mini|Utagawa Hiroshige, Farbholzschnitt aus der Serie „Berühmte Ansichten von Kyōto“, um 1835 Die japanische Kunst umfasst eine große Bandbreite an Stilrichtungen, Medien und Ausdrucksformen. Internationale Bekanntheit erlangten dabei besonders die Schwertschmiedekunst, Töpferkunst, Skulpturen aus Holz und Bronze, Tuschemalereien auf Seide und Papier, Kalligraphien, Webkunst, Lackarbeiten und Farbdrucke. Die älteste Kunst ist die Keramik, die bis in das 10. Jahrtausend vor Christus zurückreicht.

Der japanischen Kunst liegen die besonderen Prinzipien der japanischen Ästhetik zu Grunde. Im Unterschied zur europäischen Kunst, die das dekorative „Kunstwerk an sich“ schätzt, war und ist japanische Kunst immer auch Gebrauchskunst: eine Teeschale wird erst dann wertvoll, wenn die Jahre der Verwendung ihr die nötige Patina gegeben haben. Auch die Vergänglichkeit der Kunst wird geschätzt: in einem Land, das so oft von Naturkatastrophen heimgesucht wird, ist nahezu jeder Tempel viele Male wieder aufgebaut worden, und es ist die Bewahrung der Handwerkskunst, nicht des Gebäudes, die die Tradition am Leben erhält. Noch deutlicher wird diese Philosophie in den kunstvoll hergerichteten japanischen Speisen, die die Mahlzeit nicht überdauern.

Geschichte

Historisch hat die Entwicklung der Kunst starke Wechsel erlebt, von Perioden, in denen Einflüsse von außen begeistert aufgenommen wurden und zu einer Vielzahl neuer Ideen, Synthesen und Stilrichtungen geführt hat, zu Phasen der Isolation und Abgeschiedenheit, in der das Bestehende überarbeitet und zur Perfektion gebracht wurde. Einflüsse von außen, ob aus China, Korea, Indien, ab dem 16. Jahrhundert Europa und in der Moderne den USA, wurden absorbiert, imitiert und assimiliert. Sie beeinflussten dabei japanische ästhetische Ideale und wurden von ihnen beeinflusst. Einen großen Schwung gab im 7. und 8. Jahrhundert die Einführung des Buddhismus, die sich unter anderem auf Tempelbau, Skulptur und Dichtkunst auswirkte. Im 9. Jahrhundert, nach der Abkehr von China, wurden die säkularen Künste wichtiger. Am Hof der Heian-Zeit kam die Kunst zu einer ersten Blüte. Mit dem Aufstieg des Kriegeradels entstand unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus ab dem 13. Jahrhundert ein neues ästhetisches Ideal, dass sich an Schlichtheit, Harmonie und Vergänglichkeit orientierte.

Im 15. und 16. Jahrhundert geriet das Land in politische Unruhe. Mächtige Daimyō rangen um die Vorherrschaft im Land, und gleichzeitig kamen mit den Europäern neue Ideen ins Land, allen voran das Christentum. Es war eine Zeit, in der viel Neues geschaffen, aber auch viel Altes zerstört wurde. Erst mit dem Sieg der Tokugawa kehrte in der Edo-Zeit wieder Ruhe ein, bis hin zur völligen Isolation des Landes. In den aufblühenden Städten entstand eine eigene Kunst, vor allem das Kabuki-Theater und die Ukiyo-e (Farbholzschnitte). Zuerst stand sie in Konkurrenz zur Kunst der Samurai, im 18. und 19. Jahrhundert verschmolzen beide Richtungen jedoch immer mehr.

Erst mit der Öffnung Japans und der Meiji-Restauration kam eine neue Welle der Umwälzungen. Die traditionelle japanische Kunst sah sich nun der Konkurrenz europäischer Werke ausgesetzt. Dabei entstanden sowohl Stilrichtungen, die sich völlig vom alten abwandten und europäische Kunst imitierten, als auch solche, die die Tradition bewahren wollten und den modernen Zeiten anpassen. Im frühen 20. Jahrhundert kam gleichzeitig in Europa das Interesse an japanischer Kunst auf, in einer Stilrichtung, die Japonismus genannt wird.

