Gerhard Wisnewski (* 30. November 1959 in Krumbach (Schwaben)) ist ein deutscher Buch- und Filmautor, der in seinen Publikationen Verschwörungstheorien verbreitet.

Wisnewski wurde Anfang der 1990er Jahre als freier WDR-Mitarbeiter mit seinen Thesen, hinter dem von ihm so bezeichneten RAF-Phantom stehe eine Verschwörung der Geheimdienste, bekannt.

Anlässlich der Terroranschläge am 11. September 2001 verbreitete er weitreichende Spekulationen. Heute erklärt er in seinen Veröffentlichungen als freier Autor verschiedenste Ereignisse mit umfassenden Verschwörungen von Regierungen, Geheimdiensten und Medien weltweit und tritt zunehmend in rechtspopulistischen Medien in Erscheinung.

Leben Schon während seiner Schulzeit in Frankfurt am Main war Wisnewski journalistisch tätig. Nach seinem Abitur 1979 arbeitete er für die Frankfurter Neue Presse und Bild Frankfurt. 1981 bis 1990 studierte er Politikwissenschaft in München. Er arbeitete gleichzeitig für verschiedene Münchener Zeitungen (AZ, tz, Münchner Stadtzeitung) und Zeitschriften (Stern München, P.M. Magazin).

Seit 1986 ist Wisnewski als Buch- und Filmautor tätig. Er war Autor des Films Aktenzeichen 11. 9. ungelöst, der am 20. Juni 2003 im WDR ausgestrahlt wurde. Den Film, der eine „alternative Deutungsmöglichkeit“ zu den dort präsentierten „populärsten verschwörungstheoretischen Behauptungen“ zum 11. September 2001 „nicht einmal ansatzweise“ zulasse, hat Tobias Jaecker dem antiamerikanischen Diskurs zugeordnet.Tobias Jaecker: Hass, Neid, Wahn. Antiamerikanismus in den deutschen Medien. Campus, Frankfurt, New York 2014, S. 44 f. Der Spiegel wies Wisnewski im September 2003 nach, dass er in diesem Film und dem zugrundeliegenden Buch eine Aussage des Interviewpartners Ernie Stull manipuliert hatte.Dominik Cziesche, Jürgen Dahlkamp, Ulrich Fichtner, Ulrich Jaeger, Gunther Latsch, Gisela Leske, Max F. Ruppert: Stefan Schaaf: Der große Mumpitz. In: taz.de, 11. September 2003, abgerufen am 21. Februar 2021. Der WDR kündigte Wisnewski und seinem Koautor Willy Brunner daraufhin die Zusammenarbeit auf.Andreas Anton: Verschwörungstheorien zum 11. September. In: Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 157–179, hier S. 165 (). Seit 2008 publiziert Wisnewski nur noch abseits der etablierten Medien. Laut dem Amerikanisten Michael Butter nutzt Wisnewski sein kulturelles Kapital als „Überläufer“ von den „Mainstreammedien“ aus, um diesen besonders wirkungsvoll Zensur und Manipulation vorwerfen zu können.Michael Butter: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-07360-5, S. 67.

