mini|hochkant|Kirchturm St. Vitus mini|Die Sieben Fuhrmänner
Neunstetten ist ein Gemeindeteil der Stadt Herrieden im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Neunstetten hat eine Fläche von 10,435 km². Sie ist in 1327 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7863,74 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Esbach, Niederdombach und Steinbach und die Altmühle.
Geografie Das Pfarrdorf befindet sich zwischen Ansbach und Feuchtwangen am Oberlauf der Altmühl und am Käferbach und Feldgraben, die dort als linke Zuflüsse in die Altmühl münden. Es liegt in einer flachhügeligen Ebene, die aus Acker- und Grünland mit vereinzeltem Baumbestand besteht. Im Westen jenseits der Altmühl sind die Flurgebiete Speckwiesen und Speckfeld, im Osten liegt die Schmalwiesen. Einen Kilometer nördlich befindet sich das Waldgebiet Im Forst, 0,5 km südöstlich der Burgerwald und das Steinbacher Holz.
Geschichte An einer Altmühlfurt gelegen, befand sich Neunstetten an einem Altweg zwischen Feuchtwangen und Ansbach via Aurach. Diese Straße führte wohl ursprünglich nördlich von Weinberg über Kloster Sulz weiter nach Schillingsfürst. Die Schwenkung von 90° in Weinberg, die noch im Verlauf der Staatsstraße 1066 ersichtlich ist, deutet auf eine Kreuzung zweier Altwege hin. Wahrscheinlich war der Raum um Neunstetten bereits ca. 4000 v. Chr. besiedelt. Der Ursprung des Ortes dürfte in der Zeit Karls des Großen gewesen sein, als 797 auch das Benediktinerkloster im benachbarten Herrieden erstmals erwähnt wurde. Vermutlich war bereits im 10. Jahrhundert an der Altmühlfurt eine Turmhügelburg vorhanden.
Neunstetten wurde 1169 in einer Tauschurkunde des Bischofs Konrad I. von Eichstätt mit dem Kloster Heilsbronn erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1273 wurde der Ort erstmals als eigenständige Pfarrei genannt. Neunstetten und Niederdombach wurden 1397 von Heinrich Schenck von Leutershausen an den Bischof von Eichstätt verkauft.
Im Jahr 1430 wurde eine Dorfordnung mit Büttel, Polizist, Hirte und Förster schriftlich fixiert. Der Grundstein für die Pfarrkirche St. Vitus wurde 1483 gelegt. Die Bruderschaft zum Heiligen Wolfgang wurde 1493 gegründet. Hannenbach, Wiedersbach und Rauenbuch trennten sich 1573 von der Gemeinde Neunstetten. Für die Kirche wurde 1605 eine große Glocke angeschafft. Die Gemeinde wurde 1627 von der Pest heimgesucht. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Kirche und Dorf 1632/33 zerstört.
Eine Schule wurde erstmals 1638 erwähnt. Der neue Pfarrhof wurde 1664 gebaut und die Kirche 1679 wiederaufgebaut. Im Jahr 1689 wurde ein regelmäßiger Postverkehr zwischen Ansbach, Neunstetten, Feuchtwangen und Crailsheim aufgenommen. Der Kirchturm wurde 1740 mit Glasurziegeln eingedeckt. Die noch bestehende Bruderschaft Zur Todesangst Christi wurde 1779 gegründet.
Im 16-Punkte-Bericht des Fürstentums Ansbach von 1684 wurden für Neunstetten 48 Mannschaften verzeichnet: 1 Anwesen unterstand dem Hofkastenamt Ansbach, 2 Anwesen dem Stiftsamt Ansbach und 45 Anwesen dem eichstättischen Kastenamt Herrieden. Das Hochgericht östlich der Altmühl übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus und westlich der Altmühl das eichstättische Kastenamt Herrieden. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und den Hirtenstab hatten das Kastenamt Herrieden.Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 128, 2687. Zitiert nach
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach. 1806 kam Neunstetten an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Neunstetten gebildet. Zu diesem gehörten Altmühle, Esbach, Niederdombach und Steinbach gehörten. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Neunstetten, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herrieden und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Herrieden zugeordnet (1919 in Finanzamt Herrieden umbenannt). Ab 1862 gehörte Neunstetten zum Bezirksamt Feuchtwangen (1939 in Landkreis Feuchtwangen umbenannt) und seit 1929 zum Finanzamt Ansbach. In der Gerichtsbarkeit blieb das Landgericht Herrieden zuständig (1879 in Amtsgericht Herrieden umbenannt), seit 1931 ist es das Amtsgericht Ansbach. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 10,514 km².