Jōmon-Kultur links|mini|150px|Figur aus der Jōmon-Zeit Die so genannte Jōmon-Kultur, begründet durch die ersten Siedler in Japan, bestand während der Jōmon-Zeit, ungefähr von 11.000 v. Chr. bis 300 v. Chr. Die vorhergehende paläolithische Kultur weist keine künstlerische Bearbeitung von Werkzeugen o. Ä. auf. Die frühesten Formen, die auf künstlerische Tätigkeiten in Japan hindeuten, finden sich in der neolithischen Keramik. Die hergestellten Gefäße waren für den praktischen Gebrauch bestimmt, da die Menschen dieser Zeit Jäger und Fischer waren. Die am häufigsten verwendeten Verzierungen waren Matten- bzw. Schnurabdrücke (jap. Jōmon) auf Gefäßen. Die Keramik wurde daher mit einfachen Linienmustern geschmückt, die mit dem Fingernagel oder mit Hilfe von Matten eingedrückt wurden. Sie ähneln stark der koreanischen Kamm-Keramik, während Werkzeugfunde Ähnlichkeiten mit Funden aus Sibirien, der Mongolei oder Nordchina aufweisen. Seit der mittleren Jōmon-Zeit wurden vermehrt Figuren gefunden, die wohl allgemein als Schutzfiguren oder zur Heilung von Kranken dienten. Einige Figuren deuten auf einen Fruchtbarkeitsritus hin, der erkennen lässt, dass die Menschen neben der Jägerei nun auch Ackerbau betrieben haben. Ausgehend von der einkehrenden Sesshaftigkeit breiteten sich flache, schwach gebrannte Tonschalen aus, die vollkommen mit Linienmustern überzogen waren. Gegen Ende der Jōmon-Zeit wurden die Gefäße kleiner und zuweilen schwarz poliert oder rot bemalt. Die Figuren, Dogū genannt, waren z. T. sehr abstrakt und stellten nun Menschen als auch Tiere dar. Dabei waren sie nur für die Vorderansicht konstruiert, sodass sie von der Seite betrachtet eher flach waren.

Yayoi-Kultur mini|Gefäß aus der Yayoi-Kultur Die Yayoi-Kultur entstand aus der nachfolgenden Immigrantenwelle. Sie wurde nach einem Vorort in Tokio benannt, wo Reste von Yayoi-Siedlungen als erstes gefunden wurden. Die Kultur existierte von 300 v. Chr. bis ca. 300 n. Chr., während der nach ihr benannten Yayoi-Zeit. Während dieser vollzog sich auch der Übergang zur Metallzeit. Die Menschen der Yayoi-Zeit waren aus Zentral- und Nordchina über Südkorea nach Japan gekommen. Sie brachten das Wissen vom Reisanbau mit, daher siedelten die Menschen an den Flüssen im Norden Kyūshūs, um in günstigen Regionen Reis anzubauen. Von dort breiteten sie sich über den Westen von Honshū bis hin zum so genannten Kinai-Bezirk aus (in der Region von Nara und Osaka). Hier wurden Dorfanlagen entdeckt, die zeigen, dass die Menschen in Häusern auf Pfählen, die mit Pflanzenmaterial bedeckt waren, gelebt haben. Durch anhaltende Beziehungen zum Festland gab es in dieser Zeit neben verbesserten Stein- und Holzwerkzeugen nach koreanischem Vorbild auch Geräte aus Bronze oder Eisen. Diese kopierte man zunächst in Ton und Stein, aber bald darauf waren die Menschen schon in der Lage, selbst Metall zu schmelzen. So sind z. B. steinerne Gussformen gefunden worden, die das belegen. Es wurden Waffen, Schilde und Werkzeug, aber auch seit der mittleren Yayoi-Zeit bronzene Glocken, Dotakus, gegossen. Die Glocken fand man vor allem im Westen von Honshū und auf Shikoku. Ähnliche Glocken gab es in China, wo sie bei Ritualen geschlagen wurden. Die japanischen Glocken waren unten ellipsenförmig und flach und ihre Oberfläche wurde durch Sägezahn- oder Netzwerkstreifen in Felder gegliedert, die mit feinen Binnenzeichnungen versehen waren. Es wurden Tiere oder Pflanzen im Relief dargestellt, es sind aber auch Glocken mit Hausmodellen und Arbeitsszenen gefunden worden. Seit der Yayoi-Zeit gab es auch Bronzespiegel, also blanke Metallscheiben, die auf einer Seite stark verziert waren. Sie kamen ebenfalls aus China auf die Insel und orientierten sich hier stark an ihren Vorbildern. Die Verzierungen waren anfangs eher in Gestalt geometrischer Ornamente, später wurden auch Tiere und Gottheiten eingeritzt. Seit dem 8. Jh. wurden diese Spiegel als Machtsymbole verwendet. Die Jomon-Keramik wurde durch die Yayoi-Keramik abgelöst, wobei festländische Formen als Vorbilder fungierten. So entstanden Krüge mit weiter Öffnung oder engem Hals, Deckelgefäße und Schalen auf hohem Fuß. Diese Keramik war im Gegensatz zu der oft stark überladenen Jomon-Keramik fast ohne Muster oder trug nur sparsam eingeritzte Ornamente. Je weiter sich die Yayoi-Kultur ausbreitete, desto mehr veränderten sich die Formen. Im Osten des Landes verschmolz sie sehr stark mit der Jomon-Kultur. Die kleinen Figuren der früheren Kultur verschwanden, stattdessen wurden in Gräbern mit Gesichtern verzierte Krüge gefunden. Wissenschaftler vermuten in ihnen Urnen, die aus dem koreanischen Totenkult übernommen worden sind.

