Kurtatsch an der Weinstraße ([]; italienisch: Cortaccia sulla Strada del Vino) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Südtirol (Italien). Kurtatsch zählt zu den an der Südtiroler Weinstraße gelegenen Dörfern im Unterland und ist eines der südlichsten Dörfer des deutschen Sprachraums.

Geografie mini|links|Kurtatsch mit dem dahinter aufragenden Mendelkamm von Nordosten aus gesehen Die Gemeinde Kurtatsch befindet sich im Unterland, einem Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols, auf der orografisch rechten (westlichen) Talseite. Der Hauptort, Kurtatsch (260–), liegt leicht erhöht am Hangfuß des Mendelkamms. Der darunterliegende und zum Gemeindegebiet gehörende Abschnitt der Talsohle, der im Norden an Tramin, im Osten an Neumarkt und im Süden an Margreid grenzt, reicht bis an die Etsch. Etwas südlich des Hauptorts liegt, ebenfalls nur wenig über dem Talboden, die Fraktion Entiklar (210–).

Höher gelegen und über die mittelgebirgigen Hangleisten des Mendelkamms verstreut erstrecken sich mehrere Gehöfte, Weiler und dörfliche Siedlungen, die zu weiteren vier Fraktionen gerechnet werden. Auf einem Hochplateau im Norden des insgesamt 30,19 km² großen Gemeindegebiets befindet sich Graun (790–); westlich oberhalb des Hauptorts und Entiklars liegen Hofstatt, eine Streusiedlung ohne echtes Dorfzentrum, und das auf Hangterrassen verteilte Penon (580–); im Süden des Gemeindegebiets schließlich erhebt sich der Fennberg, auf dessen nördlicher Plateauhälfte die Fraktion Oberfennberg (1160–) Platz findet. Die sich westlich über den Kurtatscher Siedlungsflächen erhebenden Höhen des zur Nonsberggruppe gerechneten Mendelkamms tragen die Grenze zum Trentino. Unter den wenig markanten Gipfeln dort bildet das Tresner Horn () den höchsten Punkt des Gemeindegebiets.

Geschichte Kurtatsch wird erstmals urkundlich im sogenannten Vigiliusbrief aus dem 11. Jahrhundert als „Curtasze“ genannt.Franz Huter: Der sogenannte Vigiliusbrief. Ein Beitrag zur Geschichte des älteren Urkundenwesens der Bischöfe von Trient. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 50, 1936, S. 35–72, Bezug S. 52 doi:10.7767/miog.1936.50.12.35. Die Herkunft des Namens Kurtatsch (vgl. lat. curtis: der Hof) wird von Fachleuten als eine Ansammlung höher gelegener Höfe angesehen.

Vorgeschichte 120px|rechts|Römerzeitliche Statue des Mercurius, die im Hof des Widums der Vigiliuskirche gefunden wurde Eine Reihe von Streu- und Lesefunden belegt eine Besiedlung einiger Plätze in der mittleren und späten Steinzeit. In der zeitweise zu Kurtatsch gehörenden Ortschaft Rungg wurde ein bronzezeitlicher Menhir gefunden, der auf das 3. Jahrtausend v. Chr. datiert wird und sich jetzt im Ferdinandeum in Innsbruck befindet. Vor dem Pflegeheim in Kurtatsch wurde ein Menhir-Rohling gefunden, auch in Graun weisen mehrere Schalensteine in die Bronzezeit. Der Kurtatscher Heimatforscher Luis Hauser fand in Fennhals einen Kupferschmelzplatz mit Schmelzöfen, der sich zeitweise im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen befand und nun teilweise im Museum Zeitreise Mensch in Kurtatsch ausgestellt ist.

Antike Auf dem Gebiet des heutigen Kurtatsch wurden zahlreiche römerzeitliche Funde gemacht, besonders auf dem Hügel der heutigen Pfarrkirche. Dort wurden Reste einer römischen Villa gefunden. Im Nockerischen fand man Holzteile eines Weinstocks, die auf das 3. Jahrhundert datiert wurden.

Spektakulär war der Fund eines Marmortorsos im Jahr 1860 im Lichthof des heutigen Widums. Die 68 cm hohe Statue stellt den römischen Gott Mercurius dar und befindet sich im Museum des Schlosses Buonconsiglio in Trient (zum Zeitpunkt des Fundes gehörte die Pfarrei Kurtatsch noch zum Erzbistum Trient). Der Statue wurden vermutlich im Zuge der Christianisierung Kopf und Hände abgeschlagen.Gemeinde Kurtatsch (Hrsg.): Kurtatsch und sein Gebiet im Wandel der Zeit. Mit Beiträgen von Johann Mayr, Veronika Gruber, Luis Hauser, Josef Nössing, Oswald Schiefer, Martin Schweiggl und Siegmund Schweiggl. Kurtatsch 1995, S. 84 (online).

