mini|Thomas-Event auf einer britischen Museumsbahn Thomas, die kleine Lokomotive & seine Freunde (Originaltitel: ) ist eine britische Fernsehserie von Britt Allcroft, die auf den Railway-Series-Büchern vom Reverend Wilbert Awdry basiert. Sie handelt von der blauen Tenderlokomotive Thomas und anderen Lokomotiven auf der fiktiven Insel Sodor.

Die Fernsehadaption erfolgte 1984 unter dem Titel Thomas, die kleine Lokomotive & seine Freunde (Thomas the Tank Engine & Friends). Der Titel wurde 2003 zu Thomas & seine Freunde (Thomas & Friends) gekürzt und hatte von 2018 bis 2021 die Tagline Große Welt! Große Abenteuer! (Big World! Big Adventures!).

Die Original-Serie endete 2021 nach der 24. Staffel und seither erschienen Reboots, die jeweils eigene neue Serien bilden. Von 2021 bis 2025 erschien der 2D-animierten Cartoon Thomas & seine Freunde – Alle Maschinen los! (All Engines Go!) und im September 2026 startet mit Thomas & seine Freunde: Eisenbahngeschichten (Railway Stories) eine neue 3D-animierte Serie.

Entwicklung 1945–1972: Railway Series als Vorlage der Fernsehserie

1943 verfasste Wilbert Awdry für seinen kranken zweijährigen Sohn Christopher die ersten Geschichten, die er 1945 als ersten Band der Railway Series veröffentlichte, und schrieb bis 1972 fast jährlich neue. Während die ersten paar Bücher primär als Gutenachtgeschichten für Kinder dienten, rückten Abläufe und Geschichte der Eisenbahn mit der Zeit immer weiter in den Vordergrund. Awdrys Ziel war es, die Geschichten möglichst realistisch und nicht zu kindisch darzustellen, da er „nicht direkt für Kinder schrieb, sondern für die unglücklichen Leute […], die diese Geschichten immer und immer wieder vorlesen mussten“. Nach dem sechsundzwanzigsten Buch führte Awdrys Sohn Christopher die Reihe fort, die er 2011 mit dem zweiundvierzigsten Buch Thomas and his Friends abschloss. 1953/1977: Erste Versuche einer Fernsehadaption Im Jahr 1953 plante die British Broadcasting Corporation (BBC) die Fernsehadaption von zwei Geschichten aus The Three Railway Engines, die während der BBC Children’s Hour am 14. und 28. Juni 1953 ausgestrahlt werden sollten. Es wurden 00-Spur-Modelle von Hornby benutzt, die die Lokomotiven und Waggons darstellten, und Modellbauer P. R. Wickham bearbeitete diese, damit sie aussahen wie auf den Railway-Series-Illustrationen von C. Reginald Dalby. Erzählerin war Julia Lang.

Die Adaption wurde live von den Lime Grove Studios aus gesendet. Während der Ausstrahlung von The Sad Story Of Henry entgleiste allerdings eine der Lokomotiven, und eine Hand war zu sehen, die sie wieder aufgleiste. Awdry sah sich die Übertragung an und beschwerte sich über die unsanfte Operation der Modelle. Darüber hinaus beschrieb er die Entgleisung als einen „elementaren Fehler“ („elementary mistake“). Wegen dieser und auch anderer Beschwerden wurde die zweite Geschichte abgebrochen und die Live-Übertragung nie aufgezeichnet.

Im Jahr 1973 plante Komponist Andrew Lloyd Webber eine 2D-animierte Musical-Serie basierend auf den Büchern, die er als Kind gelesen hatte. Lloyd Webber traf sich öfter mit Awdry und den Herausgebern der Bücher und nach einigen Komplikationen stellte er 1976 eine Pilot-Episode fertig. Allerdings verlor er bis dahin das Interesse an dem Plan, da die Nachfrage in Amerika nicht vorhanden war und Lloyd Webber zu der Zeit mit seinem Musical Evita bereits genug Erfolg hatte. Nichtsdestotrotz gründete er 1977 sein Unternehmen, das er Really Useful Group nannte, was eine Anspielung an die in den Büchern benutze Phrase „Really Useful Engine“ ist. Weiterhin griff er die Pläne für die geplante Musical-Serie wieder auf und machte daraus bis 1984 das Musical Starlight Express.