Kofun-Zeit links|mini|150px|Eine Haniwa-Figur aus der Kofun-Zeit Die Kofun-Kultur bestand zwischen dem 3. und dem 7. Jh. unserer Zeit. Mit Hilfe der verbesserten Landwirtschaft durch die neuen Geräte aus Metall bildete sich in der Kofun-Kultur ein Stammesadel heraus. Einzelne Stämme schlossen sich anschließend zu Stammesverbänden zusammen, von denen im 4. Jh. das zentraljapanische Yamato die Herrschaft erlangte. Mit Korea wurde ein steter Austausch an Handwerkern gefördert, der in der 405 erfolgten Entsendung des Schriftgelehrten Wani gipfelte. Dieser führte die chinesische Schrift offiziell in Japan ein. Außerdem gelangten die ersten buddhistischen Ideen auf die Inseln. Auch die Bestattungsbräuche änderten sich. Nachdem sich das Stammessystem gefestigt hatte, ging man dazu über, über den Gräbern von Häuptlingen Hügel zu errichten. Diese begründeten die „Zeit der alten Grabhügel“, Tumuli oder japanisch Kofun genannt (250–552 n. Chr.). Die Hügel waren entweder rund, rechteckig oder pyramidenförmig und hatten eine runde Kuppel. Als Grabbeilagen dienten vor allem die Bronzespiegel der Yayoi-Zeit, aber auch Armbänder aus Muscheln, Geräte aus Holz sowie Geräte aus rotem Ton, die so genannte Haji-Keramik, die sich an die Keramik der Yayoi-Zeit anschloss.

mini|Daisenryō-Kofun, das Grab von Kaiser Nintoku in Sakai (5. Jahrhundert) In der mittleren Kofun-Zeit (5. Jahrhundert) hatte sich der Yamato-Staat kriegerisch weiterentwickelt. Es gab jetzt eiserne Schwerter sowie Rüstungen, die vereinzelt auch mit Gold- und Silber verziert worden sind. Die Gräber nahmen gewaltige Ausmaße an, sie konnten bis 400 m lang und 30 m hoch sein. Es setzten sich die Schlüsselloch-Gräber durch, die von Wassergräben umgeben waren, wie das Daisenryō-Kofun des Kaisers Nintoku in Sakai, Präfektur Osaka. Auch die Verwendung der Haniwa nahm zu. Das waren Tonröhren, die eine Art Mauer um ein Grab bildeten. Sie wurden mit Aufsätzen ergänzt, die Tiere (z. B. Pferde oder Wasservögel) darstellten. Mitte 5. Jh. wurde auch ein ganzes Grabgeleit, bestehend aus Bauern, Priestern, Tänzern, Kriegern usw. aus Ton für hochrangige Personen dazugegeben. Diese zum Teil mannshohen Figuren wurden aus rotem Ton gebildet und sind manchmal auch zweifarbig gewesen und mit Mustern versehen worden. Sie geben oft ein historisch genaues Bild von Kleidung, Schmuck und Bewaffnung der Menschen ab. An einem Grab konnten hunderte dieser Figuren stehen, die allerdings nicht so fein ausgearbeitet sind wie etwa die Terrakottaarmee des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi, da sie grundlegend aus Tonrohren bestanden. Sie sind die vielleicht am wenigsten von Kontinent beeinflussten Kunstschöpfungen der Kofun-Kultur. Im Norden Kyushus etablierten sich andere Bestattungsformen. Dort waren Gräber mit Wandmalerei und unterirdischen Gängen üblich.

Asuka-Zeit (552–710) 120px|mini|Statue des Prinzregenten Shōtoku in Asuka-dera bei Nara