Da sich unter dem Presbyterium der heutigen Pfarrkirche ein Säulenkreis mit einem Durchmesser von sechs Metern befindet, liegt die Vermutung nahe, dass die christliche Kirche auf einem römischen Tempel erbaut wurde.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 84. Gefundene Säulenstücke sind aus roten Marmor und haben einen Durchmesser von 32 cm.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 84. Wo sich heute der Pfarrsaal befindet, war früher ein Urnenfeld, wovon jedoch nur wenige Tonscherben zeugen.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 87. Bei der Errichtung des Parkplatzes neben der Pfarrkirche 1970 wurde ein römerzeitlicher Steinsarkophag gefunden. Ein römerzeitlicher Mühlstein befindet sich zurzeit im Stadtmuseum Bozen. Auch Münzen der makedonischen Könige Alexander der Große, Alexander IV., Philippus III. und Antigonus I. wurden ausgegraben.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 85.

Mittelalter Nach dem Zusammenbruch des West-Römischen Reiches war Kurtatsch um 580 Sitz einer langobardischen curtis. Es war damit auch Gerichtsort, dessen Bezeichnung als curtis regia auf den heutigen Ortsnamen überging. Ob der Ort eine langobardische Burg aufwies, ist nicht bekannt, genauso ob es im 6. Jahrhundert bereits eine arianische Kirche gegeben hat. Es dürfte zumindest ein Sitz des Langobarden-Herzogs Ewin von Trient gewesen sein. Hierauf weisen Grundmauerreste hin, die man beim Straßenbau fand.

mini|Pfarrkirche St. Vigilius Der Ort gehörte kirchlich wie eine Reihe anderer Orte an der Westseite des südlichen Unterlandes seit der Christianisierung zum Bistum Trient und war Bischofsland.Otto Stolz: Die Ausbreitung des Deutschtums in Südtirol im Lichte der Urkunden. 5 Bände. München-Berlin 1927–1932, Band 2, S. 111. Im Jahr 1328 ist die Vigiliuskapelle als Teil der Pfarre Kaltern („ecclesia et capela sancti Vigillii de Cortaz plebis Caldari“) bezeugt. Rätselhaft ist eine zweite frühe Kapelle, die Valentin von Rätien geweiht war. Valentin war ein Wanderbischof, der um 420 n. Chr. aus dem Norden kam, nach Trient gewandert ist und später in einer Klause bei Meran gestorben sein soll.Südtiroler Sagenschatz, Wahrheit und Sage (1949), S. 512 [Schlern Publ.]. Die Kapelle oder Kirche, die in einigen wenigen Urkunden genannt wurde, ist heute abgängig.

Im Jahre 855 wurde ein „predium in Lenticlare [heute Entiklar] … in Curtazze“ dem Bistum Trient zusammen mit anderen Gütern zwischen Tramin und Kurtatsch von einem Henericus geschenkt [TUB I/1, n. 13]. Zu dieser Zeit muss es bereits eine Kirche gegeben haben. Diese frühe Kirche geht auf die Gründung und Schenkung „ecclesia … ss. Quiricus et Jolitta de Tramino et Lenticlarum“ zurück, die von „Regineri et Heinricus f.c. comitis lege vivente Langobardorum“ durchgeführt wurde und deren Text sich in einer gefälschten Urkunde (um 1190) befindet. 1022 erschien in „Curtazze una ecclesia ad Curtasca et una ecclesia in Curono“ (Kurtatsch und Graun). Hieraus wird deutlich, dass zu dieser Zeit Graun ein Ableger der Kirche von Kurtatsch gewesen sein dürfte. Vermutlich im 11. Jahrhundert wurde die Kirche St. Vigilius errichtet, die 1337 das erste Mal erwähnt wird. Der Kirchturm ist romanisch. Die Kirche gehörte zur Pfarre Kaltern und wurde erst 1515 zu einer eigenen Pfarre erhoben.

mini|Ansitz Strehlburg, 1492 erstmals urkundlich erwähnt

Die Herrschaft übten seit dem 11. Jahrhundert die Bischöfe von Trient aus, die vom Kaiser damit belehnt worden waren.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 108. Während der Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Trient mit Meinhard II. besetzte dieser das Gebiet um Tramin. Dessen Söhne erstatten das Gericht Tramin 1307 dem Trientner Bischof zurück, das Gebiet um Kurtatsch blieb hingegen bei der Grafschaft Tirol und erhielt in Entiklar ein Gericht. Dieses wurde an unterschiedliche Familien verpfändet, ab 1564 wurde es vom Landesfürsten zentral verwaltet. Grundeigentümer waren im Spätmittelalter fast allein die Grafen von Tirol und die Bischöfe von Trient.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 111. Erst ab dem 14. Jahrhundert verkauften die Grundherren zunehmend Grundeigentum in Kurtatsch, womit die bauliche Entwicklung des Dorfes beginnt.

