3D/Biela (auch Bielascher Komet genannt) war ein Komet, der zwischen 1772 und 1832 viermal beobachtet worden war. Bei seiner erneuten Wiederkehr 1846 wurde festgestellt, dass er in zwei Teile zerbrochen war, die dann 1852 noch einmal beobachtet werden konnten. Seither wurde nichts mehr von diesem Kometen gesehen, er gilt als verloren.
Entdeckung und Beobachtung Obwohl der Komet möglicherweise über viele Jahrhunderte der Erde immer wieder nahekam, gibt es vor Ende des 18. Jahrhunderts keine ihm sicher zuweisbaren Beobachtungsberichte.
Erscheinung 1772 Zum ersten Mal wurde von Jacques Laibats-Montaigne über ihn berichtet, der ihn mit einem Refraktor mit 1 m Brennweite am Abend des 8. März 1772 in Limoges entdeckte. Zu diesem Zeitpunkt war der Komet nicht mit bloßem Auge sichtbar, er stand im Sternbild Eridanus und sein Kern hatte eine Helligkeit von 6 mag. Am folgenden Abend konnte Montaigne seine Entdeckung durch eine erneute Beobachtung bestätigen. Charles Messier wurde in Paris über die Entdeckung unterrichtet und versuchte am 15. März nach den Angaben Montaignes, den Kometen aufzusuchen, was aber zunächst an diesem und den folgenden Tagen erfolglos blieb. Montaigne sah den Kometen zum letzten Mal am 20. März, aber am 26. März gelang es Messier doch noch, „einen kleinen Nebelfleck“ zu finden. Er konnte ihn danach noch bis zum 3. April beobachten.
Jérôme Lalande konnte 1774 aufgrund der ungenauen Beobachtungsdaten nur Bahnelemente für eine parabolische Umlaufbahn berechnen.A. G. Pingré: Cométographie ou Traité historique et théorique des comètes. Band II, Paris 1784, S. 92.G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 1: Ancient–1799. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 978-0-521-58504-0, S. 455–456.
Erscheinung 1805 Am Abend des 10. November 1805 entdeckte Jean-Louis Pons in Marseille den Kometen erneut. Weitere Beobachtungen gab es in den folgenden zwei Wochen auch in Paris durch Alexis Bouvard und in Frankfurt an der Oder durch Johann Sigismund Gottfried Huth. Huth konnte den Kometen am 22. November bereits mit dem bloßen Auge erkennen. Der Komet näherte sich zu dieser Zeit der Sonne und der Erde weiter an und wurde dadurch größer und heller. Am 28. November sah ihn auch Johann Elert Bode in Berlin. Der Komet bewegte sich am Himmel nach Süden und war am 8. Dezember leicht mit dem bloßen Auge zu sehen. Carl Friedrich Gauß schätzte seine Helligkeit auf 3–4 mag, aber bereits am 9. Dezember wurde er in Europa letztmals gesehen. In Indien und Mauritius wurde der Komet noch bis zum 14. Dezember beobachtet.
Die erste Berechnung einer parabolischen Bahn wurde von Friedrich Wilhelm Bessel durchgeführt und Heinrich Wilhelm Olbers stellte umgehend die Ähnlichkeit mit der Bahn des Kometen von 1772 fest. Auch Gauß, der die Bahnelemente des Kometen von 1772 im Februar 1806 neu bestimmte, konnte diese Ähnlichkeit feststellen, aber durch die kurzen Zeitspannen, während derer der Komet beobachtet worden war, gelang es noch nicht, die Umlaufzeit korrekt zu bestimmen.G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 2: 1800–1899. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 6–9.
Erscheinung 1826 Wilhelm von Biela entdeckte den Kometen am Abend des 27. Februar 1826 in Josefstadt als einen kleinen rundlichen Nebelfleck. Am folgenden Abend hatte er sich etwa 1° am Himmel weiterbewegt und Biela meldete seine Entdeckung. Dennoch blieb er der einzige Beobachter, bis es am 9. März noch eine unabhängige Entdeckung durch Jean-Félix Adolphe Gambart in Marseille gab. Auch in China hatte es eine unabhängige Entdeckung irgendwann zwischen 7. Februar und 8. März gegeben, wie die Chronik Chʻing-chʻao hsü-wen-hsien tʻung-kʻao (Kaiserliche Enzyklopädie der Späteren Jahre der Qīng-Dynastie) ohne weitere Angaben berichtet. Im März und April wurde der Komet von Karl Ludwig Harding in Deutschland und von Jean-Louis Pons und anderen Astronomen in Italien beobachtet, zunächst nahm seine Helligkeit zu, auch ein kurzer Schweif konnte festgestellt werden, aber Anfang Mai begann er zu verblassen und wurde am 9. Mai in Neapel zum letzten Mal beobachtet.
