Edmonton [] ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta. Sie hat 1.100.000 Einwohner, die Metropolregion (CMA) zählt 1.563.571 Einwohner (2024). Edmonton ist nach Calgary die zweitgrößte Stadt der Provinz, die fünftgrößte in Kanada und die nördlichste Millionenstadt Nordamerikas.

Sie liegt nahe des Zentrums der Provinz am North Saskatchewan River an der nordwestlichen Grenze der nordamerikanischen Prärie, die hier langsam in borealen Nadelwald übergeht. Die Berge der Canadian Rockies sind etwa 230 Kilometer weiter südwestlich gelegen. Die nächstgrößere Stadt Calgary liegt etwa 280 Kilometer weiter südlich. Nördlich von Edmonton gibt es hingegen keine kanadische Stadt, die mehr als 100.000 Einwohner hat.

Das Gebiet, aus dem später die Stadt Edmonton wurde, war schon seit langer Zeit von den Ureinwohnern bewohnt und war auch ein historischer Ort für die Métis. Bis 1795 wurden in dem Gebiet, aus dem später der Großraum Edmonton hervorging, zahlreiche Handelsposten errichtet. „Fort Edmonton“, wie es genannt wurde, wurde nach dem Zusammenschluss der Hudson’s Bay Company und der North West Company im Jahr 1821 zum wichtigsten Handelszentrum der Region. Die Ortschaft blieb bis zur kanadischen Übernahme von Ruperts Land im Jahr 1870 dünn besiedelt. 1891 kam der Anschluss an die Canadian Pacific Railway, 1904 wurde Edmonton zur Stadt erklärt und 1905 zur Hauptstadt der neuen Provinz Alberta. die etwa bis zum Zweiten Weltkrieg stark von der Landwirtschaft abhing. Kriegsproduktion und Bodenschätze brachten der Stadt trotz des unwirtlichen Klimas einen lang anhaltenden industriellen Aufschwung. Das Wachstum der Stadt wurde im 20. Jahrhundert durch die Aufnahme von fünf benachbarten Gemeinden (Strathcona, North Edmonton, West Edmonton, Beverly und Jasper Place) sowie durch eine Reihe von weiteren Eingemeindungen bis 1982 erleichtert.

Edmonton, das auch als „Tor zum Norden“ bekannt ist, hat sich zu einer Drehscheibe für große Ölsandprojekte in Nord-Alberta und große Diamantenabbauvorhaben in den Nordwest-Territorien entwickelt. Darüber hinaus ist die Stadt ein Kultur-, Regierungs- und Bildungszentrum, in dem das ganze Jahr über Festivals stattfinden, was sich in dem Spitznamen „Canada's Festival City“ widerspiegelt. Den bedeutendsten Wirtschaftszweig stellt heute das Dienstleistungsgewerbe dar, dessen größter Arbeitgeber neben der Regierung die University of Alberta ist. In Edmonton befindet sich Kanadas größtes Einkaufszentrum, die West Edmonton Mall (von 1981 bis 2004 das größte Einkaufszentrum der Welt) und der Fort Edmonton Park, Kanadas größtes Geschichtsmuseum.

Mit den Edmonton Oilers ist die Stadt Heimat eines der bekanntesten NHL-Teams, dass fünf Mal den Stanley Cup gewann, und wo unter anderem die Eishockey-Legende Wayne Gretzky einen Großteil seiner Karriere verbrachte.

Geographie Edmonton liegt nahe dem geographischen Zentrum der Provinz Alberta, auf einer Höhe von 668 Metern über dem Meeresspiegel. Das Gelände um die Stadt ist im Allgemeinen flach bis leicht wellig, durchzogen von Schluchten und tief eingeschnittenen Flusstälern wie dem Tal des North Saskatchewan Rivers. Obwohl die Rocky Mountains lediglich etwa 220 km im Südwesten liegen, sind die Berge zu weit entfernt, als dass sie von den höchsten Gebäuden der Stadt aus erkennbar wären.

Der North Saskatchewan River, der beim Columbia-Eisfeld im Jasper-Nationalpark entspringt, teilt die Stadt in Südwest-Nordost-Richtung. Er fließt über den Saskatchewan River, den Winnipegsee und den Nelson River in die Hudson Bay. Auf dem Stadtgebiet münden zahlreiche Bäche in den Fluss, wie etwa der Mill Creek oder den Whitemud Creek, deren Schluchten in Parks integriert sind. Edmonton liegt zwischen der Prärie im Süden und dem borealen Nadelwald im Norden. Die als Aspen Parkland bezeichnete Übergangszone besteht aus Hainen mit Espen und Fichten, die von offenem Grasland unterbrochen sind. Landwirtschaft, Besiedlung und Förderung von Bodenschätzen haben diese Biosphäre jedoch an vielen Stellen zurückgedrängt.

