miniatur|hochkant|Mary Parker Follett Mary Parker Follett (* 3. September 1868 in Quincy, Massachusetts; † 18. Dezember 1933 in Boston, Massachusetts) hat sich als Autorin über Managementtheorien und politische Theorien einen Namen gemacht. Sie prägte Begriffe wie „conflict resolution“ und „Führung ist eine Tätigkeit“.
Leben Ausgebildet wurde Mary Parker Follett an der Thayer Academy, übernahm dann nach dem Tod ihres Vaters Funktionen in der Familie, da ihre Mutter behindert war. 1892 setzte sie ihre Ausbildung durch die Society for the Collegiate Instruction of Women (Gesellschaft für die kollegiale Ausbildung von Frauen) der Vorgängerorganisation des Radcliffe College in Cambridge, Massachusetts, fort und schloss 1898 die Fächer Wirtschaft, Regierung, Jura und Philosophie „mit höchstem Lob“ (summa cum laude) ab.Pauline Graham: Mary Parker Follett - Prophet of Management. A Celebration of Writings from the 1920s. Bear Books, Washington D.C. 1995: S. 13 f., ISBN 1-58798-213-7.
Von 1900 bis 1908 leistete sie Sozialarbeit in Boston. Die hier gesammelten Erfahrungen führten Parker Follett ab 1908 zur Förderung von Kommunalzentren als Kristallisationspunkte für Erwachsenenbildung und soziale Hilfe. Diese Aktivitäten wirkten weit über ihren Tod hinaus auf die Entwicklung der USA. In diesen Zentren wurden später grundlegende Forschung über Gruppenarbeit, -entwicklung und -organisation geleistet.
Heute ist Parker Follett besser bekannt für ihren Einfluss auf das Management, obwohl ihre Leistungen gerade auf diesem Gebiet nach ihrem Tod lange ignoriert wurden. Im Prinzip übertrug sie ihre Erkenntnisse aus den Kommunalzentren auf Unternehmen. Sie war die erste, die Unternehmen als soziale Systeme untersuchte, und ihre Forschungen blieben bis Ende der 50er Jahre (Douglas McGregor) ohne Fortsetzung. Von ihr stammt die Definition „Management ist die Kunst, mit anderen Leuten zusammen Dinge zu erledigen“.
Mary Parker Follett hat auch im Bereich Personalführung Beiträge geliefert. Nicht „Macht über“, sondern „Macht durch“ gehörte genauso zu ihren Thesen wie das Teilen der Macht.
KonopkaKonopka, G. (1958): Eduard C. Lindeman and Social Work Philosophy, Minneapolis. University of Minnesota Press. fasst die wesentlichen Erkenntnisse von Parker Folletts wie folgt zusammen: Soziale Erfahrung ist die Basis der staatlichen Strukturen. Souveränität steht in Beziehung mit der Fähigkeit, sich selbst, eine Gruppe oder einen Staat zu beherrschen. Staatliche Struktur ist der Ausdruck der funktionalen Zweck-Elemente. Der Wille einer Gruppe ist nicht atomisch, sondern der gemeinsame Ausdruck der individuellen Willensentscheidungen. Reiche Erfahrungen können nur durch tatsächliche Gruppenerlebnisse entstehen. Man muss die Vielfalt von Gruppen erfahren. Die Vielfalt der menschlichen Natur macht es unmöglich, die Fähigkeit des modernen Menschen zu erschöpfen. Individuen und Gruppen sind keine Gegensätze. Das Individuum ist die letzte Einheit und diverser, als es irgendeine Gruppe sein kann. Es besteht kein notwendiger Widerspruch zwischen Bürger und Staat. Freiheit und Bestimmung sind keine Gegensätze. Selbst und Andere sind keine Gegensätze. In diesen Thesen kommt Parker Folletts Überzeugung zum Ausdruck, dass Individualität sich nur aus dem sozialen Gefüge entwickeln kann. Sie sieht eine ungebrochene Kette von Individuum, über kommunale Gruppen bis hin zum Staat, dessen demokratische Struktur ihren Kern im Individuum hat.
Zitate
Werke The Speaker of the House of Representatives, Longmans Green and Co, New York London Bombay 1896 The New State: Group Organization, Longman, London 1918 Creative Experience, Longman, London 1924 Dynamic Administration, Harper & Brothers, New York, 1941 Freedom and Coordination, Pitman, London, 1949
Literatur Jana Lucas: Die geheimen Pionierinnen der Wirtschaft – Außergewöhnliche Frauen, die unsere Wirtschaftswelt nachhaltig geprägt haben, Redline Verlag, München 2021, S. 41–53, ISBN 978-3-86881-849-9. Marlies W. Fröse (2019): Mary Parker Follett. Eine (fast) vergessene und wiederzuentdeckende Grenzgängerin zwischen Management und Sozialer Arbeit. 69–112. In: Marlies W. Fröse (Hrsg.): Annäherung an Führung und Organisation. Ergon Verlag: Baden-Baden. ISBN 978-3-956-50547-8
Quellenangaben Mark K. Smith: Mary Parker Follett: Community, creative experience and informal education, the encyclopedia of informal education 2002, . Reproduced from the encyclopedia of informal education www.infed.org Stuart Crainer: Key Management Ideas Thinkers that changed the Management World, Prentice Hall, London 1998, ISBN 0-273-63808-4.
Weblinks
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