Biela berechnete selbst Bahnelemente für den Kometen und bemerkte deren starke Ähnlichkeit zu denen der Kometen von 1772 und 1805. Er schlug eine Umlaufzeit von 6,75 Jahren vor. Auch Gambart, Olbers und Thomas Clausen kamen zu ähnlichen Ergebnissen, so dass nunmehr eine gute Kenntnis der Umlaufbahn des Kometen vorlag. Seine Berechnungen brachten Biela später die Ehre ein, dass der Komet nach ihm benannt wurde.G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 2: 1800–1899. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 81–82.
Erscheinung 1832 Auf Grundlage der bei seiner letzten Erscheinung berechneten Bahnelemente konnte die nächste Wiederkehr des Kometen nun erstmals relativ genau vorhergesagt werden. Mit einem vorausberechneten Periheldatum gegen Ende November 1832 begannen mehrere Astronomen bereits im September nach ihm zu suchen und es war schließlich John Herschel in Slough, der unter Kombination mehrerer Vorausberechnungen am frühen Morgen des 24. September in seinem 48-cm-Teleskop einen Nebelfleck auffand, der sich innerhalb einer Stunde deutlich weiterbewegt hatte. Herschel beobachtete den Kometen noch in den folgenden beiden Tagen, führte aber danach keine weiteren Beobachtungen durch und meldete auch seine Beobachtung nicht weiter. Erst am 20. Oktober gab es weitere Entdeckungen des Kometen durch Gambart in Marseille und Jean Elias Benjamin Valz in Nîmes und an den folgenden Tagen fanden ihn auch Bessel in Königsberg, Friedrich Georg Wilhelm Struve in Dorpat und Friedrich Bernhard Gottfried Nicolai in Mannheim. Am 24. Oktober erreichte der Komet die größte Nähe zur Erde, aber er wurde auch im Laufe des Novembers noch heller, da er sich weiter der Sonne näherte. Herschel sah ihn am 4. November wieder in seinem Teleskop als einen großen und hellen Nebel noch ohne einen Schweif, aber am folgenden Tag war dieser bereits nicht mehr zu übersehen. Durch seine Bewegung am Himmel nach Süden war der Komet ab Dezember im mittleren und nördlichen Europa nicht mehr zu beobachten, nur in Italien gab es noch Beobachtungen bis Ende des Monats. Die letzte Beobachtung erfolgte kurz nach Mitternacht am 4. Januar 1833 in Südafrika durch Thomas Henderson.
Obwohl die Vorausberechnungen durch die Beobachtungen bestätigt werden konnten, wurde auch in den folgenden Jahren noch versucht, die Bahn des Kometen weiter zu analysieren und verbesserte Bahndaten wurden bis in die neuere Zeit berechnet.G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 2: 1800–1899. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 100–103.
Erscheinung 1846 Bei der vorausberechneten Erscheinung des Kometen im Jahr 1839 stand er ungünstig zur Erde und wurde nicht beobachtet. Als darauffolgendes Periheldatum war der 11. Februar 1846 errechnet worden. Zuerst entdeckt wurde er von Francesco de Vico in Rom an Abend des 26. November 1845. Zwei Tage später entdeckte ihn auch unabhängig davon Johann Gottfried Galle in Berlin. Im Dezember wurde der Komet vielfach beobachtet, aber es gibt nur wenige Aussagen zu seiner physischen Erscheinung. Eine wichtige Entdeckung erfolgte daher am 14. Januar 1846 durch Matthew Fontaine Maury in Washington, D.C.: Er bemerkte, dass der Komet doppelt erschien. Neben einer helleren Komponente „A“ war eine schwächere Komponente „B“ zu erkennen. Auch Moritz Ludwig Georg Wichmann in Königsberg bemerkte dies unabhängig davon einen Tag später. Die zweite Komponente war möglicherweise sogar schon früher im Dezember gesehen worden, aber ohne ihre Natur zu erkennen. Nachdem sich die Nachricht über den „Doppelkometen“ verbreitet hatte, wurde er in der Folge vielfach beobachtet. Beide Komponenten zeigten Schweife, die parallel verliefen, A war 3–4 mal heller als B und der Abstand zwischen ihnen vergrößerte sich zusehends von etwa 1ʼ Mitte Januar bis auf 3ʼ gegen Ende Januar, räumlich waren sie etwa 300.000 km voneinander entfernt. Im Laufe des Februar wuchs der Abstand zwischen A und B durch die sich verändernde Perspektive auf 8ʼ, wobei ihre Helligkeiten im Vergleich zueinander stark schwankten, mal waren sie gleich hell, mal war B heller als A, mal umgekehrt. Die Komponente A schien auch mehrere Kerne zu besitzen. Nachdem der Komet am 20. März den geringsten Abstand zu Erde erreichte, nahm seine Helligkeit rasch ab, zum letzten Mal beobachtet wurde er am 27. April durch Friedrich Wilhelm August Argelander in Bonn.
