Die Struktur der NSDAP war zentralistisch und straff hierarchisch. Als Massen- und Führerpartei machte sich die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei im NS-Staat zur einzigen legalen politischen Partei. Sie konkurrierte in außergewöhnlich hohem Maße mit staatlichen Behörden (Polykratie) und übernahm zum Teil deren Aufgaben.

Offizielle Struktur und Praxis In der Praxis entstanden Probleme bei dem Verteilen der Zuständigkeiten. So konnten z. B. Reichsleiter mit ihren Ämtern öfter mit Gauleitern und der Gauverwaltung konkurrieren. Darüber hinaus konkurrierte die Partei oft mit staatlichen Stellen, also etwa den Ministerien und Verwaltungsstellen, da der Staat sich stets an Interessen der NSDAP-(Regional-)Führung orientierte. So hatte die Gauleitung Einfluss bei Personalentscheidungen in öffentlichen Ämtern, etwa durch Erstellung von Gutachten. Hauptgrund für diesen Kompetenzwirrwarr waren die Zuteilung administrativer Tätigkeiten bei den Gauleitungen. Die Konkurrenz etwa zwischen Reichsleitern und Reichsministern war von Hitler durchaus gewollt und absichtlich aufgebaut.

Streng nach dem Führerprinzip organisiert, konkurrierten die Gauleiter mit den staatlichen Strukturen, also mit den Reichsstatthaltern, die nach Auflösung der Länder die Ministerpräsidenten ersetzten. Sie besetzten diese Posten zum Teil selbst. Fast alle Gauleiter bauten sich in ihren Regionen ein eigenes Machtrefugium auf.

Partei und Staat kämpften gegenseitig um Einfluss, wobei die Zuständigkeitsbereiche nicht klar abgegrenzt waren und unübersichtlich blieben. Wenn in einem Gaugebiet etwa ein juristischer Vortrag gehalten werden sollte, wäre einerseits der Gauleiter zuständig, andererseits aber auch z. B. der (Reichs-)Leiter des Reichsrechtsamtes Hans Frank, aber auch etwa die Reichspropagandaleitung oder das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

Reinhard Bollmus und Hans-Adolf Jacobsen schrieben beispielsweise, dass der Nationalsozialismus keinen monolithischen Führerstaat errichtet hätte, sondern eine Polykratie ohne klare Hierarchie, in der sich Personen, Ämter und Behörden gegenseitig bekämpften.

Von Innenminister Wilhelm Frick wurde aus diesem Grunde eine grundlegende Organisationsreform gefordert, aber nie verwirklicht. Dabei hatte er die Aufteilung der Befugnisse nach territorialen Zuständigkeiten gefordert, in diesem Falle hätte es kaum mehr Probleme bei der Frage nach der zuständigen Behörde oder Parteivertretung gegeben.

Am Beispiel der Biographie Alfred Rosenbergs lassen sich die entstandenen Probleme gut darstellen.

Führungsstab An der Spitze stand der Vorsitzende („Der Führer“); er war mit absoluter Macht ausgestattet und hatte die volle Befehlsgewalt. Alle anderen Parteiämter waren seiner Position untergeordnet und mussten sich nach seinen Weisungen richten. Dabei hatte der Führer Adolf Hitler als Staatsoberhaupt und aufgrund der Vielzahl seiner Ämter ein eigenes Organ, die „Kanzlei des Führers“; diese wurde nach Übernahme des Präsidialamts 1934 gegründet.Vgl. Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. 2., durchges. und überarb. Aufl., de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019549-1, S. 242 f.

Der staatlichen Kanzlei des Führers als Reichskanzler entsprach in der Partei der Stab des „Stellvertreters des Führers“. Diesen Titel hatte Rudolf Heß seit dem 21. April 1933 inne, bis er am 10. Mai 1941 infolge der „Aktion gegen Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften“ entlassen wurde. Der „Stab des Stellvertreters des Führers“ (StdF), der seit 1941 Parteikanzlei hieß (Stabsleiter unter Heß ab dem 10. Oktober 1933 war Martin Bormann), hatte die Aufgabe, alle Gesetze und Verordnungen, aber auch die Ernennung von Beamten auf ihre Übereinstimmung mit der nationalsozialistischen Ideologie hin zu überprüfen. Ein Verbindungsstab vermittelte die Verbindung zum Staat.

Dem Stellvertreter des Führers waren 18 Reichsleiter mit ihren Reichsämtern und Reichsstellen untergeordnet. Somit war die Funktion des Stellvertreters des Führers praktisch das zweithöchste Amt, welches man in der NSDAP erreichen konnte.

