Das Historische Museum der Pfalz in der rheinland-pfälzischen Bischofsstadt Speyer in unmittelbarer Nähe des romanischen Kaiserdoms besitzt etwa eine Million Exponate (Stand 2018). Es wurde 1910 eröffnet.

Das Museum gehört mit jährlich über 200.000 Besuchern (pandemiebedingt 2020 nur 100.000) zu den Attraktionen der Stadt, die jährlich zwei Millionen Touristen verzeichnet. Mit seinen reichhaltigen Sammlungen, den Dauerausstellungen und den thematisch vielfältigen Sonderausstellungen zählt es zu den bedeutendsten historischen Museen in Deutschland.

Geschichte Vorläufer des Museums war die von Regierungspräsident Joseph von Stichaner initiierte und von dem Regierungsbaubeamten Johann Philipp Mattlener 1826 beim Dom errichtete Antikenhalle, in der vor allem steinerne Objekte gezeigt wurden, während die übrigen im Rathaus lagerten. Auch das Heidentürmchen wurde einige Male genannt, es dürfte aber lediglich als Magazin gedient haben. mini|Bau des Museums, Richtfest 1908 mini|Foto von der Einweihungsfeier 1910 Im Jahr 1869 wurden die Sammlungen des Historischen Vereins der Pfalz, des Rheinkreises, der Pfalz (Bayern) und der Stadt Speyer zur umfassenden Darstellung der Geschichte der Pfalz vereint und in sechs Räumen im Ostflügel des dritten Geschosses des 1866/67 auf dem Areal des Augustinerklosters (Speyer) errichteten Schulgebäudes am Siebertplatz (heute Willy-Brandt-Platz) ausgestellt, an dessen Stelle sich heute eine Hauptstelle der Sparkasse Vorderpfalz befindet. 1873 wurden einige Objekte aus der Antikenhalle in Kellerräume des Schulgebäudes gebracht, aber bereits kurz darauf auf dem Hof aufgestellt, da die Kellerräume wohl an Privatpersonen vermietet worden waren. 1874 wurden die Objekte in die ehemalige Werkstatt der Schule gebracht. Gleichzeitig wuchs die in der dritten Etage ausgestellte Sammlung, sodass sie sich schließlich über das gesamte Geschoss des Ostflügels erstreckte. Daraufhin ließ die Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft des Doms auf dem Areal einer ehemaligen Kaserne das heutige Gebäude nach Plänen des Architekten Gabriel von Seidl (1848–1913) errichten; das Richtfest fand im Jahr 1908 statt. Ende 1909 zogen die Sammlungen in das neue Gebäude um, das 1910 eingeweiht wurde. Nach rund 80 Jahren erhielt das Museum im Jahr 1990 einen Anbau.

Die Stiftung Historisches Museum der Pfalz Speyer wurde 1985 Träger des Museums. Stifter sind der Bezirksverband Pfalz, die Stadt Speyer, das Bistum Speyer, die Evangelische Kirche der Pfalz, das Land Rheinland-Pfalz und der Historische Verein der Pfalz.

Die Direktoren des Museums waren immer Wissenschaftler, die verschiedene Richtungen vertraten: Meinrad Maria Grewenig ist Kunsthistoriker, Cornelia Ewigleben ist Archäologin, Alexander Koch war Prähistoriker. Nachfolger Kochs wurde der Archäologe Eckart Köhne, zuvor Leiter des Rheinischen Landesmuseums in Trier, der 2014 nach Karlsruhe wechselte. Ihm folgte der Historiker Alexander Schubert, der zuvor als Wissenschaftlicher Direktor an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim tätig war.https://www.mannheimer-morgen.de/metropolregion_artikel,-speyer-historisches-museum-in-speyer-fast-auf-vor-corona-niveau-_arid,2168542.html

Die Umwandlung in eine Stiftung und der Ausbau des Museums mit einer Sonderausstellungsfläche von 1800 m² bildeten die Grundlagen für eine Neuorientierung des Museumskonzepts. Neben den traditionellen Aufgaben Sammeln, Bewahren und Forschen wurde mit einer konsequenten Besucherorientierung ein neuer Akzent gesetzt. Der Museumsbesuch soll für die Besucher ein besonderes Erlebnis sein, in dem Geschichte und Kultur spannend und lebendig dargestellt werden. Das Museum nimmt die Aufgaben eines Landesmuseums im Gebiet der Pfalz wahr und will zur Beschäftigung mit der Kulturgeschichte der Region im internationalen Kontext anregen.

