Andy Raymond Schleck (* 10. Juni 1985 in Luxemburg) ist ein ehemaliger luxemburgischer Radrennfahrer. Nach der Disqualifikation von Alberto Contador wurde ihm der Gesamtsieg der Tour de France 2010 zugesprochen. Des Weiteren gewann er im Jahr 2009 den Klassiker Lüttich–Bastogne–Lüttich.
Sportliche Karriere Andy Schleck wuchs in einer Radsport-Familie auf. Sein Vater war der Sohn des Luxemburgers Auguste Schleck, der bereits in den 1930er Jahren Rennen bestritten hatte. Sein Vater Johny Schleck fuhr zwischen 1969 und 1974 für die BiC Mannschaft und verhalf dabei Jan Janssen und Luis Ocaña zu deren Siegen bei der Tour de France. Wie sein um fünf Jahre älterer Bruder Fränk Schleck begann Andy bereits in jungen Jahren mit dem Radsport, wobei er ab seinem 16. Lebensjahr regelmäßig an Wettkämpfen teilnahm. Nachdem er für den SAF Zéisseng in den Nachwuchsklassen seine ersten Erfolge gefeiert hatte und nationale Titel errang, stieg er im Jahr 2002 in die Klasse der Junioren auf.
Als Junior fuhr Andy Schleck für den LC Tétange und LP Muhlenbach. Im Jahr 2002 wurde er nationaler Junioren-Meister im Straßenrennen, ehe er im Jahr darauf das Double aus Straßenrennen und Einzelzeitfahren schaffte. Des Weiteren fiel er auch bei internationalen Junioren-Rennen auf und wurde Fünfter bzw. Dritter der Classique des Alpes. Im Jahr 2003 sicherte er sich als Gesamtzweiter die Bergwertung der Tour de Lorraine. Zudem ging er bei den Junioren-Straßenradsport-Weltmeisterschaften von Zolder und Hamilton an den Start. Neben dem Straßenradsport war Andy Schleck als Junior auch im Cyclocross aktiv, wo er im Jahr 2002 nationaler Meister wurde. Im selben Jahr belegte er bei den Cyclocross-Weltmeisterschaften von Heusden-Zolder den 35. Rang.
Mit dem Jahr 2004 stieg Andy Schleck in die Klasse U23 auf. Er wechselte zum Team Vélo-Club de Roubaix Lille Métropole, das vom Franzosen Cyrille Guimard geleitet wurde, der als Trainer zahlreiche Tour-de-France-Sieger wie Bernard Hinault, Laurent Fignon, Lucien Van Impe und Greg LeMond betreut hatte. In einem Interview bezeichnete Cyrille Guimard den jungen Luxemburger als eines der größten Talente, das er je gesehen habe und verglich ihn mit Laurent Fignon. Im Mai gewann Andy Schleck im Alter von 18 Jahren die Gesamtwertung der Flèche du Sud, ehe er den GP Tell auf dem dritten Gesamtrang beendete. Des Weiteren wurde er nationaler U23-Meister im Einzelzeitfahren und Straßenrennen. Durch seine Leistungen bei der Flèche du Sud wurde der Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis auf Andy Schleck aufmerksam, der zu diesem Zeitpunkt beim Team CSC der Teamchef seines Bruders Fränk war. Nach einem Gespräch bei der Luxemburg-Rundfahrt ging Andy Schleck am Ende der Saison 2004 als Stagiaire der CSC-Mannschaft an den Start.
Profivertrag bei CSC Nachdem er die Schule beendet hatte, erhielt Andy Schleck im Jahr 2005 einen Profi-Vertrag bei der dänischen CSC-Mannschaft, für die auch sein Bruder Fränk fuhr. In seiner ersten Saison wurde er im Alter von 20 Jahren luxemburgischer Meister im Einzelzeitfahren, ehe er Dritter des Straßenrennens wurde. Im September belegte er bei der Tour de l’Avenir, die von seinem älteren Teamkollegen Lars Ytting Bak gewonnen wurde, den 21. Gesamtrang. Am Ende der Saison zeigte er mit dem siebten Platz beim Grand Prix de Wallonie auf und bestritt mit der Lombardei-Rundfahrt sein erstes Monument des Radsports.