Neunstetten gehörte gemäß einer Auflistung von 1830 zu einem „die Brünst“ oder „die Brunst“ genannten, seit dem Mittelalter stellenweise gerodeten umfangreichen Waldgebiet zwischen Leutershausen und Kloster Sulz mit dem Hauptort Brunst. Die Brünst war für ihre gute Rinderviehzucht bekannt; ihre 22 Ansiedlungen galten als reich.Friedrich Oechsle: Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges in den schwäbisch-fränkischen Grenzlanden. Heilbronn 1830, S. 320, Fußnote.Friedrich Benedict Weber: Bemerkungen und Notizen über verschiedene Gegenstände der Landwirthschaft. Leipzig 1815, S. 194.Heinrich Wilhelm Bensen: Kurze Beschreibung und Geschichte der Stadt Rotenburg ob der Tauber. Erlangen 1856, S. 29.
Während der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Einquartierung kämpfender Truppen. Die Tilgung der daraus entstandenen Schulden dauerte 40 Jahre. 1833 wurde über die Altmühl die Steinerne Brücke gebaut. Zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg wurden 1870 vor der Kirche Kastanienbäume gepflanzt. Im Jahr 1875 wurde das Standesamt eingeführt. Durch Brandstiftung verbrannte 1890 der alte Judenbaum mit Marienbild.
Der Torturm am östlichen Friedhofseingang (Eingang Kirchplatz) wurde 1891 abgebrochen. Im selben Jahr wurde die Nepomuk-Statue auf der Steinernen Brücke gestiftet. Der Bau einer eisernen Brücke über den zweiten Arm der Altmühl wurde 1892 abgeschlossen. An der Stelle des Judenbaums wurden 1892 die Steinkreuze Sieben Fuhrmänner errichtet. Es ist die größte erhaltene Steinkreuzansammlung in ganz Bayern.
Neunstetten wurde vom 2. Februar bis 10. August 1893 von einer großen Dürre heimgesucht. Eine Poststelle wurde 1897 eingerichtet und eine Molkerei 1902 gegründet. Im Jahr 1903 wurde die Bahnlinie Ansbach–Neunstetten–Herrieden–Bechhofen eröffnet. Im Ersten Weltkrieg beklagte die Gemeinde 15 Gefallene und zwei Vermisste. Aus Angst vor Einschmelzung wurde die Kirchturmglocke im Burgerwald versteckt. Im Jahr 1919 wurde ein Kriegerdenkmal gebaut.
Der Anschluss an das Elektrizitätsnetz fand 1937 statt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sprengten SS-Einheiten 1945 die Eiserne Brücke. Mutige Bürger verhinderten die Sprengung der Steinernen Brücke. Am 20. April 1945 marschierten erste amerikanische Truppen ein. Im Zweiten Weltkrieg fielen 16 Einwohner, sieben weitere wurden vermisst. Josef Brand wurde 1947 mit 25 Jahren zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Er behielt dieses Amt bis zur Eingemeindung am 1. Januar 1972.
Im Jahre 1951 wurde ein neues Schulhaus gebaut. Im Schafwasen wurde 1964 ein erster Siedlungsring ausgewiesen. 1966 wurde Neunstetten an das Fernwassersystem angeschlossen. Dabei erfolgte der Bau der Kanalisation und der Kläranlage. Die Pfarrei St. Vitus wurde 1968 nicht mehr neu besetzt, sondern seitdem von Herrieden aus betreut. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Neunstetten am 1. Januar 1972 nach Herrieden eingemeindet.
Der Innenraum der Kirche wurde 1972 renoviert. Dabei wurden Kanzel und Taufstock entfernt. In den Jahren 1973 und 1983 wurden für 6 Millionen DM Flurbereinigung und Dorferneuerung durchgeführt. Der reguläre Schulbetrieb wurde 1981 eingestellt. Zum Abschluss der Flurbereinigung wurde 1987 die Bruder-Klaus-Statue aufgestellt. Die neu angelegten Fußballplätze wurden 1988 eingeweiht.
