mini|hochkant=0.8|Botanischer Garten Jena
Der Botanische Garten Jena ist der zweitälteste Botanische Garten Deutschlands und liegt am Rand des Stadtzentrums der Universitätsstadt Jena, gegenüber der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek. Er erstreckt sich über eine Fläche von 4,5 Hektar und wird von den anliegenden biologischen, pharmazeutischen und botanischen Instituten sowie der Bevölkerung zur Bildung und Erholung genutzt.
Der Botanische Garten Jena gehört zum Institut für Spezielle Botanik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und zeigt etwa 12.000 verschiedene Pflanzen in mehreren beheizten Gewächshäusern und Freiflächen und steht der Öffentlichkeit, der Universität sowie Schülern aller Klassenstufen für den Unterricht zur Verfügung.
Geschichte des Gartens Frühe Entwicklung mini|Verbindungsweg zu den im westlichen Teil anliegenden biologischen Institutsgebäuden mini|Das Tropenhaus in heutiger moderner Gestaltung mini|Ehemaliges Wasser-Reservoir, ein bepflanzter Teich. Im Hintergrund die Gewächshausanlage. mini|Blick auf den Teil des Gartens, in dem früher die Anzuchthäuser standen. mini|Blick auf den Felsengarten mini|Innenhof der Tropenhausanlage mini|Blick in den oberen Gartenbereich, im Hintergrund der Jentower mini|Kleiner botanischer Pavillon im Zentrum des Gartens
Die Gründung des Gartens geht auf den Bedarf der Medizinischen Fakultät der im Jahr 1548 gegründeten Universität Jena an frischen Kräutern zurück. Johannes von Schröter, der erste Rektor der Universität, schrieb 1579 an den Kurfürsten August von Sachsen und erbat „hortus medicorum von allerhand kreuttern, fruchten und frembden gewechsen anrichten und darneben, was im durinischen gebirge, sonderlich umb Jhena und sangerhaußen und den gantzen hartz noch unbekanndt, in besser erkundigung nehmen“, der im Jahr 1586 als Hortus Medicus mit Medizinpflanzen angelegt und später als Hortus Botanicus eröffnet wurde. Nach dem 1580 gegründeten Botanischen Garten in Leipzig ist der Garten in der Saalestadt die zweitälteste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Der Garten enthielt seit seiner Gründung auch Pflanzen fremder Regionen, konnte jedoch zunächst keine tropischen Gewächse beherbergen.
Um 1630 wurde der Garten erstmals erneuert und erweitert, maßgeblich durch den Professor Werner Rolfinck, der zwei Jahre zuvor aus Padua berufen wurde, wo er den dort seit 1545 betriebenen Paduenser Garten kennengelernt hatte. Rolfincks Schüler Paul Marquardt Slegel (1605–1653) übernahm die Betreuung dieses Collegiengartens. Im Jahr 1640 überließ Herzog Wilhelm der IV. zu Sachsen der Universität ein weiteres, etwa 1,3 ha großes Gelände nördlich der Stadtmauern, das zuvor als Wein-, Obst- und Ziergarten genutzt wurde und zu einem zweiten Teilstück, dem Fürstengarten umgebaut wurde. Bereits 1659 katalogisierte Johann Theodor Schenck (1619–1671) für beide Gärten über 1300 Pflanzensippen. Der Fürstengarten wurde bis zum Wintersemester 1662/63 für botanische Ausstellungen genutzt, fiel jedoch wieder an den Fürstenhof zurück, von dem das Gelände bis 1794 als Lustgarten verwendet wurde. Der Collegiengarten wurde 1662 erweitert und erhielt 1674 ein beheizbares Gewächshaus, in dem erstmals tropische Pflanzen gehalten werden konnten. Ab 1690 war Günther Christoph Schelhammer (1649–1716) Leiter des Collegiengartens, der 1674 bei Robert Morison in Oxford studiert hatte und dessen Vorstellung von John Ray zu natürlichen Pflanzengruppen mit nach Jena brachte, einem theoretischen Vorläufer der Pflanzenökologie. Diese Ideen wurden für die Gestaltung des Collegiengartens angewendet.
