen Zonen und Rasterpunkten.Tobias Kaufhold: Auf der Suche nach der verlorenen Form. Werner Berges und die Pop-Art. Depelmann, Langenhagen 1998
Im Werk von Werner Berges sind auch einige trompe-l’œil-artigen Bilder zu entdecken, die das Auge des Betrachters hinters Licht führen wollen.
So vermitteln manche auf den ersten Blick den Eindruck, als würde es sich um eine Collage handeln. Sieht man jedoch genauer hin, so sind die Flächen nur gemalt. Andere vermitteln den Eindruck, als seien einzelne Zonen von der Oberfläche der Leinwand abgerissen. Dieser Effekt erinnert an die abgerissenen Plakatwände der Affichisten, ist jedoch hier nur eine Täuschung.Marie Luise Otten in: Werner Berges. Pop Art. Arbeiten 1965–1977. Kunstverein Münsterland e. V., 2000.
Ausstellungen mini| Eröffnung der 16. Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Haus des Bundespräsidenten am 20. Juni 1973 (v. l. n. r.: Hilda Heinemann, Brigitte Stamm, Werner Berges)
Einzelausstellungen (Auswahl) 1965: Museumsdorf Cloppenburg 1975: Museumsdorf Cloppenburg 1984: Galerie Eude, Barcelona 1998: Kunstforum Zürich 1999: Kunsthaus Grenchen 2000: Museum der Stadt Ratingen und Kunstverein Münsterland, Coesfeld 2002: Stadtmuseum Oldenburg 2008: Morat-Institut 2011: Neuffer am Park Kunsthalle, Pirmasens 2011: The Artist’s Cut, DavisKlemmGallery Frankfurt 2011/2012: mal abstrakt! — eine Auswahl zum 70. Geburtstag, Galerie Kammer, Hamburg 2012: Kunst+Kultur-Kreis Damme e. V., Damme, Lohne, Steinfeld 2013: No Paint, DavisKlemmGallery, München 2014: Hackstücke # 4 Werner Berges: Das druckgrafische Werk, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein 2014: Mal gestreift, DavisKlemmGallery, Wiesbaden 2016: Werner Berges Imaginationen - Arbeiten auf Papier, Museumsverbund Nordfriesland, Schloss vor Husum, Husum 2016: Werner Berges: 50 Werke aus 50 Jahren, Kunsthalle Cloppenburg, Cloppenburg 2016/2017: Werner Berges: Groß und Klein, galerie pro arte, Freiburg 2017: Werner Berges – Pop Art, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg 2017: Werner Berges – 100+, LEVY Galerie, Hamburg 2017: Werner Berges: Damals und heute, DavisKlemmGallery, Wiesbaden 2019: Werner Berges: Auch mal so, LEVY Galerie, Hamburg; auch Villa Goecke, Krefeld 2021: Werner Berges zum Achtzigsten, DavisKlemmGallery, Wiesbaden
Gruppenausstellungen (Auswahl) 1972: Museo d’arte, Buenos Aires 1995: Norwegian International Print Triennale 1997: Galerie Moderne, Bad Zwischenahn 2000: Kunsthaus Hannover 2010: Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden, DavisKlemmGallery Frankfurt am Main 2012: Punkt.Systeme. Vom Pointillismus zum Pixel, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein 2014: German Pop, Schirn Kunsthalle Frankfurt 2023: Gedruckt, DavisKlemmGallery, Wiesbaden 2026: GERMAN POP ART - Zwischen Provokation und Mainstream. Die Sammlung Heinz Beck zu Gast in der LUDWIGGALERIE, LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, 25. Januar 2026 bis 3. Mai 2026
Werner Berges stellte seine Werke in über 200 In- und Auslandsausstellungen aus. Außerdem gestaltete er das Cover zu Mousse T.s Album Gourmet de Funk.