Parkland mini|Blick über das Tal des North Saskatchewan River mini|hochkant|Bachbett im Hawrelak Park, benannt nach William Hawrelak, der von 1951–1959, 63–65 und 74–75 Bürgermeister war, dem früheren Mayfair Park

Das Flusstal von Edmonton besteht aus dem längsten zusammenhängenden System von städtischen Parks in Nordamerika, dem River Valley Parks System. Die Stadt besitzt pro Kopf die größte Fläche an Parkanlagen aller kanadischen Städte. Die Stadtparks entlang des North Saskatchewan Rivers werden durch zahlreiche Parks in verschiedenen Stadtvierteln ergänzt; die Gesamtfläche beträgt 111 km². Innerhalb des 74 km² großen und 48 km langen Flussparksystems gibt es elf Seen, 14 Schluchten und 22 einzelne Parkanlagen. – Stadtverwaltung Edmonton Fünf dieser Parks sind nach den „Famous Five“ benannt.

Edmontons Parklandschaft besitzt eine der weltweit größten Konzentrationen gesunder Amerikanischer Ulmen, die nicht vom Ulmensterben betroffen sind, dem die meisten Bäume dieser Art im östlichen Nordamerika zum Opfer gefallen sind. Banks-Kiefern, Küstenkiefern, Weißfichten, Moorbirken, Espen, Roteschen, Linden, diverse Pappeln und Weiden sowie Eschenahorne sind ebenfalls weit verbreitet. Eingeführte, nichteinheimische Baumarten sind unter anderem Stechfichte, Spitzahorn, Roteiche, Zuckerahorn, Gewöhnliche Rosskastanie und McIntosh-Apfelbaum. Drei Walnussarten – Butternuss, Mandschurische Walnuss und Schwarznuss – sind in Edmonton erhalten geblieben. – Regierung von Alberta, Agriculture and Rural Development (2007)

Mehrere Golfplätze, sowohl öffentlich als auch privat, befinden sich im Flusstal. Aufgrund der Lage der Stadt im hohen Norden können diese bis in die späten Abendstunden bespielt werden. Während der langen Wintersaison wird in den Parks und auf den Golfplätzen Wintersport betrieben, beliebt sind insbesondere Skilanglauf und Eislaufen. Im Flusstal gibt es auch vier Gebiete für den alpinen Skisport, davon zwei auf Stadtgebiet und zwei knapp außerhalb.

Stadtgliederung mini|Übersichtskarten mit den wichtigsten Straßen und Gewässern mini|Churchill Square, Hauptplatz in Downtown Edmonton

Der Stadtkern, die Downtown, besteht aus dem Handelszentrum, dem Arts District, Rice Howard Way Pedestrian Mall, der MacKay Avenue, Jasper-West, dem Warehouse District und dem Regierungsviertel (Grandin neighbourhood).

Um diesen Stadtkern gliedern sich weitere Stadtteile, die hier als Neighbourhoods bezeichnet werden an, wie Oliver, Glenora, Westmount, Inglewood, Central McDougall, McCauley, Alberta Avenue oder Norwood im Norden, Windsor Park, Garneau, Old Strathcona, Bonnie Doon südlich des Flusses. Riverdale, Rossdale, Walterdale und Cloverdale, die im Flusstal liegen, wehrten sich mit Teilerfolgen gegen einen Räumungsversuch in den 1970er Jahren.

Klima Edmonton liegt im Übergangsbereich von kühlgemäßigtem zu kaltem Nadelwaldklima. Aus diesem Grund herrscht ein relativ trockenes und sonniges Kontinentalklima mit großen Unterschieden zwischen Sommer und Winter vor. Allerdings sind die Winter etwas milder als in den südlicher gelegenen Städten Regina und Winnipeg. Die durchschnittliche Temperatur reicht von −11,7 °C im Januar bis 17,5 °C im Juli. – National Climate Data and Information Archive, Environment Canada (2004) Im Durchschnitt steigen die Temperaturen dreimal pro Jahr auf über 30 °C, während sie an 28 Tagen auf unter −20 °C fallen. Die höchste je in Edmonton gemessene Temperatur war 34,5 °C am 5. August 1998. Die kälteste Temperatur war −49,4 °C, gemessen am 19. und 21. Januar 1886. – Environment Canada (2004) Das Jahr 2006 war besonders warm, als die Temperaturen zwischen Mitte Mai und Anfang September an insgesamt 20 Tagen auf über 29 °C stiegen. In der Regel dauert der Sommer von Ende Juni bis Ende August, der Winter von November bis März. Im Winter herrscht meist Dauerfrost, die Temperaturen können aber zwischendurch über den Gefrierpunkt steigen, wenn Warmluft vom Süden hereinströmt. Frühling und Herbst sind kurz und von wechselhaftem Wetter geprägt.