Erst 1770 wurde im Collegiengarten von Ernst Gottfried Baldinger Linnés binäre Namensgebung für die Pflanzen eingeführt. Nachdem 1776 Goethe als Geheimer Legationsrat an den Weimarer Hof berufen worden war, erhielt er unter anderem am 24. Oktober die Oberaufsicht über die unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft und Kunst und vom Herzog Carl August den Auftrag, in Jena eine Botanische Anstalt (Institut) einzurichten. Oft hielt sich Goethe im Garten zu botanischen Studien und dichterischer Muße auf. Angeregt durch den Botaniker August Johann Georg Carl Batsch entwickelte er ein Interesse für Pflanzenkunde. Er half Batsch, dessen Neuentwurf der Gartenanlage umzusetzen, nach dem der Garten das natürliche System der Verwandtschaftsbeziehungen der Pflanzen demonstrieren sollte. Der Garten stellte nun nicht mehr die ökologischen Pflanzengemeinschaften, sondern deren Verwandtschaft (die Batsch und Goethe als Verknüpfung der Formen im Pflanzenreich sahen) und damit die Ursachen und Vorgänge dar, die der Vielfalt des Lebens zugrunde liegen und die Goethe schließlich in der „Metamorphose der Pflanze“ zu erklären suchte.
1793 schuf Batsch mit 74 Gründungsmitgliedern die Naturforschende Gesellschaft zur Belebung des akademischen Unterrichts und zur Förderung der Studenten, deren Mitglieder Sämereien und vor allem Herbarbelege nach Jena sendeten. Auch die Wirtschaftsbücher geben Auskunft über Tausch, An- und Verkauf von Pflanzen und Sämereien. Der Bestand wurde damals aufwändig entwickelt, Anschaffungen waren überaus kostspielig, vor allem Gehölze mussten angekauft werden. Exotische Pflanzen wurden unter anderem aus Belvedere bezogen oder durch Spenden des Fürstenhauses erhalten. Intensive Tauschbeziehungen gab es mit Hanau und Wien. 1794 war ein erfolgreiches Jahr für den neuen Garten. Batsch wurde zum Direktor ernannt und unterstand einer Sonderkommission, die von Goethe und dem Minister Christian Gottlob von Voigt geleitet wurde, war also zu dieser Zeit nicht Teil der Universität, wenn auch deren Professor. Der Bau mehrerer Gewächshäuser und des Inspektorhauses wurde abgeschlossen. Über das älteste Gewächshaus aus dem 17. Jahrhundert ist nichts mehr bekannt, es wurde bei der Errichtung seines Nachfolgebaus abgerissen. Goethe veranlasste in diesem Jahr auch die Verlegung einer Wasserleitung, die Wasser aus dem Stadtgraben auf die Anhöhe des Gartens transportieren konnte, sich aber als umständlich erwies (Röhrenfahrt) und bereits kurz nach dem Bau durch eine angekaufte Hebeanlage ersetzt werden sollte, die jedoch in Weimar stehen blieb. Die Wasserversorgung wurde erst 18 Jahre später vereinfacht, als der Zubringer doch noch aufgestellt wurde. Zu Mangelzeiten musste immer wieder Wasser aus der Leutra und der Saale angefahren werden. Auszug aus dem Anschaffungsbuch 1794 mit den damals gebräuchlichen Namen nach Linné: Buxus sempervirens Thuja occidentalis Pinus larix Pinus Schotlandius Juniperus sabina Spiraea hypericifolia Opulifolia Rosa pimpinelloides „ohne Stacheln“ Sambucus racemosa Periploca graeca Clematis viticella Staphylea pinnata Auszug aus dem Anschaffungsbuch 1797: Gewächshauspflanzen wie Agave americana fol. Variegata Aloe – Arten (weitgefasste Gattung damals) Amaryllis, Cacteen, Zantedeschia, tropische Compositen, sukkulente Euphorbien, Pelargonien etc.
1795 wurde der erste Gartenkatalog veröffentlicht und in der Folgezeit gut geführt. Unter Batsch wurde der Garten zu einer zentralen Einrichtung für botanische Arbeiten, er schrieb 1799: „An Sämereyen sind bereits von meinen auswärtigen Freunden schöne Beyträge eingelaufen und noch verschiedene zu erwarten. Weit über 1000 Pakete sind mit Sämereyen an unsere Correspondenten aus dem Garten zum Tausch abgeschickt worden.“ Die Bücher nennen Adressaten in Weimar, Hanau, Wien, Frankfurt, Zürich, Prag, Greifswald, Mantua, Altona, Gefrees b. Bayreuth, Wittenberg, Marburg, Lobenstein, Oldenburg, Pavia, Halle, Offenbach, Herrenhausen, Kopenhagen, Paris, England, Moskau, Brünn, Leipzig, Cambridge, Braunschweig. Der Garten war jedoch noch klein und umfasste nur etwa eine Fläche von 1,3 ha, von der ein Teil verpachtet war, da man die Pacht wie auch die Verkaufserlöse dringend zur Finanzierung benötigte.