Wisnewski, der im Klappentext seines Buches Verheimlicht, vertuscht, vergessen – 2021. Das andere Jahrbuch als „zu den Pionieren des aktuellen Gegenzeitgeistes“ zählend bezeichnet wird,Hans Demmel: Anderswelt. Ein Selbstversuch mit rechten Medien, begleitet von Friedrich Küppersbusch. Kunstmann, München 2021, S. 43 veröffentlicht häufig im Kopp Verlag und wirkt an der Zeitschrift Kopp exklusiv mit; Spiegel Online schreibt dazu, Wisnewski habe mit seinen Verschwörungstheorien auf der Webpräsenz des Verlags „für so ziemlich jedes Ereignis der Zeitgeschichte eine ganz besondere Erklärung“ – und trage damit zur verlagseigenen „Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde“ bei.Stefan Kaiser: Verschwörungstheorien: Das Geschäft mit der Angst. In: Spiegel Online. 22. Mai 2014, abgerufen am 21. Februar 2021. Der Beitrag ist verändert abgedruckt in Christian Rickens (Hrsg.): Das Glühbirnenkomplott. Die spektakulärsten Verschwörungstheorien – und was an ihnen dran ist. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014, Kapitel „Das Geschäft mit der Angst: Wie der Kopp-Verlag Verschwörungstheorien zum Geschäftsmodell machte“, S. 165–170. Er schreibt auch für Jürgen Elsässers rechtspopulistische Zeitschrift Compact. Der Journalist Hans Rauscher nennt Wisnewski im Standard einen „Hochleistungs-Verschwörungstheoretiker“, der die Kommunikation übers Internet auch mittels YouTube-Videos als einem „beliebten Vehikel“ für diesen Zweck nutze.Hans Rauscher: Der große Meinungskrieg im Internet. In: Der Standard. 9. März 2015, abgerufen am 21. Februar 2021. Auf Veranstaltungen der Zeitschrift Compact tritt Wisnewski laut Jürgen P. Lang als „Star“ auf und inszeniert dort sich und seine Zuhörer als Opfer einer übermächtigen, die Öffentlichkeit beherrschenden Allianz aus Politik und Medien, die – gesteuert von westlichen Regierungen – eine „Versklavung des Restes der Menschheit“ anstrebten.Jürgen P. Lang: In: BR.de. 23. April 2016, abgerufen am 21. Februar 2021. Er spricht regelmäßig beim „Alternativen Wissenskongress“,Konrad Fischer: AfD: Kasse machen mit den Rechtspopulisten. Vom Kinderzimmer zum Verlagsgebäude. In: Wirtschaftswoche. 11. März 2016, abgerufen am 21. Februar 2021. der von Politikern der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) ausgerichtet wird und auf dem weitere Personen wie Eva Herman oder Michael Friedrich Vogt mit verschwörungstheoretischen Thesen auftreten.Ulrike Märkel: „Wissenskongress“ von AfD-Funktionären: Für alle Verschwörungsfans was dabei. In: Die Tageszeitung, 11. November 2015.

Als 2012 der Betreiber der islamistischen Website Muslim-Markt, Yavuz Özoğuz, eine Reise zum iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad organisierte, an der neben Özoğuz unter anderem auch Jürgen Elsässer und Wisnewski teilnahmen, wurde der Besuch im Hinblick auf Ahmadinedschads Leugnung des Holocausts und des Existenzrechts Israels als Legitimierung des iranischen Regimes scharf kritisiert.Jonas Nonnenmann: FDP-Landtagskandidat wirbt für Ahmadinedschad. In: Berliner Zeitung. 4. Mai 2012, abgerufen am 21. Februar 2021. Im Juni 2018 gewann Wisnewski einen Prozess vor dem Oberlandesgericht Köln, den Richard Gutjahr wegen einer Passage im Buch verheimlicht – vertuscht – vergessen gegen ihn angestrengt hatte, weil „die Darstellung Wisnewskis viel zu vage“ sei, „um sich überhaupt als Verdachtsberichterstattung zu qualifizieren“.Stefan Niggemeier: Verschwörungstheorie mit Folgen: Ein Sieg fürs substanzlose Raunen: Gutjahr unterliegt Wisnewski. In: uebermedien.de, 30. Juli 2018, abgerufen am 21. Februar 2021.