In den kommenden Jahren ist eine umfangreiche Sanierung des Museums geplant.Auf rheinpfalz.de, abgerufen am 1. November 2022

Leitung (Direktoren) Historisches Museum der Pfalz Speyer Friedrich Sprater (1920–1949) Karl Schultz (1949–1977) Otto Roller (1977–1992) Meinrad Maria Grewenig (1992–2000) Cornelia Ewigleben (2000–2005) Alexander Koch (2005–2011) Eckart Köhne (2011–2014) Alexander Schubert (2014–2026), abgerufen am 14. April 2014. Simone Heimann (seit Mai 2026)

Besucherzahlen 2005: 157.333 2006: 191.201 2007: 240.000 2008: 200.000 2009: 210.000 2014: 243.743 2015: 252.537 2016: 160.982 2017: 180.586 2018: 199.307 2019: 180.962 2020: 100.186 (coronabedingte Schließung von 15. März bis 31. August und von 1. November bis 31. Dezember 2020) 2022: 91.000 (coronabedingte Einschränkungen) 2023: 175.000 (coronabedingte Einschränkungen bis März 2023) 2024: 140.000 (sanierungsbedingte Einschränkungen)Rund 150.000 sahen die PLAYMOBIL-Ausstellung in Speyer auf european-news-agency.de, abgerufen am 9. Mai 2025. 2025: über 150.000

Ausstellungsangebot Überblick mini|Museumsfassade zum Domplatz (2006) mini|„Rot Blau“, Lichtinstallation von Michael Seyl, 1998

Auf einer Fläche von fast 8000 m² präsentieren die Dauerausstellungen des Museums die Geschichte der Region von der Urgeschichte über die Römerzeit bis in die Neuzeit. Sonderausstellungen auf einer Fläche bis zu 2100 m² für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Familien beschäftigen sich mit Personen und Ereignissen von teilweise überregionaler bis globaler Bedeutung.

Sammlungsausstellungen Urgeschichte In der Ausstellung wird die 700.000 Jahre dauernde Urgeschichte in der Pfalz behandelt. Es werden dabei die kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in von den ältesten Spuren menschlicher Präsenz bis zum Vorabend der römischen Besetzung dokumentiert. Der Goldene Hut von Schifferstadt gehört zu den wichtigsten Exponaten dieser Ausstellung. Die Sammlungsausstellung Urgeschichte ist zurzeit wegen Umbaumaßnahmen bis auf Weiteres geschlossen (Stand: März 2023).

Römerzeit Die römerzeitliche Ausstellung gewährt Einblicke in die Zeit, in der die Römer das Gebiet der heutigen Pfalz beherrschten, das damals zur Provinz Obergermanien gehörte. Ein besonderes Objekt aus der Zeit des Kaisers Augustus ist der Kentaurenkopf aus Homburg-Schwarzenacker (um 10 v. Chr.). Die Sammlungsausstellung Römerzeit ist zurzeit wegen Umbaumaßnahmen bis auf Weiteres geschlossen (Stand: März 2023).

Neuzeit Die Sammlungsausstellung Neuzeit wird die pfälzische Geschichte von etwa 1500 bis um 1930 thematisiert. Den Kern der Dauerausstellung bilden das Frankenthaler Porzellan, die barocken Gemälde sowie die kostbaren Gewänder aus dem Nachlass der Familie Bassermann-Jordan sowie die schwarz-rot-goldene Fahne, die beim Hambacher Fest getragen wurde. Von hohem künstlerischen Rang sind die Werke des in Speyer geborenen Künstlers Anselm Feuerbach. Die Sammlungsausstellung Neuzeit ist zurzeit wegen Umbaumaßnahmen bis auf Weiteres geschlossen (Stand: März 2023).

Weinmuseum mini|hochkant|Weinmuseum, Römischer Wein, Speyer um 325 (Bodenfund 1867), gilt als ältester erhaltener Traubenwein der Welt Die Sammlung Weinmuseum zeigt einzigartige Exponate aus der Welt des Weins, unter anderem den ältesten je gefundenen Wein aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Sie geben einen Einblick in die Kulturgeschichte des Weinbaus und des Weinkonsums über einen Zeitraum von 2000 Jahren hinweg.

Der Historische Verein der Pfalz hatte 1983 bei einer Auktion den Hottenmann, eine rund 30 cm hohe Figur aus Nussbaumholz und Silber aus dem 16. Jahrhundert ersteigert und sie dem Historischen Museum der Pfalz für die Dauerausstellung im Weinmuseum übergeben. Im Jahr 2017 wurde es von bisher Unbekannten aus dem Museum entwendet; sein Wert wird (Stand Ende Juli 2019) auf mehr als 20.000 Euro geschätzt. Nachdem das Museum das Kunstwerk als gestohlen gemeldet hatte, stellte sich heraus, dass es vermutlich aus der Sammlung des Heinz Dietel stammte, dem es wiederum vermutlich zu DDR-Zeiten gestohlen wurde. Der Sohn des Sammlers, Matthias Dietel, kämpft um die Rückgabe des Kunstwerks oder um finanzielle Entschädigung. Der Historische Verein der Pfalz als Eigentümer des Objekts beruft sich darauf, dass das Objekt seinerzeit gutgläubig in der Auktion erworben wurde und der Entschädigungsanspruch nach geltendem Recht inzwischen verjährt ist.Andreas Förster: Diebe in Ost und West. In: Berliner Zeitung, 26. Juli 2019, S. 3.

