Villanders ([]; italienisch Villandro) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Südtirol. Sie befindet sich im Eisacktal oberhalb von Klausen.
Geographie miniatur|Ansicht von Villanders von NO Die Gemeinde Villanders liegt im Eisacktal auf der orographisch rechten, westlichen Talseite. Das Gemeindegebiet zieht sich vom Eisack bis zu Gipfeln der Sarntaler Alpen hinauf. Der Großteil des Siedlungsgebiets befindet sich in Mittelgebirgslagen. Die drei Fraktionen St. Stefan, St. Moritz und St. Valentin werden durch von Bachläufen tief eingeschnittene Gräben voneinander getrennt. Das einzige Dorf, der zentrale Hauptort St. Stefan, liegt auf Höhe. St. Moritz (mit der Ortschaft Sauders) und St. Valentin bestehen aus kleinen Siedlungskernen und verstreuten Gehöften. Darüber erstreckt sich etwa ab Höhe die weitläufige Villanderer Alm. Dort befinden sich die Quellgebiete sowohl des Villanderer Bachs (oder Mühlbachs) als auch des Tinnebachs, der nach seinem Lauf durch das Tinnetal im nördlich direkt an Villanders angrenzenden Stadtgebiet von Klausen in den Eisack mündet. Seinen höchsten Punkt findet die Gemeinde am Villanderer Berg auf .
Geschichte Name Villanders wird ersturkundlich in den Gründungsaufzeichnungen von Stift Sonnenburg im Pustertal im Jahr 1039 als „Filandres“ genannt. 1085 erscheint es bereits als „Filanders“, später als „Vilanders“ oder „Vylanders“.
Die Herkunft des Ortsnamens Villanders, ladinisch auch Ulándres, konnte bis heute nicht restlos geklärt werden. Er wird jedoch aufgrund seines Suffixes -andr- wie Schlanders auf vorrömische Ursprünge zurückgeführt. Andere Sprachforscher versuchten römische Wurzeln ausfindig zu machen (z. B. „villa antrorum“ oder „valles antri“) bzw. den Villanderer Bach als namensgebend auszumachen. In Villanders selbst kursiert die – mit Sicherheit ins Reich der Sagen gehörende – Erzählung, der Ort habe früher auch „Schönberg“ geheißen, wäre jedoch von einem Erdrutsch verwüstet worden und habe nachher „viel anders“ ausgesehen.Vgl. Kofler, Erich: Barbian-Villanders. Das alte Gericht Villanders. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1980, S. 76f.
Ur- und Frühgeschichte Der sonnige Hang von Villanders hat vermutlich bereits in sehr früher Zeit Siedler angezogen, die auf den fruchtbaren Moränenböden von Villanders gute Lebensbedingungen vorgefunden haben.Vgl. Kofler, Erich: Barbian-Villanders. Das alte Gericht Villanders. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1980, S. 103–105. Für das angrenzende Sarntal konnte bereits nachgewiesen werden, dass dieses und die umliegenden Berge, zu denen auch der Villanderer Berg und die Villanderer Alm zu zählen sind, mindestens seit der Mittelsteinzeit vom Menschen aufgesucht und auch wirtschaftlich genutzt wurde.Demetz, Stefan: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 82. Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Eisacktales, auf der Seiser Alm und im Bereich der Raschötz, belegen Funde die Existenz mittelsteinzeitlicher Jägergruppen. Diese Funde, sowie die landschaftliche Beschaffenheit der Villanderer Alm, die ein ideales Weidegebiet für Steinböcke, das bevorzugte Jagdtier mittelsteinzeitlicher Jäger, darstellt, legen den Schluss nahe, dass die gesamte Villanderer Alm bereits zu dieser Zeit im Sommer als Jagdrevier genutzt wurde.Demetz, Stefan: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 84. Im Villanderer Dorfgebiet trat bei Ausgrabungen in der archäologischen Zone am Plunacker, eine mittelsteinzeitliche Kulturschicht zum Vorschein, die Steingeräte aus Silex aus dem 8. bzw. 7. Jahrtausend v. Chr. enthielt.https://www.gemeinde.villanders.bz.it/gemeindeamt/download/220461536_1.pdf
Mit der ab dem Jahr 5000 v. Chr. einsetzenden Jungsteinzeit (Neolithikum) bestimmten in Südtirol Ackerbau und Haustierhaltung das nun sesshafte Leben. Die Mittelgebirgslandschaft in Villanders bot dafür günstige Bedingungen. Die Funde in der archäologischen Zone Plunacker in Villanders zählen zu den wichtigsten dieser Epoche im gesamten Alpenraum.https://www.gemeinde.villanders.bz.it/gemeindeamt/download/220461536_1.pdf Funde aus dem Neolithikum auf der Villanderer Alm belegen auch die Anwesenheit von Menschen in höheren Lagen, lassen aber keinen Rückschluss auf eine landwirtschaftliche Nutzung der Alm im engeren Sinne zu.Demetz, Stefan: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 86.