Biela war der erste Komet in der Geschichte der Kometenforschung, bei dem eine Teilung beobachtet wurde. Auch für die beiden beobachteten Komponenten wurden in der Folge separate Analysen ihrer Bewegung und daraus folgend Bahnelemente berechnet. Ihre Umlaufzeit wurde zu 6,6 Jahren bestimmt.G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 2: 1800–1899. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 156–161.
mini|links|Komet Biela im Jahr 1852 Erscheinung 1852 Auch für die nächste Wiederkehr des Kometen waren die Daten der Erscheinung von 1846 neu ausgewertet und unter Berücksichtigung der Störeinflüsse von vier Planeten ein voraussichtliches Periheldatum 29. September 1852 ermittelt worden. Kometenbruchstück A wurde daraufhin am 26. August durch Angelo Secchi in Rom mit einem 15-cm-Teleskop wieder aufgefunden. Eine Auswertung der Position ergab, dass das Perihel etwa sechs Tage früher als vorausberechnet durchlaufen würde. Es gab aber wenig Zweifel daran, dass es sich tatsächlich um den Kometen Biela handelte. Während der nächsten Wochen konnte nur diese Komponente A beobachtet werden. Die Komponente B wurde ebenfalls von Secchi am 16. September wiedergefunden. Der Komet zeigte im September nur eine geringe Helligkeit und die beiden Komponenten wechselten sich täglich darin ab, wer momentan die größere Helligkeit von beiden besaß. Der Abstand zwischen beiden betrug am 21. September etwa ½°. Komponente A wurde zum letzten Mal am 26. September von Struve in Pulkowo beobachtet, sie war deutlich schwächer als Komponente B und ihr gegenseitiger Abstand lag nun durch die veränderte Perspektive bei fast 1°, räumlich waren sie etwa 2,5 Mio. km voneinander entfernt. Komponente B wurde von Struve am 29. September letztmals gesehen.
Nach dieser Wiederkehr wurden die Bahnelemente der beiden Komponenten von mehreren Forschern neu berechnet. Ihre Umlaufzeit wurde zu 6,62 Jahren bestimmt.G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 2: 1800–1899. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 210–213. Nach Berechnungen, die Joseph Stillman Hubbard 1854 anstellte, hätten sie sich etwa im September 1844 voneinander getrennt. Später stellte sich aber heraus, dass er bei seiner Berechnung die Beobachtungsergebnisse falsch interpretiert hatte, denn ihre Trennung erfolgte wahrscheinlich bereits 1842/43.P. Jenniskens, J. Vaubaillon: 3D/Biela and the Andromedids: Fragmenting versus Sublimating Comets. In: The Astronomical Journal. Band 134, Nr. 3, 2007, S. 1037–1045 doi:10.1086/519074. (PDF; 632 kB)
Weitere Suche nach Komet Biela Die nächste vorhergesagte Erscheinung des Kometen im Mai 1859 war wieder ungünstig, aber die Erscheinung 1866 wäre unter besseren Umständen erfolgt. Vorausberechnungen wiesen auf ein Periheldatum um den 27. Januar. Viele Astronomen suchten nach dem Kometen, aber es wurden keine eindeutigen Spuren von ihm gefunden. Entweder hatte er sich völlig aufgelöst, oder sein Überrest war sehr klein und zeigte keine Aktivität (vergleichbar mit einem Asteroiden). Im Oktober 1872 wurde von Johann Friedrich Julius Schmidt in Athen erneut nach ihm gesucht, aber wieder ergebnislos. Norman Robert Pogson berichtete als Einziger in Madras am 2. Dezember 1872 von einer Beobachtung, aber dies wurde weitgehend angezweifelt. Auch David Gill in Kapstadt fand Anfang Dezember 1885 nichts mehr von ihm.