Auszeichnungen 1965: 2. Preis für Malerei, Neues Forum, Bremen 1967: Burdapreis für Graphik, München 1967: Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Bonn 1969: Förderpreis des Landes Niedersachsen Meisterschüler, Hannover 1970: Preis der Oldenburgstiftung 1981: Regiopreis der Wirtschaft, Basel 1985: Stipendium der Djerassi-Foundation Woodside, Kalifornien
Werke in Museen (Auswahl)
Landesmuseum Oldenburg Kupferstichkabinett Berlin Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau Kupferstichkabinett Dresden Sprengel Museum, Hannover Museum Ludwig, Köln Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein Markgräfler Museum Müllheim
Ausstellungskataloge (Auswahl) Berges in Berlin : Bilder, Aquarelle und Zeichnungen 1963–1977. Markgräfler Museum, Müllheim 1998. Ausstellungskatalog, 78 S. Berges in Baden : Bilder, Aquarelle und Zeichnungen 1977–1998. Markgräfler Museum, Müllheim 1998, ISBN 3-00-002733-5. Ausstellungskatalog, 84 S. Werner Berges. Pop Art. Arbeiten 1965–1977. Ausstellung Museum der Stadt Ratingen vom 26. März bis 1. Mai 2000 und Kunstverein Münsterland e. V. vom 5. Mai bis 23. Juli 2000. Kunstverein Münsterland, Coesfeld 2000, ISBN 3-926538-36-8. Erika Davis-Klemm (Hrsg.): Katalog zur Ausstellung Jede Menge Leute. DavisKlemmGallery - Verlag, Frankfurt 2008. Erika Davis-Klemm (Hrsg.): Werner Berges: The Artist's Cut. DavisKlemmGallery - Verlag, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-9814872-0-6. Erika Davis-Klemm (Hrsg.): Werner Berges: Collagen. DavisKlemmGallery - Verlag, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-9814872-1-3
Literatur Jürgen Weichardt: Werner Berges – Entwicklung und Deutung seines Werkes. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1970. Vechta 1969, S. 179–186 (online) Tobias Kaufhold: Auf der Suche nach der verlorenen Form. Werner Berges und die Pop-Art. Depelmann, Langenhagen 1998, ISBN 3-928330-25-X. Zugleich: Bochum, Universität, Dissertation. Werner Berges. Bilder, Aquarelle und Zeichnungen 1982 – 1990. Edition Domberger, Freiburg 1990, ISBN 3-922646-08-5. Werkverzeichnis der Grafik. Isensee Verlag, Oldenburg 2002, ISBN 3-89598-876-6. Künstler – Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. Zeit Kunstverlag, München 2010, KLG – 2010, Ausgabe 92, 4. Quartal Wolfgang Klika: Werner Berges 23.9. bis 4.11.2012 – Dokumentation zur Ausstellung in Damme – Lohne – Steinfeld. Verlag Wolfgang K. Klika (klikabook.de), Damme 2012, ISBN 978-3-937561-05-9 Astrid Ihle: Werner Berges. Die Pop-Art-Jahre in: Werner Berges. Druckgrafik der 1960er und 1970er Jahre, Ludwigshafen 2014, ISBN 978-3-86832-236-1 Martin Feltes / Sarah Siebert: Eröffnung mit 200 Gästen in der Kunsthalle Cloppenburg. 50 Werke des Pop-Art-Künstlers Werner Berges. In: kulturland oldenburg (Hrsg.: Oldenburgische Landschaft). Ausgabe 4.2016 (Heft 170), S. 26f. Werkverzeichnis der Druckgrafik und Auflagenkunst 1961–2021. Herausgeber: DavisKlemmGallery, Wiesbaden. Isensee Verlag, Oldenburg 2021, ISBN 978-3-7308-1848-0.
Weblinks
Milan Chlumsky: Wilhelm-Hack-Museum zeigt Pop-Art von Werner Berges. In: Rhein-Neckar-Zeitung vom 7. August 2014 Werner Berges im Kulturportal Nordwest
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland)