Osnabrück Hauptbahnhof ist der Hauptbahnhof der niedersächsischen Stadt Osnabrück. Er wurde 1895 als heute einziger in Niedersachsen noch existierender Turmbahnhof in zwei Ebenen konzipiert und dient als Knotenpunkt für den Fern- und Regionalverkehr, der täglich von 20.000 Reisenden und Besuchern genutzt wird.
Geschichte des Bahnhofs mini|Blick aus dem Bahnhofsgebäude auf den Bahnhofsvorplatz um 1900 mini|Wartesaal der 1. und 2. Klasse im Jahre 1925 mini|Bahnsteigszene (Bahnsteig 2/3) im Jahr 1952
Der Hauptbahnhof Osnabrück wurde am 24. April 1895 als „Centralbahnhof“ durch Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet. Hier überquerte mit 5,85 Metern Höhenunterschied die Hamburg-Venloer Bahn die Hannoversche Westbahn, weshalb man sich für die Bauform eines Turmbahnhofs entschied.Garrelt Riepelmeier: Die „Rollbahn“ und ihre Stationen. Band 2, S. 29. Er ersetzte den westlich liegenden Hannoverschen Bahnhof an der Bahnstrecke Löhne–Rheine sowie den knapp nördlich des neuen Bahnhofs liegenden Bremer Bahnhof an der Bahnstrecke Bremen-Münster. In dem nun dem Hauptbahnhof angegliederten Bremer Bahnhof fanden nach einem ersten Test 1907 im Bahnhof Ibbenbüren weitere Versuche zur Entwicklung des Bremsprellbocks statt. Diesen hatte der Osnabrücker Ingenieur Franz Rawie zuvor entworfen und patentieren lassen.
Bis zur Höherlegung der Bahnstrecken ab 1904 befand sich die Stadt in einer als Eiserner Ring betitelten Einkreisung durch die verschiedenen Bahnstrecken, welcher durch die zahlreichen Bahnübergänge den Straßenverkehr stark beeinträchtigten. Nördlich des Hauptbahnhofs am Bremer Bahnhof befand sich der Bahnübergang der Buerschen Straße, welcher durch die zahlreichen Züge, aber auch durch Fahrten zum Bahnbetriebswerk Kamerun im Schinkel häufig und lange geschlossen war. 1911 wurde begonnen eine Einschnitt durch den hier liegenden Klushügel zu graben, da eine Höherlegung der Bahnstrecke aufgrund des Klushügels nicht möglich war. Erschwerend kam hinzu, dass der Bremer Bahnhof noch als Güter- und Rangierbahnhof genutzt wurde und deshalb erhalten werden musste. So wurde der Einschnitt in S-Form um den Bremer Bahnhof durch den Klushügel gegraben und im Mai 1913 dem Verkehr übergeben. Der als Osnabrücker Grand Canyon betitelte Einschnitt wird später auch als Einstieg in Luftschutzstollen verwendet und wird noch heute durch die Buersche Straße genutzt. Ebenfalls 1913 wurde der Unterführungstunnel zu den Bahnsteigen der oberen Ebene angelegt. Der zuständige Oberbaurat der Eisenbahndirektion Schellenberg ließ während dieser Baumaßnahmen auch die Schalterhalle und Wartesäle neu ordnen.
Die Tecklenburger Nordbahn konnte nach der Umspurung der Strecke ab dem 30. März 1935 mit Personenzügen bis zum Hauptbahnhof verkehren. Der Personenverkehr auf dieser Strecke wurde zwischen Osnabrück und Mettingen zum 25. September 1965 aufgegeben.
Die Bundesbahn beschloss 1963 ein großes Modernisierungsprogramm für den Osnabrücker Hauptbahnhof. Dieses mit 40 Millionen DM ausgelegte Programm umfasste die Elektrifizierung der großen Hauptstrecken und die Modernisierung der Stellwerke. Der Bau des Zentralstellwerkes „Of“ (Osnabrück-Fahrdienstleitung) wurde im August 1963 begonnen, die Inbetriebnahme des Stellwerkes erfolgte am 4. September 1966. Dieses Stellwerk ersetzte zehn kleinere Stellwerke rund um den Hauptbahnhof. Im und um den Osnabrücker Hauptbahnhof verschwanden durch das neue Spurplan-Drucktasten-Stellwerk auch die Formsignale, die durch Lichtsignale ersetzt wurden.
Eine Woche nach der Inbetriebnahme des neuen Zentralstellwerkes erreichte am 12. September 1966 der erste mit einer Elektrolokomotive bespannte Zug aus Richtung Münster die Stadt. Er wurde am Gleis 1 von Ferdinand Erpenbeck sowie dem Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm in Empfang genommen, welche mit ihm die Eröffnungsfahrt nach Münster unternahmen. Der nördliche Teil der Rollbahn in Richtung Bremen wurde 1968 elektrifiziert, die Bahnstrecke Löhne–Rheine erfolgte am 29. September 1974 in Richtung Rheine und am 30. Mai 1976 in Richtung Löhne. Das Dampflokzeitalter endete in Osnabrück 1977 mit Umstellung der letzten Züge auf Diesel- bzw. Elektrobetrieb.
Zum 1. Juni 1984 wurde der Personenzugverkehr nach Bielefeld über den Haller Willem eingestellt.
Seit 2000 mini|Hauptbahnhof und Theodor-Heuss-Platz mit Busbahnhof, im Vordergrund ein nicht mehr vorhandenes Wasserbecken mini|hochkant|Von 1966 bis 2023 war das Stellwerk „Of“ für den Fahrbetrieb des Bahnhofs zuständig
Seit dem 1. November 2001 kann das neu errichtete Parkhaus Bahnhofsgarage genutzt werden, das auch einen Zugang zum Gleis 1 besitzt. Für 20 Millionen DM wurde das 700 Stellplätze fassende Parkhaus vom städtischen Parkraumbetreiber OPG errichtet.Parkplätze mit direktem Anschluss an Gleis 1. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 12. November 2001, abgerufen am 29. Oktober 2018.
Im Rangierbahnhof im Fledder kam es am 16. Februar 2002 um 1:30 Uhr aufgrund eines Schienenbruchs zu einer Entgleisung eines Güterzuges. Ein Kesselwagen mit 60 Tonnen Acrylnitril schlug Leck und entzündete sich. Erneut entgleiste am 17. März 2004 ein Güterzug im Bahnhof, jedoch nun auf der oberen Ebene im Schinkel. Auch dieses Mal geriet ein Kesselwagen in Brand und musste gelöscht werden.
Der 1984 eingestellte Personenverkehr über den Haller Willem wurde nach der erfolgreichen Reaktivierung zum 12. Juni 2005 wieder aufgenommen.
Vor dem Katholikentag 2008 in Osnabrück wurden Aufzugsanlagen angelegt, die zu den Bahnsteigen führen. Zuvor gab es für die unteren Bahnsteige nur Gepäckaufzüge, die nun durch neue Personenaufzüge ersetzt wurden. An den oberen Bahnsteigen gab es vor den Aufzügen nur Gepäckbänder, die zum Gleistunnel führten. Sie wurden entfernt, als die Aufzüge montiert wurden.Bis zum Kirchentag barrierefrei. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 19. Dezember 2007, abgerufen am 29. Oktober 2018.
Im Rahmen des Konjunkturprogramms 1 wurde das Bahnhofsgebäude im Jahr 2010 saniert. So wurden in Absprache mit dem Denkmalschutz weiße Kunststofffenster durch braune Holzfenster ersetzt. Diese Holzfenster entsprechen nicht nur dem ursprünglichen Aussehen des Bahnhofs, sondern erfüllen auch moderne Energiesparauflagen. Auch der Innenraum der Bahnhofshalle sowie die Säulen in der Halle erhielten einen neuen Anstrich.Frische Farbe für den Bahnhof. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 7. Juli 2010, abgerufen am 29. Oktober 2018.
Das Drucktastenstellwerk Of von 1966 ging am 21. Oktober 2023 außer Betrieb. Es wurde durch die neuen elektronischen Stellwerke „Osnabrück Hbf ESTW I“ für die obere Ebene und „Osnabrück Hbf ESTW II“ für die untere Ebene ersetzt.Eintrag für Osnabrück Hbf bei stellwerke.info, abgerufen am 26. Mai 2026.
Anlage
In der oberen Ebene verläuft von Nordosten nach Südwesten die zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn Hamburg – Bremen – Ruhrgebiet (Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg), die sich mit der in der unteren Ebene von West nach Ost verlaufenden zweigleisigen, elektrifizierten Hauptbahn Amsterdam – Hannover – Berlin (Bahnstrecke Löhne–Rheine) kreuzt. Über einen Ring sind die Gleise der oberen und unteren Bahnsteige über den Stadtteil Schinkel miteinander verbunden.
Außerdem zweigen zwei nicht elektrifizierte, eingleisige Strecken ab. Die eine in Richtung Südosten nach Bielefeld (Bahnstrecke Osnabrück–Bielefeld), die andere in Richtung Norden. Diese gabelt sich in Hesepe in zwei Strecken: einerseits die Strecke nach Wilhelmshaven über Cloppenburg – Oldenburg (Oldb) (Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück), andererseits die Strecke nach Delmenhorst über Vechta (Bahnstrecke Delmenhorst–Hesepe). Ferner zweigt bei Osnabrück–Eversburg die Bahnstrecke nach Westerkappeln–Recke ab.
Bahnhofsgebäude Das Bahnhofsgebäude wurde 1890–1894 u. a. von Friedrich Schultze geplant und gebaut. 1895 fertiggestellt, ist das Bahnhofsgebäude trotz starker Beschädigung im Zweiten Weltkrieg heute noch weitestgehend in seiner historischen Bausubstanz erhalten.
Die 14 × 28 m große Haupthalle besitzt an der zum Bahnhofsvorplatz gerichteten Südwestseite eine Rundbogenfenster-Schaufassade mit einer 64 m³ großen Fensterfläche.