Kreuz und Krone. Das Dom- und Diözesanmuseum Seit September 2022 wird unter dem Titel Kreuz und Krone die neugestaltete Sammlung des Dom- und Diözesanmuseums präsentiert.

Luther, die Protestanten und die Pfalz Gezeigt wird die Geschichte der Evangelischen Landeskirche der Pfalz. Die Präsentation spannt einen Bogen von der Vorreformation über den Reichstag zu Speyer 1529 mit der Protestation bis zur Gegenwart. Dargestellt wird der enge Zusammenhang zwischen der Entwicklung der evangelischen Kirche und der pfälzischen Geschichte.

Sonderausstellungen (Auswahl)

Das Reich der Salier 1024–1125 Die als Landesausstellung konzipierte Präsentation hatte einen schwierigen Vorlauf, erntete wegen ihrer Konzeption auch inhaltliche Kritik, erwies sich aber als Erfolg bei den Museumsbesuchern.Markus Clauer: Vor 28 Jahren wurde die zweifelhaft legendäre Salier-Schau in Speyer eröffnet. In: Die Rheinpfalz vom 23. März 2020; abgerufen am 24. September 2023.Sibylle von Roesgen u. a.: Das Reich der Salier 1024–1125. Katalog zur Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz. Thorbecke, Sigmaringen 1992. ISBN 3-7995-4140-3

Am Ball der Zeit – Deutschland und die Fußball-Weltmeisterschaften seit 1954 (2004) Zum 50. Jubiläumsjahr der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 präsentierte das Museum vom 31. Mai bis 17. Oktober 2004 einen Überblick über alle Fußball-Weltmeisterschaften von 1954 bis 2006 im Rahmen von Politik, Wirtschaft, Kultur und Zeitgeist. Ein speziell konzipierter Ausstellungsteil richtete sich an Kinder und Jugendliche. Die Ausstellung war ein Gemeinschaftsprojekt des Historischen Museums der Pfalz und des Deutschen Fußball-Bundes.

Geraubt und im Rhein versunken – der Barbarenschatz (2006) Vor über 1700 Jahren versank der Barbarenschatz von Neupotz in den Fluten des Rheins. In einem internationalen Projekt präsentierte das Museum gemeinsam mit Museen in Deutschland, Belgien und Luxemburg diesen Fund der Öffentlichkeit. Mit über 1000 Stücken – Sakralgerät, Waffen, Münzen, Werkzeugen, Boots- und Wagenzubehör sowie Tafel- und Küchengeschirr – aus Silber, Bronze, Messing und Eisen und einem Gewicht von mehr als 700 kg ist er der größte römerzeitliche Metallfund Europas. Zudem zeigte das Museum einen Nachbau eines voll beladenen römischen Transportwagens auf einem Plattbodenschiff. Außer dem Schatzfund von Neupotz wurden zahlreiche weitere Fundstücke gezeigt, darunter Weihgeschenke an die Götter, Votivbleche und Schmuck aus dem Beutefund von Hagenbach. Ein weiteres Exponat der Ausstellung war der Augsburger Siegesaltar, eines der wenigen erhaltenen Schriftzeugnisse über die Geschichte der Germaneneinfälle.

Dieses Sonderausstellung war bis 2015 europaweit auf Wanderschaft und war in Römisches Museum Augsburg,, auf yumpu.com im Musée National d'Histoire et d'Art Luxembourg, Rheinisches Landesmuseum Bonn,, auf yumpu.de Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Museum und Park Kalkriese, Museumszentrum Mistelbach, Archäologisches Museum Alicante und im Knauf-Museum Iphofen zu sehen.

Attila und die Hunnen (2007) Auf rund 1800 m² Ausstellungsfläche präsentierte das Museum die Geschichte und die Kultur der Hunnen. Dem Besucher wurde mittels Rekonstruktionen, Hands-on-Objekten und mit dem Einsatz Neuer Medien das nomadische Leben der Hunnen gezeigt: ein überfallenes römisches Kastell, eine kirgisische Jurte. Zahlreiche Leihgaben aus dem In- und Ausland sowie aufwändige Inszenierungen ergänzten die Ausstellung.

Samurai (2008)