Die Schmerlenwelse (Trichomycteridae (Gr.: thrix, trichos = Haar, mykter, -eros = Nase)) sind eine artenreiche Familie der Welsartigen (Siluriformes). Sie kommen in Costa Rica, Panama und im größten Teil Südamerikas vor.
Merkmale Ihr Körper ist schlank, langgestreckt und ähnelt in der Form dem zahlreicher Schmerlenfische. Er ist schuppenlos und erreicht Längen von 1,5 bis 30 cm. Der Schädel ist im Allgemeinen keilförmig und läuft nach vorne spitz zu. Auf dem Maxillare sitzen normalerweise zwei Bartelpaare, der Unterkiefer ist immer ohne Bartel. Eine Fettflosse ist nur bei der Unterfamilie Copionodontinae vorhanden. Die Schwimmblase liegt in einer Knochenkapsel. Die Bauchflossen fehlen bei drei Taxa: Eremophilus, Miuroglanis und den Glanapteryginae.
Ein Merkmal, das die Trichomycteridae von allen anderen Welsartigen und von allen anderen Knochenfischen unterscheidet, ist der hoch spezialisierte Kiemendeckel. Durch die Bedornung von Operculare und Interoperculare ist es den Schmerlenwelsen möglich zu klettern und extreme Lebensräume zu besiedeln oder eine parasitische Lebensweise anzunehmen.
Lebensweise Die meisten Schmerlenwelse leben sehr versteckt, sie haben auch für Fische ungewöhnliche und extreme Lebensräume besiedelt. Viele Arten aus den Unterfamilien Glanapteryginae und Sarcoglanidinae leben im Bodengrund ihrer Wohngewässer, im Sediment oder in der Laubstreu. Die Unterfamilie Trichomycterinae kommt von Meeresspiegelhöhe bis in 4500 Metern Höhe in den Anden vor. Sie können auch senkrechte Wasserfälle hinaufklettern, indem sie ihre Kiemendeckeldornen als Halteorgane benutzen. Die Gattung Trichomycterus lebt in Stromschnellen. Trichogenes longipinnis lebt pelagisch.
Schmerlenwelse ernähren sich von kleinen Wasserinsekten oder Insektenlarven, daneben werden auch Algen (Copionodon) oder Fischeier und Fischbrut (Pseudostegophilus) gefressen. Einige Gattungen leben parasitisch, schwimmen in die Kiemenhöhle größerer Fische und saugen Blut (Hämatophagie). Vandellia ist dadurch bekannt geworden, sich in die Harnröhre von Menschen festzusetzen. Die Tiere müssen dann operativ entfernt werden.
Systematik Innerhalb der Welsartigen gehören die Trichomycteridae zur Unterordnung Loricarioidei, Schwestergruppe und damit die nächsten Verwandten ist Nematogenys inermis, die einzige Art der Nematogenyidae. Zu den Trichomycteridae zählen acht Unterfamilien mit 42 Gattungen und über 200 Arten.
Unterfamilie Copionodontinae de Pinna, 1992. Gut entwickelte Fettflosse, Beginn der Rückenflosse in der vorderen Körperhälfte, Maxillare artikuliert mit dem Unterkiefer. Copionodon de Pinna, 1992 Glaphyropoma de Pinna, 1992 Unterfamilie Trichogeninae Isbrücker, 1986. Lange Afterflosse mit mehr als 30 Flossenstrahlen. Trichogenes Britski & Ortega, 1983 Unterfamilie Trichomycterinae Bullockia Arratia, Chang, Menu-Marque & Rojas, 1978 Cambeva Katz et al., 2018 Eremophilus Humboldt, 1805 Hatcheria Eigenmann, 1909 Ituglanis Costa & Bockmann, 1993 Rhizosomichthys Miles, 1943 Scleronema Eigenmann, 1917 Silvinichthys Arratia, 1998 Trichomycterus Valenciennes, 1832 Unterfamilie Vandelliinae Paracanthopoma Giltay, 1935 Paravandellia Miranda Ribeiro, 1912 Plectrochilus Miranda Ribeiro, 1912 Vandellia Valenciennes in Cuvier & Valenciennes, 1846 Unterfamilie Stegophilinae Acanthopoma Lütken, 1892 Apomatoceros Eigenmann, 1922 Haemomaster Myers, 1927 Henonemus Eigenmann & Ward in Eigenmann, McAtee & Ward, 1907 Homodiaetus Eigenmann & Ward in Eigenmann, McAtee & Ward, 1907 Megalocentor de Pinna & Britski, 1991 Ochmacanthus Eigenmann, 1912 Pareiodon Kner, 1855 Pseudostegophilus Eigenmann & Eigenmann, 1889 Schultzichthys Dahl, 1960 Stegophilus Reinhardt, 1859 Unterfamilie Tridentinae Eigenmann, 1918. Lange Afterflosse mit mehr als 15 Flossenstrahlen. Miuroglanis Eigenmann & Eigenmann, 1889 Potamoglanis Henschel et al., 2017 Tridens Eigenmann & Eigenmann, 1889 Tridensimilis Schultz, 1944 Tridentopsis Myers, 1925 Unterfamilie Glanapteryginae Myers, 1944. Brustflossen mit drei oder vier Flossenstrahlen, Schwanzflosse mit elf oder weniger, Bauchflossen und Beckengürtel fehlen meist, eine Rückenflosse ist nur bei Listrura vorhanden, Hypuralia vollständig zusammengewachsen. Glanapteryx Myers, 1927 Pygidianops Myers, 1944 Typhlobelus Myers, 1944 Unterfamilie Sarcoglanidinae Myers & Weitzman, 1966 Ammoglanis Costa, 1994 Malacoglanis Myers & Weitzman, 1966 Sarcoglanis Myers & Weitzman, 1966 Stauroglanis de Pinna, 1989 Stenolicmus de Pinna & Starnes, 1990 Unterfamilie Microcambevinae Costa, Henschel & Katz, 2020Costa, W.J.E.M., Henschel, E. & Katz, A.M.: Multigene phylogeny reveals convergent evolution in small interstitial catfishes from the Amazon and Atlantic forests (Siluriformes: Trichomycteridae). Zoologica Scripta, 2019: 00:1–15. Listrura de Pinna, 1988 Microcambeva Costa & Bockmann, 1994
Literatur Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7 Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6 Dominique Adriaens, Jonathan N. Baskin und Hendrik Coppens: Evolutionary morphology of trichomycterid catfishes: about hanging on and digging. in Joseph S. Nelson, Hans-Peter Schultze & Mark V. H. Wilson: Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts. 2010, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 978-3-89937-107-9
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