Die große Nacht im Eimer ist der Titel eines Gemäldes (Öl auf Leinwand, 250 × 180 cm) von Georg Baselitz. Es entstand in den Jahren 1962/1963 und gehört zum Bestand des Museum Ludwig in Köln.

Inhalt und Form Das Gemälde zeigt in provokativer Weise eine masturbierende Figur. Der Kunsthistoriker Klaus Gallwitz beschrieb das Motiv: Die schmächtige Figur steht im extremen Kontrast zur überbetonten Männlichkeit: Klaus Gallwitz, in: Georg Baselitz, Der Weg der Erfindung, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main, 1988, S. 31 Im selben Jahr entstand ein weiteres Gemälde mit dem Titel Große Nacht im Eimer, 1963 (Öl auf Leinwand, 180 × 165 cm), es befindet sich in Privatbesitz. Hier zeigt das Motiv die Figur mit herabgesenktem Kopf und Phallus, in einer gebrochenen Darstellung der Sexualität. Als Studie entstand 1962 Die große Nacht (Bleistift und Aquarell, 63 × 48 cm, Privatbesitz) zum gleichen Thema.Beide abgebildet in: Georg Baselitz, Der Weg der Erfindung, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main, 1988, S. 101 und 102

Die Bilder stammen aus der Frühphase von Baselitz’ Werk von 1960 bis 1963, einer Zeit, in der sich der Künstler mit Antonin Artaud beschäftigte.Georg Baselitz: Pandämonisches Manifest I + II, 1962, in: Georg Baselitz, Der Weg der Erfindung, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main, 1988, S. 14–25, sowie in: Harald Szeemann (Hrsg.), Georg Baselitz, Kunsthaus Zürich, 1990, S. 214–217 In dieser Werkphase entstanden Bilder, Kevin Power in: Harald Szeemann (Hrsg.), Georg Baselitz, Kunsthaus Zürich, 1990, S. 12 Die Schaffensperiode manifestiert sich in den Werken P. D. Füße, einer eindringlichen Serie mit einzelnen Gliedmaßen, einer Serie mit Köpfen und Porträts und den beiden Gemälden Die große Nacht im Eimer. Mit ihnen begann der Maler eine Reihe von Arbeiten, wie zum Beispiel Weihnachten (1964) oder Die Peitschenfrau (1965)Beide Werke: Museum Ludwig, Köln, mit denen er in einer Phase, in der die Malerei durch den Tachismus und das Action Painting beherrscht war, neue Ausdrucksformen für das Gegenständliche zu entwickeln suchte. Die Sujets bleiben in den Bildern ohne Kontext und vermitteln in Farbigkeit und malerischer Auffassung Zustände ihrer Auflösung. Baselitz selbst nannte seine Farbtöne „zermanscht“ und erklärte später diese Frühphase in seinen Arbeiten als „Pubertätsschlamm“.Handbuch Museum Ludwig. Köln 1979; S. 76 und 79

Alternative Interpretation Eine alternative Interpretation wird von Beate von Mickwitz dargelegt: Sie beschreibt die Ähnlichkeit zu einer Zeichnung von Giuseppe Cesari (mit dem Titel „Hercule nu, debout tient la massue avec laquelle il a frappé Cacus étendu“), in dem Herkules mit einer Keule über dem offensichtlich erschlagenen Cacus steht. Herkules weist dieselbe Pose auf und hält die Keule auf dieselbe Weise wie die Gestalt in Baselitz’ Gemälde. Laut von Mickwitz könnte sich Die große Nacht im Eimer damit auch auf die eben erst zurückliegende NS-Zeit beziehen, eine Interpretation, die in Baselitz Ölgemälde Die große Nacht von damals (2008) aufgegriffen wird.

Wirkung Im Oktober 1963 wurde das in der West-Berliner Galerie Werner & Katz (Baselitz’ erste Einzelausstellung) ausgestellte Werk zusammen mit dem Bild Der nackte Mann von der Staatsanwaltschaft wegen Unsittlichkeit beschlagnahmt. Der angestrengte Strafprozess endete erst 1965 mit der Rückgabe der Bilder.

Im Rahmen seines Werkzyklus von 2005 malte Baselitz eine zweite Fassung des Bildes mit dem Titel Die große Nacht im Eimer (remix).Abbildungen: Adaption von 2005 und eine Pinselzeichnung von 2008 Die Variante Die große Nacht von damals ist seit 2012 im Besitz der Pinakothek der Moderne.

Literatur Handbuch Museum Ludwig. Köln 1979, S. 76–79.

Einzelnachweise

Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Gemälde des Museums Ludwig