mini|Bombenschacht einer Avro Lancaster mit Flächenbombardement-Mischung „Usual“ aus 4000-Pfund-Bombe „Cookie“ und Brandbomben vor einem Angriff auf Bremen, September 1942 mini|Die Stadt Wesel wurde 1945 zu 97 % durch mehrere Flächenbombardements und Artilleriebeschuss zerstört. Die auf der Aufnahme ersichtlichen dicht zusammenliegenden großen Bombenkrater weisen auf den massiven Einsatz von Sprengbomben und Luftminen hin. Die Area Bombing Directive (General Directive No.5 (S.46368/D.C.A.S); „Anweisung zum Flächenbombardement“) wurde während des Zweiten Weltkrieges am 14. Februar 1942 vom britischen Luftfahrtministerium herausgegeben.

In dieser Anweisung wurde dem neuen Oberkommandierenden des Bomber Command der Royal Air Force (RAF), Arthur Harris, mitgeteilt, er könne seine Streitkräfte ab sofort ohne jede Beschränkung einsetzen: . Darüber hinaus wurde Harris informiert, dass die Einsätze auf die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung zu konzentrieren seien – insbesondere auf die der Industriearbeiter: („Es wurde beschlossen, dass sich Ihre Operationen in der Hauptsache gegen die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung richten sollen, insbesondere die Industriearbeiterschaft.“)

Einen Tag nach Bekanntgabe der Anweisung wurde der RAF-Stabschef Luftmarschall Charles Portal noch deutlicher; er schrieb:

Eine besondere moralische Wirkung versprach man sich von der Wirkung des Wohnraumverlustes auf die Menschen. Man rechnete Anfang 1942, nach weit übertriebenen Annahmen mit einer Tonne Bomben 20 bis 40 Häuser zerstören und damit bis Mitte 1943 22 Millionen Deutsche obdachlos machen zu können.Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Berlin 1990, S. 61 ff und 67.

Die Umsetzung begann mit dem Nachtangriff auf Essen am 8. und 9. März 1942 sowie weiteren Luftangriffen auf das Ruhrgebiet. Anhang A nannte noch vierzehn weitere Industriestädte in Nord-, Mittel- und Süddeutschland.

Portal teilte am 3. November 1942 den Stabschefs des Heeres und der Marine mit, dass die Bomberwaffe bis Ende 1944 auf 6000 Flugzeuge gebracht werden sollte. Die monatliche Bombenrate bezifferte er für August 1944 auf 90.000 Tonnen. Ziel war es, acht Millionen Häuser und 60 Millionen Wohnungen zu zerstören. Er rechnete mit 900.000 Toten und einer Million Schwerverletzten.Charles Webster, Noble Frankland: The Strategic Air Offensive against Germany 1939-1945. London 1961, Band 4, S. 258–264. Zit. n.: Manfred Messerschmidt: Das neue Gesicht des Militarismus in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Wolfram Wette: Schule der Gewalt. Berlin 2005, S. 275.

Dieser Strategie der Flächenbombardierung lag die Annahme aus der sogenannten Trenchard-Doktrin zugrunde, das Bombardieren von Wohngebieten anstelle militärischer Anlagen würde den Kampfwillen der Zivilbevölkerung schwächen. Das Konzept beruhte auf Vorstellungen über den strategischen Luftkrieg aus dem Ersten Weltkrieg. Man hoffte, Aufstände oder Revolution gegen das Regierungssystem in einem gegnerischen Staat auszulösen, um aus der Destabilisierung des Gegners einen kriegswichtigen Vorteil ziehen zu können. Diese Annahme erwies sich jedoch als Trugschluss. Es wird heute allgemein angenommen, dass diese Strategie zum exakt entgegengesetzten Ergebnis führt, nämlich einer Solidarisierung der Bevölkerung mit einem Regierungssystem gegenüber dem Angreifer.

Dieser verbreiteten Auffassung widerspricht jedoch Ian Kershaw. Zweifellos konnte die NS-Propaganda durch Stimulierung von Haßgefühlen und Vergeltungsdrang ein gewisses Maß an „inneren Zusammenhalt“ der „Schicksalsgemeinschaft“ erreichen, aber hauptsächlich sei die Moral nicht gestärkt, sondern geschwächt worden und Fatalismus, Apathie, Defätismus und Rückzug ins Private griffen um sich. Aus vielen bombardierten Gegenden wurde berichtet, dass der Hitlergruß fast verschwand. SD-Berichte sprachen von einer Novemberstimmung im Reich. In Interviews der United States Strategic Bombing Survey gaben drei von fünf Befragten an, Kriegsmüdigkeit durch die Bombenangriffe verspürt zu haben. Zwei Fünftel berichteten, sie hätten die Hoffnung auf den Sieg verloren, als die Bombenangriffe nicht endeten. Der Prozentsatz derjenigen, die der Führung noch vertrauten, war in stark bombardierten Städten um 14 % niedriger als in nicht bombardierten Städten. 12 % stimmten Bemerkungen zu wie: „Im Bunker haben die Menschen den Führer verflucht“.Ian Kershaw: Der Hitler-Mythos. Führerkult und Volksmeinung. Stuttgart 1999, S. 248 ff.

Kritik und Internationale Rechtsnormen Die Frage, ob es legitim sei, die Zivilbevölkerung im Krieg zu bombardieren, war lange Zeit auf mehreren Ebenen umstritten. Etwa im Vereinigten Königreich wandte sich der anglikanische Bischof George Kennedy Allen Bell, Mitglied des House of Lords, mehrfach öffentlich gegen die Art der Kriegsführung durch Churchill und bezeichnete das area bombing als „barbarisch“. Die Antwort waren empörte Proteste von Politikern und Privatpersonen.

Die internationale juristische Frage, ob es sich bei der Area Bombing Directive um eine Anweisung zu schweren Kriegsverbrechen handelte, entzündet sich hierbei insbesondere an der unterschiedlichen Interpretation des damals maßgeblichen Artikels 25 der Haager Landkriegsordnung:

Außerdem steht eine nicht-spezifische Anordnung wie die Area Bombing Directive im Widerspruch zu Artikel 27 der Haager Landkriegsordnung, der eine Schonung von entsprechend gekennzeichneten und nicht militärisch verteidigten Kulturgütern verlangt, . mini|Denkmal der amerikanischen Künstlerin Linda Cunningham für die Opfer des alliierten Bombenkrieges, bestehend aus Trümmerteilen zerstörter Gebäude (Bad Hersfeld) Spätestens mit der Neuregelung im Genfer Abkommen von 1949 und speziell durch Artikel 51 des Zusatzprotokolls I von 1977 gelten derartige Flächenbombardements allgemein als Kriegsverbrechen.

Siehe auch Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg Dehousing Paper Butt Report

Literatur

Einzelnachweise

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