mini|hochkant|Porträt Hans Purrmann, Öl, von Rudolf Levy, 1931 mini|hochkant|Porträtstele Hans Purrmann, von Wieland Förster, 1980

Hans Marsilius Purrmann (* 10. April 1880 in Speyer; † 17. April 1966 in Basel) war ein deutscher Maler, Grafiker, Kunstschriftsteller und Sammler. Er lebte und arbeitete in München, Paris, Berlin, Langenargen, Florenz und Montagnola im Tessin. Purrmann fand als Schüler und Freund von Henri Matisse in Paris seine eigene, vom Expressionismus unberührte malerische Form. Er schuf Stillleben, Akte, Porträts und meist südlich-lichterfüllte Landschaftsgemälde. Sein Werk besteht aus fast 1400 Ölgemälden, über 400 Aquarellen, über 1200 Zeichnungen, zahlreichen Grafiken und vier Plastiken. Er war der Ehemann der Malerin Mathilde Vollmoeller-Purrmann.

Stationen seines Lebens Speyer und München Nach Abschluss der Volksschule erlernte Purrmann im väterlichen Betrieb das Malerhandwerk, das ihn jedoch nicht zufriedenstellte. Bald besuchte er die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe; ab 1897 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München. Durch seinen Lehrer Franz von Stuck erhielt er die erste akademische Kunstausbildung. Er lernte dort unter anderen Eugen von Kahler, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Albert Weisgerber kennen. Mit dem letzteren verband ihn eine herzliche Freundschaft.

Das angesehene elterliche Malergeschäft führte sein jüngerer Bruder Heinrich Christian (1881–1943) zusammen mit seiner Frau Elisabeth Josefine Edle von Walck (1888–1969) und dem gemeinsamen Sohn weiter.Haus der Kunst München: Hans Purrmann: Ausstellung, Haus der Kunst München, 23. März bis 20. Mai 1962. Katalog. 1962, S. 60 (Eingeschränkte Ansicht, books.google.de)

Paris mini|Albert Weisgerber, Hans Purrmann und Henri Matisse in München 1910

1905 ging Purrmann für ein halbes Jahr nach Berlin, angezogen besonders von Max Liebermann und Max Slevogt. Auf Vorschlag Liebermanns wurde er in die Berliner Secession aufgenommen; fortan vertrat der Galerist Paul Cassirer sein Werk. Trotz dieser Erfolge zog es ihn 1906 nach Paris, wo er im Café du Dôme seinen Freund Weisgerber und Rudolf Levy traf, aber auch neue Freunde, darunter Oskar und Margarethe Moll sowie den späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss, kennenlernte. Purrmann gehörte zum Kreis der „Domiers“, so genannt nach ihrem Stamm-Café du Dôme, gruppiert um den Kunstmäzen Wilhelm Uhde. mini|Matisse und seine Studenten im Atelier, 1909 Im Haus Gertrude Steins machte er die Bekanntschaft mit Pablo Picasso und Henri Matisse. Mit diesem baute er die „Académie Matisse“ auf: Matisse als Lehrer, Purrmann als „massier“ (Obmann), zuständig für Organisation und Verwaltung. Durch Matisse erhielt Purrmann seine endgültige „formation“ (Ausbildung), er fand zu seinem persönlichen Stil, der die Anregungen von Matisse, Paul Cézanne und Pierre-Auguste Renoir erkennen lässt; bis ans Lebensende behielt er in seinen Arbeiten individuelle, charakteristische Züge bei, auch wenn er den Expressionismus, den Kubismus und auch die abstrakte Malerei intensiv studierte und zur Kenntnis nahm.

Berlin, Langenargen und Rom mini|An dieser Stelle in Langenargen stand das Purrmann-Haus, in dem dieser von 1917 bis 1935 lebte und arbeitete

Nach der Heirat 1912 mit der Malerin Mathilde Vollmoeller und der Hochzeitsreise lebte die Familie Purrmann bis 1914 in Paris. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte die Rückreise aus dem Sommerurlaub in Deutschland. Daher lebten sie von 1914 bis 1916 im Unteren Schloss des Unternehmers Robert Vollmöller, Vater von Mathilde Vollmoeller-Purrmann, in Beilstein. Danach nahmen sie bis 1935 ihren Hauptwohnsitz in Berlin. Ab 1921 verbrachten sie die Sommer in Langenargen am Bodensee, wo sie 1919 ein Fischerhaus erworben hatten. Purrmann zog es nach Italien; dorthin führten ihn mehrere Reisen. Von 1923 bis 1928 lebte die Familie in Rom und verbrachte nur die Sommermonate am Bodensee. In dieser Zeit entstanden farbkräftige, lichtdurchflutete Landschaftsbilder.

Nach der Machtergreifung Hitlers wurde Purrmanns Kunst als „entartet“ geächtet, weil er ein „Französling“ sei.

