mini|350px|Gutenberg-Bibel, der bedeutendste Druck von Johannes Gutenberg mini|350px|Europäische Buchdruckproduktion in der Frühneuzeit (ca. 1450–1800)

Die Geschichte des Buchdrucks beginnt in China. Die ältesten gedruckten Bücher wurden in Ostasien, wie später auch in Europa, im Blockdruckverfahren hergestellt. Dabei wurde jede einzelne Seite komplett in einen Druckstock aus Holz geschnitten und dann abgezogen. Auch der Druck mit beweglichen Lettern begann in Ostasien wesentlich früher als in Europa. Das koreanische Jikji aus dem Jahr 1377 ist das älteste bekannte Buch, das mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde.

Die weltweite Verbreitung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern begann jedoch mit der Erfindung durch Johannes Gutenberg in Mainz im 15. Jahrhundert. In wenigen Jahrzehnten verbreitete sich die Kunst des Buchdrucks in ganz Europa und danach über die ganze Erde. Abgesehen von Gutenbergs Handpresse blieb sein Druckverfahren – Hochdruck mit Bleisatz – bis ins 20. Jahrhundert die Standardtechnik des Buchdrucks. Erst ab den 1960er Jahren wurde es vom Offsetdruck verdrängt.

Gutenbergs Erfindung gilt als bedeutender Entwicklungsschritt in der Mediengeschichte, sie hatte enorme wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftsgeschichtliche Auswirkungen. Der Buchdruck wurde in Europa und schließlich weltweit zu einer kulturprägenden Informations- und Kommunikationstechnologie.

Blockdruck und Letterndruck in Ostasien Druckplatten und bewegliche Lettern aus Metall und Holz waren in Ostasien verbreitet, lange bevor sie in Europa eingesetzt wurden. Dies hängt damit zusammen, dass die Produktion von Papier in China mehr als ein Jahrtausend früher begann als in Europa. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts existierten „mehr gedruckte chinesische Seiten als in allen übrigen Sprachen der Welt zusammengenommen“.Joseph Needham: Science and Civilisation in China. Volume 5: Chemistry and Chemical Technology. Part 1: Paper and Printing.

China Blockdruck: Das früheste Beispiel eines Blockdrucks auf Papier wurde 1974 bei einer Grabung im heutigen Xi’an, also der Tang-Hauptstadt Chang’an, entdeckt. Es handelt sich um ein auf Hanfpapier gedrucktes Dharani-Sutra, das in die Zeit von 650 bis 670 datiert wird. Ferner wurde ein Lotos-Sutra geborgen, das zwischen 690 und 699 gedruckt wurde.Jixing Pan: On the Origin of Printing in the Light of New Archaeological Discoveries. In: Chinese Science Bulletin. Band 42, Nr. 12, 1997, S. 976–981, hier S. 979 f.

Der älteste mit einem Kolophon datierte chinesische Blockdruck ist eine in Dunhuang aufgefundene Druckversion des Diamant-Sutra. Die zu einer Rolle zusammengeklebten Seiten tragen das Datum 868. Dadurch unterscheidet sich das Dokument von älteren chinesischen, koreanischen und japanischen Blockdrucken, die anhand des Alters der Stein- oder Holzpagoden datiert wurden, in denen sie aufbewahrt waren.

Letterndruck: Ein Werk von Shen Kuo weist auf die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern im 11. Jahrhundert hin: In den Mengxi bitan (; dt. „Pinselunterhaltungen am Traumbach“) beschreibt er die Methode des Bi Sheng († 1051), die sich allerdings nicht durchsetzte. Wang Zhen (1260–1330) nutzte später bewegliche Lettern aus Holz.

Erst Kaiser Kangxi, der 1661 an die Regierung gelangte, ließ auf Anregung von Jesuitenmissionaren wieder bewegliche Schriftzeichen herstellen, jedoch nur in geringem Umfang. Die in Kupfer geschnittenen Lettern ließ ein späterer Kaiser wegen Geldknappheit einschmelzen. Noch im 19. Jahrhundert wurden in China Bücher wie schon 1000 Jahre zuvor als Holztafeldrucke hergestellt.

Korea Blockdruck: Älteste koreanische Blockdrucke sind buddhistische Zaubersprüche, Dharani aus einer Pagode des Tempels Bulguksa in Gyeongju aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts.Kleines Wörterbuch der Japanologie. Hrsg. v. Bruno Lewin. Wiesbaden 1968, S. 63.Peter Kornicki: The Book in Japan. A Cultural History from the Beginnings to the Nineteenth Century. Brill, Leiden 1998, ISBN 90-04-10195-0, S. 115.