Zu Beginn der Saison 2006 zog sich Andy Schleck beim Grand Prix Cholet-Pays de la Loire einen Schlüsselbeinbruch zu. Nach seiner Genesung bestritt er mit der Katalonien-Rundfahrt und der Tour de Suisse zwei Etappenrennen der UCI ProTour, ehe er erneut Dritter im Straßenrennen der luxemburgischen Meisterschaften wurde. Im Anschluss feierte er bei der Sachsen-Tour seinen ersten Sieg als Profi, wobei er sich neben zwei Etappen auch die Bergwertung der Rundfahrt sicherte. Am Ende der Saison überzeugte er erneut mit seinen Kletterfähigkeiten und gewann die Bergwertung der Tour of Britain. In einem Interview meinte Kim Andersen, der Sportdirektor des CSC Teams, dass Andy Schleck noch mehr Potential habe als sein älterer Bruder, der in jenem Jahr das Amstel Gold Race und die Tour-de-France-Bergankunft von Alpe d’Huez gewann.
Im Jahr 2007 ging Andy Schleck erstmals bei den Ardennen-Klassikern an den Start, ehe er mit der Tour de Romandie erstmals ein Rennen der UCI ProTour unter den Top 10 der Gesamtwertung beendete. Im Mai gab Schleck mit 21 Jahren sein Grand-Tour-Debüt beim Giro d’Italia, wo er sich nach der ersten Bergankunft auf den fünften Gesamtrang schob. Nachdem sich auf den Etappen 6 und 8 größere Ausreißergruppen durchgesetzt hatten, beendete er die Bergankunft der 10. Etappe auf dem dritten Rang und übernahm so die Führung in der Nachwuchswertung. Tags darauf rückte Andy Schleck im Einzelzeitfahren zum Santuario di Oropa auf den dritten Gesamtrang vor, ehe er sich auch auf den nachfolgenden Abschnitten als einer der stärksten Fahrer erwies und bei der Bergankunft am Monte Zoncolan auf den zweiten Platz vorrückte. Diesen verteidigte er bis zum Abschluss der Rundfahrt und stand so als erster Luxemburger seit 46 Jahren hinter dem Italiener Danilo Di Luca als Zweiter auf dem Podest der Italien-Rundfahrt. Zudem sicherte er sich die Nachwuchswertung, in der er sich mit einem Vorsprung von rund fünf Minuten vor Riccardo Riccò durchsetzte. Des Weiteren wurde Andy Schleck im Jahr 2007 nationaler Vizemeister im Einzelzeitfahren, ehe er am Saisonende als Vierter nur knapp einen Podestplatz bei der Lombardei-Rundfahrt verpasste. Er unterlag dabei dem Spanier Samuel Sánchez im Sprint um Platz drei. mini|Andy Schleck im Anstieg der Cime de la Bonette auf der 16. Etappe der Tour de France 2008 Wie er bereits im Vorjahr angekündigt hatte, fokussierte sich Andy Schleck im Jahr 2008 zunächst auf die profilierten Klassiker. Bei Lüttich–Bastogne–Lüttich griff er mehrmals an, ehe er 18 Kilometer vor dem Ziel Teil einer fünf Fahrer umfassenden Spitzengruppe war, in der neben Davide Rebellin, Alejandro Valverde und Joaquim Rodríguez auch sein Bruder Fränk vertreten war. Im Finale versuchte die CSC-Mannschaft ihre zahlenmäßige Überlegenheit zu nutzen, wobei Andy Schleck erneut antrat, ehe er eingeholt und distanziert wurde. Letztlich belegte er hinter seinem Bruder den vierten Rang und verpasste somit erneut ein Podium bei einem Monument des Radsports. Nachdem