Das Tassili n'Ajjer (, ) ist eine Gebirgskette in der Sahara in Südost-Algerien.
Geographische Lage Die Gebirgskette schließt nordöstlich an das vulkanische Ahaggargebirge an und besteht größtenteils aus Sandstein. Sie verläuft etwa 500 Kilometer von ostsüdöstlich bis . Hier reicht sie bis an den nordwestlichen Rand des Tschadbeckens. Die Erosion hat in dem Gebiet neben anderen sehenswerten Formen fast 300 Steinbögen gebildet. Der höchste Punkt ist der Dschebel Afao mit 2158 m bei .
Die nächsten Städte sind Illizi am Nordrand der Kette, Bordj El Haouas und Djanet am Südwestrand sowie jenseits der libyschen Grenze im Osten liegt Ghat. Für den Fernverkehr erschlossen wird das Gebirge von der Nationalstraße 3.
Geologie
Geologische Entwicklung
mini|Westafrikanischer Kraton, Tuareg-Schild und Ostsahara-Megakraton
Der Tuareg-Schild, eine Ansammlung von Terranen, der sich im Verlauf des Neoproterozoikums vor 750 bis 550 mya bildeteJ.-P. Liégois et al., Pan-african displaced terranes in the Tuareg shield, Geology, 1994, S. 641, , PDF, 2.5 MB, abgerufen am 24. September 2025, umfasste das Gebiet der heutigen Gebirge des Ahaggar in Algerien, des Aïr in Niger und des Adrar des Ifoghas in Mali. Westlich davon liegt der Westafrikanische Kraton, östlich der Ostsahara-Megakraton. Durch Akkretion im Norden und Süden vergrößerte er sich, so dass er auch das Gebiet des heutigen Tassili n'Ajjer umfasste.J.-P. Liégois, The Hoggar swell and volcanism, Tuareg shield, Central Sahara, Africa Museum, B-3080 Tervuren, 2006, S. 2ff, , PDF, abgerufen am 24. September 2025 Während dieser Epoche bildete sich der Großkontinent Gondwana, zu dem auch alle Kratone und Schilde des späteren Afrikas gehörten.Paul Perron, Architecture and tectonic of Paleozoic intracratonic Basins, HAL open science, 2019, S. 85, , PDF, 54 MB, abgerufen am 24. September 2025Hocine Djouder, Silurian succession from North Africa: Sedimentology, ichnology and thermal history for a new era of hydrocarbon exploration, Université de Liège, BE, 2019, französisch, 3 Kap. englisch, S. 13, 14, 37 - 48 , PDF, 28 MB, abgerufen am 24. September 2025
Während des darauf folgenden Kambriums (541 bis 485 mya) erfolgten die ersten heute noch vorhandenen Ablagerungen von Sedimenten im Bereich des Tassili n'Ajjer. Gondwana verschob sich in dieser Epoche von der Äquatorialzone auf die Südhalbkugel der Erde, sodass das Gebiet der Sahara im Oberordovizium (458 bis 443 mya) in der Region des Südpols lag. Am Ende dieses Zeitalters herrschte während einer Million Jahre die Hirnantische Eiszeit. Es bildete sich ein Eisschild, der einen Großteil der nördlichen Hälfte Afrikas bedeckte.L. Robin M. Cocks, Trond H. Torsvik, Ordovician palaeogeography and climate change, Elsevier B. V., 2021, S. 65, 69-70, , PDF, 7 MB, abgerufen am 24. September 2025In der Gegend westlich von Ghat, im Tassili n'Ajjer, zeugen flache Felsformationen mit Schleifspuren von der Bewegung des Eises in diesem Zeitalter.. Mehr zu diesem Thema: (englisch)
Im frühen Silur (ab 443 mya) veränderte sich das globale Klima, was das Schmelzen des Eises des Tuareg-Schilds bewirkte. Zurück blieben Schmelzwasserkanäle, die sich unter dem Eis gebildet hatten.Julien Moreau, The Late Ordovician deglaciation sequence of the SW Murzuq Basin (Libya), Basin Research, 2011, S. 15, , PDF, 6 MB, abgerufen am 24. September 2025D.P. Le Heron, The Hirnantian glacial landsystem of the Sahara: a meltwater-dominated system, Lyell Collection, 2016, S. 509, , PDF, 14 MB, abgerufen am 24. September 2025 Im Silur und Devon wurden durch Transgression (das Vordringen des Meeres) von Norden und Nordwesten her weite Gebiete der Sahara von weiteren Sedimentschichten bedeckt. Das Tassili n'Ajjer war damals Meeresboden in Küstennähe, später fluviales Schwemmgebiet.