Als gewaltige kulturelle Leistung gilt die Tripitaka Koreana, ein in Goryeo erstellter buddhistischer Kanon, der in 6000 Bänden mit 81.258 Holzdruckstöcken gedruckt wurde. Die Herstellung der ganzen Holzdruckstöcke dauerte 16 Jahre (1236–1251). Sie sind alle noch in gutem Zustand erhalten.

Letterndruck: In Korea wurden um 1230 einzeln geschnittene Lettern aus Metall verwendet. In einem 1239 erschienenen Werk wird berichtet, Metalllettern seien schon vor 1232 benutzt worden. Etwa zur selben Zeit schrieb der Gelehrte Yi Gyubo (kor. , 1168–1241), dass 28 Exemplare des Sangjeong yemun (; Rituelle Texte) mit Metalllettern gedruckt worden seien.

Aus Korea stammt das älteste bekannte Buch, das mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde: das Jikji. Es wurde im Jahr 1377 gedruckt, fast acht Jahrzehnte vor der Gutenberg-Bibel. Im Jahr 2001 wurde das Jikji zusammen mit der Gutenberg-Bibel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Laut dem Buch Goryeosa (; Geschichte von Goryeo) übertrug König Gongyang Wang im Jahr 1392 der Behörde „Seojeokwon“ (; Buch- und Veröffentlichungszentrum) die Verantwortung und Aufsicht über alle Angelegenheiten, die mit der Verwendung von Metalllettern und dem Buchdruck zu tun hatten.

Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt einen 1433 „mit Tonlettern“ gedruckten Arzneimittelkatalog mit dem Titel Hyangyak jipseong bang mongnok () zu dem im Auftrag von König Sejong verfassten medizinischen Werk Hyangyak jipseong bang.Alfons Dufey: Die ostasiatischen Altbestände der Bayerischen Staatsbibliothek. München 1991, S. 22. Signatur des Objekts: L.cor. M 7. Sejong wurde auch durch die von ihm veranlasste Entwicklung des koreanischen Alphabets bekannt.

Japan Blockdruck: Die ältesten überlieferten Drucke in Japan sind die Hyakumantō Darani. Sie wurden im Auftrag der Shōtoku-tennō (764–770) mit Kupfer- oder Holzblöcken hergestellt. Dem Namen nach handelt es sich um „eine Million“ Papierröllchen, die in kleine Holzpagoden gesteckt und an zehn japanische Klöster verteilt wurden. Etwa 40.000 sind noch erhalten.

Letterndruck: Der koreanische Letterndruck, Chōsen kokatsujiban (), wurde erst zum Ende des 16. Jahrhunderts nach Japan importiert und dort nur 30 Jahre lang für ostasiatische Texte verwendet. Zu den koreanischen Altletterndrucken zählen die sogenannten Sagabon () des Verlegers Soan Suminokura, an denen der Kalligraf Hon’ami Kōetsu beteiligt war. Die Sagabon sind nach dem Verlagsort Saga benannt, damals ein Dorf bei Kyōto. Es sind Luxusausgaben von zumeist klassischer Literatur. Für den Druck wurden Holzlettern für Kombinationen von zwei bis vier Schriftzeichen verwendet.Sagabon, tsurezuregusa printing-museum.org. Beschreibung eines Buchs im Druckereimuseum in Tokio (englisch). Beim Kan’ei gyōkōki (), das auf ursprünglich drei Rollen die Reise des Shōgun nach Kyōto im Jahr 1626 und den Besuch des Tennō in der Shōgun-Residenz Nijō schildert, wurden nicht nur Teile des Textes mit Holzlettern, sondern auch einzelne Figuren und Figurengruppen mit beweglichen Stempeln, Katsuga (), gedruckt. Das Kan’ei gyōkōki ist zudem eines von wenigen Beispielen für eine gedruckte Querrolle. Die einzeln gedruckten Blätter wurden nach dem Druck zu einer Rolle montiert.Buchpatenschaft für den Monat Juni Beitrag im Blog der Staatsbibliothek zu Berlin, 6. Juni 2017, Angaben zum Kan’ei gyōkōki.

Zur gleichen Zeit wie der koreanische Letterndruck wurde von europäischen Missionaren die Gutenbergtechnik eingeführt, sie blieb aber für christliche und westliche Texte reserviert.

Vorläufer des europäischen Buchdrucks Altertum Das Prinzip des Drucks, sofern darunter nur das Einprägen von Schriftzeichen in einen Schriftträger verstanden wird, lässt sich bis ins Altertum zurückverfolgen. In den Gräbern von Theben und in Babylon wurden Ziegel mit eingeprägten Inschriften gefunden. Die Assyrer schrieben Chroniken, indem sie Schriftzeichen in Tonzylinder eingravierten.