er die Tour de Suisse auf dem sechsten Gesamtrang beendet hatte, wurde Andy Schleck gemeinsam mit seinem Bruder für die Tour de France nominiert. Dabei trafen sie auf ihren Teamkollegen Carlos Sastre, der ebenfalls Ambitionen auf das Gesamtklassement hatte und nach Angaben des Helfers Kurt Asle Arvesen als „lonely swallow“ (deutsch: einsame Schwalbe) agierte. Dies führte zu Spannungen im Team. Während Andy Schleck bei der Bergankunft von Hautacam neun Minuten einbüßte, übernahm Fränk Schleck auf der 15. Etappe das Gelbe Trikot. In den Alpen stellte sich Andy Schleck nun in die Dienste seines Bruders und machte zugleich Platzierungen in der Gesamtwertung gut, wobei er auf der 16. Etappe die Führung in der Nachwuchswertung übernahm. Tags darauf griff Carlos Sastre im Schlussanstieg von Alpe d’Huez an und entriss seinem Teamkollegen das Gelbe Trikot bei der letzten Bergankunft. Dieses verteidigte er im Abschlusszeitfahren, ehe er als Sieger in Paris einfuhr. Während Fränk Schleck auf den fünften Gesamtrang abrutschte, verteidigte Andy Schleck das Weiße Trikot und beendete seine erste Frankreich-Rundfahrt auf dem elften Gesamtrang (unter Berücksichtigung der Disqualifikation von Bernhard Kohl). Nach der Tour de France ging Andy Schleck bei den Olympischen Spielen von Peking an den Start, wo er im Sprint einer sechs Fahrer umfassenden Spitzengruppe als Fünfter eine Medaille verpasste. Später wurde er aufgrund der Disqualifikation von Davide Rebellin auf den vierten Rang vorgerückt.
An der Weltspitze mini|Im Jahr 2009 gewinnt Andy Schleck Lüttich–Bastogne–Lüttich mini|Andy Schleck, Lance Armstrong und Alberto Contador (v. l. n. r.) bei der Bergankunft am Mont Ventoux (Tour de France 2009) Ab dem Jahr 2009 ging die dänische Mannschaft um Andy Schleck unter dem Namen Saxo Bank an den Start. Der 23-jährige Luxemburger startete bei der Kalifornien-Rundfahrt in die Saison, ehe er Achter der Monte Paschi Eroica (später Strade Bianche) wurde. Bei den Ardennen-Klassikern wurde Schleck zunächst Zehnter des Amstel Gold Race, ehe er sich bei der Flèche Wallonne nur dem Italiener Davide Rebellin geschlagen geben musste. Zum Abschluss folgte mit Lüttich–Bastogne–Lüttich eines der fünf Monumente des Radsports, das Andy Schleck im Vorjahr als Vierter beendet hatte. Bei seinem dritten Antritt griff er im Anstieg der Côte de la Roche-aux-Faucons an um als Solist zu dem Spitzenreiter Philippe Gilbert, der sich wenige Kilometer zuvor abgesetzt hatte, aufzuschließen. Kurz darauf distanzierte er den Belgier und absolvierte die verbliebenen 18 Kilometer als Solist. Letztlich triumphierte Andy Schleck mit einem Vorsprung von mehr als einer Minute vor dem Spanier Joaquim Rodríguez und dem Italiener Davide Rebellin. Nach seinem bis dahin größten Sieg gewann er eine Etappe der Luxemburg-Rundfahrt, wobei er seinem Bruder zum Gesamtsieg verhalf. Nachdem er die Tour de Suisse bestritten hatte, sicherte er sich erstmals den luxemburgischen Meistertitel im Straßenrennen.