Untervaz (, bündnerdeutsch oder ,Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 903. ) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden. Sie liegt in der Region Landquart.
Geographie mini|Historisches Luftbild von Werner Friedli (1970) Untervaz liegt acht Kilometer nördlich von Chur auf der linken Rheinseite am Fuss des Calanda am Ausgang des Tobels Valcosenz. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Rhein bis zum Grat der Bergkette, wo der Haldensteiner Calanda () den höchsten Punkt markiert. Neben dem eigentlichen Dorf umfasst die Gemeinde eine Reihe von Maiensässen am Calandahang.
Im Jahr 1997 wurden 40,0 % der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt, meist als Weideland. Der Wald nahm 46,9 % ein, die Siedlungen 4,8 %. Als unproduktiv galten 8,2 %.
Nachbargemeinden sind Landquart, Zizers, Trimmis, Chur sowie Pfäfers im Kanton St. Gallen.
Geschichte Uaze wird im Jahr 768 urkundlich erwähnt. Westlich des Dorfes, im Valcosenz, liegt die Ruine der Burg Rappenstein aus dem 13. Jahrhundert. Im Spätmittelalter gehörte das Dorf zur bischöflichen Herrschaft Alt-Aspermont, seit 1519 zum Hochgericht Vier Dörfer des Gotteshausbundes. Bis 1572 hatten die Untervazer sämtliche feudalen Rechte durch Geldzahlung abgelöst. 1577 erwarben sie auch die 2 km südöstlich des Dorfes auf einem Felskopf über dem Rhein gelegene Neuburg. 1611 wurde durch den evangelischen Bündner Pfarrer und Dekan Georg Saluz die Reformation eingeführt.Michael Valèr: Die evangelischen Geistlichen an der Martinskirche in Chur vom Beginn der Reformation bis zur Gegenwart, Manatschal & Ebner, Chur 1919. S. 68–76: Dekan Georg Saluz und die Reformation in Untervaz 1611 1612 kam es zu konfessionellen Unruhen, und 1622 wurde das Dorf teilweise rekatholisiert. 1646 wurde mit dem reformierten Igis eine gemeinsame kirchliche Versorgung eingerichtet, und erst 1710 konnten die Reformierten eine eigene Kirche, die reformierte Kirche Untervaz, bauen. Seit 1699 wurde die katholische Bevölkerungsmehrheit von Kapuzinern betreut.
Wappen
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1950 2000 2005 2010 2020 Einwohnerzahl 1097 940 1205 2093 2262 2378 2527
Wirtschaft mini|Am Alpenrhein: Holcim-Zementwerk In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich der Ort vom kleinen Bauerndorf zur Gemeinde mit Industrie, Gewerbe und Handel. In der Land- und Forstwirtschaft waren 77 Personen beschäftigt, im gewerblichen Bereich 280 und im Dienstleistungssektor 222 (Stand 2000–01). Grösster Industriebetrieb ist das zum Holcim-Konzern gehörende Zementwerk. In Untervaz befindet sich eine Basis der Schweizerischen Rettungsflugwacht. Die Schweizerische Post betreibt seit November 2020 ein regionales Paketzentrum in Untervaz.
Verkehr Ans Netz des öffentlichen Verkehrs ist die Gemeinde mit der Churer Stadtbuslinie 3 und der (jenseits des Rheins auf Trimmiser Boden gelegenen) Station Untervaz-Trimmis der Rhätischen Bahn angeschlossen.
Sehenswürdigkeiten mini|x230px|Schulhaus mini|Seniorenwohnheim
Unter Denkmalschutz stehen die katholische Pfarrkirche und die reformierte Kirche. Burgruine Neuburg 1980–1984: Schulhaus, Architekt Robert Obrist 2005: Seniorenwohnheim, Architekt: Hans-Ulrich Minnig
Persönlichkeiten Samuel Plattner (1838–1908), Jurist, Journalist und Bühnenautor Josef Hug (1903–1985), Korbflechter, Hausierer und Schriftsteller; stammte aus Untervaz
Literatur
Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band VII: Die Stadt Chur und der Kreis der fünf Dörfer (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 20). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948, . Uwe Winkler: Siedlungsinventar Untervaz. Text, Fotos, Pläne Heike Buchmann, Burgenverein Untervaz (Herausgeber), 2003.
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Untervaz Burgenverein Untervaz: Texte und Dokumente zur Dorfgeschichte
Einzelnachweise
Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ort am Alpenrhein Kategorie:Ort im Churer Rheintal