In Athen wurden Landkarten in dünne Kupferplatten graviert. Römische Töpfer stempelten die von ihnen erzeugten Essgeschirre (Terra Sigillata) mit den Namen der Besteller oder mit der Angabe des Zwecks, für die sie bestimmt waren. In der europäischen Antike wurden noch keine Bücher gedruckt, zumal der geeignete Bedruckstoff fehlte, das Papier. Stattdessen wurden Texte auf Papyrusrollen von Hand auf neue Papyrusrollen kopiert. Bei den Römern leisteten vor allem Sklaven diese Arbeit.

Mittelalter mini|hochkant|Prüfeninger Weiheinschrift

Aus dem Mittelalter sind einige Beispiele von Buchstabendruck bekannt, z. B. die Prüfeninger Weiheinschrift in Regensburg aus dem Jahr 1119. Bei dieser Inschrift wurden die Buchstaben einzeln mit Stempeln in den Ton gedrückt.Herbert E. Brekle: Die Prüfeninger Weiheinschrift von 1119. Eine paläographisch-typographische Untersuchung. Scriptorium Verlag für Kultur und Wissenschaft, Regensburg 2005, ISBN 3-937527-06-0. Im Dom zu Cividale in Norditalien steht ein silberner Altaraufsatz des Patriarchen Pilgrim II. (1195–1204), dessen lateinische Inschrift mit Hilfe von Buchstabenpunzen hergestellt wurde.Herbert E. Brekle: Die typographische Herstellungstechnik der Inschriften auf dem silbernen Altaraufsatz im Dom von Cividale, Regensburg 2011 (PDF hier verfügbar).Angelo Lipinsky: La pala argentea del patriarca Pellegrino nella collegiata di Cividale e le sue iscrizioni con caratteri mobili. In: Ateneo Veneto. Band 24 (1986), S. 75–80, hier S. 78–80. Dem Kunsthistoriker Angelo Lipinsky zufolge ist diese Technik zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert auch in Staurotheken und Lipsanotheken des byzantinischen Kulturbereichs zu finden, mit dem die venezianische Seefahrerrepublik enge Handelsbeziehungen unterhielt.

In der englischen Chertsey Abbey fanden sich Reste eines aus Buchstabenziegeln bestehenden Pflasters, das im 13. Jahrhundert nach dem Scrabble-Prinzip verlegt wurde.Hellmut Lehmann-Haupt: Englische Holzstempelalphabete des XIII. Jahrhunderts. In: Gutenberg-Jahrbuch, 1940, S. 93–97, hier S. 96 f. Die Technik ist auch für das Kloster Zinna 60 km südlich von BerlinChristian Klamt: Letters van baksteen in een cistercienzerklooster: het Ave Maria te Zinna. In: R. E. V. Stuip (Hrsg.): Meer dan muziek alleen: in memoriam Kees Vellekoop. Uitgeverij Verloren, Utrechtse bijdragen tot de mediëvistiek, Band 20, Hilversum 2004, ISBN 90-6550-776-0, S. 195–210. und das niederländische Kloster Aduard dokumentiert.Frank Meijer: De stenen letters van Aduard. 2. Auflage. Omnia Uitgevers, Groningen 2004, ISBN 90-75354-08-8.

Blockdruck in Europa Druckplatten aus Metall

Ein unmittelbarer Vorläufer des Holztafeldrucks in Europa war der Buchdruck mit Druckplatten aus Metall. Die so gedruckten Bücher enthielten nur wenig Text und keine Bilder. Die Druckplatten wurden aus dünnen Metalltafeln hergestellt. Je nach der Art der Bearbeitung mit dem Stichel wurden sie für Hochdruck oder Tiefdruck verwendet. Eine Variante der Druckplattenbearbeitung war die sogenannte „Schrotmanier“. Dabei wurden mit Punzen Reihen aus punktförmigen Vertiefungen in die metallene Druckplatte geschlagen. Beim Abdruck entstanden dichte Reihen kleiner Punkte anstelle von durchgehenden Linien.

Druckplatten aus Holz

Schließlich ging man von den Metallplatten zu den billigeren und leichter zu bearbeitenden Holzplatten und damit zum Holztafeldruck über. Die sogenannten Blockbücher sind Bücher, die mit Druckplatten aus Holz gedruckt wurden. Zu den Blockbüchern ohne Bilder zählen sogenannte Donate. Möglicherweise wurden die Donate aber zuerst mit Metalllettern und erst danach auch im Blockdruck hergestellt. Nach der Erfindung des Buchdrucks mit Metalllettern wurde der Holztafeldruck im Bereich Buchdruck rasch verdrängt, aber noch etwa bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden auch Holztafeln für den Buchdruck verwendet.

Letterndruck in Europa Johannes Gutenberg