Verschwörungstheorien Wisnewski wurde bekannt mit verschwörungstheoretischen Büchern über die Rote Armee Fraktion, die Terroranschläge am 11. September 2001 und zur Mondlandung.Nicole Stöckert: Taschenbuch-Bestseller: Vademecum für Verschwörungstheoretiker. In: Spiegel Online. 16. Januar 2012, abgerufen am 21. Februar 2021. Edwin Baumgartner: Weltverschwörungstheater. In: Wiener Zeitung. 6. Mai 2014, abgerufen am 21. Februar 2021. Er legt in diesen Büchern die Deutung nahe, die RAF-Anschläge von 1985 bis 1991 seien nicht von der RAF verübt worden,Eckhard Jesse: Demokratie in Deutschland. Diagnosen und Analysen. Hrsg. von Uwe Backes und Alexander Gallus. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 978-3-412-20157-9, S. 418: „bizarre Verschwörungstheorien“, „völlig unglaubwürdige Behauptung“. die Anschläge vom 11. September 2001 seien nicht von al-Qaida geplant worden und es habe 1969 keine bemannte Mondlandung gegeben. Der Medienwissenschaftler Christian de Simoni spricht in diesem Zusammenhang von „Deutungsangeboten esoterischer Paranoiker“, zu denen Wisnewski gehöre.Christian de Simoni: Betroffenheitsgesten in politischen, publizistischen und literarischen Antworten auf 9/11. In: Sandra Poppe, Thorsten Schüller, Sascha Seiler (Hrsg.): 9/11 als kulturelle Zäsur: Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien. Transcript, Bielefeld 2009, S. 81–99, hier S. 87 f. Jörg Lau schrieb 2003, Wisnewski sei exemplarisch für die inzwischen erfolgreichsten Verschwörungstheoretiker; er verortete ihn unter den „gewesene[n] Spontis und Anarchos und Randfiguren des rot-grünen Milieus, die die Szene beherrschen“ statt des bisher dominanten „Typus des verklemmten, autoritätsfixierten Spinners“.Jörg Lau: Ein Wahn stützt den anderen: Warum die Linke den Verschwörungstheorien zum 11. September zuerst verfällt. In: Die Zeit, 11. September 2003 (Artikelanfang frei abrufbar).

In seinem Buch Verschlußsache Terror. Wer die Welt mit Angst regiert von 2007 spekuliert Wisnewski, alle großen Terroranschläge der jüngsten Zeit, einschließlich der Attentate unter den religiösen Gruppierungen im Irak, ließen sich jenseits offizieller Erklärungen jeweils auf Verschwörungen von Regierungen und Geheimdiensten zurückführen (siehe Falsche Flagge), insbesondere einen geheimen Plan der US-Regierung zur Weltbeherrschung.Andrei S. Markovits, Lars Rensmann: Anti-Americanism in Germany. In: Brendon O’Connor (Hrsg.): Anti-Americanism. History, Causes, Themes. Band 3: Comparative Perspectives. Greenwood World Publishing, Oxford 2007, ISBN 978-1-84645-026-6, S. 155–182, hier S. 337, Endnote 66 (). Siehe auch Johannes Pennekamp, Patrick Bernau: Geschäft mit Verschwörungstheorien: Die Angstindustrie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Januar 2015, abgerufen am 21. Februar 2021, die zeigen, dass Wisnewski seine USA-These mit dem „Kampf der Kulturen“ verknüpft. Diese Hypothese hat Wisnewski immer wieder auf aktuelle Ereignisse angewendet, so 2015 nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo mit einem Kommentar bei Kopp Online und dem Buch Die Wahrheit über das Attentat auf Charlie Hebdo – Gründungsakt eines totalitären Europa.Marc Brost, Daniel Erk, Tina Hildebrandt: Verschwörungstheorien: Der ganz eigene Wahnsinn. In: Die Zeit. 8. August 2015, abgerufen am 21. Februar 2021. Auch die Taten bzw. die Existenz der rechtsextremen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund zweifelt Wisnewski an, was Der Freitag als These eines „NSU-Phantoms“ bezeichnet und in den Kontext ähnlicher Äußerungen aus dem rechtspopulistischen bis rechtsextremen Medienspektrum stellt.Nils Markwardt: Die Volksverhetzer. In: Der Freitag, Ausgabe 25, 21. Juni 2013.