Für die folgenden 200 Millionen Jahre blieb diese Region geologisch ein eher ruhiges, ziemlich flaches Festlandgebiet ohne große tektonische Veränderungen oder Sedimentationen.Detlef Busche, Die zentrale Sahara - Oberflächenformen im Wandel, Justus Perthes Verlag, Gotha, 1998, ISBN 3-623-00550-9, S. 12 Wahrscheinlich schon in der Kreidezeit, aber besonders seit dem Miozän (23 bis 5,3 mya) begann sich der Tuareg-Schild infolge eines magmatischen Auftriebs zu wölben.Heinz Friedlein, Zur Geologie der Zentralsahara, Naturhistorlische Gesellschaft Nürnberg, 1973, S. 55, , PDF, 3 MB, abgerufen am 30. September 2025 Die Hebung im Gebiet des Ahaggars betrug schließlich 4000 bis 5000 m. Auch das Gebiet des Tassili n'Ajjer war davon betroffen, und die Aufwölbung bewirkte eine Schrägstellung seiner Schichten gegen Norden hin. Parallel zur Hebung bildeten sich mehrere Becken nördlich und südlich des Tuareg-Schildes, die nun als Ablagerungsgebiete für das erodierte Geschiebe dienten, zum Beispiel das Illizi-Becken im Norden des Tassili n'Ajjer.H. Askri et al., Géologie de l'Algérie, Geology of Algeria, SONATRACH, DZ, S. I-36 (Schichtprofil), , PDF, 4 MB, abgerufen am 24. September 2025 Vor allem im Miozän wurden im südlichen und östlichen Teil des Tassili n'Ajjjer die Sedimentschichten des Äußeren Tassili (die oberste Schichtfolge) vollständig erodiert. Im nördlichen Teil, auf dem Plateau dieser Schichtgruppe, gruben sich wegen des nun größeren Gefälles die Flusssysteme bis zu 400 m tief in die Sandstein- und Tonschichten ein.
Die letzte größere geologische Veränderung gab es während des Pliozäns (5,3 bis 2,58 mya). Durch Vulkanismus wurde das Gebiet des Adrar im südwestlichen Tassili n'Ajjer von Kratern, Vulkankegeln und Lavaströmen bedeckt. Diese Entwicklung dauerte an bis ins frühere Quartär.
Schichtfolge der geologischen Formationen
mini|Zwei Schaubilder zur Geologie desTassili_n'Ajjer
Der Sockel, das Fundament des Tuareg-Schildes: Er besteht vor allem aus Graniten, Gneisen, Rhyolithen und Schiefern. Er bildete sich im Proterozoikum und tritt in den Ebenen südlich des Tassili n'Ajjer, zum Beispiel in Djanet, zu Tage.
Die 4 Schichten der Inneren Tassili-Gruppe, die auf dem Sockel ruhen: Die unterste Schicht ist die Formation von El Moungar: Sie entstand im Kambrium und besteht aus grobem Sandstein und Konglomerat und kann bis zu 300 m mächtig sein. Darüber folgt die Formation Ajjer: Ebenfalls aus dem Kambrium, sie besteht hauptsächlich aus Sandstein und Sand, mit schräggestellten Schichten. Ihre Mächtigkeit schwankt zwischen 150 und 200 m. Diese Ablagerungen wurden über ein verzweigtes Flusssystem aus dem Süden von Gondwana herangeführt. Die dritte Schicht stammt aus dem Ordovizium und wird in drei Formationen unterteilt: Formation Vire du Mouflon: eine 20 bis 50 m mächtige, weiche Schicht von Sandstein und Tonkiesel, bioturbiert (mit Überresten von Meeresfauna). Formation Banquette: 50 m dick, aus massivem, verkieseltem Sandstein, regelmäßige Schichtung, stark bioturbiert, letzte Steilstufe der Inneren Tassili-Gruppe. Formation In Tahouite: aus dem mittleren Ordovizium, 200 m mächtig, aus stark bioturbierten Tonen und gut geschichtetem Sandstein. Die vierte Schicht ist die Formation Tamadjert aus dem obern Ordovizium, 50 bis 450 m mächtig, eine schlecht geschichtete, heterogene Sandstein-Ton-Ansammlung, die während der ordovizischen Vergletscherung der Sahara und ihrem Rückgang entstand.
Die 3 Schichten der Intra-Tassili-Gruppe, die die Intra-Tassili-Senke zwischen der Inneren und Äußeren Tassili-Gruppe bilden und die alle im Silur entstanden sind: Die unterste Schicht ist die Formation Oued Imihrou, durchschnittlich 150 bis 200 m mächtig, als Graptolithen-Tonformation bekannt. Die Tone sind je nach Lage in der Schicht verschieden gefärbt, stark bioturbiert und zum Teil von starker natürlicher Radioaktivität. Abgelagert wurden sie in einer offenen, sauerstofffreien Meeresumgebung. Die mittlere Schicht ist die Formation Atafaitafa, bestehend hauptsächlich aus heterogenen, schluffigen, auch eisenhaltigen Tonen und glimmerhaltigen Sandsteinschichten, 100 bis 150 m mächtig. Die obere Schicht ist die Formation Oued Tiffernine, 50 bis 90 m dick, beginnend mit einem massiven Sandsteinelement, gefolgt von einem lehmig-sandigen und einem Ton-Sandstein-Element. Intensive Bioturbation. Die Ablagerungen entstanden in einer Meeresumgebung mit Gezeitenströmungen.