1979: Live-Action-Animation als Format für Fernsehserie Bei einem Interview 1979 mit Awdry auf der Bluebell Railway schlug die Fernsehproduzentin Britt Allcroft, die zuvor seine Bücher gelesen hatte, erneut vor, aus den Geschichten über Thomas und seine Freunde eine Fernsehserie zu machen. Mehrere Formate, wie Stop-Motion, Zeichentrick und Computeranimation, wurden zwei Jahre lang erprobt, von denen sich eine Live-Action-Animation mit fahrenden Modellen durchsetzte. Der Produktionsstab bestand unter anderem aus dem Regisseur David Mitton, dem Produzenten Robert D. Cardona, den Komponisten Mike O’Donnell und Junior Campbell sowie Ringo Starr, der in den ersten zwei Staffeln als Erzähler fungierte. Unter den Modellbauern waren unter anderem Tim Staffell, David Payne und John Lee.

Als Pilotfilm wurde die Geschichte Down the Mine aus dem Buch Gordon the Big Engine verfilmt und im April 1983 dem Fernsehsender ITV vorgestellt. Der Film war ein Erfolg, woraufhin die erste Staffel produziert werden konnte.

Die erste Staffel wurde schließlich im Oktober 1984 auf ITV ausgestrahlt und adaptierte die ersten acht Railway-Series-Bücher recht treu und in der nahezu gleichen Reihenfolge. Allerdings wurden hin und wieder zwei kurze Geschichten in einer Episode adaptiert und andere wurden übersprungen. Nur das Staffelfinale Die Weihnachtsfeier (Thomas’ Christmas Party) wurde von Allcroft und Mitton selber verfasst.

Für die zweite Staffel 1986 wurden auch Geschichten von Christopher Awdry verwendet. Die Verträge ließen eigene Geschichten nicht zu, weshalb Allcroft Christopher Awdry um bestimmte Geschichten im nächsten Railway-Series-Buch bat. More About Thomas The Tank Engine wurde extra für die TV-Serie geschrieben und die Geschichten handelten etwa von dem Hubschrauber Harold, dem Bus Bertie und Terence, dem Raupenschlepper, da Allcroft diese Figuren in mehr Episoden haben wollte. Christopher war mit dem Buch sehr unzufrieden und die erste Geschichte, Drip Tank, wurde nicht einmal verfilmt.

Mit der zweiten Staffel wurden die Railway-Series-Geschichten nicht mehr in der originalen Reihenfolge verfilmt. Stattdessen fokussierte man sich etwa auf neue Figuren und düstere Geschichten. So handelten manche Folgen davon, dass Maschinen verschrottet werden sollten (Nicht verschrotten, bitte und Hilfe für die Zwillinge) oder sollten einfach durch Musik und visuelle Wahrnehmung gruselig sein (Der Geisterzug). Zu den vielen neuen Figuren gehörten Duck, Donald, Douglas, Bill, Ben, Diesel, BoCo, Daisy und Trevor.

Ein Problem bei der anderen Reihenfolge war das Verursachen eines größeren Kontinuitätsfehlers: In der Episode Percy nimmt ein Bad (Percy Takes A Plunge) erwähnt Percy die Ereignisse der Geschichte Percy’s Promise aus Percy the Small Engine, aber diese Geschichte wurde erst in der dritten Staffel verfilmt.

1989: Thomas in den USA 1989 entwickelten Allcroft und Rick Siggelkow den Ableger Shining Time Station, um Thomas in die Vereinigten Staaten zu bringen. In dieser Serie ging es um das Personal vom fiktiven Bahnhof von Shining Time Station, darunter Mr. Conductor, eine 20 cm große Person, die sich mittels Gold Dust teleportieren kann. Mr. Conductor brachte den Kindern in der Serie Lektionen bei und zeigte ihnen dabei Episoden von Thomas. Mr. Conductor wurde erst von Ringo Starr, ab der dritten Staffel von George Carlin gespielt.

Die Dialogbücher der Thomas-Episoden wurden wegen der amerikanischen Terminologie umgeschrieben (so hießen etwa die Güterwagen Foolish Freight Cars statt Troublesome Trucks und der Schaffner ist ein Conductor statt ein Guard) und viele der Episodentitel wurden geändert. Ringo Starr erzählte dafür 25 Episoden der ersten Staffel und 17 aus der zweiten Staffel neu. Später erzählte George Carlin die gesamten Staffeln noch einmal und blieb auch der Erzähler für die amerikanischen Versionen der Staffeln 3 und 4.