15. bis 17. Jahrhundert Im 15. und 16. Jahrhundert wurden mehrere stattliche Ansitze gebaut. Die Strehlburg wurde erstmals 1492 erwähnt und ist für ihren biblischen Freskenzyklus aus dem 16. Jahrhundert bekannt (Erschaffung Evas, Sündenfall, Urteil des Salomo, die drei Jünglinge im Feuerofen).Hanns-Paul Ties: Bildwelten des Adels. Wandmalereien der Spätrenaissance in Südtiroler und Trentiner Ansitzen (online). Im Ansitz Freienfeld befinden sich gut erhaltene Fresken mit Grotesken, Darstellungen der Metamorphosen des Ovid und dem Urteil des Paris.

1555 eskalierte ein jahrhundertealter Streit um die Weidenutzungsrechte auf der orografisch rechten Seite der Etsch, als 500 Leute von der rechten Seite der Etsch (Kurtatscher, Traminer und Kalterer) mit Spießen, Hellebarden, Seitenwehren und Büchsen bewaffnet gegen die Neumarktner aufmarschierten.Helmuth Gritsch (Hg.): Neumarkt an der Etsch. Verein für die Ortspflege Neumarkt, Neumarkt 1997, S. 133.

In den 1620er Jahren wurden mehrere Frauen und Männer als angebliche Zauberer und Hexen festgenommen, unter anderem Barbara Köll, die vom Kurtatscher Gericht als Hexe verurteilt wurde; sie wurde enthauptet und auf dem „Galgenackerle“ verbrannt.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 161–165.Heinz Tiefenbrunner: Über Hexenwesen und Hexenprozesse am ehemaligen Gericht Kurtatsch. Der Schlern. Bd. 67, 1993, S. 300–317. Der Schriftsteller Herbert Rosendorfer arbeitete diesen Fall in seinem Theaterstück „Die Hexe von Kurtatsch“ auf.theatertexte.de: Rosendorfer, Herbert: Die Hexe von Kurtatsch. Ein historisches Volksstück in 12 Szenen., 25. Januar 2011, abgerufen am 29. April 2026. Im 17. Jahrhundert was das Gebiet mehrmals von der Pest (Fleckfieber) und von Malaria betroffen.

18. und 19. Jahrhundert 1777 wurde das Kurtatscher Gericht mit dem Traminer Gericht vereinigt, der neue Gerichtsherr war der venezianische Graf Albrizzi, 1806 (bayrische Besetzung) wurde das Gericht dem Gericht Bozen zugeteilt, 1817 wieder selbstständig, und 1830 Kaltern zugeteilt. 1805 wurde Tirol Bayern eingegliedert. Nach dem Scheitern des Tiroler Volksaufstands gegen Bayern und das napoleonische Frankreich wurde das Gebiet des Unterlandes 1810 als Dipartimento dell'Alto Adige Teil des Königreiches Italien (bis 1813). Nach dem Fall Napoleons und der Neuordnung Europas wurde Tirol Teil des neuen österreichischen Kaiserreichs – das Heilige Römische Reich war zwischenzeitlich aufgelöst worden.Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 187. Die Grundherrschaft wurde 1849 aufgelöst.

Die Etschebene wurde in der Neuzeit radikal verändert: Während im Mittelalter Auen und Sümpfe die Ebene prägten, wurden die Flussläufe der Etsch im 18. und 19. Jahrhundert zurückgedrängt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Kalterer Abzugskanäle errichtet, gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Etsch begradigt. Aufgrund der Expansion des Obstanbaus in der Talsohle verschwanden im 20. Jahrhundert auch die letzten Auen.Georg Praxmarer: Landschaftsplan Gemeinde Kurtatsch. In: Beschlüsse der Landesregierung Nr. 1586 vom 13. Mai 2008, 13. Mai 2008, abgerufen am 24. Juni 2024. In den 1860er Jahren wurde entlang der Etsch eine Eisenbahnlinie gebaut.

20. und 21. Jahrhundert