Florenz 1935 nahm er mit einigen Malerfreunden an der Beerdigung von Max Liebermann teil; dabei wurde er von der Gestapo überwacht. Purrmann musste aus Deutschland fliehen. Freunde verhalfen ihm zur ehrenamtlichen Leitung der Villa Romana in Florenz. Dies war möglich, weil die Villa Romana von einem Verein betrieben wurde, der bis zum Krieg selbstverwaltet und noch nicht gleichgeschaltet war. Es gelang Purrmann, die Villa mit tatkräftiger Mithilfe seiner Frau wieder zu einem Kunstzentrum zu machen, in dem sich zahlreiche Künstler und Kunstinteressierte trafen, die sich wie er im nationalsozialistischen Deutschland nicht halten konnten, darunter Monika Mann, Kasimir Edschmid, Toni Stadler, Werner Gilles und Eduard Bargheer. Purrmann gelang es dank der Hilfe des Vorstands der Villa (Präsident war Carl Goerdeler), in Florenz eine freie Insel der Kunst zu unterhalten. Dies war umso erstaunlicher, als Purrmann 1937 zu den geächteten Künstlern der Ausstellung „Entartete Kunst“ gehört hatte. Bis dahin waren 36 Gemälde Purrmanns aus deutschen Museen beschlagnahmt worden.

Nachdem seine Frau Mathilde am 17. Juli 1943 nach langer Krankheit in München gestorben war, geriet er in eine tiefe Schaffenskrise. Kurze Zeit später, im Frühherbst 1943, wurde Italien nach dem Sturz Mussolinis von den Deutschen besetzt. Als NS-Verfolger aus Deutschland auftauchten, wurde die Lage für Purrmann schwierig. Schließlich, nach der Verhaftung seines Freundes Rudolf Levy am 12. Dezember 1943, floh Purrmann in die Schweiz.Werner Haftmann: Verfemte Kunst. Bildende Künstler der inneren und äußeren Emigration in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit einem Beitrag von Leopold Reidemeister und Geleitwort von Helmut Kohl. Hrsg. von Berthold Roland. DuMont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1940-1, S. 405.

Schweiz – Montagnola Er zog nach Castagnola am Luganersee. 1944 fand Purrmann in der Nähe, in Montagnola/Tessin, eine neue Heimat.Erhard Göpel: Hans Purrmann in Montagnola. In: Das Werk: Architektur und Kunst. Bd. 50, 1963, Heft 7, S. 338–340 (archiviert in E-Periodica), abgerufen am 5. September 2025. Er freundete sich mit dem Dichter Hermann Hesse, der ihm später das Gedicht „Alter Maler in der Werkstatt“ widmete,Hermann Hesse: Alter Maler in der Werkstatt. In Freundschaft Professor Hans Purrmann gewidmet. In: Die Zeit. 27. Mai 1954. sowie mit dem Maler Gunter Böhmer an und fand bald darauf in der Gobelinweberin Maria („Mareili“) Geroe-Tobler, der Tante von Böhmers Frau Ursula, eine neue Lebensgefährtin.

Nach Deutschland kehrte Purrmann erst ab 1950 und auch nur zeitweilig zurück. Sein Einfluss auf die geistige und künstlerische Entwicklung Deutschlands in der Nachkriegszeit war dennoch erheblich. Davon zeugen nicht nur seine zahlreichen großen Ausstellungen, sondern noch mehr seine Mitgliedschaft in verschiedenen neu gegründeten Künstlervereinigungen, etwa in der Pfälzischen Sezession und im Deutschen Künstlerbundes (1955 bis 1960 im Vorstand, anschließend bis 1964 im Ehrenvorstand), deren Jurymitglied er jahrelang war. Dabei kam ihm zwar zugute, dass er politisch nicht belastet war. Bedeutsamer war jedoch sein unbestechliches Qualitätsempfinden: Sein Urteil wurde allseits geschätzt, weshalb er in entscheidenden Sitzungen zwischen den Anhängern der gegenständlichen und der abstrakten Malerei zu vermitteln vermochte. Seinem Engagement war es auch zu verdanken, dass die Villa Romana wieder in deutschen Besitz kam.

Seinem eigenen Stil blieb Purrmann bis zuletzt treu: Die in Montagnola und bei seinen Italienaufenthalten entstandenen Landschaftsbilder sind von großer Farbigkeit geprägt und zeugen von sorgfältiger Komposition. Purrmann starb 1966 im Bürgerspital in Basel und fand seine letzte Ruhestätte in Langenargen am Bodensee, an der Seite seiner Frau Mathilde.