TUGS: Die geplante Schwesterserie Ebenfalls um 1989 erschien eine von David Mitton und Robert D. Cardona entwickelte Fernsehserie namens TUGS (Schlepper), die vom Konzept und der Produktion her der Serie um Thomas stark ähnelte. Im Mittelpunkt stehen hier Schlepperboote des fiktiven amerikanischen Hafens Bigg City Port. Die Modelle der Boote wurden über das Wasser gezogen, da die Motoren zu schwer waren, die „Köpfe“ und die Augen ließen sich drehen bzw. bewegen. Im Gegensatz zu Thomas waren die Episoden von TUGS etwa 20 Minuten lang, die Figuren hatten individuelle Synchronsprecher und die Inhalte richteten sich an ein älteres Publikum. Nach 13 Episoden innerhalb von drei Monaten wurde die Serie eingestellt. Einige Modelle wurden allerdings später in Thomas verwendet, manche von ihnen auch später in der animierten Serie.

Mitton war sehr stolz auf sein Werk und meinte, TUGS habe seine Seele. Nachdem TUGS nicht fortgesetzt worden war, kehrte Mitton zur Britt Allcroft Company zurück, um wieder an Thomas zu arbeiten.

1992: Der bleibende Erfolg von Thomas Die dritte Staffel von Thomas erschien erst 1992, sechs Jahre nach der zweiten. Ab dieser Staffel schrieben Allcroft und Mitton auch eigene Geschichten und zogen ebenfalls Geschichten des Autors Andrew Brenner aus Zeitschriften hinzu, ohne dass dieser davon in Kenntnis gesetzt wurde. Brenner sollte 2012 selber als Head Writer an der Serie arbeiten.

Das vorherige Produktionsunternehmen Clearwater Features Ltd. wurde 1990 aufgelöst, und der Produzent Robert D. Cardona zog nach dem Misserfolg von TUGS nach Kanada, um dort später an einer ähnlichen Serie, Theodore Tugboat, zu arbeiten. Allcroft übernahm nun die Produzentenrolle und gab ihrem Ehemann, Angus Wright, die Rolle des ausführenden Produzenten.

Der Thomas-Schöpfer Awdry selbst war mit der Umsetzung seiner Geschichten sehr zufrieden, kritisierte jedoch teilweise den mangelnden Realismus, wie in der Folge Henrys Wald, in der Bäume zu nahe an den Gleisen stehen würden. Ein Lokführer lasse seine Lokomotive zudem nicht einfach auf der Strecke herumfahren, ohne den Fahrdienstleiter zu informieren. Auch verlief später die Folge Rusty hilft (Rusty to the Rescue) nicht wie die Originalgeschichte, die sich an der Geschichte des echten Stepneys orientierte.

Nach den ersten zwei Staffeln wurde Ringo Starr als Erzähler durch Michael Angelis ausgetauscht, welcher der Serie bis zur 16. Staffel in seiner Rolle erhalten blieb. Für die amerikanische Version sprach weiterhin George Carlin.

Staffel 3 war außerdem die erste Staffel, in der Mike O’Donell und Junior Campbell neben der Musik auch einen Song komponierten: Thomas, We Love You (auch bekannt als Thomas’ Anthem). Er wurde von einem Kinderchor gesungen und die Melodie basiert auf Thomas’ Theme, welches in den Episoden spielte.

Obwohl Thomas die Titelfigur der Serie ist, wurden erst mit der dritten Staffel mehr Episoden mit ihm als Protagonist produziert. Dies wurde ebenso von Awdry kritisiert, da Thomas eigentlich auf seiner Nebenstrecke arbeiten sollte, aber in einigen Geschichten auch etwa auf der Hauptstrecke fährt, nur um vorkommen zu können. Auch weil viele Geschichten sehr frei adaptiert wurden, sah Awdry die TV-Serie ab Staffel 3 nicht mehr als sein Werk an.

1995: Schmalspurloks und Logikprobleme Die vierte Staffel von 1995 stellte mehr neue Figuren vor als jede andere Staffel vor oder nach ihr. Unter anderem thematisierte sie die Schmalspurloks der Skarloey Railway, die die ersten 15 Episoden für sich beanspruchten. Dafür wurden nahezu alle Bücher über die Schmalspurloks zu der Zeit auf einmal verfilmt. Im Gegensatz zur literarischen Vorlage sind die Loks zur besseren Unterscheidung verschieden bemalt und nicht alle in Rot mit blauen Streifen. Dies sorgte für ein kleines Problem in der Episode Keine Lust auf Arbeit (Trucks!), in der die Lokomotive Peter Sam von den Güterwagen mit Sir Handel verwechselt wurde, obwohl sie in der Adaption andere Farben haben und dadurch leicht zu unterscheiden sind.

Weiterhin wollte Allcroft die in den Büchern männliche Diesellok Rusty geschlechtsneutral gestalten, weshalb die Dialoge so geändert wurden, dass Rusty nie mit geschlechtsspezifischen Pronomen angesprochen wird. Dies wurde in späteren Staffeln jedoch wieder verworfen.