mini|Stadtzentrum Kilis () ist eine türkische Stadt in der Region Südostanatolien. Sie ist die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Kilis und Zentrum (Merkez) des gleichnamigen Landkreises. Die Stadt liegt an der syrischen Grenze in einer gleichnamigen Ebene, am Fuße des Kefiz auf ca. 650 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Kilis liegt ca. 500 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Ankara. Die Stadt gliedert sich in 76 Stadtviertel (Mahalle) mit einer Durchschnittsbevölkerung von 1.384 Einwohnern.

Landkreis Der Kreis (bzw. Kaza) Kilis bestand schon bei Gründung der Türkischen Republik (1923) im Vilâyet Gaziantep (Gazi-Aïntab) und hatte bei der ersten Volkszählung 1927 eine Bevölkerung von 45.765 Einwohnern in 142 Ortschaften. 1995 wurde Kilis die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit vier Kreisen, die durch die Verordnung Nr. 550Verordnung Nr. 550, erschienen am 6. Juni 1995 im Amtsblatt 22305; PDF-Datei, S. 1,13,14 gebildet wurde.

Ende 2020 besteht der Kreis neben der Kreisstadt (88,6 Prozent der Landkreisbevölkerung) noch aus 53 Dörfern (Köy, Mehrzahl Köyler) mit durchschnittlich 255 Einwohnern pro Dorf. 15 Dörfer haben mehr Einwohner als der Durchschnitt, 14 weniger als 100 Einwohner. Das größte Dorf ist Çukuroba (1.400), gefolgt von Yavuzlu (1.251 Einw.). Yavuzlu war eine ehm. Belediye, die 2013 zum Dorf zurückgestuft wurde. Das kleinste Dorf ist mit 22 Einwohnern Tanbıralı, das zugleich auch das kleinste der ganzen Provinz ist. Der Kreis hält bei drei Rankings den Spitzenplatz: Einwohnerzahl, Fläche und Bevölkerungsdichte. Diese ist fast doppelt so hoch wie der Provinzdurchschnitt.

Geschichte In unmittelbarer Nähe der Stadt befinden sich zahlreiche Höyüks, die zeigen, dass die Region seit sehr langer Zeit besiedelt ist. Der bekannteste und am besten erforschte ist der Oylum Höyük, der seit dem Neolithikum bis in byzantinische Zeit besiedelt war.

Der Name Kilis wird erstmals in arabischen Schriften im 10. Jahrhundert verwendet und wird von der Bezeichnung für „Kirche“ hergeleitet. Ende des 11. Jahrhunderts wurde Kilis von Kreuzrittern erobert, geriet später in die Hand der Ayyubiden und der ägyptischen Mamluken. Als die Region vom Osmanensultan Selim dem Gestrengen erobert wurde, war Kilis noch ein Dorf. Ab dem Jahre 1519 war Kilis dann eine Kleinstadt mit vier Mahalles und ca. 1500 Einwohnern. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Kilis zur Provinz Aleppo und hatte 20.000 Einwohner. Der Geograph Vital Cuinet berichtet u. a. von 47 Freitagsmoscheen, 12 kleineren Moscheen, 4 Derwischkonventen, 24 Medressen und 3 Kirchen.

Bevölkerungsentwicklung Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung Die nachfolgende Tabelle zeigt den vergleichenden Bevölkerungsstand am Jahresende für die Provinz Kilis, den Landkreis und die Stadt Kilis sowie deren jeweiligen Anteil an der übergeordneten Verwaltungsebene. Die Zahlen basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS).Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 1. September 2021 Die letzten beiden Wertzeilen entstammen Volkszählungsergebnissen.

Jahr Provinz Landkreis Stadt abs. % abs. % abs. 2020 142.792 83,15 118.725 88,62 105.218 2019 142.490 82,84 118.033 88,01 103.883 2018 142.541 81,40 116.034 86,76 100.675 2017 136.319 82,57 112.553 86,84 97.745 2016 130.825 81,47 106.582 87,47 93.222 2015 130.655 81,35 106.293 87,74 93.266 2014 128.781 80,39 103.531 87,25 90.327 2013 128.586 80,02 102.889 86,91 89.422 2012 124.320 79,68 99.056 85,93 85.119 2011 124.452 79,05 98.383 85,57 84.184 2010 123.135 78,27 96.374 85,20 82.109 2009 122.104 77,83 95.034 84,75 80.542 2008 120.991 77,46 93.719 83,97 78.698 2007 118.457 77,74 92.094 84,38 77.706 2000 114.724 76,17 87.387 80,87 70.670 1997 109.908 73,33 80.594 77,51 62.472

Volkszählungsergebnisse Die Tabelle zeigt die Bevölkerungsentwicklung von Kilis anhand der Volkszählungen. Dabei werden verschiedene Stadien bzw. Ebenen durchlebt, von Kreis (İlçe/Kaza) bis hin zur Provinz (Vilâyet/İl). Gleichzeitig werden die Einwohnerstände der Stadt (Şehir) mit denen der übergeordneten Ebene verglichen. Die Daten wurden den E-Books (der OriginaldokumenteBücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK, abrufbar nach Suchdateneingabe) entnommen.

Jahr Einw. Region Einw. Stadt Kaza im Vilayet Gazi-Aïntab 1927 45.765 22.513 1935 56.054 24.620 Kaza im Vilâyet Gaziantep (G. Antep) 1940 59.775 26.558 İlçe im İl Gaziantep 1945 62.419 27.048 1950 62.329 27.550 Kaza im Vilâyet Gaziantep 1955 63.948 29.964 1960 67.382 33.005 1965 75.092 38.095 1970 83.913 43.438 1975 92.759 54.055 1980 95.419 58.355 1985 101.818 59.876 1990 121.752 82.882 Eigenständige Provinz (İl Kilis) 1997 80.594 62.472 2000 87.387 70.670

Bürgerkrieg in Syrien Kilis liegt unmittelbar nördlich der Grenze zu Syrien. In die Grenzstadt haben sich viele Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg gerettet und die Provinz gilt als die mit der höchsten Rate von Syrern in der Türkei; etwa 38,5 % der Gesamtbevölkerung im Jahr 2022, nach Angaben des türkischen Innenministeriums, demzufolge etwa 91.000 syrische Flüchtlinge in der Provinz registriert sind. Seit Januar 2016 ist die Stadt mehrmals von Raketen getroffen worden.

Bildung Kilis verfügt über eine Universität, die sich im Zentrum befindet. Zu ihr gehören Fakultäten für Technik, Kunst, Wissenschaft und Verwaltungswissenschaften sowie mehrere Berufsschulen.

Klimatabelle

Söhne und Töchter der Stadt Sophronios von Kilis (* ?; † 1780), orthodoxer Patriarch Hıncal Uluç (1939–2022), türkischer Journalist Emine Demirbüken-Wegner (* 1961), deutsche Politikerin türkischer Abstammung Mehmet Şahan (* 1958), türkischer Fußballspieler und Trainer Mehmet Sedef (* 1987), türkischer Fußballspieler

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Grenze zwischen Syrien und der Türkei