Ikonographie Rudolf Levy, Porträt Hans Purrmann, Öl, 1931. Charles Crodel: Purrmann die Madonna malend, Öl, Ausstellung Deutscher Künstlerbund 1959; Purrmann zwischen Bildern, Öl auf Holz, (Große Kunstausstellung München 1956), Pinakothek der Moderne München. Wieland Förster: Porträtstele Hans Purrmann, 1980. Emy Roeder: Porträtbüste Hans Purrmann, 1951

Familie 1908 lernte Purrmann in Paris die vier Jahre ältere Mathilde Vollmoeller kennen, die fortan großen Einfluss auf ihn ausübte. Sie entstammte einer Textilindustriellen-Familie in Stuttgart, die sich engagiert den sozialen Fragen der Zeit zuwandte und offen für kulturelle Entwicklungen war. Erst nach literarischen und musikalischen Versuchen fand sie zur Malerei und ging 1906 nach Paris, um sich eine Existenz als selbstständige Malerin aufzubauen. 1912 heiratete sie Purrmann in Stuttgart, sie hatten drei gemeinsame Kinder (1912 Christine, 1914 Robert, 1916 Regina). Wie viele andere Frauen in der Kunst stellte sie sich in den Dienst ihrer Familie und ordnete ihr künstlerisches Schaffen dem ihres Ehemanns unter. 1943 starb sie in München an Krebs. Sie wurde in Langenargen beigesetzt.

Purrmann als Sammler Hans Purrmann hat zeitlebens Gemälde, Druckgrafiken, Teppiche und Antiquitäten gesammelt, dazu gehörte beispielsweise das Gemälde von Henri Matisse „Goldfisch“ von 1911, heute im MoMA New York. 1963 war in Kaiserslautern seine beachtliche Grafik-Sammlung, in der hauptsächlich französische Künstler vertreten sind, ausgestellt.

Purrmann als Briefeschreiber Hans Purrmann war ein sehr intensiver Briefeschreiber. Die Briefe, die sich heute zum größten Teil im Hans Purrmann Archiv in München befinden, sind wichtige Quellen, die Einblicke geben in Purrmanns Vita, die Entstehung seiner Werke, seine Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte sowie ganz allgemein in die Kunst- und Kulturgeschichte bis in die 1960er Jahre. „Briefeschreiben war für Purrmann in der Regel das Fortsetzen von Gesprächen, sein Stil war daher auch mehr an der gesprochenen Rede orientiert.“ Veröffentlicht werden konnten in der Reihe Edition Purrmann Briefe bereits die Briefwechsel Purrmanns mit Hermann Hesse, Wilhelm Wittmann, Mathilde Vollmoeller-Purrmann, Karl Scheffler, Willibald Gänger und Erhard Göpel.

Eigene Schriften (Auswahl) Sämtliche Schriften Hans Purrmanns bis 1961 sind gesammelt in: Erhard und Barbara Göpel: Leben und Meinung des Malers Hans Purrmann. An Hand seiner Erzählungen, Schriften und Briefe. Wiesbaden, Limes-Verlag, 1961: Aus der Werkstatt Henri Matisses (1922) Van Gogh und wir (1928) Dem sechzigjährigen Max Slevogt (1929) Henri Matisse (1930) Über Henri Matisse (1946) Erinnerungen an meine Studienzeit (1947) Die Einheit des Kunstwerks (1949) Wandel ist der Künste Weg (um 1950; 1958/59 überarbeitet) Erinnerungen an den Maler Rudolf Levy (1951) Kunst ohne Publikum. Offener Brief an einen Pfälzer Maler (1953) Versuch über Cézanne (um 1958/59) Landschaften und Stilleben (1960) Das verlorene Menschenbild (1961)

Werkverzeichnisse Angela Heilmann: Hans Purrmann: Das druckgrafische Werk. Gesamtverzeichnis. Hrsg. Eduard Hindelang Museum Langenargen, 1981. Christian Lenz, Felix Billeter: Hans Purrmann. Die Gemälde I: 1895–1934. / Die Gemälde II: 1935–1966. Werkverzeichnis. 2 Bände. München 2004. Christian Lenz, Felix Billeter: Hans Purrmann. Werkverzeichnis. Aquarelle und Gouachen. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2008. Hans Purrmann. Handzeichnungen 1895–1966. Werkverzeichnis. Hrsg. von Felix Billeter und Pia Dornacher im Auftrag der Erbengemeinschaft nach Dr. Robert Purrmann unter der Mitarbeit von Juliette Israël und Lisa Kern. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7757-3680-0.

Ausstellungen (Auswahl) Hans Purrmann, Galerie Paul Cassirer, Berlin 1918 Hans Purrmann, Gewerbemuseum, Kaiserslautern 1927 Richard Seewald – Hans Purrmann, Kunstmuseum, Luzern u. a. 1950 documenta 1, Kassel 1955 Hans Purrmann, Haus der Kunst, München u. a. 1962/63