Die Reichsleiter Die 18 Reichsleiter hatten den höchsten Parteirang und übten die höchsten parteipolitischen Ämter in der NSDAP aus. In der Parteihierarchie unterstanden die Reichsleiter entweder nur Hitler oder dessen Stellvertreter, in deren Auftrag sie ihnen zugewiesene Aufgaben im gesamten Reichsgebiet erfüllten. Die 18 Reichsleiter bildeten die Reichsleitung der NSDAP, die ihren Sitz zunächst im so genannten Braunen Haus in München hatte (der oben erwähnte Stab des Stellvertreters des Führers war praktisch eine Berliner Außenstelle der Reichsleitung im Braunen Haus). Einige Reichsleiter hatten auch im Kabinett Hitler einen Sitz.

Die Aufgaben der Reichsleitung bestanden in der Festlegung und Überwachung der Richtlinien für die politische Zielsetzung des deutschen Volkes.Alfons Rehkopp: Staats- und Verwaltungskunde. Berlin 1944, S. 93. Des Weiteren sollte sie für die „Sicherstellung der Führerauslese“ der NSDAP und des Staates sorgen sowie auch die „zweckmäßige Organisation der Partei“ und der zugehörigen Dienststellen überwachen. Der „Reichsorganisationsleiter der NSDAP“ war für Angelegenheiten der Bearbeitung aller Organisationsfragen und sämtlicher der Partei angeschlossenen Verbände zuständig, ebenso verantwortlich für die Auswahl und Schulung des Führungskorps der NSDAP. Ihm waren deshalb das Hauptorganisationsamt, das Hauptschulungsamt und das Hauptpersonalamt unterstellt (Stand: 1944).

Ämter und Aufgaben nur in Auswahl dargestellt. Die Aufgaben wurden nicht immer für die gesamte Dauer des Amtes beibehalten. (Stand der Auflistung 1935, neuere Änderungen so weit wie möglich in Zusatzinformationen erwähnt)

Reichsleiter für besondere Aufgaben Die zwölf Reichsleiter für besondere Aufgaben waren ohne Machtbefugnisse über die der Partei angeschlossenen Verbände, Organisationen oder Gliederungen, dazu gehörten:

mini|Franz Xaver Schwarz (mit Brille) rechts neben Adolf Hitler (Dezember 1930) Der Reichsschatzmeister der NSDAP (Aufgabe: „Leitung und Kontrolle der Finanzen der ganzen Bewegung“ (zeitgenössische Ausdrucksweise) sowie Vergabe von Uniformen etc.) Franz Xaver Schwarz (ab Februar 1925; Reichsleiter und SS-Ehren- und Oberst-Gruppenführer) Untergeordnete Abteilungen und Ämter: Revisions- und Haushaltsamt Reichszeugmeisterei Hilfskasse Verwaltungs-, Rechts-, Steuer-, Liegenschafts- und Vertragsangelegenheiten Hauptkasse Hauptbuchhaltung Personalabteilung Aufnahmeabteilung Zentralkarteiabteilung Hausinspektion Häuser- und Grundstücksverwaltung Bauleitung Lotterie Parteizentralarchiv