Das Klima Edmontons ist relativ trocken. Im Durchschnitt fallen pro Jahr 476,9 mm Niederschlag, davon sind 365,7 mm Regen und 123,5 cm Schnee. Die meisten Niederschläge fallen im Spätfrühling, im Sommer und im Frühherbst. Der feuchteste (und auch heißeste) Monat ist der Juli, während Februar, März, Oktober und November am trockensten sind. Edmonton genießt ein sonniges Klima mit ca. 2344 Sonnenstunden pro Jahr.

mini|links|Klimadiagramm Edmonton

Gewitter treten im Sommer häufig auf. Gelegentlich sind sie heftig genug, um Hagel, Stürme, Trichterwolken und Tornados entstehen zu lassen. Allerdings sind die in Edmonton auftretenden Tornados weitaus schwächer und weniger lang andauernd als jene weiter im Süden. Tornados der Stärke F4 auf der Fujita-Skala sind äußerst selten. Der letzte ereignete sich am 31. Juli 1987; er forderte 27 Todesopfer, zerstörte 300 Häuser und verursachte Schäden in Höhe von 330 Millionen kanadischen Dollar. in der Edmonton Public Library (englisch)Atlas of the Edmonton tornado and hailstorm: A decade of research – University of Alberta (1997) Ein besonders heftiges Gewitter, das in dieser Stärke nur etwa alle 200 Jahre auftritt, ereignete sich am 11. Juli 2004. Innerhalb einer Stunde fielen 100 mm Regen und Hagel pro Quadratmeter.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Klimawerte der Jahre 1971 bis 2000:

Geschichte Vorgeschichte Als sich am Ende der Würmeiszeit die Gletschermassen nach Norden zurückzogen, bildete sich auf dem frei gelegten Land ein großer, flacher See. Dieser entleerte sich vor rund 12.000 Jahren innerhalb kurzer Zeit, nachdem die Moräne am Südufer erodiert war. Der neu entstandene North Saskatchewan River bahnte sich einen Weg durch die weichen Sedimente des ehemaligen Sees und trug auch die darunter liegenden Schichten ab. Innerhalb von 3000 Jahren entstand so das tief eingeschnittene Flusstal. – Edmonton History

mini|Der für die Geschichte bis ins späte 19. Jahrhundert bedeutende Bison findet sich an vielen Stellen, Joe Fafard, Stahl.

Um 9000 v. Chr. lassen sich menschliche Spuren im Süden Albertas nachweisen, die auf nomadische, hauptsächlich auf Jagd basierende Kulturen hindeuten. Sie waren möglicherweise Bisonjäger, worauf Funde bei Vilna, rund 150 km nordöstlich von Edmonton und am James-Pass hinweisen.Vgl. . Funde im Drayton Valley, 130 km südwestlich von Edmonton und in der Peace-River-Region weisen auf eine andere Lebensweise hin. Offenbar jagten diese ersten Bewohner neben anderem Großwild auch kleine Pferde und benutzten dabei Waffen vom Clovis-Typ. Diese Gruppe lebte im Norden Albertas, z. B. an den Vermilion Lakes westlich von Banff.Daryl W. Fedje, James M. White, Michael C. Wilson, D. Erle Nelson, John S. Vogel und John R. Southon: Vermilion Lakes Site: Adaptations and Environments in the Canadian Rockies during the Latest Pleistocene and Early Holocene, in: American Antiquity 60/1 (1995) 81–108.

Ob die Jagderfolge der jungsteinzeitlichen Jäger zum Verschwinden der Mammuts und Pferde führten, oder der drastische Klimawandel, ist unklar. Graslandschaften und boreale Wälder breiteten sich in den folgenden Jahrhunderten weiter nach Norden und Osten aus. Nun existierte in Zentral-Alberta eine Gruppe von Jägern, die die lanzenförmigen Spitzen des Südens nicht benutzte. Mit dem Verschwinden der Megafauna, vor allem von Mammut und Mastodon, setzte eine Spezialisierung auf kleinere, aber in großen Herden vorkommende Tiere ein, auf Karibus und Bisons, denen sie wahrscheinlich bis zu 1400 km pro Jahr nachsetzten.Daniel S. Amick, Regional Patterns of Folsom Mobility in the American Southwest, in: World Archaeology: Hunter-Gatherer Land Use, Hg. Peter Rowley-Conwy 23 (1996), S. 419.