Bad Salzuflen (bis 1914 Salzuflen, plattdeutsch Iufeln) ist eine Stadt und ein Thermal-Heilbad im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe in Deutschland.
Seit 2015 gilt die Stadt als „allergikerfreundliche Kommune“. Seit Juni 2024 ist das Staatsbad Salzuflen als staatlich prädikatisiertes Kneippheilbad zertifiziert.Kneippheilbad
Geografie Geografische Lage Bad Salzuflen liegt am östlichen Rand der Ravensberger Mulde, am Zusammenfluss von Salze und Bega mit der Werre. Im Vergleich zu anderen nordlippischen Gemeinden ist es dicht besiedelt. Dörflich geprägte Ortsteile mit landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeben das Stadtzentrum. Nordöstlich von Werre und Bega durchzieht ein großteils bewaldeter Hügelstrang des Lipper Berglands das Stadtgebiet. Der höchste Punkt ist der Boberg mit 266 Metern, der tiefste Punkt liegt an der Werre bei 67 Metern.Stadt Bad Salzuflen: Flächenprofil und geografische DatenSalzstreuner: Amtlich: Schötmar ist der Mittelpunkt Seit 2008 gehört das Stadtgebiet zum Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge.
Geologie mini|Geothermische Karte von Bad Salzuflen
Das Stadtgebiet ist durchzogen von den Flussauen der Werre, Bega und Salze. Podsol- und Pseudogley-Braunerden herrschen als Bodentypen vor. Die Podsolböden befinden sich überwiegend auf Unterlagen aus dem Tertiär, die von Bruchfalten aus dem Mesozoikum durchzogen sind. Charakteristisch für Bad Salzuflen sind die an diesen Falten austretenden salzhaltigen Quellen, denen die Region den Namen „Heilgarten Deutschlands“ verdankt. Die Gegend eignet sich auch gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und Wärmegewinnung durch Wärmepumpen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 360 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Luftbild Bad Salzuflen
Die als „große Mittelstadt“ klassifizierte Stadt Bad Salzuflen erstreckt sich über eine Fläche von 100,06 km². Das Stadtgebiet weist eine in etwa ovale Form auf mit einer maximalen Ausdehnung in Ost-West-Richtung von etwa 13 km und in Nord-Süd-Richtung von 11 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Summe Fläche 57,51 km² 15,01 km² 17,20 km² 6,30 km² 1,22 km² 2,42 km² 0,40 km² 100,06 km² Anteil an Gesamtfläche 57,47 % 15,00 % 17,19 % 6,30 % 1,22 % 2,42 % 0,40 % 100,00 %
Nachbargemeinden Bad Salzuflen grenzt im Osten an die Stadt Lemgo, im Süden an Lage und im Südwesten an Leopoldshöhe. Alle drei Gemeinden gehören zum Kreis Lippe.
Im Westen liegt die kreisfreie Stadt Bielefeld und im Nordwesten die Stadt Herford. Im Norden grenzt Bad Salzuflen an Vlotho im Kreis Herford. Zusammen mit Herford gehört Bad Salzuflen zur Agglomeration Bielefeld.
Stadtgliederung mini|Ortsteile Bad Salzuflens
Die Stadt gliedert sich in zwölf Ortsteile:
Kernstadt Bad Salzuflen Biemsen-Ahmsen Ehrsen-Breden Grastrup-Hölsen (mit Hölserheide) Holzhausen (mit Sylbach) Lockhausen Papenhausen Retzen (mit Volkhausen und Bergkirchen) Schötmar Werl-Aspe (mit Knetterheide) Wülfer-Bexten Wüsten (mit Frettholz, Glimke, Hellerhausen, Hollenstein, Pehlen, Pillenbruch, Voßhagen und Waldemeine)
Die bevölkerungsreichsten Ortsteile sind Bad Salzuflen mit etwa 19.500 Einwohnern, Schötmar mit 8700, Werl-Aspe mit 7400 und Wüsten mit 3800 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013). Zusammen machen diese vier Ortsteile gut 70 % der Bad Salzufler Bevölkerung aus. Die Ortsteile Bad Salzuflen, Schötmar, Werl-Aspe, Holzhausen und Ehrsen-Breden bilden eine durchgängige Siedlungsfläche.
Klima Bad Salzuflen zeigt das für Mitteleuropa typische gemäßigte vollhumide Klima mit seinem Niederschlagsmaximum im Sommer. Die Jahresmitteltemperatur von 9,3 °C entspricht der Breiten- und Höhenlage; jedoch liegt die Jahressumme der Niederschläge mit 743 mm einerseits etwas höher als der norddeutsche (640 mm) bzw. der deutsche Durchschnittswert (690 mm), andererseits aber aufgrund der Lage im Regenschatten des Teutoburger Waldes etwas niedriger als der lippische Durchschnittswert (877 mm).