Die Funde aus der Jungsteinzeit und der anschließenden Kupferzeit sind spärlich. Auf dem Plunacker in Villanders ist die Kupferzeit durch einen Hüttengrundriss belegt, einer der wenigen Funde dieser Art im Alpenraum.https://www.gemeinde.villanders.bz.it/gemeindeamt/download/220461536_1.pdf Aufgrund einer im 4. Jahrtausend einsetzenden Klimaverschlechterung verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Viehhaltung in Wald- und Almweiden. Den Bergen wurde neben der wirtschaftlichen Nutzung, aber auch ein übersinnlich-kultischer Charakter beigemessen.Demetz, Stefan: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 86.
In der Bronzezeit (2200 – 800 v. Chr.) erleichterte eine erneute Klimaverbesserung den Ackerbau selbst in höheren Lagen. Zwar wurden in Villanders aus dieser Epoche relativ wenige Funde gemacht (eine Ausnahme bilden die Brandopferplätze vom Seeberg), jedoch legen Funde in umliegenden Ortschaften (Brixen, Saubach, Barbian) eine durchgehende Siedlungsgeschichte nahe. Wahrscheinlich wurde bereits jetzt Bergbau betrieben und das gewonnene Kupfer nach Süden, an den Gardasee und in die Poebene verkauft. Der mediterrane Einfluss auf den Südalpen-Raum zeigt sich nun auch in der Geisteswelt: nach etruskischem Vorbild wurde die Schrift eingeführt und die Vorstellung der Götterwelt ähnelte der griechischen bzw. der italisch/etruskischen.Demetz, Stefan: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 87.
Römerzeit Die Römerzeit im heutigen Südtirol beginnt spätestens mit dem Kaiser Augustus (31 v. – 14 n. Chr.) und geht bis ins 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. Das Gebiet um Villanders war zu dieser Zeit durchgehend besiedelt, jedoch weiterhin bloß punktuell. Die einzigen Funde wurden bisher auf dem Plunacker gemacht. Hier entdeckte man Überreste einer großen und prachtvoll ausgestatteten, römischen Villa.https://www.gemeinde.villanders.bz.it/gemeindeamt/download/220461536_1.pdf Der Bereich zwischen dem Ritten und Villanders lag zu dieser Zeit im Grenzgebiet zwischen Trient/Tridentum, Noricum und Rätien, mangels Funden ist eine konkrete Zuschreibung jedoch nicht möglich.Demetz, Stefan: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 88.
Mittelalter Wie in anderen Gegenden Südtirols sind Spuren aus dem Früh- und Hochmittelalter (ca. 500–1350 n. Chr.) auch in Villanders sehr selten. Zwar lässt sich eine Siedlungskontinuität annehmen, aber es ist bisher nicht geglückt, die ungebrochene Bewohnung eines Hofes von der Spätantike bis zum Hochmittelalter zu belegen.Stefan Demetz: Villanders in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Villanders: Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl. Athesia Druck, Brixen 2002, S. 89.