mini|Philipp Bouhler (1936) Der Chef der Kanzlei des Führers und Vorsitzender der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums, davor Reichsgeschäftsführer der NSDAP Philipp Bouhler (ab 2. Juni 1933; Reichsleiter, SS-Ehren- und Obergruppenführer und Leiter der Aktion T4) Untergeordnete Abteilung: Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums Der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, danach Leiter der Parteikanzlei Martin Bormann (ab 10. Oktober 1933; Leiter der Parteikanzlei, Stabsleiter bei Rudolf Heß, SS-Ehren- und Gruppenführer und Sekretär des Führers) Der Vorsitzende des Obersten Parteigerichts der NSDAP Walter Buch (Reichsleiter, SS-Ehren- und Obergruppenführer) Untergeordnetes Organ: 1. Kammer des Obersten Parteigerichts Der Stellvertretende Vorsitzende des Obersten Parteigerichts/Der Vorsitzende der 2. Kammer des Obersten Parteigerichts Wilhelm Grimm (ab 1932; Reichsleiter, Gauleiter, SS-Ehren- und Gruppenführer, Generalleutnant der Polizei, MdR) Untergeordnetes Organ: 2. Kammer des Obersten Parteigerichts Der Reichspropagandaleiter Gregor Strasser (von 1926 bis 9. Januar 1929; Reichsleiter, Gauleiter und Gründer der NSDAP/AO) Joseph Goebbels (ab 1929; Reichsleiter und Gründer der Reichskulturkammer) Untergeordnete Abteilungen und Ämter: Amt für Aktive Propaganda Amt für Rundfunk Amt für Film Amt für Kultur Verbindungsstab Der Leiter der Parteipresse der NSDAP/Der Reichsleiter für die Presse Max Amann (ab 1922; Reichsleiter, Präsident der Reichspressekammer, Direktor des Franz-Eher-Verlages und SS-Ehren- und Obergruppenführer) Untergeordnete Abteilung: Verwaltungsamt Der Reichspressechef der NSDAP Otto Dietrich (Reichsleiter, Vizepräsident der Reichspressekammer, Staatssekretär im RMVP und SS-Ehren- und Obergruppenführer) Untergeordnete Abteilungen und Ämter: Reichspressestelle der NSDAP Hauptbüro der Reichspressestelle der NSDAP Pressepolitisches Amt der Reichspressestelle der NSDAP Der Leiter des Wehrpolitischen Amtes, danach Der Leiter des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP Franz von Epp (ab 31. August 1933; Reichsleiter, Reichsstatthalter in Bayern und General der Infanterie) Untergeordnete Abteilungen und Ämter: Kolonialpolitisches Amt der NSDAP Stelle München des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP Verbindungsstelle Berlin des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP mini|Herbert Backe (1942) Der Leiter des Amtes für Agrarpolitik, dann Reichsbauernführer Richard Walther Darré (von 1933 bis 1943 (evtl. auch Mai 1942); Reichsleiter, MdR, SS-Ehren- und Obergruppenführer und Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes) Herbert Backe (ab 1943; Reichsleiter und Reichsernährungsminister) Untergeordnete Abteilungen: Agrarpolitischer Apparat Agrarwirtschaft Presse Schulung und Bauernkultur Forstwirtschaft Werbung Siedlung Der Führer der Reichstagsfraktion Wilhelm Frick (ab 10. Oktober 1933; Reichsleiter, Reichsinnenminister und MdR) Der Schriftführer der NSDAP, danach Der Leiter des Hauptamts für Kommunalpolitik Karl Fiehler (Reichsleiter, SS-Ehren- und Gruppenführer und OB von München)

Reichsleiter mit Machtbefugnissen über Verbände und Organisationen Drei Reichsleiter hatten Machtbefugnisse über die der Partei angeschlossene Verbände und Organisationen: Der Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP und der Beauftragte des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP (DBFÜ), auch „Amt Rosenberg“ (nach dem Leiter Alfred Rosenberg)

mini|Alfred Rosenberg (1941) Alfred Rosenberg (Reichsleiter, Chefredakteur und Herausgeber des Völkischen Beobachters bis 1937 und Reichsminister für die besetzten Ostgebiete) Untergeordnete Abteilungen und Ämter: Das Außenpolitische Amt der NSDAP (APA) Länderreferate Akademischer Austauschdienst Außenhandel Presse Das Amt des Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP (Leitung der Organisation NS-Kulturgemeinde), Schulung Erziehung Weltanschauliches Archiv Presse Schrifttumspflege Vorgeschichte Wissenschaft Hauptamt Kunstpflege (Leiter: Walter Stang) Amt Bildende Kunst (Leiter: Robert Scholz) Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR – die bedeutende Organisation für die Durchführung des Kunstraubes in den besetzten Staaten)

Der Leiter des Reichsrechtsamtes

mini|Hans Frank in seiner Gefängniszelle vor den Nürnberger Prozessen (1945) Hans Frank (Reichsleiter, Justizminister von Bayern, Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister ohne Geschäftsbereich und Generalgouverneur des Generalgouvernements), Stellvertreter war bis Juni 1937 Walter Raeke. Untergeordnete Abteilungen (Reichsrechtsamt: Leitung des NS-Juristenbundes): Rechtsverwaltung Rechtspolitik Rechtsbetreuung des deutschen Volkes Amtsleiter Walter Raeke, Stellvertreter Friedrich Grimm NS-Juristen Schulung Rechtsschrifttum Presse NS-Fürsorge

Der Stabsleiter der Politischen Organisation der NSDAP, später Der Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser (von 1928 bis 8. Dezember 1932; Ämter siehe oben)

mini|Robert Ley (1933) Robert Ley (ab 8. Dezember 1932; Reichsleiter, Leiter der Deutschen Arbeitsfront, MdR) Untergeordnete Ämter: Hauptstabsamt Hauptpersonalamt Hauptorganisationsamt