Die Pfarrscheune wurde 1993 als Kindergarten umgebaut. Die Kirche wurde 1996 renoviert. Das Dach wurde neu eingedeckt und die Kirchturmuhr erneuert. 1997 wurde die Turmkapelle als Taufkapelle umgebaut und die Friedhofsmauer renoviert. Im gleichen Jahr wird nach dem Dachausbau des Kindergartens ein Pfarrsaal eingerichtet. Das 1748 erbaute ehemalige Schul- und Mesnerhaus wurde von 2005 bis 2007 grundlegend renoviert und zu einer Fahrradherberge ausgebaut.
Bau- und Bodendenkmäler In Neuenstetten gibt es 16 Baudenkmäler: Altmühlbrücke: dreibogige Steinbrücke, 1833, mit Nepomukfigur der gleichen Zeit An der Altmühl 1: Altmühle, Mühl- und Wohngebäude, zweigeschossiger massiver Satteldachbau, mit Ecklisenen, 1848; Scheune, eingeschossiger Satteldachbau, mit Ladeluke, zweite Hälfte 19. Jahrhundert Eulersfeld; Steinbacher Feld: Feldkreuz, Bildstock, Sandstein mit gusseisernem Kreuzaufsatz, wohl 19. Jahrhundert; östlich außerhalb in der Flur Friedhof, ehemals befestigt, teilweise Graben erhalten, Wehrmauer in Brusthöhe, unterirdisches Karnergewölbe, Grabmäler 19./20. Jahrhundert; Gusseisenkruzifix, Mitte 19. Jahrhundert Hauptstraße 1: zugehörig Fachwerkscheune und ehemaliges Austragshaus, 18. Jahrhundert Hauptstraße 9: Fachwerkscheune, spätes 18. Jahrhundert; zugehörig Lebensmittelhandlung Leopold Hertwegfeld: Wegkreuz, Kruzifixus, Holz, volkstümliche Schnitzarbeit, 19. Jahrhundert; 1 km außerhalb in Richtung Mühlbruck Hertwegfeld: Gruppe von sechs Steinkreuzen, mittelalterlich, genannt die Sieben Fuhrmänner, am Ortsausgang Richtung Herrieden Kirchplatz 1: katholische Pfarrkirche St. Veit, Saalkirche, einschiffiges Langhaus und Westchor, spätes 14. Jahrhundert, Ostchor vor 1438 hinzugefügt, Turm 1482, 1680/81 ausgebaut, Veränderungen im 17./18. und 19. Jahrhundert, mit Ausstattung; Friedhof, ehemals befestigt, teilweise Graben erhalten, unterirdisches Karnergewölbe, Grabmäler 19./20. Jahrhundert; Gusseisenkruzifix, Mitte 19. Jahrhundert; Ummauerung mit Wehrmauer in Brusthöhe, im Kern wohl 15. Jahrhundert Mühlstraße 5: ehemalige Mühle, massives zweigeschossiges Wohnhaus, Satteldach, 1838. Nähe Hauptstraße: neugotischer Bildstock, Gusseisenkreuz auf Sandsteinsockel, 1892; am Ortsausgang Richtung Herrieden Nähe Kirchplatz: Kriegerdenkmal, Stele mit bekrönender Figur des Heiligen Georg, 1914/18, verändert nach 1945; beim Friedhof Nähe Mühlstraße: Scheune, eingeschossiges Gebäude mit Halbwalmdach, Fachwerk, 19. Jahrhundert Pfarrgasse 2: ehemaliges Schul- und Mesnerhaus, Nutzung als Radlerherberge (12 Betten), zweigeschossiger Satteldachbau, mit Fachwerkobergeschoss und -giebel, teilweise über Südwestecke der Friedhofsmauer, 1748 errichtet Windmühlstraße 1: Wegkreuz, Holzkruzifix, Mitte 19. Jahrhundert.; am Ortsausgang nach Ansbach. Nähe Windmühlstraße: Bildstock, kleine gemauerte Ädikula mit Nische, um 1800; am westlichen Ortsrand im Anger südlich der Straße an der Staatsstraße 2249 nach Oberdombach: Bildsäule auf rechteckigem Sockel, bezeichnet 1723, mit gusseisernem Kreuz; an der Leutershauser Straße zwischen Neunstetten und Niederdombach, bei der Abzweigung nach Oberdombach
Steinkreuznest Sieben Fuhrmänner mini|Sieben Fuhrmänner mini|Kreuz 2 und 3 mini|Ortsausgang Richtung Herrieden