Jenenser Kriegsjahre Als Batsch 1803 im Alter von 42 Jahren starb, wurde Franz Josef Schelver (1778–1832) neuer Direktor. Schelver verließ aber nach nur dreijähriger Amtszeit im Zuge der Wirren während der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 die Stadt fluchtartig, nachdem er von den Franzosen ausgeplündert und sein Besitz verwüstet worden war. Auch der Garten hatte schwere Kriegsschäden erlitten, das botanische Cabinet wurde vollständig ruiniert und es standen wenige Mittel für den Unterhalt des Gartens zur Verfügung. Schelver verzichtete briefschriftlich formell auf sein Amt und nahm eine Professur in Heidelberg an, sein Nachfolger wurde auf Empfehlung Goethes Friedrich Siegmund Voigt, der versuchte, den Garten wieder aufzubauen, was aber erst ab 1808 nach einem Besuch von Carl August erfolgreich war. In den Kriegsjahren zwischen 1813 und 1815 verschlechterte sich die Situation erneut. Im Jahr 1817 hielt sich Goethe lange in Jena auf und besuchte den Garten regelmäßig. Aus dem Jahr 1819 sind Daten über den Pflanzenbestand erhalten, es gab nur ca. 50 Topfpflanzen in einem einzigen Gewächshaus und ca. 200 Freilandpflanzen, die von 2 Tagelöhnern versorgt wurden. Bis 1836 hatte Voigt den Garten nach dem Jussieuschen System umgestaltet, erweitert und unter anderem das Alpinum in einem neuen Gartenbereich angelegt.
Entwicklung im 19. Jahrhundert Nach Einschätzung der Wissenschaftshistorikerin Ilse Jahn entwickelte sich der Botanische Garten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eher langsamer als andere botanische Gärten, weil stets nur bescheidene Mittel zur Verfügung standen. Der Etat war damals so hoch wie das Jahresgehalt des Direktors. Zwar begann die Modernisierung in Jena frühzeitiger als in anderen Gärten, zog sich aber länger hin. Jena verfügte deshalb auch nur über etwa ein Drittel des zu Beginn des 19. Jahrhunderts üblichen Pflanzenbestandes und hatte nur 20 bis 50 % der damals für die Gärten aufgewendeten Mittel zur Verfügung. Erst Mitte des Jahrhunderts hatte sich der Garten wieder dem durchschnittlichen Stand angeglichen.
1820 wurde nach einem Besuch des Großherzogs ein zusätzliches Gewächshaus gebaut, für das Carl August Anregungen aus seiner Englandreise 1814 mitgebracht haben soll und war zweigeteilt, mit je einer Abteilung für Palmen und für Neuhollandpflanzen. Zu dieser Zeit gab es insgesamt die Orangerie (Warm- und Trockenhaus) das Palmen- und Neuholländerhaus ein niedriges Kalthaus (Conservatorium), im Sommer Treibhaus für Scitamineen
1821 wurde das erste eigene Samenverzeichnis angelegt. Jena stand immer noch in enger Verbindung mit dem herzöglichen Garten in Belvedere. Im Wintersemester 1832/33 wird der Collegiengarten zu Gunsten der Nutzung durch andere Professoren und Dozenten aufgelöst und ein neues Nutzungsrecht vereinbart. Im sonnigen Sommer 1834 wurde Zuckerrohr im Freien angebaut und daraus etwas Zucker gewonnen. Im Wintersemester 1844/45 erfolgte der Neubau eines niedrigen Tropenhauses, das ebenfalls zweigeteilt war, sowie die Renovierung der Orangerie. In den Semestern zwischen 1848 und 1851 entstanden viele Treibbeete und Kästen in drei Längsreihen, ein hoher Winterkasten zur Überwinterung von Pflanzen. In die kühlere Tropenhaushälfte wurde ein Aquarium eingebaut und das alte Palmen/Neuhollandhaus erhielt ein Doppelglasdach.