Bad Salzuflen ist Standort einer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betriebenen vollautomatischen Wetterstation.DWD: Stationsverzeichnis
Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler Im Stadtgebiet Bad Salzuflens sind mit dem Salzetal, dem Glimketal, dem Stadtwald, der Masch, dem Bachtal bei Grünau, dem Bexter Wald sowie dem Holzhauser Bruch sieben Naturschutzgebiete ausgewiesen, die zusammen eine geschützte Fläche von rund 424 Hektar haben.Liste der Naturschutzgebiete im Kreis Lippe
Geschichte mini|Ansicht der Stadt Salzuflen im Jahre 1647 mini|Verlauf der Stadtmauer
Der Fund des Faustkeils von Salzuflen lässt darauf schließen, dass das Gebiet von und um Salzuflen mindestens seit dem Mittelpaläolithikum, der mittleren Altsteinzeit, von Menschen besiedelt ist. Der Faustkeil gilt mit einem Alter von 350.000 bis 300.000 Jahren als das älteste datierte Steinwerkzeug in Westfalen.
Die Nutzung der salzhaltigen Paulinenquelle führte im Mittelalter zur Errichtung der ersten Saline. Diese Salzwerkstätten befanden sich an einem Ort, der noch heute „Salzhof“ genannt wird und dessen Brunnen im Wappen der Stadt dargestellt ist.
Dank des einträglichen Salzhandels und der Förderung unter Herrschaft der Grafen von Sternberg vergrößerte sich der Ort. Um 1300 wurde eine erste Kapelle auf dem Hallenbrink errichtet. 1377 wird Salzuflen von den Sternbergern an die Grafen von Schaumburg verkauft. Im Jahre 1400 geht Salzuflen schließlich durch Verpfändung in den Besitz der Edelherren zu Lippe.
Während der Soester Fehde wurde das nur wenig befestigte Salzuflen 1447 von böhmischen Söldnern stark zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus erhielt der Ort um 1450 eine Ringmauer mit vier Toren – Schliepsteiner Tor nach Norden (Exter), Heßkamper Tor nach Nordosten (Vlotho/Wüsten), Ostertor nach Südosten (Schötmar), Herforder Tor nach Westen (Herford) – und drei Wehrtürme, unter anderem der Katzenturm, der noch heute erhalten ist. 1488 erhält der so vergrößerte Ort durch den lippischen Landesherrn Graf Bernhard VII. die Stadtrechte verliehen. Bis zum Dreißigjährigen Krieg florierte der Handel mit dem weißen Gold und brachte großen Reichtum in die Stadt. Prachtvolle Bürgerhäuser im Stil der Weserrenaissance und das alte 1545/47 erbaute Rathaus sind Zeugen dieser Blütezeit.
Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) beendete die fast 200 Jahre andauernde Blütezeit der Stadt, die bei zahlreichen Truppendurchzügen schwer beschädigt wurde. Die Anzahl der Stadtbewohner ging bis 1645 um mehr als die Hälfte auf 900 zurück. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) wurde die Stadt erneut schwer geschädigt. Im Jahre 1762 zerstörte ein durch Blitzschlag verursachter Brand weite Teile der Stadt. 1766 wurde die Saline an den Landesherrn Graf Simon August zu Lippe verkauft. Dieser ließ das Salzwerk grundlegend modernisieren und Gradierwerke errichten. Da alle Gewinne aus der Saline nun aber an den Landesherrn fielen, konnte Salzuflen hiervon nicht mehr profitieren. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt infolgedessen nur langsam. Erst eine von Medizinalrat Heinrich Hasse gegründete Badeanstalt im Jahre 1818 begründete allmählich den erneuten Aufschwung Salzuflens zum Kurort.
Bekannt geworden ist Bad Salzuflen durch den Kurbetrieb. Mit seinen drei Trink-, drei Thermal- und drei Solequellen hatte es den Status eines lippischen Staatsbades. Obwohl die Gründung des fürstlichen Solebads annähernd 100 Jahre zuvor erfolgt war, erhielt Salzuflen den Namenszusatz „Bad“ erst am 14. April 1914.
Infolge der hohen Heilkraft des Wassers entstanden neue Badehäuser und weitere Quellen wurden erbohrt, so zum Beispiel der Leopoldsprudel, dessen Brunnentempel sich inmitten des heutigen Kurparks befindet. Die Entwicklung zum Kurort führte zu bedeutenden Veränderungen im Stadtbild. Die Saline auf dem Salzhof stellte die Salzproduktion ein und bildet heute den „Stadtplatz“, auf dem Wochenmarkt und Stadtfeste stattfinden. Die Gradierwerke entwickelten sich zu einem Ort, an den sich Menschen mit Atemwegserkrankungen zurückzogen. Im Laufe der Zeit verschwanden die alteingesessenen Industriesparten und wurden durch den Handel und das Kurwesen ersetzt, von dem auch die zahlreichen Pensionen der Stadt profitierten.