Gastronomie
Der Bahnhofswirt Schorn richtete das damals als eine der besten Adressen der Stadt geltende Bahnhofsrestaurant Schorn’scher Speisesaal im neuen Bahnhof ein. Heute befindet sich hier ein Wartesaal.
Gleisaufteilung mini|hochkant|Hauptbahnhof Osnabrück, Wasserturm
Obere Ebene, Personenverkehr Gleise 1–5 Gleis 1: ERB nach Münster (Westf) (RB 66); Ankunft RE 9 von Bremen/Bremerhaven Gleis 2: Fernzüge Richtung Ruhrgebiet Gleis 3: Fernzüge nach Hamburg, Intercity Münster–Berlin, Ankunft RB 66 von Münster (Westf.) Gleis 4: RE nach Düsseldorf (RE 2) Gleis 5 Süd: NWB nach Halle (Westf.) und Bielefeld (RB 75) Gleis 5 Nord: RE nach Bremen/Bremerhaven (RE 9)
Außerdem sind noch drei bahnsteiglose Durchgangsgleise vorhanden.
Untere Ebene; Personenverkehr Gleise 11–14 Gleis 11: Fernzüge nach Hannover und Berlin, WFB nach Braunschweig (RE 60), RE nach Löhne (RE 62), ERB nach Herford und Bielefeld (RB 61) Gleis 12: Fernzüge nach Amsterdam, WFB nach Rheine (RE 60), RE nach Rheine (RE 62), ERB nach Hengelo (RB 61) Gleis 13/14: NWB nach Oldenburg und Wilhelmshaven (RE 18) sowie Vechta und Bremen (RB 58) (über Delmenhorst)
Es gab in der unteren Ebene (vor Gleis 11) auch noch ein Gleis mit einem Güterbahnsteig. Zusätzlich sind zwei Durchgangsgleise südlich der Bahnsteige vorhanden.
Alle Bahnsteige sind barrierefrei mit Aufzügen erreichbar. Die Empfangshalle verfügt über direkte Zugänge zu den Bahnsteigen der Gleise 1–5 durch einen Personentunnel. Die Bahnsteige der Gleise 11–14 (untere Ebene) sind über den Hausbahnsteig 1 mittels Treppen und Aufzügen erreichbar, zusätzlich gibt es direkte Treppenverbindungen für Umsteiger zwischen den anderen beiden Bahnsteigen der oberen mit denen der unteren Ebene.
Bahnhofsvorplatz Vor dem Bahnhof befindet sich der Bahnhofsvorplatz, welcher den Namen des ersten deutschen Bundespräsidenten, Theodor Heuss, trägt. Siehe Hauptartikel: Theodor-Heuss-Platz (Osnabrück)
Humboldtbrücke Im westlichen Bereich der unteren Ebene überquert die 100 Meter lange Humboldtbrücke die Gleise und Bahnsteige. Durch die nur für Fußgänger und Radfahrer nutzbare Brücke gelangt man von der Buerschen Straße auf den vor dem Bahnhof gelegenen Theodor-Heuss-Platz. Die nördliche Brückenseite endet auf dem höher gelegenen Klushügel, weshalb hier die Brücke ebenerdig betreten werden kann. An der Südseite, welche am Bahnhofsvorplatz liegt, muss ein Höhenunterschied durch die Treppe oder einen Aufzug überwunden werden. Bis kurz vor der Eröffnung des Aufzuges durch den damaligen Bürgermeister Boris Pistorius am 1. Dezember 2010 musste der Höhenunterschied mittels einer steilen Rampe oder einer alten Stahlbetontreppe überwunden werden. Die alte Treppe wurde durch eine moderne Stahltreppe, die Rampe durch einen Aufzug ersetzt.
Die 1990 aus Bongossiholz gebaute Brücke ersetzte eine im Jahr 1953 gebaute Brücke aus Spannbeton. Die Spannbetonbrücke, welche 1988 wegen Einsturzgefahr ersetzt werden musste, hatte wiederum bei ihrem Bau eine Vorkriegsbrücke aus Stahlbeton ersetzt.
Bei dem Bau der Holzbrücke 1990 versprach man sich durch die Nutzung des Tropenholzes eine längere Lebensdauer gegenüber einem Bauwerk aus Stahlbeton. Jedoch wurden keine vernünftigen Wasserableiter beim Bau berücksichtigt, so dass die Brücke aktuell erneut ersetzt werden muss. In Zukunft soll nun eine Edelstahlbrücke über den Gleisen verlaufen. Da bislang trotz der Möglichkeit des Anschlusses der Bahnsteige an die Brücke mittels einer Treppe dieses nicht erfolgt ist, soll dieses eventuell beim Neubau berücksichtigt werden. Dieses hätte den Vorteil, dass die Innenstadt von den Bahnsteigen 11/12 und 13/14 schneller zu erreichen wäre, da der Umweg durch das Bahnhofsgebäude entfiele.
Die neue Humboldtbrücke aus Stahl mit GFK-Gehwegoberfläche wurde am 4. März 2026 eröffnet.
Verbindungskurven