Die 5 Schichten der Äußeren Tassili-Gruppe entstanden im Devon: Die unterste Schicht ist die Formation Oued Tamelrik, 70 bis 110 m mächtig und hauptsächlich aus Ton-Sandsteinablagerungen bestehend. Sie entstanden in verzweigten Flussläufen und Mündungsgebieten, später in Überschwemmungsgebieten. Die 2. Schicht ist die Formation Oued Samene, mit einer Mächtigkeit von 30 bis 90 m. Sie besteht vor allem aus grobkörnigem bis mikro-konglomeratischem Sandstein, mit schrägen, ebenen Schichtungen. Die Ablagerung erfolgte in einer Fluss- und Mündungs-Umgebung. Die 3. Schicht ist die Formation von Orsine, aus Tonen und Sandstein, reich an Makrofauna, in einer Küstenumgebung abgelagert. Die 4. Schicht ist die Formation von Tin-Méras, mit einer Mächtigkeit von 140 bis 300 m, mit vor allem tonigem Material, unterbrochen von dünnen Kalkstein- sowie Sandsteinbänken, entstanden in transgressiver Umgebung. Die oberste Schicht ist die Formation Illerène und tritt im Süden des Illizi-Beckens zutage, bei einer Mächtigkeit von 40 bis 60 m. Sie enthält Karbonat-Gestein, Siderit und eisenhaltige Oolithschichten, im Wechsel mit schluffigen Ton- und feinen Sandsteinschichten.
Die vulkanischen Ablagerungen im Gebiet des Adrars (siehe Karte) aus dem Pliozän: Sie bedecken eine Fläche von 2500 km². Die Ablagerungen bestehen zu 95 % aus alkalischem Basalt und liegen zumeist auf den älteren Sandsteinformationen. Das Gebiet ist verkarstet.Robert Perret, A travers le pays Ajjer. Itinéraire de Fort-Flatters à Djanet, Annales de Géographie, 1935, S. 607f, , PDF, 7 MB, abgerufen am 24. September 2025
Vegetation
Auf den Hochebenen des Tassili n'Ajjer, die meist von Hammada oder Fels bedeckt sind, gibt es eine spärliche Acheb-Flora.Acheb (arabisch): blühende Wüste. Es sind einjährige Pflanzen, die nach Niederschlägen von gewisser Intensität rasch keimen, gedeihen, Samen entwickeln und nachher verdorren. Dazu gehören Gramineen (Süßgräser), Leguminosen (Hülsenfrüchtler) und Asteraceae (Korbblütler).Jan Krause, Holozäne Landschaftsentwicklung und Paläohydrologie der Zentralen Sahara, LIMNOSAHARA, 2003, S. 60, , PDF, 23 MB, abgerufen am 8. Oktober 2025 Im Flussbett der Oued wachsen oft Oleander (Nerum oleander) und Tamarisken (Tamarix gallica), in den etwas erhöhten Uferzonen Akazien (Acacia nilotica) und Doumpalmen (Hyphaene thebaica). Die meisten Gueltas sind mit Rohrkolben (Typha capensis) gesäumt, mit bis zu 10 m breitem Gürtel.R. H. Hughes, J. S. Hughes, Répertoire des zones humides d’Afrique, UICN, CH, 1992, S. 24f, , PDF, 52 MB, abgerufen am 8. Oktober 2025
Gefährdete Pflanzenarten
Die Gebirge der Sahara verzeichnen höhere Niederschläge als ihre Umgebung. Dies bewirkte, dass einzelne Baum- und Straucharten, die in vergangenen Feuchtzeiten in der Sahara weit verbreitet waren, bei der zunehmenden Trockenheit des Klimas in den Gebirgen überleben konnten, auch dank etwas tieferer sommerlichen Temperaturen. Damit ist ihr Verbreitungsgebiet eingeschränkt, sie sind endemisch und ihr Bestand dadurch auch gefährdet.Paul Ozenda, 8. Interprétation biogéographique de la flore des hautes montagnes sahariennes, Revue de Géographie Alpine, 1991, Abschnitt 2-5, 14, , abgerufen am 8. Oktober 2025 Für das Massiv des Tassili n'Ajjer sind es die folgenden Pflanzenarten:
Sahara-Zypresse (Cupressus dupreziana)