Der wirtschaftliche Aufschwung im 19. Jahrhundert hing auch eng mit den 1850 gegründeten Hoffmann’s Stärkefabriken zusammen, die später zum größten europäischen Stärkeproduzenten aufstiegen.
Mit Eröffnung der Bahnlinie Herford–Detmold erhielt Salzuflen 1880 einen Anschluss an das Schienennetz; der Salzufler Bahnhof ging 1881 in Betrieb.
Die strategisch eher unbedeutende Lage bewahrte Bad Salzuflen während des Zweiten Weltkrieges weitgehend vor Bombenangriffen der Alliierten, so dass die Stadt den Krieg relativ unbeschadet überstand und nach Kriegsende zum Sitz mehrerer Militärmissionen wurde.
Name Mitte des 11. Jahrhunderts werden die Siedlung „Uflon“ und eine dort befindliche Salzstätte erstmals schriftlich erwähnt. „Uflon“ bedeutet in Altniederdeutsch „am Wald“ (uf oder up = auf oder an; lon oder loh = Nutzwald, lichter Wald, Gehölz). Später wurde daraus „Uflen“, auch „Mitteluflen“ oder „Dorf Uflen“.GenWiki Bad Salzuflen.
Folgende Schreibweisen sind für die folgenden Jahrhunderte historisch belegt: locum salis in Vflon (1036/1065), Saltuflen (1051), Ufle, Saltuflon und Uflan (Ende des 12. Jh.), Soltufflen, Scolthuflen und Soltufelen (Mitte des 13. Jh.), Vfelen (um 1370, im Herforder Rechtsbuch), Zoltufflen (1357), Soltzvffelen (1475, im Urbar Möllenbeck), Soltuffelin (1506), Vffln (1562, im Landschatzregister), Saltzvfflen (1615, im Salbuch), Saltzufel (1632), Saltz Vfflen (1647, im Kupferstich des Matthäus Merian), Salzuflen (1705, im Lemgoer Bürgerbuch), Saltofel (nach 1757) sowie Uffeln und Salzuffeln (1805).Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe (= Westfälisches Ortsnamenbuch Band 2), Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 417 ff ().
Bevölkerungsentwicklung
Einwohnerentwicklung bis Ende 1968,Franz Meyer: 500 Jahre Stadt Bad Salzuflen 1488–1988, S. 129. nur Salzuflen: Jahr Einwohner 1590 ~ 2.000 1633 1.472 1636 865 1760 1.003 01.12.1885 3.992 07.12.1892 4.300 Jahr Einwohner 1900 5.396 1916 7.919 1933 9.217 1946 14.090 21. Juli 1960 17.273 31. Dezember 1968 16.690
Mit der Gründung der „neuen“ Stadt Bad Salzuflen am 1. Januar 1969 (Bad Salzuflen und Schötmar mit den zehn Ortsteilen) zählte man 47.930 Einwohner, das entsprach einer Bevölkerungsdichte von 479 Einwohnern je Quadratkilometer
Entwicklung der Einwohnerzahl ab 1. Januar 1969:
Alle Angaben für die Stadt Bad Salzuflen in den Grenzen seit 1969; Stand jeweils 31. Dezember des Vorjahres:Amt für Datenverarbeitung und Statistik NRW. Jahr Einwohner 1969 47.901 1974 51.678 2000 55.028 2002 55.145 2003 54.020 Jahr Einwohner 2004 54.772 2005 54.673 2006 54.413 2007 54.273 2014 52.121 Jahr Einwohner 2015 53.341 2016 53.746 2017 53.856 2022 54.808 Einwohner in den Ortsteilen der Stadt Bad Salzuflen am 1. Januar 1969: Ortsteil Einwohner Fläche (km²) Einwohner/km² Bad Salzuflen 16.690 13,76 1.213 Schötmar 9.132 4,89 1.867 Biemsen-Ahmsen 1.493 5,90 253 Ehrsen-Breden 2.498 7,00 357 Grastrup-Hölsen 1.019 7,90 129 Holzhausen 2.865 8,36 343 Lockhausen 2.706 9,32 290 Papenhausen 115 3,12 37 Retzen 1.436 7,14 201 Werl-Aspe 5.083 6,31 806 Wülfer-Bexten 1.683 7,74 217 Wüsten 3.181 18,62 171 gesamt 47.901 100,06 479
Religion