Die MD 900 Explorer ist ein achtsitziger, zweimotoriger Hubschrauber mit Turbinenantrieb des US-amerikanischen Herstellers MD Helicopters. Die United States Coast Guard nutzt das Modell unter dem Namen MH-90 Enforcer.

Geschichte Die ersten Studien des MD Explorers wurden von McDonnell Douglas im Februar 1988 als Typ MDX vorgestellt. Die Entscheidung zur Entwicklung wurde jedoch erst ein Jahr später getroffen. Die Serienausführung trug anfangs die Bezeichnung MD 900 bzw. MD 901/MD 902, die später in MD Explorer geändert wurde. Der erste Prototyp startete am 18. Dezember 1992 zu seinem Erstflug.

Der erste Serienhelikopter startete am 3. August 1994 und erhielt am 2. Dezember 1994 seine FAA-Zulassung. Im selben Monat erfolgte die erste Auslieferung. 1996 folgte die europäische Zulassung. Die erste Maschine des verbesserten Typs MD 902, der mit stärkeren Triebwerken, verbesserter Heizung und einem EFIS ausgerüstet und nachtflugtauglich ist, wurde im Mai 1998 nach Japan geliefert (Erstflug 1997). Im Januar 2000 waren 57 Maschinen der Serie im Einsatz.

Inzwischen wird auch eine bewaffnete militärische Variante als MH-90 Enforcer angeboten.

Technik Besonderheit dieses Typs ist der heckrotorlose Drehmomentausgleich nach dem NOTAR-Prinzip. Dadurch ist er besonders als Rettungshubschrauber geeignet, weil die Personengefährdung durch den Heckrotor beim Rettungseinsatz entfällt. Das NOTAR-System wird durch ein in der Wurzel des Heckauslegers installiertes Gebläse mit Druckluft versorgt. Dieses hat 56 cm Durchmesser und 13 verstellbare Blätter und wird durch das Hauptgetriebe angetrieben.Fliegerrevue April 2009, S. 99, Sammelserie – MD-900

Die Zelle und die fünf gelenklosen Rotorblätter bestehen weitgehend aus mit Kohlenstofffasern verstärkten Verbundwerkstoffen. Als Antrieb waren anfangs Triebwerke von Turbomeca geplant, was jedoch später zugunsten der gedrosselten, mit einem digitalen Steuersystem (FADEC-Full Authority Digital Engine Control) ausgestatteten Pratt & Whitney PW206A aufgegeben wurde. Als Landevorrichtung dient ein Kufenlandegestell.

Nutzer

Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen : Anlässlich der Weltausstellung EXPO 2000 beschaffte die Polizei Niedersachsen drei neue Hubschrauber des Typs MD 902 Explorer. Das Land investierte dafür insgesamt 30 Millionen DM in den Jahren 1999 bis 2000. Die Polizeihubschrauber flogen fortan unter den Rufnamen „Phoenix 91“, „Phoenix 92“ und „Phoenix 93“ (Kennzeichen: D-HPNA, D-HPNB und D-HPNC). Zwei Maschinen verunglückten 2007 und 2010. Insgesamt waren vier MD 902 im Dienst des Bundeslandes. Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg : In den Jahren 2001 bis 2003 wurde die gesamte Bo-105-/BK-117-Flotte durch insgesamt sechs MD 902 Explorer ersetzt. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-HBWG verunglückte über dem Engelsbrander Wald (Enzkreis) durch einen Pilotenfehler. Insgesamt waren sechs MD 902 bis 2016 im Dienst des Bundeslandes. ADAC Luftrettung: Von 1997 bis 2004 wurden zwei Maschinen (Kennzeichen D-HITH und D-HMDX) dieses Typs geleast. Stationiert waren die Maschinen unter anderem als Christoph 77 in Mainz und Christoph Hansa in Hamburg. Hubschrauber Sonderdienst (HSD): Von 1996 bis 2004 eine MD 900 (Kennzeichen D-HSDD) im Einsatz als Christoph Niedersachsen. Deutsche Rettungsflugwacht: Übernahme von 2004 bis 2009 der Maschinen des ADAC und des HSD. Am 11. März 2005 verunfallte die Maschine mit dem Kennzeichen D-HITH am Flughafen Hannover.

Versionen

MD 900 Explorer Erstes Serienmodell MD 901 Explorer Zivile Variante des Hubschraubers MD 902 Name der ersten verbesserten Variante, die auch mit neuen Motoren verfügbar ist. Sie verfügt weiterhin über zusätzliche Funktionen zur Motorisolierung und Änderungen am integrierten Instrumentenanzeigesystem. MH-90 Enforcer Bewaffnete Version für die United States Coast Guard MD 969 Combat Explorer Version als leichter Kampfhubschrauber

Technische Daten mini|MD 900 „D-HITH“ (DRF Luftrettung) mini|MD 902 Explorer „D-HPNA“ der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsenauf dem Flugplatz Bad Gandersheim Kenngröße Daten der MD 902 Explorer Besatzung 1–2 Passagiere 6–7; im Rettungseinsatz Arzt und 2 Tragen Rumpflänge 10,39 m Länge über alles 12,37 m (Rotor drehend) Breite Kabine (außen) 1,62 m in Höhe der Triebwerke 1,80 m mit Heckleitwerk 2,84 m an den Kufen 2,23 m Kabinengröße (L × B × H) 1,91 × 1,45 × 1,24 m Höhe 3,66 m Rotordurchmesser 10,34 m Außenlast 1360 kg (Anhängelast) Leermasse 1530 kg max. Startmasse 2948 kg (3130 kg mit Außenlast) Triebwerke 2 × Pratt & Whitney Canada PW206E mit je 373 kW Dauer- und 410 kW Startleistung Treibstoffvorrat 730 l Rotordrehzahl NR/100 % 392/min Höchstgeschwindigkeit 259 km/h Reisegeschwindigkeit 252 km/h max. Steigrate 10–14 m/s Dienstgipfelhöhe 4200–6100 m Reichweite 485–600 km

Siehe auch Liste der Hubschraubertypen

Weblinks

Hersteller-Homepage Detaillierte technische Beschreibung MD 900 Explorer in der Luftrettung

Einzelnachweise

Kategorie:Mehrzweckhubschrauber Kategorie:Erstflug 1992 Kategorie:Ziviler Hubschrauber