Die Herren von Vilanders mini|hochkant|Wappen der Vilanders Der Titel „Herren von Vilanders“Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts auch mit der Schreibweise mit -ll- ("Villanders") auffindbar. bezeichnete eines der mächtigsten Adelsgeschlechter im Tirol des Mittelalters, das seine Heimat in Villanders hatte. Es handelte sich ursprünglich um Großbauern, die in großen, ansitzartigen Höfen in Villanders wohnten, etwa dem Ansitz Pardell, dem Ansitz Gravetsch oder dem Ansitz zum Steinbock (heute Gasthaus), und danach bestrebt waren, ihren Besitz zu erweitern und an politischem Einfluss zu gewinnen.
Die erste Erwähnung der Herren von Vilanders findet sich in kirchlichen Urkunden aus der ersten Hälfte des 12. JahrhundertsSummerer, Thomas: Die Herren von Vilanders. Geschichte eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Tirols im 14. Jahrhundert. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 152.. Der Zusatz „von Vilanders“ wurde im Laufe des 13. Jahrhunderts immer gebräuchlicher und wurde von verschiedenen Familien, die untereinander nicht in verwandtschaftlichem Verhältnis standen, verwendet. Nichtsdestoweniger sprachen sich die Mitglieder der verschiedenen Linien der von Vilanders mit „Vetter“ an und setzten sich gegenseitig als Erben ein. Sie verband ein großes Traditionsbewusstsein und ein enges Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Stammreihe der Herren von Vilanders setzt mit Ekkehard I. von Vilanders (1176–1183) ein und teilt sich in der Folge in zwölf Seitenlinien.Summerer, Thomas: Die Herren von Vilanders. Geschichte eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Tirols im 14. Jahrhundert. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 153.
Zunächst etablierten sich die Herren von Vilanders als Ministerialen der Brixner und Trienter Bischöfe und im Gericht Villanders, das innerhalb der Grafschaft Bozen einen eigenen Gerichtssprengel bildete. Ihnen wurden Burgen zur Überwachung an strategisch wichtigen Punkten anvertraut, so z. B. die Trostburg, die vom Grafen Meinhard dem Richter von Villanders, Randold von Vilanders zu Pardell übergeben wurde, welcher daraufhin zum Stammvater der Grafen von Wolkenstein und damit auch Ahne des großen mittelalterlichen Sängers Oswald von Wolkenstein wurde.
Unter dem Tiroler Grafen Meinhard II. (1258–1295) begann der politische Aufstieg der Herren von Vilanders. Sie bekleideten in zunehmendem Maß Ämter als Richter, Pfleger, Domherren und Dekane und nahmen die Interessen des Adels auf den Tiroler Landtagen wahr.Summerer, Thomas: Die Herren von Vilanders. Geschichte eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Tirols im 14. Jahrhundert. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 155. Unter den Söhnen Meinhards II., Otto, Ludwig und Heinrich, konnten die Herren von Vilanders schließlich ihre Stellung endgültig festigen und sogar in höhere soziale Schichten aufsteigen. Ihre Besitztümer erstreckten sich nun von Sterzing bis Bozen, ins Pustertal, nach Villnöß und ins Grödner Tal, aber auch in Tramin, Buchenstein (Livinallongo), Feltre und Belluno besaßen sie Schlösser und Gerichte. Die beiden bedeutendsten Vertreter der Herren von Vilanders waren Engelmar und Tegen von Vilanders. Die Gelder für diese vielen Besitztümer erwarben sie sich vor allem in den italienischen Kriegszügen, so kämpften sie etwa an der Seite der Skaliger von Verona gegen Padua.Summerer, Thomas: Die Herren von Vilanders. Geschichte eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Tirols im 14. Jahrhundert. In: Villanders. Portrait einer Eisacktaler Gemeinde. 2. Aufl., Athesia Druck, Brixen 2002, S. 156. 1281 übertrug Randolt von Vilanders Besitz in Barbian an das Klarissenkloster Brixen.Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300, Nr. 188 (451b) (online).